Angela Mohr — Ada: Im Anfang war die Finsternis

Angela Mohr Ada: Im Anfang war die Finsternis12.August 2015

Ada: Im Anfang war die Fins­ter­nis” der Stutt­gar­ter Autorin Ange­la Mohr fei­ert in zwei Din­gen eine klei­ne “Pre­mie­re”: es ist zum einen das ers­te Hard­co­ver der Autorin im Are­na-Ver­lag und zum ande­ren ihr wohl per­sön­lichs­tes Buch, da sie eine ähn­li­che Erfah­rung gemacht hat, wie ihre Prot­ago­nis­tin Ada. Ein Roman, der sich span­nend wie ein Thril­ler liest und das Leben in einer Sek­te, ver­bun­den mit einem Aus­stieg aus die­ser und einer Lie­bes­ge­schich­te schil­dert. Äußerst fes­selnd und mit­rei­ßend erzählt! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Die jun­ge Ada lebt mit ihren zwei Schwes­tern und ihren Eltern in einer tief reli­giö­sen Glau­bens­ge­mein­schaft, die sich die “Sie­gel­trä­ger” nennt. Sie leben fern­ab der mensch­li­chen Zivi­li­sa­ti­on in einem klei­nen Dorf. Strom, flie­ßen­des Was­ser, so etwas gibt es bei ihnen nicht. Die Fel­der bestel­len sie selbst und sor­gen gemein­sam für ihre Nah­rung. Har­te Arbeit, regel­mä­ßi­ges Beten und Lesen in der Bibel, aber auch kör­per­li­che Züch­ti­gung bei Unge­hor­sam gehö­ren zu ihrem All­tag. Das Dorf hat Ada noch nie ver­las­sen. Denn außer­halb droht die Gefahr: “Die Welt, Ada. Die Welt da drau­ßen ist unser Feind. Denn Satan hat sie besetzt. Er lau­ert über­all. Wenn ihr die Schwel­le zum Wald über­schrei­tet, kommt ihr in sein Reich. Dort drau­ßen gibt es kei­ne Sicher­heit. Nur Angst, Krank­heit und Ver­der­ben. Und es geht dem Ende zu, des­halb wird es von jetzt an täg­lich schlim­mer wer­den.” (Zitat aus “Ada: Im Anfang war die Fins­ter­nis” S.114). Die Ältes­ten ent­schei­den über alles. Ada, die ger­ne Hei­le­rin wer­den möch­te, muss bei ihnen vor­spre­chen. Oft lau­ern Gedan­ken der Sün­de in ihrem Kopf, vor allem wenn sie an ihren ver­stor­be­nen Bru­der Kas­si­an denkt, des­sen Name nicht ein­mal mehr aus­ge­spro­chen wer­den darf. Mit kal­ten Was­ser­bä­dern züch­tigt sie sich selbst. Doch die Ältes­ten haben eine ganz ande­re Auf­ga­be für sie her­aus­ge­sucht. Sie soll sich um die Geret­te­ten küm­mern, Men­schen von außer­halb, die in ihre Gemein­schaft ein­tre­ten wol­len. Momen­tan befin­den sie sich noch im Qua­ran­tä­ne­haus, außer­halb des Dor­fes, “…damit nie­mand die Krank­heit ins Dorf trägt. Dort­hin wer­den Geret­te­te gebracht, wenn noch ein Aus­sicht auf Hei­lung besteht. Jun­ge Men­schen schaf­fen es häu­fi­ger, sie haben noch mehr Wider­stands­kräf­te gegen die Krank­heit. Vie­le schaf­fen es nicht, geheilt zu wer­den, und ster­benAngela Mohr Ada: Im Anfang war die Finsternis dort.” (Zitat S.93) Einer die­ser Geret­te­ten ist der jun­ge Luca, der mit sei­ner Mut­ter auf der Flucht vor sei­nem gewalt­tä­ti­gen Vater ist. Vor allem sei­ne Mut­ter scheint in der neu­en Umge­bung regel­recht auf­zu­blü­hen. Doch Luca löst selt­sa­me, wider­sprüch­li­che Gefüh­le in Ada aus. Sei­ne Nähe macht sie ner­vös und zugleich kann sie sich bald nichts Schö­ne­res mehr vor­stel­len, als in sei­ner Gegen­wart zu sein. Aber Luca kennt die Welt von drau­ßen. Und er lässt das Mäd­chen immer mehr dar­an teil­ha­ben. Bis er ihr eine Zeich­nung zeigt, die er gemacht hat und deren Exis­tenz alles ver­än­dert…

Ange­la Mohr ver­steht es auf bril­lan­te Wei­se ihre Leser in ihren Bann zu zie­hen. Ihr Erzähl­stil lässt tief ein­tau­chen in die Gefüh­le ihrer Prot­ago­nis­ten: “Ich schlu­cke hef­tig, doch da ist etwas in mei­ner Keh­le, das sich nicht weg­schlu­cken lässt. Etwas, das ich tief in mir spü­re, das sich aus der Dun­kel­heit mei­nes Her­zens durch mei­ne Gedan­ken und jede Faser mei­nes Kör­pers brennt. Aus der Dun­kel­heit in mir, gegen die ich jeden Tag ver­su­che anzu­kämp­fen, mit Gebe­ten und Arbeit, steigt die Gewiss­heit auf, dass Rahel recht hat. Dass Kas­si­an lebt.” (Zitat S.73). Vor allem die Zer­ris­sen­heit von Ada schil­dert sie äußerst authen­tisch. Aber auch in ihre Welt all­mäh­lich ein­zu­tau­chen und die Geheim­nis­se ihrer Lebens­art zu ergrün­den, macht eine gro­ße Fas­zi­na­ti­on des Romans aus. “Ada: Im Anfang war die Fins­ter­nis” wird inter­es­san­ter­wei­se sowohl aus Adas, als auch aus Lucas Sicht beschrie­ben. Mich hat das Buch irgend­wann so gepackt, dass ich kaum zu lesen auf­hö­ren konn­te! Das Cover fin­de ich eben­falls sehr gelun­gen und schön gemacht.

Fazit: Lesen!!

LesealternativenWenn dir “Ada: Im Anfang war die Fins­ter­nis” gefal­len hat, kannst du auch noch die ande­ren zwei Bücher von Ange­la Mohr lesen: “Ver­giss nicht, dass du tot bist” und “Wach auf, wenn du dich traust”. Vor allem Letz­te­res hat mir sehr gut gefal­len! Inhalt­lich gese­hen die bes­ten Alter­na­ti­ven sind jedoch “Aus­er­ko­ren” von Carol Lynch Wil­liams (sehr bewe­gend!) und “Das blaue Mäd­chen” von Moni­ka Feth (wel­ches die­ses Jahr im Novem­ber übri­gens noch ein­mal unter einem ande­ren Titel erscheint: Du auf der ande­ren Sei­te”). Ande­re Jugend­bü­cher über das The­ma Sek­te sind “Das eis­kal­te Para­dies: Ein Mäd­chen bei den Zeu­gen Jeho­vas” von Jana Frey und “Aus­er­wählt: Ein Mäd­chen zwi­schen Sek­te und Frei­heit” von Patri­cia Schrö­der. Sehr span­nend fand ich “Moor­see­len” von Hei­ke Eva Schmidt.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Arena
ISBN: 978-3-401-60112-0
Erscheinungsdatum: 31.Juli 2015
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,99€
Seitenzahl: 360
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Trailer zum Buch:

Kasimiras Bewertung:

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