“Liquidator” ist ein neues Buch von dem britischen Autoren Andy Mulligan, der mit seinem Roman “Trash” erfolgreich wurde. Eine Geschichte über einen erfolgsgierigen Konzern, einen Energydrink und eine Gruppe Jugendlicher, die eigentlich nur in die Berufswelt hineinschnuppern möchte und in das Abenteuer ihres Lebens hineinpurzelt. Cool, actionreich und sehr spannend! Ein tolles Buch für Jungs und Mädchen ab 13 Jahren, die (vielleicht) nicht so viel lesen und einfach mal richtig gut unterhalten werden möchten! Und für interessierte Erwachsene.
Vicky möchte am liebsten Enthüllungsjournalistin werden. Doch als ihre Schule ein “Probier’s aus!”-Praktikum-Projekt anbietet und die Schüler für drei Tage auf die Arbeitswelt loslässt, kommt sie zu spät und ihre Traumstelle bei einer Zeitung ist bereits vergeben worden. Übrig bleibt ein Job bei Lockson & Lockson, einer großer Firma voller Anwälte, dessen einziger Großkunde momentan eine Getränkefirma ist, um deren Lizenzen sie sich kümmern. Das Star-Getränk, das momentan in aller Munde ist, heißt “Liquidator”: “Ich schaute auf das Etikett, wo in Schaumform der berühmte Slogan zu lesen war: “Für alle, die siegen wollen…” Und wie üblich sah ich mich danach lechzen. Das Getränk erzeugte in dir das Gefühl, fitter zu sein, und die TV-Spots zeigten jedes Mal Jugendliche, die irgendwelche Action-Sportarten betrieben.” (Zitat S.67) Vicky darf jedoch nur Sandwiches belegen und sie den Anwälten, die sich gerade in einer heiklen Sitzung zu befinden scheinen, servieren. Als sie in der Mittagspause der Geschäftsleute den Laptop der Chefin zur Verfügung gestellt bekommt und Anrufe entgegennehmen und notieren soll, passiert ihr ein dummes Missgeschick, bei dem sie
von dem Getränk “Liquidator” etwas über den Laptop verschüttet. Der teuer wirkende Rechner stürzt ab und bleibt schwarz. Um die Panne möglichst ohne großes Aufsehen zu beheben, nimmt Vicky die Hilfe eines Freundes an. Da der Computerladen, zu dem sie und Stagger fahren, jedoch geschlossen ist, erinnert sie sich an Ben, einen Klassenkameraden und Computerfreak, der gerade beim Praktikum in einem Blumenladen versauert. Der versucht sein Möglichstes, kann aber nur die Daten sichern. Und diese haben es in sich, wie Ben den anderen kurze Zeit später mitteilt: sie beweisen, dass der Getränkekonzern an Kindern in Afrika ihre Tests durchführte, um die richtige Zusammensetzung des Energydrinks zu kreieren. Und dass einer dieser afrikanischen Jungen, nun schwere Schädigungen erlitten hat: “Jamie hatte Diabetes. Und sie ließen ihn trinken und trinken, während sie einen Test nach dem andern durchzogen […] Und dann, gerade als Jamie krank wurde — ich meine so richtig krank, so mit Gewichtsverlust, Bluthochdruck… alles, was euch einfällt — ‚gerade, als Jamie sie am meisten braucht, weil sein Körper kollabiert, da packen die Liquidator-Leute ihre Sachen zusammen und fahren nach Hause.” (Zitat S.113) Dieses hochbrisante Material in den Händen zu haben, kommt einer tickenden Zeitbombe gleich. Denn Lockson & Lockson wollen diese Informationen natürlich um jeden Preis geheim halten und Jamie am besten verschwinden lassen. Bald werden Vicky und ihre Freunde gnadenlos gejagt…
“Liquidator” beginnt mit einem interessanten Prolog und einem Versprechen an den Leser: “Alles wird die Wahrheit sein, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Von mir, oder richtiger: von uns allen, die wir hier sitzen und das runterhacken… Das war der Deal, auf den wir uns geeinigt haben, wenn ich die Aufzeichnungen zusammenfüge. […] Lies also weiter, wenn du dich traust! Wir beginnen mit dem Morgen, an dem die Lunte entfacht wurde und sich das Leben für immer verändert hat.” (Zitat S.5) Nach dieser kurzen Theatralik setzt der Hauptteil des Buches ein und Vicky beginnt mit ihrer Erzählung der Ereignisse. Nach und nach kommen immer mehr Perspektiven dazu, andere Schüler berichten aus ihrem Praktikum und man merkt, dass alles irgendwie zusammenhängt. Diese Facettenartigkeit macht die Geschichte unheimlich interessant. Zumal die Erzähler immer wieder Andeutungen in ihren Text mit einfließen lassen: “Ich gebe gleich an die anderen ab, aber es war mein Praktikum, das die erste Explosion auslöste, deshalb erzähle ich noch ein Kapitel weiter.” (Zitat S.21) und “Ich grätsche an dieser Stelle mal kurz rein, bevor alles richtig schlimm wird, und erzähl dir ein bisschen was über…” (Zitat S.81) Die unterschiedlichen Perspektiven sind sehr gut voneinander abzugrenzen, da jedes Kapitel mit dem Namen der entsprechenden Person beginnt, dem Erzählort und einer Zeitangabe. Abgesehen von ein paar gutgemeinten Zufällen — die man der Geschichte aber gerne verzeiht — verfügt “Liquidator” über großes Unterhaltungspotential und liest sich sehr flüssig. Die Geschichte ist fesselnd und reißt den Leser mühelos mit sich. Die Sprache ist locker, passend zum Stil des Buches. “Keiner von uns sah die Zukunft — wie denn auch? Wie sollten wir die Katastrophe vorhersehen, die meteoritengleich auf uns zuraste?” (Zitat S.44) Und katastrophenartig wird der Roman allemal. Zum Schluss: atemlose Spannung!
Wenn dir “Liquidator” gut gefallen hast, dann lies doch auch noch die anderen Bücher von Andy Mulligan: “Trash” (wurde auch verfilmt) und “Der zweite Kopf des Richard Westlake” (sehr gelungen!). Eine passende Alternative ist ebenso “Brennendes Wasser” von Lukas Erler, hier werden drei Jugendliche auch von einem großen Konzern verfolgt, weil sie etwas herausgefunden haben, was eigentlich niemand wissen darf und nun gejagt werden. Gejagt wird auch die Hauptfigur in “Die Scanner” von Robert M. Sonntag. Oder lies “Dangerous deal” von Andreas Schlüter, in denen der Protagonistin zufällig hochbrisantes Material in den Händen hält und damit echte Probleme kriegt.
Bibliografische Angaben:Verlag: Rowohlt ISBN: 978-3-499-21724-1 Erscheinungsdatum: 22.April 2016 Einbandart: Hardcover Preis: 16,99€ Seitenzahl: 352 Übersetzer: Uwe-Michael Gutzschhahn Originaltitel: "Liquidator" Originalverlag: David Fickling Books Britisches Originalcover:
Kasimiras Bewertung:
(4,5 von 5 möglichen Punkten)
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Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-499-21724-1
Erscheinungsdatum: 22.April 2016
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,99€
Seitenzahl: 352
Übersetzer: Uwe-Michael Gutzschhahn
Originaltitel: "Liquidator"
Originalverlag: David Fickling Books
Britisches Originalcover:

Ich habe das Buch in Betracht gezogen, um es mit meinen Schüler/innen, 8./9. Kombi-Klasse einer Förderschule, zu lesen. Doch das Buch ist einfach zu un-realistisch: Praktikantinnen, die bei einem dreitägigen Praktikum in einem Krankenhaus eine OP durchführen, bei einem Popstar in die Band aufgenommen werden oder als Catering-Praktikant in verantwortlicher Funktion einer Firmenchefin eingesetzt werden…das alles entspricht so gar nicht der Realität der Arbeitswelt. Schade! Denn das Buch ist spannend geschrieben!
Vielen Dank für den Kommentar!
Ja, man muss bei Herrn Mulligan in dieser Hinsicht schon ein wenig ein Auge zudrücken;-)
Aber die Spannung hat das für mich definitiv wieder wettgemacht.
Ich hoffe Sie finden für Ihre Klasse noch ein anderes, tolles Buch.
PS.: Drei kleine Geheimtipps von mir für eine Buchvorstellung (sowohl für Jungs, als auch für Mädels):
— “Der lange Weg zum Wasser” von Linda Sue Park (aktuelles Thema)
— “33 Cent um ein Leben zu retten” von Louis Jensen (kontrovers, das regt zum Nachdenken an!)
— “Wach auf, wenn du dich traust” von Angela Mohr (super spannend, eine Geschichte, die sich langsam wie ein Puzzle zusammensetzt)