Andy Mulligan — Liquidator

Andy Mulligan Liquidator19.Mai 2016

Liqui­da­tor” ist ein neu­es Buch von dem bri­ti­schen Auto­ren Andy Mul­ligan, der mit sei­nem Roman “Trash” erfolg­reich wur­de. Eine Geschich­te über einen erfolgs­gie­ri­gen Kon­zern, einen Ener­gy­drink und eine Grup­pe Jugend­li­cher, die eigent­lich nur in die Berufs­welt hin­ein­schnup­pern möch­te und in das Aben­teu­er ihres Lebens hin­ein­pur­zelt. Cool, action­reich und sehr span­nend! Ein tol­les Buch für Jungs und Mäd­chen ab 13 Jah­ren, die (viel­leicht) nicht so viel lesen und ein­fach mal rich­tig gut unter­hal­ten wer­den möch­ten! Und für inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Vicky möch­te am liebs­ten Ent­hül­lungs­jour­na­lis­tin wer­den. Doch als ihre Schu­le ein “Probier’s aus!”-Prak­ti­kum-Pro­jekt anbie­tet und die Schü­ler für drei Tage auf die Arbeits­welt los­lässt, kommt sie zu spät und ihre Traum­stel­le bei einer Zei­tung ist bereits ver­ge­ben wor­den. Übrig bleibt ein Job bei Lock­son & Lock­son, einer gro­ßer Fir­ma vol­ler Anwäl­te, des­sen ein­zi­ger Groß­kun­de momen­tan eine Geträn­ke­fir­ma ist, um deren Lizen­zen sie sich küm­mern. Das Star-Getränk, das momen­tan in aller Mun­de ist, heißt “Liqui­da­tor”: Ich schau­te auf das Eti­kett, wo in Schaum­form der berühm­te Slo­gan zu lesen war: “Für alle, die sie­gen wol­len…” Und wie üblich sah ich mich danach lech­zen. Das Getränk erzeug­te in dir das Gefühl, fit­ter zu sein, und die TV-Spots zeig­ten jedes Mal Jugend­li­che, die irgend­wel­che Action-Sport­ar­ten betrie­ben.” (Zitat S.67) Vicky darf jedoch nur Sand­wi­ches bele­gen und sie den Anwäl­ten, die sich gera­de in einer heik­len Sit­zung zu befin­den schei­nen, ser­vie­ren. Als sie in der Mit­tags­pau­se der Geschäfts­leu­te den Lap­top der Che­fin zur Ver­fü­gung gestellt bekommt und Anru­fe ent­ge­gen­neh­men und notie­ren soll, pas­siert ihr ein dum­mes Miss­ge­schick, bei dem sie Andy Mulligan Liquidatorvon dem Getränk “Liqui­da­tor” etwas über den Lap­top ver­schüt­tet. Der teu­er wir­ken­de Rech­ner stürzt ab und bleibt schwarz. Um die Pan­ne mög­lichst ohne gro­ßes Auf­se­hen zu behe­ben, nimmt Vicky die Hil­fe eines Freun­des an. Da der Com­pu­ter­la­den, zu dem sie und Stag­ger fah­ren, jedoch geschlos­sen ist, erin­nert sie sich an Ben, einen Klas­sen­ka­me­ra­den und Com­pu­ter­freak, der gera­de beim Prak­ti­kum in einem Blu­men­la­den ver­sau­ert. Der ver­sucht sein Mög­lichs­tes, kann aber nur die Daten sichern. Und die­se haben es in sich, wie Ben den ande­ren kur­ze Zeit spä­ter mit­teilt: sie bewei­sen, dass der Geträn­ke­kon­zern an Kin­dern in Afri­ka ihre Tests durch­führ­te, um die rich­ti­ge Zusam­men­set­zung des Ener­gy­drinks zu kre­ieren. Und dass einer die­ser afri­ka­ni­schen Jun­gen, nun schwe­re Schä­di­gun­gen erlit­ten hat: “Jamie hat­te Dia­be­tes. Und sie lie­ßen ihn trin­ken und trin­ken, wäh­rend sie einen Test nach dem andern durch­zo­gen […] Und dann, gera­de als Jamie krank wur­de — ich mei­ne so rich­tig krank, so mit Gewichts­ver­lust, Blut­hoch­druck… alles, was euch ein­fällt — ‚gera­de, als Jamie sie am meis­ten braucht, weil sein Kör­per kol­la­biert, da packen die Liqui­da­tor-Leu­te ihre Sachen zusam­men und fah­ren nach Hau­se.” (Zitat S.113) Die­ses hoch­bri­san­te Mate­ri­al in den Hän­den zu haben, kommt einer ticken­den Zeit­bom­be gleich. Denn Lock­son & Lock­son wol­len die­se Infor­ma­tio­nen natür­lich um jeden Preis geheim hal­ten und Jamie am bes­ten ver­schwin­den las­sen. Bald wer­den Vicky und ihre Freun­de gna­den­los gejagt…

Andy Mulligan LiquidatorLiqui­da­tor” beginnt mit einem inter­es­san­ten Pro­log und einem Ver­spre­chen an den Leser: “Alles wird die Wahr­heit sein, die gan­ze Wahr­heit und nichts als die Wahr­heit. Von mir, oder rich­ti­ger: von uns allen, die wir hier sit­zen und das run­ter­ha­cken… Das war der Deal, auf den wir uns geei­nigt haben, wenn ich die Auf­zeich­nun­gen zusam­men­fü­ge. […] Lies also wei­ter, wenn du dich traust! Wir begin­nen mit dem Mor­gen, an dem die Lun­te ent­facht wur­de und sich das Leben für immer ver­än­dert hat.” (Zitat S.5) Nach die­ser kur­zen Thea­tra­lik setzt der Haupt­teil des Buches ein und Vicky beginnt mit ihrer Erzäh­lung der Ereig­nis­se. Nach und nach kom­men immer mehr Per­spek­ti­ven dazu, ande­re Schü­ler berich­ten aus ihrem Prak­ti­kum und man merkt, dass alles irgend­wie zusam­men­hängt. Die­se Facet­ten­ar­tig­keit macht die Geschich­te unheim­lich inter­es­sant. Zumal die Erzäh­ler immer wie­der Andeu­tun­gen in ihren Text mit ein­flie­ßen las­sen: “Ich gebe gleich an die ande­ren ab, aber es war mein Prak­ti­kum, das die ers­te Explo­si­on aus­lös­te, des­halb erzäh­le ich noch ein Kapi­tel wei­ter.” (Zitat S.21) und “Ich grät­sche an die­ser Stel­le mal kurz rein, bevor alles rich­tig schlimm wird, und erzähl dir ein biss­chen was über…” (Zitat S.81) Die unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven sind sehr gut von­ein­an­der abzu­gren­zen, da jedes Kapi­tel mit dem Namen der ent­spre­chen­den Per­son beginnt, dem Erzählort und einer Zeit­an­ga­be. Abge­se­hen von ein paar gut­ge­mein­ten Zufäl­len — die man der Geschich­te aber ger­ne ver­zeiht — ver­fügt “Liqui­da­tor” über gro­ßes Unter­hal­tungs­po­ten­ti­al und liest sich sehr flüs­sig. Die Geschich­te ist fes­selnd und reißt den Leser mühe­los mit sich. Die Spra­che ist locker, pas­send zum Stil des Buches. “Kei­ner von uns sah die Zukunft — wie denn auch? Wie soll­ten wir die Kata­stro­phe vor­her­se­hen, die meteo­ri­ten­gleich auf uns zuras­te?” (Zitat S.44) Und kata­stro­phen­ar­tig wird der Roman alle­mal. Zum Schluss: atem­lo­se Span­nung!

LesealternativenWenn dir “Liqui­da­tor” gut gefal­len hast, dann lies doch auch noch die ande­ren Bücher von Andy Mul­ligan: “Trash” (wur­de auch ver­filmt) und “Der zwei­te Kopf des Richard West­la­ke” (sehr gelun­gen!). Eine pas­sen­de Alter­na­ti­ve ist eben­so “Bren­nen­des Was­ser” von Lukas Erler, hier wer­den drei Jugend­li­che auch von einem gro­ßen Kon­zern ver­folgt, weil sie etwas her­aus­ge­fun­den haben, was eigent­lich nie­mand wis­sen darf und nun gejagt wer­den. Gejagt wird auch die Haupt­fi­gur in “Die Scan­ner” von Robert M. Sonn­tag. Oder lies “Dan­ge­rous deal” von Andre­as Schlü­ter, in denen der Prot­ago­nis­tin zufäl­lig hoch­bri­san­tes Mate­ri­al in den Hän­den hält und damit ech­te Pro­ble­me kriegt.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-499-21724-1
Erscheinungsdatum: 22.April 2016
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,99€ 
Seitenzahl: 352 
Übersetzer: Uwe-Michael Gutzschhahn
Originaltitel: "Liquidator" 
Originalverlag: David Fickling Books 

Britisches Originalcover:
Andy Mulligan Liquidator

Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Britisches Cover: Homepage von David Fickling Books

2 Kommentare

  1. Buddi

    Ich habe das Buch in Betracht gezo­gen, um es mit mei­nen Schüler/innen, 8./9. Kom­bi-Klas­se einer För­der­schu­le, zu lesen. Doch das Buch ist ein­fach zu un-rea­lis­tisch: Prak­ti­kan­tin­nen, die bei einem drei­tä­gi­gen Prak­ti­kum in einem Kran­ken­haus eine OP durch­füh­ren, bei einem Pop­star in die Band auf­ge­nom­men wer­den oder als Cate­ring-Prak­ti­kant in ver­ant­wort­li­cher Funk­ti­on einer Fir­men­che­fin ein­ge­setzt werden…das alles ent­spricht so gar nicht der Rea­li­tät der Arbeits­welt. Scha­de! Denn das Buch ist span­nend geschrie­ben!

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    1. Kasimira (Beitrag Autor)

      Vie­len Dank für den Kom­men­tar!
      Ja, man muss bei Herrn Mul­ligan in die­ser Hin­sicht schon ein wenig ein Auge zudrü­cken;-)
      Aber die Span­nung hat das für mich defi­ni­tiv wie­der wett­ge­macht.
      Ich hof­fe Sie fin­den für Ihre Klas­se noch ein ande­res, tol­les Buch.

      PS.: Drei klei­ne Geheim­tipps von mir für eine Buch­vor­stel­lung (sowohl für Jungs, als auch für Mädels):
      “Der lan­ge Weg zum Was­ser” von Lin­da Sue Park (aktu­el­les The­ma)
      “33 Cent um ein Leben zu ret­ten” von Lou­is Jen­sen (kon­tro­vers, das regt zum Nach­den­ken an!)
      “Wach auf, wenn du dich traust” von Ange­la Mohr (super span­nend, eine Geschich­te, die sich lang­sam wie ein Puz­zle zusam­men­setzt)

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