Andreas Steinhöfel — Anders

Andreas Steinhöfel Anders17.November 2014

Andre­as Stein­hö­fel, bekannt durch „Rico, Oskar und die Tie­fer­schat­ten“ (ab 10, Deut­scher Jugend­li­te­ra­tur­preis 2009, Kate­go­rie Kin­der­buch) und „Die Mit­te der Welt“ (ab 13) hat ein neu­es Buch für Jugend­li­che geschrie­ben: „Anders“. Ein Roman über das Ver­ges­sen, die Ver­än­de­rung einer Per­sön­lich­keit nach einem Unfall und dem Ver­such zu ver­ste­hen. Sprach­lich bril­lant erzählt. Mit fan­tas­ti­schen Illus­tra­tio­nen von Peter Schös­sow. Für Jugend­li­che ab 12 und Erwach­se­ne.

Mir ist nicht gut. Darf ich nach Hau­se gehen?“ Damit fing alles an. An sei­nem elf­ten Geburts­tag ver­lässt Felix Win­ter die Schu­le eher und wird auf dem Nach­hau­se­weg von der Deko­ra­ti­on einer hin­ab­rut­schen­den, leuch­ten­den Elf, die sein Vater gera­de auf dem Dach befes­ti­gen woll­te, am Kopf getrof­fen. Als er ver­letzt noch zur Gara­gen­ein­fahrt läuft, weil er dort das Auto sei­ner Mut­ter hört, wird Felix aus­ge­rech­net von die­ser auch noch ange­fah­ren. Dar­auf­hin lan­det er im Koma, das er erst nach 263 Tagen wie­der ver­las­sen wird. Als er erwacht, ist es für alle wie ein Wun­der. Doch Felix ist anders, als er vor­her war. Auf ein­mal scheint er gut in Mathe­ma­tik zu sein, was vor­her gar nicht der Fall war – er hat­te sogar Mathen­ach­hil­fe; er hat selt­sa­me syn­äs­the­ti­sche Anwand­lun­gen: er sieht Far­ben um Men­schen her­um, fühlt den Geschmack von Musik; und er erkennt sei­ne Eltern, sei­ne Freun­de nicht mehr. Er hat im Grun­de alles ver­ges­sen, was sich wäh­rend des Unfalls und davor zuge­tra­gen hat. Doch es gibt jeman­dem, der genau das ver­hin­dern will: dass Felix, der von nun an nur noch „Anders“ genannt wer­den will, sich wie­der zurück­er­in­nern könn­te…

Andreas Steinhöfel AndersAnders“ ist aus der Sicht von vie­len Per­so­nen und einem all­wis­sen­den Erzäh­ler geschrie­ben. Gera­de dass auch vie­le Neben­per­so­nen zu Wort kom­men — wie die Leh­re­rin, die Nach­ba­rin, die Felix auf dem Heim­weg damals noch getrof­fen hat, der Nach­hil­fe­leh­rer, die Eltern — gibt der Geschich­te unheim­lich viel Tie­fe. Die Figur des “Anders”/Felix bleibt zunächst noch recht distan­ziert und wenig greif­bar für den Leser. Er wirkt sehr geheim­nis­voll, unein­schätz­bar und sogar fast ein biss­chen unheim­lich. Er sieht plötz­lich eine Aura um die Men­schen her­um. Einer Nach­ba­rin wirft er Din­ge an den Kopf, die der Wahr­heit ent­spre­chen, die er eigent­lich aber gar nicht wis­sen kann. Erkennt Krank­hei­ten, die die Men­schen in sich tra­gen. Auf sei­nem Com­pu­ter hat er eine geschütz­te Datei, die er aber nicht öff­nen kann. Er ver­lässt das Haus tags­über oder nachts. Ein­fach so. Ohne jeman­dem etwas zu sagen.
Geheim­nis­vol­le Andeu­tun­gen des Erzäh­lers oder der Neben­per­so­nen selbst stei­gern die Span­nung zuneh­mend. Die Beson­der­heit mit den Zah­len hat mir auch gut gefal­len, die neben­bei betont wird. Denn 263 Tage, die Felix im Koma lag, war auch genau die Anzahl der Tage, in denen sei­ne Mut­ter mit ihm schwan­ger war. Sein Name war auf der Lis­te der belieb­tes­ten Kin­der­na­men auf Platz 11 gestan­den und an sei­nem elf­ten Geburts­tag pas­sier­te der Unfall. Auch die Unheim­lich­keit der Prim­zah­len, die der Vater emp­fin­det, stellt der Autor immer wie­der in den Vor­der­grund. Die­se magi­schen Ver­knüp­fun­gen geben dem Inhalt der Geschich­te eine gewis­se tie­fe­re Note. Was mir auch sehr gut gefal­len hat, sind die Zeich­nun­gen von Peter Schös­sow, die jedes Kapi­tel, wel­ches nach Tagen erzählt ist, ein­lei­ten.
„Anders“ spielt inter­es­san­ter­wei­se wie­der in Berg­wald an der Lahn (fik­ti­ver Ort), wo auch „Paul Vier und die Schrö­ders“ behei­ma­tet ist. Die Nach­ba­rin von Felix erwähnt die­se Per­so­nen aus der Ulmen­stra­ße (in der auch Felix’ Fami­lie lebt) sogar in einem Mono­log;-) Sehr typisch für Andre­as Stein­hö­fel ist auch die The­ma­ti­sie­rung von Außen­sei­tern, wie Felix einer gewor­den ist und das Spieß­bür­ger­tum einer Klein­stadt, das er dar­stellt und zugleich vor­führt.

Fazit: Eine sehr loh­nens­wer­te Lek­tü­re!Lesealternativen

Wenn dir „Anders“ gefal­len hat, kannst du auch noch die ande­ren Bücher von Andre­as Stein­hö­fel lesen: die Rico & Oskar“-Rei­he (3 Bän­de, ab 10), Beschüt­zer der Die­be“ (ab 10), Paul Vier und die Schrö­ders“ (ab 10), Dirk und ich“ (ab 8), Die Mit­te der Welt“ (ab 13), „Defen­der“ (ab 12), Der mecha­ni­sche Prinz“ (ab 12). Das The­ma Syn­äs­the­sie fin­det sich auch in dem bewe­gen­den Roman Stern­schnup­pen­träu­me” von Julie Leu­ze.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Königskinder (Carlsen)
ISBN: 978-3-551-56006-3
Erscheinungsdatum: 21.Oktober 2014
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,90€
Seitenzahl: 240
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Andreas Steinhöfel liest aus seinem Buch:
 

Kasimiras Bewertung:

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