Ana Jeromin — Sonnentänzer

Ana Jeromin Sonnentänzer27.März 2016

Mit einem inter­es­san­ten Cover lockt “Son­nen­tän­zer” von der deut­schen Autorin Ana Jero­min ihre Leser an. Eine Geschich­te über ein jun­ges Mäd­chen, das ihre Kind­heit bei den (Haida-)Indianern ver­bracht hat und von ihrer Ver­gan­gen­heit ein­ge­holt wird. Eine Lie­bes­ge­schich­te mit einem Schuss Fan­tas­tik. Leich­te Unter­hal­tung. Roman­tisch und geheim­nis­voll. Für Jugend­li­che ab 12 Jah­ren.

Die 16-jäh­ri­ge Kath­rin hat end­lich Anschluss gefun­den. Sie, die sich immer schon ein wenig anders gefühlt hat und am liebs­ten bar­fü­ßig und in der Natur unter­wegs ist, gehört nun end­lich dazu. Mit ihrer bes­ten Freun­din Malin sehnt sie sich der nächs­ten Strand­par­ty ent­ge­gen, wo sie ihren Schwarm Pits wie­der tref­fen wird. Doch dann holt ein Teil ihrer ver­dräng­ten Ver­gan­gen­heit sie wie­der ein. Ein Teil in Form zwei­er gut­aus­se­hen­den, jun­ger India­ner: Sigai und Táan. Letz­te­rer war vor eini­gen Jah­ren ihr bes­ter Freund gewe­sen. Bis sie ihn bit­ter ent­täuscht hat. Sie hat eine Schach­tel Ana Jeromin Sonnentänzergestoh­len, die ein altes Erb­stück und zugleich der wert­volls­te Besitz in Táans Fami­lie war: Kate hat­te die Schach­tel schon oft bewun­dert. Jedes Mal wenn sie Táan bei sei­ner Fami­lie daheim besuch­te, hat­te sie wenigs­tens eine klei­ne Wei­le vor dem Reg­al­brett im Wohn­zim­mer gestan­den und die gewun­de­nen Lini­en betrach­tet, die zu immer ande­ren Bil­dern zusam­men­flos­sen, je nach­dem, aus wel­chem Win­kel man sie ansah, und hat­te sich vor­ge­stellt, wie sich das sei­dig schim­mern­de Horn wohl unter den Fin­gern anfüh­len moch­te.” (Zitat aus “Son­nen­tän­zer” S.5ff). Táan hat sie damals bei dem Dieb­stahl erwischt und sie wütend ange­fah­ren, die Schach­tel wie­der zurück­zu­le­gen. Doch es war nicht Kath­rins eige­ne Idee, sie an sich zu neh­men. “Ich kann nicht”, flüs­ter­te sie, “Ich muss sie mit­neh­men. Der Rabe hat es gesagt. Es … tut mir leid!” (Zitat S.9) Von Raben wim­mel­te es auf den Inseln von Hai­da Gwaii, die vor der Küs­te Kana­das lie­gen. Hier in der Sied­lung von Old Mas­set, wo Kath­rin gro­ße Tei­le ihrer Kind­heit ver­bracht hat, erzählt man sich vie­le Geschich­ten über die­se Tie­re, beson­ders über Xuuyah, den klu­gen Raben. Sei­ne Stim­me, die sie wie in Tran­ce gelei­tet hat, hat Kath­rin dazu gebracht, die Schach­tel zu steh­len. Als sie dies dem dar­über völ­lig ver­blüff­ten Táan zu jener Zeit gestan­den hat, ließ die­ser sie gehen. Er deck­te ihre Tat. Bis zum heu­ti­gen Tag, an dem er und sein Zwil­lings­bru­der Sigai nach Deutsch­land zurück­keh­ren, um angeb­lich ihre Feri­en mit Kath­rin Ana Jeromin Sonnentänzerver­brin­gen zu wol­len, so wie deren Mut­ter dies glaubt. Doch die bei­den wol­len etwas ganz ande­res. “Es war nicht wirk­lich greif­bar, nicht rich­tig zu erklä­ren. Aber es stand ein­deu­tig fest, dass die Stim­mung im Ort sich mehr und mehr ver­schlech­tert hat­te. Die Son­ne schien immer sel­te­ner, mehr und mehr Stür­me und Unwet­ter such­ten die Inseln heim und auch die Gemü­ter der Ein­woh­ner ver­fins­ter­ten sich zuneh­mend. Es hat­te eine gan­ze Wei­le gedau­ert, bis Táan die­se Umstän­de mit dem Dieb­stahl der Schach­tel in Ver­bin­dung gebracht hat­te.” (Zitat S.83). Sie wol­len die Schach­tel zurück, um ihr Dorf zu ret­ten. Nichts ahnend, dass Kath­rin noch einen wei­te­ren, unheil­vol­len Feh­ler began­gen hat. Kath­rin, die die Stim­me des Raben, der mit ihr spricht, bis heu­te noch wahr­nimmt. Denn sie hat den Son­nen­geist, der sich in der Schach­tel befand, frei­ge­las­sen…

Son­nen­tän­zer” wird zumeist aus der Ich-Per­spek­ti­ve der weib­li­chen Haupt­fi­gur erzählt (die 16 und nicht 15 ist, wie auf dem Klap­pen­text fälsch­li­cher­wei­se ange­ge­ben ist). Jedoch gibt es auch eini­ge Kapi­tel, die durch Táans Sicht ergänzt wer­den und ein zusätz­li­ches Licht auf sei­ne Gedan­ken- und Gefühls­welt wer­fen. Die Spra­che ist ange­nehm und leicht zu lesen. Locke­re Unter­hal­tung für Zwi­schen­durch. Manch­mal ein klein wenig pathe­tisch. Die Kapi­tel wer­den mit der Zeich­nung von Vogel­fe­dern ein­ge­lei­tet. Ver­bun­den mit einer roma­ni­schen Lie­bes­ge­schich­te darf sich der Leser jedoch auch auf viel Mys­tik ein­stel­len: Ana Jeromin Sonnentänzerso wird die Kul­tur der Hai­da, einem India­ner­volk, wel­ches auch heu­te noch auf der Insel­grup­pe Hai­da Gwaii lebt, dem Leser näher gebracht. Ob die Geschich­ten, die in dem Roman erzählt wer­den, fik­tiv oder tat­säch­lich auf dort erzähl­ten Sagen beru­hen, kann ich lei­der nicht beur­tei­len, aber es gibt laut Wiki­pe­dia dort tat­säch­lich zwei Gesell­schafts­grup­pen, die sich “Adler” und “Rabe” nen­nen und zwi­schen denen es Riva­li­tä­ten gibt/gab. Ob roman­tisch ver­klär­te Vor­stel­lun­gen oder greif­ba­re Legen­den, in “Son­nen­tän­zer” müs­sen selbst die India­ner Táan und Sigai ihr Den­ken kor­ri­gie­ren: “Sie bei­de hat­ten nie so ganz an die Magie des tra­di­tio­nel­len Scha­ma­nis­mus glau­ben wol­len, trotz aller Mythen und Geheim­nis­se, mit denen sie auf­ge­wach­sen waren. Selbst der Son­nen­geist in der Schach­tel war den größ­ten Teil ihres Lebens nur ein Sym­bol für sie gewe­sen, ein Schatz mit gro­ßem ide­el­lem Wert für ihre Fami­lie — aber mehr nicht. […] Die letz­ten Jah­re und vor allem die letz­ten Stun­den aller­dings hat­ten die­sen Nicht-Glau­ben gehö­rig ins Wan­ken gebracht.” (Zitat S.122) Das Ende des Buches liest sich recht ner­ven­auf­rei­bend und dra­ma­tisch.

LesealternativenAuf der Insel­grup­pe Hai­da Gwaii spielt eben­falls der Roman “Die Nacht der Wale” von Chris­to­pher Ross. Von sel­bi­gem Autor kommt die­ses Jahr noch eine Neu­erschei­nung her­aus, die the­ma­tisch auch sehr gut zu “Son­nen­tän­zer” passt: “Spi­rit Lake: Die Legen­de des Wen­di­go” Eine der bes­ten Alter­na­ti­ven für Roma­ne über die Kul­tur der India­ner, meist ver­bun­den mit einer Lie­bes­ge­schich­te, ist jedoch die deut­sche Autorin Ant­je Baben­der­er­de. Lies von ihr “Libel­len­som­mer”, das Buch, das sie bekannt mach­te. Sehr gut gefal­len haben mir von ihr auch “Juli­schat­ten” und “Rain Song”. Ana Jero­min hat übri­gens noch ein wei­te­res Buch geschrie­ben: “Amai­es Lied: Höre den Zau­ber und du bist mein”.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Coppenrath
ISBN: 978-3-649-66885-5
Erscheinungsdatum: 18.März 2016
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,95€
Seitenzahl: 272
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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