Amelia Cadan — Blossom

Kasimira12.Juni 2022

Blossom” ist der Debüt­ro­man der deut­schen Autorin Ame­lia Cadan und zugleich der ers­te Band einer Dilo­gie, kann aber auch kom­plett eigen­stän­dig gele­sen wer­den. Ein roman­ti­scher Gen­tle­man, des­sen Herz gebro­chen wur­de, trifft auf eine taf­fe, eigen­sin­ni­ge Schön­heit, die eine hohe Mau­er um sich her­um auf­ge­baut hat und nor­ma­ler­wei­se nie­man­den in ihre Kar­ten schau­en lässt. Eine Lie­bes — und Fami­li­en­ge­schich­te, die durch Tief­gang, beson­de­re Cha­rak­te­re und gro­ße Gefüh­le glänzt. Ein Auf­takt, der sich lohnt. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwachsene.

Der 22-jäh­ri­ge Leith spielt Base­ball und stu­diert Jura. Soll die Kanz­lei sei­ner Fami­lie eines Tages über­neh­men. Doch ihn plagt Lie­bes­kum­mer, seit sei­ne lang­jäh­ri­ge Freun­din mit ihm Schluss gemacht hat. “Wir waren seit dem ers­ten Semes­ter zusam­men. Seit über drei Jah­ren. Wir sind immer eines die­ser Col­le­ge-Pär­chen gewe­sen, die alles gemein­sam machen und nir­gend­wo ohne den ande­ren auf­tau­chen.” (Zitat aus “Blossom” S.10) Als er die Thea­ter­pro­be zu “Romeo und Julia” heim­lich beob­ach­ten will, um her­aus­zu­fin­den, was am neu­en Freund sei­ner Ex so beson­ders sein soll, wird er von der eigen­wil­li­gen Jun, die die Haupt­rol­le der Julia spielt, erwischtKasimira. “Ihre Art frus­triert mich, sie trig­gert irgend­et­was in mir. Wie sie einen ansieht, als steh­le man ihr das Son­nen­licht. Dass Schau­spie­ler einen Hang zur Arro­ganz haben, ist ja nichts Neu­es — aber Jun Saku­ra ver­leiht dem Wort Arro­ganz defi­ni­tiv eine neue Dimen­si­on. (Zitat S.20) Sie hat kurz zuvor von ihrem Pro­fes­sor einen Tadel bekom­men, weil sie die­sem für die anste­hen­de Gala noch immer kei­ne Begleit­per­son genannt hat. Von den Schau­spie­lern wird erwar­tet, dass sie den gan­zen Abend nach der Auf­füh­rung auf der Gala blei­ben. In einer Kurz­schluss­re­ak­ti­on fragt Leith Jun, ob sie ihn beglei­ten will. Die­se lehnt hoch­mü­tig ab. “Dass ich hin­ge­hen muss, bedeu­tet noch lan­ge nicht, dass ich es mit einem eifer­süch­ti­gen, pri­vi­le­gier­ten Base­ball­spie­ler tun wer­de, der es nicht ertra­gen kann, dass sei­ne Freun­din mit ihm Schluss gemacht hat.” (Zitat S.21) Sie kann Leith nicht aus­ste­hen, des­sen Eltern Part­ner der Kanz­lei ihres Stief­va­ters Ste­ven sind. Auch mit Letz­te­rem kommt sie über­haupt nicht klar. Doch Ste­ven will, dass aus­ge­rech­net Jun ihn Kasimiraauf die Gala beglei­tet. “Unse­re Kanz­lei hat einen beträcht­li­chen Betrag gespen­det. Und da dei­ne Mut­ter mich nicht wird beglei­ten kön­nen… wirst du es tun.” (Zitat S.28) Juns Mut­ter war frü­her ein berühm­tes Model und ist tablet­ten­süch­tig gewor­den. Ihre Augen sind aus­drucks­los auf eine Wei­se, die ich nie­mals auf der Büh­ne spie­len könn­te. Weil dar­in nichts ist. Kein ein­zi­ges Gefühl. Der Anblick friert mein Herz ein.” (Zitat S.23) Manch­mal kann die­se sich gar nicht um die acht­jäh­ri­gen Zwil­lin­ge küm­mern, sodass Jun, die ihre Geschwis­ter über alles liebt, sämt­li­che Din­ge orga­ni­siert: “Denn wie oft bin ich die­je­ni­ge, die sie mor­gens weckt, den Zwil­lin­gen Früh­stück macht, Vani­ty die Haa­re kämmt und einen letz­ten Blick auf Nytes Haus­auf­ga­ben wirft — und sie anschlie­ßend in die Schu­le fährt? Wie oft rufen sie mich an, weil es nichts zu essen gibt und sie Mom nicht fin­den? (Zitat S.26) Nun hat Ste­ven sie wie­der in einer Ent­zugs­kli­nik geschickt. Aber auf die Gala will Jun ihn auf kei­nen Fall beglei­ten und lügtKasimira, bereits mit Leith dort­hin zu gehen. Muss ihn also wohl oder übel doch noch fra­gen. Bald dar­auf kommt Leith ihr uner­war­tet näher und erkennt, dass Jun eini­ges zu ver­ber­gen hat. “Sie spielt schon wie­der eine Rol­le. Die ech­te Jun hät­te sich die­se Blö­ße nie­mals gege­ben. — Nur: Sie spielt sie ver­dammt gut.” (Zitat S.47) Er ver­sucht hin­ter ihre Fas­sa­de zu schau­en, aber das kann Jun auf kei­nen Fall zulassen…

Das Cover hat etwas Unschein­ba­res und zugleich etwas Schö­nes an sich. Der Roman wird sowohl aus Juns, als auch aus Leiths Sicht in der jewei­li­gen Ich-Per­spek­ti­ve erzählt. Die Cha­rak­te­re sind sehr fas­zi­nie­rend gezeich­net, allen vor­an Jun, die sich stark und unver­letz­lich gibt: “Ich brau­che kei­nen Rit­ter in schim­mern­der Rüs­tung.” (Zitat S.39), was auch Leith sofort klar ist. Den­noch wird ihm rasch bewusst, dass sich mehr ver­birgt hin­ter Kasimiraihren hohen Mau­ern: “Vin hat­te Recht. Die­se Frau ist ein Eis­zap­fen. Trotz­dem… Ich fra­ge mich, was sich hin­ter den Kulis­sen ihrer Fami­lie abspielt. Car­mi­cha­el ist ein net­ter Typ, der sei­ne Frau und die Kin­der auf Hän­den trägt. Oder zumin­dest die Zwil­lin­ge.” (Zitat S.49) Juns Mut­ter wirkt durch­ge­hend lei­der etwas blass und all­zu viel Raum nimmt sie in “Blossom” nicht ein. Dafür geht eine immer stär­ker wer­den­de Bedro­hung von Juns Stief­va­ter Ste­ven aus. “Ste­ven […] ist ein Mons­ter, das mei­ner Mut­ter die See­le aus­ge­saugt hat, bis nichts mehr von ihr übrig geblie­ben ist als die­se Hül­le, die zwei Schrit­te von mir ent­fernt auf dem Ses­sel hockt und ins Lee­re starrt.” (Zitat S.23) Das Ver­hält­nis zwi­schen Ste­ven und Jun kann man als Leser erst all­mäh­lich ergrün­den. Weiß nicht genau, was sich hin­ter die­ser Bezie­hung ver­birgt. “Sei­ne Wor­te tref­fen mich. Jedes ein­zel­ne fin­det sein Ziel und hin­ter­lässt Schmer­zen, die mich noch tage­lang ver­fol­gen wer­den. […] “Was willst du?”, fra­ge ich ton­los. Denn er will immer etwas. Immer, wen er mei­ne Mut­ter zu Scher­ben zer­tritt, will er Kasimiraetwas. Von mir.” (Zitat S.24) Die dar­auf­hin sich erge­ben­de The­ma­tik wird sehr behut­sam und ohne zu detail­liert zu sein geschil­dert. Die Lie­bes­ge­schich­te bewegt sich zwi­schen ero­ti­schen Momen­ten, lang­sam ein­stür­zen­den Mau­ern und viel Emo­tio­na­li­tät. Denn Gefüh­le in Wor­te zu fas­sen, das gelingt Ame­lia Caden zwei­fel­los sehr gut: “Ich bal­le die Hän­de zu Fäus­ten und spü­re Ver­zweif­lung in mir auf­wal­len. Aber ich rin­ge sie nie­der. Wut ist das Ein­zi­ge, was ich gebrau­chen kann. Alle ande­re — Hoff­nungs­lo­sig­keit, Trau­er, Ver­zweif­lung, Ver­bit­te­rung, Angst und Panik — sind Gefüh­le, die ich mir nicht leis­ten kann.” (Zitat S.23) Das Ende ist sehr bewe­gend und Mut machend, wenn auch fast etwas über­stürzt. Eine Trig­ger­war­nung zu Beginn des Buches und ein Anhang mit wei­ter­füh­ren­den (Hilfs-)Informationen wären jedoch noch ganz nütz­lich gewesen.Lesealternativen

Wenn dir “Blossom” gefal­len hat, dann freu dich auf den zwei­ten Teil der Dilo­gie: “Blush”, der Ende Juli 2022 erschei­nen wird. Sehr gute Lese­al­ter­na­ti­ven, an die ich beim Lesen sofort den­ken muss­te, sind “Jetzt ist alles, was wir haben” von Amy Giles, das sich wirk­lich lohnt und “You are (not) safe here” von Kyrie McCau­ley. Ein zusätz­li­cher Geheim­tipp ist “In dei­nem Licht und dei­nem Schat­ten” von Loui­sa Reid. Gut könn­te ich mir auch “Nur noch ein ein­zi­ges Mal” von Col­le­en Hoo­ver und “Ever­ything we feel” von Sarah Alder­son vor­stel­len.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: cbj
ISBN: 978-3-570-16642-0
Erscheinungsdatum: 21.März 2022
Einbandart: Broschur
Preis: 13,00€
Seitenzahl: 400 
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Trailer zum Buch:

Kasimira auf Instagram:

Kasimira

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kasimiras Bewertung:

110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw 110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw

(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.