“Lakestone Campus of Seattle: What we fear” ist ein Roman der deutschen Autorin Alexandra Flint und der erste Teil einer geplanten dreiteiligen Reihe. Hackerin Harlow hat für ihren kranken Bruder alles riskiert. Doch nun ist sie aufgeflogen und steht mit einem Bein im Gefängnis, weil sie illegal Geld für eine lebensnotwendige OP für ihn besorgt hat. Doch der Leiter des Lakestone Campus of Seattle gibt ihr eine neue Chance auf seiner Universität. Aber kann sie ihr altes Leben wirklich hinter sich lassen? Unerwartet kommt sie dem Studenten Zack näher, der aufgrund eines Gendefekts nicht sprechen kann. Auch er hat ein schweres Päckchen zu tragen. Können die beiden gemeinsam neu anfangen oder wird die Vergangenheit sie unweigerlich einholen? Eine Geschichte über Geheimnisse und die Kunst Vertrauen zueinander zu fassen. Eine Lovestory vom Feinsten — große Gefühle, intensive Themen und jede Menge Spannung. Für Jugendliche ab 16 Jahren und Erwachsene.
Die 19-jährige Harlow hat Mist gebaut. Sie, die ein großes Talent fürs Programmieren hat, hat ein Bankkonto gehackt und eine große Summe Geld entwendet, wobei sie erwischt wurde. Doch sie hat es nicht für sich getan, sondern für ihre Familie. “Brax, meinen elfjährigen, starken Bruder, der dank meiner Aktion die Chance auf ein langes Leben bekommen hatte. Für den ich alles tun würde.” (Zitat aus “Lakestone Campus of Seattle: What we fear” S.9) Er hat wegen eines Herzfehlers eine neue Herzklappe bekommen. Das Geld dafür hat die Familie
nicht gehabt. Eine dafür notwenige umfassende Krankenversicherung ebenso nicht. “Vermutlich hätte es auf lange Sicht einen legalen Weg gegeben, um das Geld zu beschaffen. Überstunden, mehr Schichten, Online-Nachhilfe, was weiß ich. Aber in der Realität hatte mein Bruder diese Zeit nicht gehabt.” (Zitat S.10) Harlow weiß, dass es falsch war, was sie getan hat, dennoch würde sie es jederzeit wieder tun, um ihrem Bruder zu helfen. Brax, der nun endlich wieder mit seinen Freunden unbeschwert toben kann. Dafür ist Harlow nun verhaftet worden und wartet darauf, was nun mit ihr passiert. Bis sie unerwartet Besuch erhält. Vom Leiter des Lakestone Campus of Seattle: “Ich habe mir sagen lassen, dass du etwas sehr Außergewöhnliches vollbracht hast. Du musst mir verzeihen, ich verstehe nicht viel vom Programmieren oder Hacken, wie ihr das heutzutage nennt, aber meine vertrauenswürdige Quelle versicherte mir, dass du sehr talentiert darin bist.” (Zitat S.13)
Der Mann gibt ihr unwartet eine Chance. Denn er erkennt Harlows Talent und will sie fördern. “Du hast dich in das komplexe Netzwerk einer Bank gehackt, das sich auf die Fahne schreibt, eines der sichersten der USA zu sein, dann eine beachtliche Summe Geld von einem Konto gestohlen und dabei nur minimale digitale Fußspuren hinterlassen, die beinahe niemandem aufgefallen wären.” (Zitat S.14) Dafür verlangt er, dass sie mit sämtlichen kriminellen Machenschaften aufhört. Er regelt es, dass sie eine geringe Strafe bekommt und nur Sozialstunden ableisten muss. Harlow nimmt das Angebot dankend an. Der Lakestone Campus ist für sie die Möglichkeit wieder ein geregeltes Leben zu führen. “Viele der angesehensten und brillantesten Persönlichkeiten der Politik und Wissenschaft aus allen fachlichen Gebieten und Ländern der Welt hatten dort ihren Abschluss gemacht. Der Lakestone Campus of Seattle war sozusagen die Crème de la Crème der Ivy League, der besten Eliteunis in den USA.
Eine eigene kleine Welt, zu der Normalsterbliche keinen Zugang hatten.” (Zitat S.15) Auch wenn der Lernstoff, den sie nachholen muss, immens ist, genießt Harlow die Zeit auf dem Campus. Trifft auf den 21-jährige Zack, der aufgrund eines Gendefekts nicht sprechen kann, dem sie allmählich näher kommt. Doch dann tritt ihre alte Hackerclique wieder auf den Plan und fordert ihre Dienste. Eigentlich will Harlow mit ihnen nichts mehr zu tun haben, doch der Anführer Alias hat sie in der Hand. Bald gerät alles aus den Fugen…
Das Cover ist in üblicher New Adult-Style-Optik gehalten, der Farbschnitt der Erstausgabe zeigt ein Wahrzeichen der Stadt Seattle, wird auf den Folgenbänden noch fortgesetzt werden. Der Roman startet mit einer überaus motivierenden
Widmung: “Für alle Mädchen da draußen, die nicht auf ein “Du kannst das nicht” hören. Ihr könnt. And you’re doing great, girls” (Zitat S.5) Denn eine Kernthematik des Buchs sind vor allem Talente. Harlow, die ein besonderes Talent fürs Hacken hat. “Alles, was mit Computern, Coden und Zahlen zu tun hatte, war mir schon immer unglaublich leichtgefallen. Logik und Mathematik waren wie Atmen für mich und die Welt des Hackens ein zweites, virtuelles Zuhause.” (Zitat S.14) Zack, der ein fotografisches Gedächtnis hat und ein besonderes Gespür für Sprache. “Lakestone Campus of Seattle: What we fear” ist in Kapitel eingeteilt, deren Überschriften aus Songtiteln bestehen und in der jeweiligen Ich-Perspektive sowohl aus Harlows als auch aus Zacks Sicht geschrieben sind. Das Campus-Setting ist sehr faszinierend, vor allem die Möglichkeiten, die den Studierenden dort geboten werden. “Der Campus ist ein Ort für Ausnahmetalente aller Sparten, Harlow. Die Studierenden dort werden allumfassend,
jedoch in erster Linie hinsichtlich ihrer besonderen Fähigkeiten gefördert.” (Zitat S.16) Alexandra Flint hat einen sehr angenehmen, flüssigen Erzählstil. Die Geschichte nimmt die Leser*innen zu Beginn schnell gefangen, zieht sie in ihren Bann und lässt einen die Seiten förmlich überfliegen. Während es zwischendurch dann kurz mal etwas ruhiger wird und nicht allzu viel Dramatisches passiert, gewinnt der Roman ab der Hälfte wieder an Fahrt und immer mehr Konflikte werden in den Text miteingebunden. Die Liebesgeschichte ist sehr gefühlvoll und sensibel beschrieben. Zwei Charaktere, die einander langsam näher kommen und dennoch beide ihr Päckchen zu tragen haben: “…ich machte beinahe unbewusst einen Schritt nach vorn und hielt sie sanft am Unterarm zurück. Dort, wo ich sie berührte, breitete sich Wärme unter meinen Fingerspitzen aus. Einfach so. Ihre hellen Augen richteten sich verwundert auf mich, als würde
sie sich ebenso fragen, warum ich sie aufgehalten hatte. Ehrlich gesagt hätte ich das hier und jetzt auch nicht genau beantworten können. Ich wusste nur, dass Harlow in dieser kurzen Zeit etwas in mir berührt hatte… Und dass ich herausfinden wollte, wieso.” (Zitat S.73) Vor allem die Kommunikation spielt in dem Roman eine große Rolle und man erfährt eine Menge über die Gebärdensprache, für die Harlow sogar eine App entwicklen zu beginnt. “Es kam nicht häufig vor, dass sich Menschen wirklich für die Gebärdensprache interessierten, schon gar nicht mit diesem… Leuchten im Blick.” (Zitat S.101) Hierbei werden die Sätze, die Zack gebärdet in fett gedruckter Schrift abgebildet, sodass man alles gut verstehen kann. Am Ende wird es dann noch mal richtig schön dramatisch und nervenaufreibend und man möchte das Buch kaum mehr aus den Händen legen! Der Roman ist in sich abgeschlossen.
Du willst wissen wie es auf dem Lakestone Campus weitergeht? Dann freu dich auf die Fortsetzungen: “Lakestone Campus of Seattle: What we lost” (Band 2, erscheint September 2024) — hier spielt eine Nebenfigur, die Zack in Oxford kennenlernt, nun die Hauptrolle: Brynn, die Astrophysik studieren möchte. “Lakestone Campus of Seattle: What we hide” (Band 3, erscheint im März 2025). Du magst Alexandra Flints Erzählstil? Dann lies noch ihre anderen Romane, hier chronologisch nach Erscheinungsdatum sortiert: die fantastische “Elyanor”-Reihe (hier noch unter ihrem richtigen Namen Alexandra Stückler-Wede): “Zwischen Licht
und Finsternis” (Band 1) und “Zwischen Eis und Feuer” (Band 2) und das Spin-Off “Calea: Zwischen Asche und Rauch”. Danach folgte die dystopische “Emerdale”-Reihe: “Two Sides of the Dark” (Band 1) und “One Side of the Light”. Erstmals auf die Spiegelbestsellerliste schaffte es die Autorin dann mit der “Maple Creek”-Reihe: “Meet me in Maple Creek” (Band 1) und “Save me in Maple Creek” (Band 2). Außerdem schrieb sie noch die “Tales of Sylt”-Reihe: “Kein Horizont zu weit” (Band 1, sehr zu empfehlen!), “Kein Sturm zu nah” (Band 2) und “Kein Ozean zu tief” (Band 3). Je eine Kurzgeschichte von Alexandra Flint findest du in diesen Advents-Anthologien: “Chrismas Kisses” und “Winter Wishes”. Du findest das Thema Kommunikation faszinierend (in folgenden Beispielen allerdings mit Gerhörlosigkeit in Kombination)? Dann lies zum Beispiel “Ein Lied für Blue” von Lynne Kelly und “Vielleicht passiert ein Wunder” von Sara Barnard. Oder in Kombination mit einer Liebesgeschichte: “Wo sich Licht im Wasser bricht” von Lexis Able, “Freak City” von Kathrin Schrocke, “Wovon du träumst” von Kira Gembri und “Nur mit dir” von Emilie Turgeon. Gut könnte ich mir auch die Romane von Jana Schäfer als Lesealternative vorstellen, zum Beispiel “The way we fall” und “The hope we find”.
Bibliografische Angaben:Verlag: Ravensburger ISBN: 978-3-473-58633-2 Erscheinungsdatum: 29.Februar 2024 Einbandart: Broschur Ausstattung: Erstauflage mit Farbschnitt und Charakterkarte Preis: 14,99€ Seitenzahl: 512 Illustrator*in: Alexander Kopainski Trailer zum Buch:
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(4,5 von 5 möglichen Punkten)

Verlag: Ravensburger
ISBN: 978-3-473-58633-2
Erscheinungsdatum: 29.Februar 2024
Einbandart: Broschur
Ausstattung: Erstauflage mit Farbschnitt und Charakterkarte
Preis: 14,99€
Seitenzahl: 512
Illustrator*in: Alexander Kopainski
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