“Kein Horizont zu weit” ist der erste Band der “Tales of Sylt”-Trilogie der deutschen Autorin Alexandra Flint. Die Autorin entführt ihre Leser*innen an einen Ort, an dem sie oft selbst mit ihren Eltern als Kind ihre Ferien verbracht hat. Sie erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die auf Sylt eine Ausbildung zur Schiffsbauerin macht und die auf ihre alte Jugendliebe trifft, die sie seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Was ist damals zwischen ihnen geschehen? Warum will Raffael, der nur unfreiwillig auf die Insel zurückgekehrt ist, am liebsten nichts mehr mit ihr zu tun haben? Und warum ist da noch immer dieses Knistern zwischen ihnen? Eine auffallend schön und stimmig erzählte Liebesgeschichte, die Lust auf Meeresrauschen und Sand zwischen den Füßen macht und jede Menge Fernweh erzeugt;-) Mit erfrischenden Dialogen und vielen emotionalen Momenten. Eine richtig schöne Wohlfühlgeschichte! Für Jugendliche ab 16 Jahren und Erwachsene.
Sylt. Leni hat eine Ausbildung zur Schiffsbauerin begonnen und steckt kurz vor den ersten Prüfungen. Sie arbeitet in der Werft ihres Vaters. “Für mich war die Werft schon immer ein fester Bestandteil meines Lebens gewesen und einen Tag ohne Schiffe, Holz oder die einzigartigen Entwürfe meines Vaters konnte ich mir nicht vorstellen. Ich war quasi in der Werft zwischen Spänen und Kielen aufgewachsen und verband einige meiner schönsten Erinnerungen mit diesem Ort.” (Zitat aus “Kein Horizont zu weit” S.19) Sie liebt das Leben auf der Insel, die frische Meeresluft, das Segeln und die regelmäßigen Treffen mit ihren besten Freundinnen. Doch plötzlich taucht
Raffael, genannt Rafe, auf der Insel wieder auf. Leni und ihr großer Bruder Till sind mit Rafe und seinem Bruder Liam zusammen aufgewachsen. Waren abwechselnd bei ihnen zu Hause oder in dem Hotel von Rafes Familie gewesen. “Doch dann war der Brand ausgebrochen und hatte innerhalb weniger Stunden unser aller Leben aus den Fugen gerissen. Thea war mit Raffael zu ihrem Bruder nach Kiel gezogen, hatte jeden Kontakt abgebrochen und wir… wir waren plötzlich nur noch eine halbe Familie gewesen.” (Zitat S.22) Bei dem Brand sind Rafes Bruder und sein Vater ums Leben gekommen. Das war vor fünf Jahren. Fünf Jahre, in denen sie keinerlei Kontakt mehr hatten. Etwas, was Leni schwer zu schaffen gemacht hat, weil sie damals als Jugendliche rettungslos in Rafe verliebt gewesen war und noch
immer tiefe Wunden über den plötzlichen Bruch in sich trägt. “Nicht selten fragte ich mich, ob sie überhaupt jemals heilen würden. Ob diese Kluft in meiner Brust, die besonders Rafes Verschwinden hineingerissen hatte, sich irgendwann schließen würde. Und ehrlich gesagt, hatte ich ziemliche Angst dafür, dass dieses neue Projekt bloß alte Narben aufreißen würde.” (Zitat S.22) Denn jetzt ist der mittlerweile 22-jährige Rafe wieder da, wenn auch unfreiwillig, und soll den Wiederaufbau des Hotels für seinen Vater überwachen. Und ausgerechnet die Werft von Lenis Vater soll eine Bar in Schiffsform für das Hotel bauen. Aber Rafe verhält sich furchtbar unfreundlich und abweisend gegenüber Leni und ihrem Bruder. Will nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Doch Lenis Gefühle für ihn sind immer noch da…
Das Cover ist wunderschön gestaltet und ein echter Hingucker. Auch die Folgebände der Trilogie, die noch erscheinen werden, sind in einem ähnlichen Design gestaltet. Der Roman beginnt mit einem Prolog, einem Sommer vor zehn Jahren, als Leni und Rafe noch Teenager waren. “Wenn er mit Till zusammen ist, ignoriert er mich und tut jedes Mal so, als wäre ich nicht da. […] Doch jetzt, während wir hier auf dieser harten Treppenstufe am Strand sitzen, behandelt mich Rafe nicht wie Luft. Jetzt sehen wir einander direkt ins Gesicht. Keiner streckt die Zunge raus, keiner schneidet eine Grimasse, keiner läuft davon. Es ist ein komischer Moment, der mein Herz seltsame Dinge tun lässt, die es nie zuvor getan hat.” (Zitat S.12f) Hier haben die aufkeimenden Gefühle zwischen den beiden einen Anfang gefunden. Dann setzt der Hauptteil ein, der zehn Jahre später in der Jetzt-Zeit
spielt und in der Ich-Perspektive aus Lenis Sicht geschrieben ist. Nur ganz selten werden Kapitel eingeflochten, die vor fünf Jahren spielen und aus Rafes Sicht erzählt werden: “Früher habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, was sie für mich ist. Leni war einfach die kleine Schwester meines besten Freundes Till. Aber irgendwann… war sie plötzlich mehr. Ich habe Leni gesehen und seitdem kann ich es nicht mehr abstellen. Egal, was ich auch mache — und ich habe echt eine Menge versucht.” (Zitat S.57ff) Man darf gespannt miträtseln, denn lange Zeit wird nicht genau verraten, was damals passiert ist. Immer wieder durchziehen lediglich Andeutungen den Erzähltext. “Fünf Jahre waren seitdem vergangen und selbst jetzt reichte die kleinste Erinnerung aus, um dieses Pochen in meiner Brust in Gang zu setzen. Dicht gefolgt von altem
Schmerz und Erinnerungen, die ich am liebsten für immer vergessen hätte. Das Lagerfeuer am Strand, das nächtliche Meer, der K- Hastig verscheute ich diese Gedanken.” (Zitat S.33) Bemerkenswert ist in “Kein Horizont zu weit” auf jeden Fall das Sylt-Setting der Geschichte. Alexandra Flint schafft es eine sehr heimelige (Wohlfühl-)Atmosphäre zu kreieren. Dies liegt nicht nur an Lokalitäten wie zum Beispiel dem Café von Lenis Oma — “Es gab viele gemütliche Cafés auf der Insel, aber keines war wie die Flaschenpost: drei kreisrunde Etagen, verbunden durch eine alte Eisentreppe, um die Lichterketten geschlungen waren. Holzmöbel, bunte Kissen und Emaille-Vasen mit frischen Blumen. Dazu Regale voll unzähliger Bücher und kleiner selbst gemachter Souvenirs, die Oma für lokale Künster verkaufte. Ein bisschen wie eine eigene Welt.” (Zitat S.29ff) — , sondern auch an den besonderen Nebenfiguren, wie
zum Beispiel der Vater und allen voran Lenis Clique, die sich “E.M.I.L.” nennt und ein fester Ankerpunkt in ihrem chaotischen Leben ist. Hier werden Tugenden wie Freundschaft, Zusammenhalt und Miteinanderredenkönnen groß geschrieben und die Mädchen sind in jeder Gefühlslage füreinander da. Sehr faszinierend fand ich außerdem die Einblicke in die Schiffsbauerei, die man durch Lenis Ausbildung bei ihrem Vater erhält, das ist mal etwas ganz Anderes! Auch das Segeln — Leni ist eine begnadete Seglerin — spielt eine wichtige Rolle. “Ich liebte die Ruhe beim Segeln. Wenn einzig das Plätschern des Wassers, das gegen den Rumpf schlug, und das Rascheln des Windes die Luft erfüllten und jeden Gedanken auslöschten. Für mich war Segeln pure Magie. Ein Zauber, der sich über alles legte und eine Klarheit verschaffte
, die ich sonst nirgends fand.” (Zitat S.43) Die Autorin hat insgesamt einen sehr schönen, angenehmen Erzählton mit einer wunderbaren, leicht unterschwelligen Ironie und liefert einige erfrischende, humorvolle Dialoge. Die Liebesgeschichte zwischen Leni und Rafe entfaltet sich ganz langsam und behutsam. Es gibt viele Herzklopfmomente, ein beständiges Auf und Ab der Gefühle, ähnlich dem sanften Auf und Ab der Meereswellen. Es geht ums Loslassen, Neuvertrauen und Altes Hintersichlassen. Am Ende wird es kurz ein wenig ruhiger, bis es dann noch einmal höchst dramatisch ausklingt.
Du willst wissen wie es auf Sylt weitergeht? Dann lies den zweiten Band der Reihe, der im Juli 2023 erscheinen wird: “Kein Sturm zu nah” (hier spielen Elisa, Lenis beste Freundin und Bad Boy Jonah eine Rolle) und den dritten Band (Protagonisten Lou & Kai) “Kein Ozean zu tief”, der im Oktober 2023 erscheinen wird. Du magst Alexandra Flints Erzählstil? Dann lies noch ihre anderen Romane, hier chronologisch nach Erscheinungsdatum sortiert: die fantastische “Elyanor”-Reihe (hier noch unter ihrem richtigen Namen Alexandra Stückler-Wede): “Zwischen Licht
und Finsternis” (Band 1) und “Zwischen Eis und Feuer” (Band 2) und das Spin-Off “Calea: Zwischen Asche und Rauch”. Danach folgte die dystopische “Emerdale”-Reihe: “Two Sides of the Dark” (Band 1) und “One Side of the Light”. Erstmals auf die Spiegelbestsellerliste schaffte es die Autorin dann mit der “Maple Creek”-Reihe: “Meet me in Maple Creek” (Band 1) und “Save me in Maple Creek” (Band 2). Je eine Kurzgeschichte von Alexandra Flint findest du in diesen Advents-Anthologien: “Chrismas Kisses” und “Winter Wishes”. Dir gefallen Liebesgeschichten, die auf Sylt spielen? Hier wären “Sturmgeflüster” von Gabriella Engelmann oder “Sommerstürme” von Antje Szillat etwas für dich. Zwei Familien, deren Kinder miteinanderaufwachsen und sich dann unerwartet näher kommen? Das findest du auch in der “Der Sommer, als ich schön wurde”-Reihe von Jenny Han. Ein wenig musste ich auch an “Lass mich nicht los” von Sarah Alderson denken. Der Jugendfreund, der plötzlch wieder auftaucht und das Leben der Protagonistin völlig auf den Kopf stellt, dies kannst du außerdem in folgenden, sehr empfehlenswerten Romanen entdecken: “Nichts ist gut. Ohne dich.” von Lea Coplin, “Der Sommer, als du wiederkamst” von Emily Martin (grandios!), “Long-lost friend” von Sarah Zarr (schon etwas älter), “Emmy & Oliver” von Robin Benway (sensibel und unterhaltsam erzählt), “Das Glück hat vier Farben” von Lisa Moore und “My life in circles” von Brandy Colbert. Sehr passend ist auch “Das tiefe Blau der Worte” von Cath Crowley.
Bibliografische Angaben:Verlag: Loewe ISBN: 978-3-7432-1407-1 Erscheinungsdatum: 8.Februar 2023 Einbandart: Broschur Preis: 15,95€ Seitenzahl: 480 Übersetzer: - Originaltitel: - Originalverlag: - Originalcover: -
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Verlag: Loewe
ISBN: 978-3-7432-1407-1
Erscheinungsdatum: 8.Februar 2023
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Preis: 15,95€
Seitenzahl: 480
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