Die deutsche Autorin Alexandra Fischer-Hunold hat mit “Nächster Halt: Mord” einen neuen Weihnachtskrimi für Jugendliche geschrieben. Ein Luxuszug der Extraklasse startet im winterlichen England seine Jungfernfahrt. Es ist drei Tage vor Weihnachten und die 16-jährige Millie freut sich darauf ihre Schwester Rachel, die als Journalistin berichten darf, auf dieser besonderen Zugfahrt im Stil der 20er Jahre zu begleiten. Doch ein Diebstahl, eine riesengroße Schneewehe mitten im Nirgendwo, die das Weiterfahren verhindert, machen ihnen die Reise schwer. Als dann noch eine Leiche auftaucht, ist klar, es kann nur einer der Passagiere gewesen sein. Millie und James, der eine Ausbildung als Steward macht, beginnen zusammen zu ermitteln… Cozy Crime, der wirklich Spaß zu lesen macht! “Mord im Orientexpress” in die Gegenwart geholt. Unterhaltsam, spannend und gegen Ende äußerst dramatisch. Perfektes Lesefutter, um sich auf die Feiertage einzustimmen. Für Jugendliche ab 12 Jahren und interessierte Erwachsene.
Es ist kurz vor Weihnachten. Die 16-jährige Millie ist überglücklich. Sie darf ihre Schwester Rachel auf eine berufliche Reise begleiten. Diese arbeitet als Journalistin und soll über die Jungfernfahrt des Golden Highlanders berichten, einem Luxuszug, der
von London nach Edingburgh fährt. “Dieser Zug ist gewissermaßen die schottische Antwort auf den Orient Express. Luxus pur. Zwei Nächte, zweieinhalb Tage. Und du schreibst mir eine Reportage mit dem Titel Menschen im Zug. Alles klar?” (Zitat aus “Nächster Halt: Mord” S.14) Die Mitreisenden sind unter anderem eine bekannte Influencerin, eine Starköchin mit ihrer Managerin und deren alte Freundinnen. Aber auch Charles, ein Zauberkünstler und James, der als Steward dort arbeitet. Besonders Charles hat es Millie angetan. Ihm kommt sie allmählich näher. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse. Ein Diebstahl einer kostbaren Halskette, eine unerwartete Schneewehe, die die Weiterfahrt unmöglich macht und dann taucht auch noch eine Leiche auf. Eigentlich hat Millie es mit Krimis ja nicht so, aber dann beginnt sie mit James zusammen zu ermitteln. Als Rachel das mitbekommt, gefällt ihr das gar nicht und sie möchte ihre Ermittlungen stoppen, aber dann liegt die geklaute Halskette plötzlich in Rachels Kabine. Wer den Schmuck
geklaut hat, könnte auch der Mörder sein. Also bleibt Rachel gar nicht anderes übrig, als Millie und James weiter ermitteln zu lassen. Und es gibt im Zug so einige Personen, die ein Motiv hätten…
Das Cover, aber vor allem der Titel, sind äußerst gelungen. “Nächster Halt: Mord” beginnt mit einem einleitenden Tagebucheintrag von Millie, danach folgen drei Prologe aus drei unterschiedlichen Perspektiven: eine Person, die von einem Unbekannten verfolgt wird und plant den Gold Highlander zu nehmen; eine Person, die ein Preisausschreiben für eben jene Zugfahrt gewinnt und zu guter Letzt Rachel, die von ihrem Chef den Autrag hält, darüber zu berichten. Dann setzt der in Kapitel unterteilte Hauptteil ein, der durchgängig in der Ich-Perspektive aus Millies Sicht geschrieben ist. “Here we go! Ich, Millie McEwan, sechzehn Jahre und Rachels fünf Jahre jüngere Schwester, bin also deine Chronistin und deshalb musst du dich auf mein Wort verlassen.” (Zitat S.18) Eine sehr sympathische Figur, die man gerne
bei ihren Ermittlungen begleitet. Die auch ein wenig über den Tellerrand aktueller Ereignisse herausschaut und zuweilen spannungsgeladene Andeutungen macht: “Hätte ich allerdings geahnt, was sich bei der Führung über das Gelände ereignen sollte, wäre ich auf jeden Fall mitgekommen. Aber davon schwante mir natürlich nichts.” (Zitat S.63) Das Setting mit dem Luxuszug ist überaus treffend gewählt und erinnert natürlich an “Mord im Orientexpress” von Agatha Christie (inklusive Schneewehe), worauf auch eine Anspielung gemacht wird: “Vielleicht war es keine so schlechte Idee gewesen, ausgerechnet dann mit Mord im Orientexpress von Agatha Christie loszulegen, wenn ich bei heulendem Wind und Schneegestöber gefühlt mutterseelenallein im Zug hockte. […] “Wenn du schon mit so einem Luxuszug zu deinen Eltern fährst, solltest du gewappnet sein. Jeder deiner Mitreisenden könnte ein Mörder sein” (Zitat S.72) Im Innenumschlag vorne erhalten die Leser:innen zudem eine gezeichnete Übersicht der einzelnen Waggons. Diese sind durchaus prunkvoll
ausgestattet — ein Waggon enthält beispielsweise einen kompletten Spa-Bereich, den die Gäste während der Fahrt kostenlos nutzen können. “Während Sie der mit allem modernen Komfort ausgestattete Zug im Stil der Zwanzigerjahre durch ein verschneites Winderwunderland trägt, lassen Sie sich im Spa (jeglicher Service an Bord ist inklusive) verwöhnen, genießen unsere ausgezeichnete Küche und freuen sich auf Ausflüge, Special Events und den Roaring-Twenties-Maskenball als Höhepunkt unseres hochkarätigen Programms.” (Zitat S.11) Cozy Charme erwartet einen auch beim Lesen an vielen Stellen. Hier gibt es nicht nur Schneeballschlachten, Zaubershows und einen Maskenball, sondern auch jede Menge feinste Kulinarik: “Natalie kam und brachte mir einen himmlisch duftenden Lebkuchen-Latte. Mitsamt Zuckerdöschen und passender Keksschale stellte sie ihn auf einer silbernen Platte vor mir ab.” (Zitat S.57) In dem Krimi sind zahlreiche Personen untergebracht, aber man kommt an sich gut mit. Hilfreich ist hierbei — wie schon in Alexandra Fischer-Hunolds vorherigen Krimis ein Pers
onenregister am Anfang mit kurzen Erklärungen zu den jeweiligen Figuren. “Nächster Halt: Mord” ist ein klassicher Whodunit-Krimi, ein munteres Rätselraten, wer der Täter oder die Täterin gewesen sein könnte. Hier macht es die Autorin ihren Leser:innen nicht allzu einfach. Und auch wenn einiges natürlich sehr konstruiert wirkt und es auch die ein oder anderen Ungereimtheiten gibt, unterhält der in sich abgeschlossene Krimi einfach sehr gut. Er ist temporeich und mitreißend und eigentlich passiert ständig irgendetwas. Auch eine kleine Lovestory ist in die Geschichte mit integriert. “Mein Herz machte einen Hüpfer. Denn Charles hatte den Salon betreten. Er blickte zu mir rüber und hob kurz die Hand. Ich erwiderte seinen Gruß. Himmel, sah der gut aus in seinem Smoking!” (Zitat S.75) Zum Ende wird es noch einmal richtig schön dramatisch. Auch wenn mir zugegebenermaßen die Reaktion einer gewissen entlarvten Person am Ende völlig fehlte. Hier wird leider einfach ausgeblendet. Dennoch ein ingesamt sehr schönes Lesevergnügen!
Du magst den Erzählstil von Alexandra Fischer-Hunold? Für Jugendliche (ab 11) schrieb sie noch die “Eine Leiche zum Tee”-Reihe, die mir sehr gut gefiel: “Eine Leiche zum Tee” (Band 1) u
nd “Eine Leiche zum Tee: Mord in der Bibliothek” (Band 2). Laut Angaben des Verlags wird diese Reihe wohl leider nicht mehr fortgesetzt werden. Außerdem veröffentlichte sie noch “Ewig & Immer: Die Geheimnisse der Lady Halewood” (ab 14). Und die wahrscheinlich beste Lesealternative von ihr ist: “Ein Mörder auf der Gästeliste”, ein weiterer Weihnachtskrimi, der sich auch sehr unterhaltsam liest (ab 12). Oder lies noch den bereits erwähnten Klassiker “Mord im Orientexpress” von Agatha Christie. Andere Jugendbücher, die in Zügen spielen, wäre noch diese: die “Abenteuer-Express”-Reihe von Maya G. Leonhard: “Juwelendiebe im Highland Express” (Band 1), “Entführung im California Comet” (Band 2), “Entdeckung im Safari Star” (Band 3) und “Gefahr im Mitternachtsexpress” (Band 4) oder die “Welten-Express”-Reihe von Anca Sturm: “Der Welten-Express” (Band 1), “Zwischen Licht und Schatten” (Band 2) und “Vom Suchen und Finden” (Band 3). Ebenfalls in einem “Die drei ???”-Band spielt ein Zug eine wichtige Rolle: “Die drei ??? und der schreiende Zug”.
Bibliografische Angaben:Verlag: Ueberreuter ISBN: 978-3-7641-7157-5 Erscheinungsdatum: 17.September 2025 Einbandart: Broschur Preis: 18,00€ Seitenzahl: 352
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Verlag: Ueberreuter
ISBN: 978-3-7641-7157-5
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Seitenzahl: 352
