Alexandra Fischer-Hunold — Nächster Halt: Mord

7.Dezember 2025

Die deut­sche Autorin Alex­an­dra Fischer-Hunold hat mit “Nächs­ter Halt: Mord” einen neu­en Weih­nachts­kri­mi für Jugend­li­che geschrie­ben. Ein Luxus­zug der Extra­klas­se star­tet im win­ter­li­chen Eng­land sei­ne Jung­fern­fahrt.  Es ist drei Tage vor Weih­nach­ten und die 16-jäh­ri­ge Mil­lie freut sich dar­auf ihre Schwes­ter Rachel, die als Jour­na­lis­tin berich­ten darf, auf die­ser beson­de­ren Zug­fahrt im Stil der 20er Jah­re zu beglei­ten. Doch ein Dieb­stahl, eine rie­sen­gro­ße Schnee­we­he mit­ten im Nir­gend­wo, die das Wei­ter­fah­ren ver­hin­dert, machen ihnen die Rei­se schwer. Als dann noch eine Lei­che auf­taucht, ist klar, es kann nur einer der Pas­sa­gie­re gewe­sen sein. Mil­lie und James, der eine Aus­bil­dung als Ste­ward macht, begin­nen zusam­men zu ermit­teln… Cozy Crime, der wirk­lich Spaß zu lesen macht! “Mord im Ori­ent­ex­press” in die Gegen­wart geholt. Unter­halt­sam, span­nend und gegen Ende äußerst dra­ma­tisch. Per­fek­tes Lese­fut­ter, um sich auf die Fei­er­ta­ge ein­zu­stim­men. Für Jugend­li­che ab 12 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

Es ist kurz vor Weih­nach­ten. Die 16-jäh­ri­ge Mil­lie ist über­glück­lich. Sie darf ihre Schwes­ter Rachel auf eine beruf­li­che Rei­se beglei­ten. Die­se arbei­tet als Jour­na­lis­tin und soll über die Jung­fern­fahrt des Gol­den High­land­ers berich­ten, einem Luxus­zug, der von Lon­don nach Eding­burgh fährt. “Die­ser Zug ist gewis­ser­ma­ßen die schot­ti­sche Ant­wort auf den Ori­ent Express. Luxus pur. Zwei Näch­te, zwei­ein­halb Tage. Und du schreibst mir eine Repor­ta­ge mit dem Titel Men­schen im Zug. Alles klar?” (Zitat aus “Nächs­ter Halt: Mord” S.14) Die Mit­rei­sen­den sind unter ande­rem eine bekann­te Influen­ce­rin, eine Star­kö­chin mit ihrer Mana­ge­rin und deren alte Freun­din­nen. Aber auch Charles, ein Zau­ber­künst­ler und James, der als Ste­ward dort arbei­tet. Beson­ders Charles hat es Mil­lie ange­tan. Ihm kommt sie all­mäh­lich näher. Aber dann über­schla­gen sich die Ereig­nis­se. Ein Dieb­stahl einer kost­ba­ren Hals­ket­te, eine uner­war­te­te Schnee­we­he, die die Wei­ter­fahrt unmög­lich macht und dann taucht auch noch eine Lei­che auf. Eigent­lich hat Mil­lie es mit Kri­mis ja nicht so, aber dann beginnt sie mit James zusam­men zu ermit­teln. Als Rachel das mit­be­kommt, gefällt ihr das gar nicht und sie möch­te ihre Ermitt­lun­gen stop­pen, aber dann liegt die geklau­te Hals­ket­te plötz­lich in Rachels Kabi­ne. Wer den Schmuck geklaut hat, könn­te auch der Mör­der sein. Also bleibt Rachel gar nicht ande­res übrig, als Mil­lie und James wei­ter ermit­teln zu las­sen. Und es gibt im Zug so eini­ge Per­so­nen, die ein Motiv hätten…

Das Cover, aber vor allem der Titel, sind äußerst gelun­gen. “Nächs­ter Halt: Mord” beginnt mit einem ein­lei­ten­den Tage­buch­ein­trag von Mil­lie, danach fol­gen drei Pro­lo­ge aus drei unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven: eine Per­son, die von einem Unbe­kann­ten ver­folgt wird und plant den Gold High­lan­der zu neh­men; eine Per­son, die ein Preis­aus­schrei­ben für eben jene Zug­fahrt gewinnt und zu guter Letzt Rachel, die von ihrem Chef den Autrag hält, dar­über zu berich­ten. Dann setzt der in Kapi­tel unter­teil­te Haupt­teil ein, der durch­gän­gig in der Ich-Per­spek­ti­ve aus Mil­lies Sicht geschrie­ben ist. “Here we go! Ich, Mil­lie McE­wan, sech­zehn Jah­re und Rachels fünf Jah­re jün­ge­re Schwes­ter, bin also dei­ne Chro­nis­tin und des­halb musst du dich auf mein Wort ver­las­sen.” (Zitat S.18) Eine sehr sym­pa­thi­sche Figur, die man ger­ne bei ihren Ermitt­lun­gen beglei­tet. Die auch ein wenig über den Tel­ler­rand aktu­el­ler Ereig­nis­se her­aus­schaut und zuwei­len span­nungs­ge­la­de­ne Andeu­tun­gen macht: “Hät­te ich aller­dings geahnt, was sich bei der Füh­rung über das Gelän­de ereig­nen soll­te, wäre ich auf jeden Fall mit­ge­kom­men. Aber davon schwan­te mir natür­lich nichts.” (Zitat S.63) Das Set­ting mit dem Luxus­zug ist über­aus tref­fend gewählt und erin­nert natür­lich an “Mord im Ori­ent­ex­press” von Aga­tha Chris­tie (inklu­si­ve Schnee­we­he), wor­auf auch eine Anspie­lung gemacht wird: “Viel­leicht war es kei­ne so schlech­te Idee gewe­sen, aus­ge­rech­net dann mit Mord im Ori­ent­ex­press von Aga­tha Chris­tie los­zu­le­gen, wenn ich bei heu­len­dem Wind und Schnee­ge­stö­ber gefühlt mut­ter­see­len­al­lein im Zug hock­te. […] “Wenn du schon mit so einem Luxus­zug zu dei­nen Eltern fährst, soll­test du gewapp­net sein. Jeder dei­ner Mit­rei­sen­den könn­te ein Mör­der sein” (Zitat S.72) Im Innen­um­schlag vor­ne erhal­ten die Leser:innen zudem eine gezeich­ne­te Über­sicht der ein­zel­nen Wag­gons. Die­se sind durch­aus prunk­voll aus­ge­stat­tet — ein Wag­gon ent­hält bei­spiels­wei­se einen kom­plet­ten Spa-Bereich, den die Gäs­te wäh­rend der Fahrt kos­ten­los nut­zen kön­nen. “Wäh­rend Sie der mit allem moder­nen Kom­fort aus­ge­stat­te­te Zug im Stil der Zwan­zi­ger­jah­re durch ein ver­schnei­tes Wind­er­wun­der­land trägt, las­sen Sie sich im Spa (jeg­li­cher Ser­vice an Bord ist inklu­si­ve) ver­wöh­nen, genie­ßen unse­re aus­ge­zeich­ne­te Küche und freu­en sich auf Aus­flü­ge, Spe­cial Events und den Roaring-Twen­ties-Mas­ken­ball als Höhe­punkt unse­res hoch­ka­rä­ti­gen Pro­gramms.” (Zitat S.11) Cozy Charme erwar­tet einen auch beim Lesen an vie­len Stel­len. Hier gibt es nicht nur Schnee­ball­schlach­ten, Zau­ber­shows und einen Mas­ken­ball, son­dern auch jede Men­ge feins­te Kuli­na­rik: “Nata­lie kam und brach­te mir einen himm­lisch duf­ten­den Leb­ku­chen-Lat­te. Mit­samt Zucker­dös­chen und pas­sen­der Keks­scha­le stell­te sie ihn auf einer sil­ber­nen Plat­te vor mir ab.” (Zitat S.57) In dem Kri­mi sind zahl­rei­che Per­so­nen unter­ge­bracht, aber man kommt an sich gut mit. Hilf­reich ist hier­bei — wie schon in Alex­an­dra Fischer-Hunolds vor­he­ri­gen Kri­mis ein Personen­re­gis­ter am Anfang mit kur­zen Erklä­run­gen zu den jewei­li­gen Figu­ren. “Nächs­ter Halt: Mord” ist ein klas­si­cher Whod­u­nit-Kri­mi, ein mun­te­res Rät­sel­ra­ten, wer der Täter oder die Täte­rin gewe­sen sein könn­te. Hier macht es die Autorin ihren Leser:innen nicht all­zu ein­fach. Und auch wenn eini­ges natür­lich sehr kon­stru­iert wirkt und es auch die ein oder ande­ren Unge­reimt­hei­ten gibt, unter­hält der in sich abge­schlos­se­ne Kri­mi ein­fach sehr gut. Er ist tem­po­reich und mit­rei­ßend und eigent­lich pas­siert stän­dig irgend­et­was. Auch eine klei­ne Love­sto­ry ist in die Geschich­te mit inte­griert. “Mein Herz mach­te einen Hüp­fer. Denn Charles hat­te den Salon betre­ten. Er blick­te zu mir rüber und hob kurz die Hand. Ich erwi­der­te sei­nen Gruß. Him­mel, sah der gut aus in sei­nem Smo­king!” (Zitat S.75) Zum Ende wird es noch ein­mal rich­tig schön dra­ma­tisch. Auch wenn mir zuge­ge­be­ner­ma­ßen die Reak­ti­on einer gewis­sen ent­larv­ten Per­son am Ende völ­lig fehl­te. Hier wird lei­der ein­fach aus­ge­blen­det. Den­noch ein inge­samt sehr schö­nes Lesevergnügen!

Du magst den Erzähl­stil von Alex­an­dra Fischer-Hunold? Für Jugend­li­che (ab 11) schrieb sie noch die “Eine Lei­che zum Tee”-Rei­he, die mir sehr gut gefiel: “Eine Lei­che zum Tee” (Band 1) uLesealternativennd “Eine Lei­che zum Tee: Mord in der Biblio­thek” (Band 2). Laut Anga­ben des Ver­lags wird die­se Rei­he wohl lei­der nicht mehr fort­ge­setzt wer­den. Außer­dem ver­öf­fent­lich­te sie noch “Ewig & Immer: Die Geheim­nis­se der Lady Hale­wood” (ab 14). Und die wahr­schein­lich bes­te Lese­al­ter­na­ti­ve von ihr ist: “Ein Mör­der auf der Gäs­te­lis­te”, ein wei­te­rer Weih­nachts­kri­mi, der sich auch sehr unter­halt­sam liest (ab 12). Oder lies noch den bereits erwähn­ten Klas­si­ker “Mord im Ori­ent­ex­press” von Aga­tha Chris­tie. Ande­re Jugend­bü­cher, die in Zügen spie­len, wäre noch die­se: die “Aben­teu­er-Express”-Rei­he von Maya G. Leon­hard: “Juwe­len­die­be im High­land Express” (Band 1), “Ent­füh­rung im Cali­for­nia Comet” (Band 2), “Ent­de­ckung im Safa­ri Star” (Band 3) und “Gefahr im Mit­ter­nachts­ex­press” (Band 4) oder die “Wel­ten-Express”-Rei­he von Anca Sturm: “Der Wel­ten-Express” (Band 1), “Zwi­schen Licht und Schat­ten” (Band 2) und “Vom Suchen und Fin­den” (Band 3). Eben­falls in einem “Die drei ???”-Band spielt ein Zug eine wich­ti­ge Rol­le: “Die drei ??? und der schrei­en­de Zug”. 

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Ueberreuter
ISBN: 978-3-7641-7157-5
Erscheinungsdatum: 17.September 2025
Einbandart: Broschur
Preis: 18,00€
Seitenzahl: 352

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Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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