Alexandra Fischer-Hunold — Eine Leiche zum Tee

Kasimira23.März 2019

Eine Lei­che zum Tee” von der deut­schen Autorin Alex­an­dra Fischer-Hunold lässt ein jun­ges Mäd­chen, die neben ihrem Schwarm eigent­lich nur Kuchen und Tor­ten backen im Kopf hat, in einem klei­nen beschau­li­chen, eng­li­schen Dorf auf einen Mord­fall sto­ßen! In bes­ter Miss Marp­le Manier ver­sucht sie die­sen zu lösen. Mit bri­ti­scher, bezau­bernd humor­vol­ler Note lie­fert die­ses Buch für Jugend­li­che ab 11 Jah­ren eine schö­ne Unter­hal­tung. Und für inter­es­sier­te Erwach­se­ne, die für einen Kri­mi­nal­fall zum Tee immer noch nicht zu alt sind;-)

Die 13-jäh­ri­ge Amy lebt nach dem Tod ihrer Eltern bei ihrer Groß­tan­te Cla­ris­sa. Sie ist eher etwas unschein­bar und schüch­tern. Liebt Lie­bes­ro­ma­ne und backt unheim­lich ger­ne. Letz­te­res kommt vor allem ihrer Tan­te zugu­te, die nach ihrer Pen­sio­nie­rung (sie war vor­her Leh­re­rin & Direk­to­rin an einer Grund­schu­le) einen klei­nen Tearoom eröff­net hat. Und Amy, die zugleich Hun­de­be­sit­ze­rin eines klei­nen Ter­ri­ers ist, schwärmt sei­ner eini­ger Zeit für Finn, einen Jun­gen aus ihrer Schu­le. Sie hat sich sogar, um ihm in ihrer Frei­zeit näher zu sein, bei der unbe­lieb­ten, gran­ti­gen Rubi­nia Redcliff ange­mel­det, einer berühm­tenKasimira Pia­nis­tin, die seit ihrer Rheu­ma­er­kran­kung nur noch ver­ein­zelt Kon­zer­te gibt und Kla­vier­un­ter­richt erteilt: “Was das Kla­vier­spielen angeht, bin ich ziem­lich talent­be­freit. Aber die Chan­ce, die glei­che Luft zu atmen, die Finn vor mir geat­met hat­te, war es wert, sich zu schin­den. Das und die Gewiss­heit, ein­mal in der Woche in sei­ne kris­tall­blau­en Augen bli­cken zu dür­fen und ihm ein lei­ses “Hal­lo!” ent­ge­gen­zu­seuf­zen, bevor er einen sei­ner Lieb­lings­kek­se aus sei­nem Ruck­sack kram­te und sich auf sein schwar­zes Bike schwang.” (Zitat S.6) Finn ist äußerst begabt, erhofft sich sogar von sei­ner Kla­vier­leh­re­rin eine Emp­feh­lung für eine Musik­hoch­schu­le. Und nun möch­te Amy — anläss­lich der Fünf­hun­dert­jahr­fei­er ihres Dor­fes — es end­lich wagen, Finn anzu­spre­chen! Doch dann über­schla­gen sich plötz­lich die Ereig­nis­se. “In unse­rem beschau­li­chen, ver­schla­fe­nen Dörf­chen Ash­ford-on-Sea an der Süd­west­küs­te Eng­lands war tat­säch­lich ein Mord began­gen wor­den. Der ers­te seit über acht­zig Jah­ren. Schau­er­haft! Aber noch viel schlim­mer als der Mord war die Tat­sa­che, dass der Mör­der einer von uns sein muss­te.” (Zitat S.5) Es ist aus­ge­rech­net Rubi­nia Redcliff, die “Schreck­schrau­be und eine gefühls­kal­te Eis­kö­ni­gin” (Zitat S.6), die man tot auf­ge­fun­den hat. Der Ser­geant geht von einem Unfall aus. Rubi­nia Redcliff litt an einer KasimiraNuss­all­er­gie, von der sie auch stän­dig jedem erzähl­te. Gestor­ben ist sie laut Obduk­ti­on an einem ana­phy­lak­ti­schen Schock. Man fand eine Packung Kek­se am Tat­ort. Doch Tan­te Cla­ris­sa geht von etwas ande­rem aus. Von einem Mord. Sie, die heim­li­che “Miss Marp­le” von Ash­ford-on-Sea. “Nie­mand ging zu unse­rem brum­mi­gen Dorf-Ser­geant Oli­ver Oaks. Brauch­te jemand kri­mi­na­lis­ti­sche Hil­fe oder einen Rat, such­te er ihn bei mei­ner Groß­tan­te.” (Zitat S.9) Unfrei­wil­lig fin­det Amy her­aus, dass neben vie­len ande­ren Per­so­nen des Ortes, die Rubi­nia Redclif gehasst haben, auch aus­ge­rech­net Finn ein Motiv gehabt hat, die Kla­vier­leh­re­rin zur Stre­cke zu brin­gen. Was wenn ihre Tan­te ihren Schwarm ver­däch­ti­gen wird? Das darf auf kei­nen Fall pas­sie­ren. Und so muss Amy, die eigent­lich eher Exper­tin in Sachen Lie­bes­ro­ma­nen ist, plötz­lich in die Fuß­stap­fen ihrer Tan­te tre­ten und sei­ne Unschuld bewei­sen…

Das Cover von “Eine Lei­che zum Tee” wirkt sehr pas­send. Nur beim nähe­ren Betrach­ten macht der schwar­ze Hin­ter­grund des klei­nen Dor­fes etwas unschlüs­sig. Soll das Schwar­ze die Sil­hou­et­te eines Kop­fes dar­stel­len? Unten wirkt das Schma­le wie ein Hals, aber die Form eines Gesichts von der Sei­te passt nicht so ganz… mhm. Schön gemacht ist auf jeden Fall die KasimiraZeich­nung im Innen­teil, die man sowohl vor­ne als auch hin­ten fin­det, und das fik­ti­ve Ash­ford-on-Sea mit den wich­tigs­ten Bau­wer­ken zeigt. Der Ein­stieg in die Geschich­te, die durch­gän­gig aus Amys Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve geschrie­ben ist, hat mir sehr gut gefal­len. Die­se bri­ti­sche Lebens­art, die dörf­li­che Idyl­le des klei­nen Ortes und vor allem Tan­te Cla­ris­sa mit ihrem Tearoom. Da läuft einem buch­stäb­lich das Was­ser im Mun­de zusam­men, wenn aller­lei Tört­chen und ande­res Gebäck auf­ge­zählt wer­den… Auch Amy ist eine sehr sym­pa­thi­sche Per­sön­lich­keit, die all­mäh­lich aus ihren Schne­cken­häus­chen her­aus­kom­men muss:  “Ich has­se es auf­zu­fal­len. Ich zie­he das Glei­che an wie alle ande­ren, tra­ge mei­ne Haa­re wie alle ande­ren und fin­de das Glei­che gut wie alle ande­ren. Denn so hal­te ich mich unauf­fäl­lig im Hin­ter­grund. Dar­in bin ich gut. So gut, dass ich es bei­nah schaf­fe, mit der Tape­te, der Schul­ta­fel oder der Wand in mei­nem Rücken zu ver­schmel­zen. Einen Jun­gen anzu­spre­chen, war für mich so etwas wie mein Kasimiraper­sön­li­cher Mount Ever­est.” (Zitat S.12) Manch­mal wirkt Amy etwas sehr quir­lig, aber auf ange­neh­me Art und Wei­se. Der Roman ist recht tur­bu­lent erzählt. Er glänzt jetzt nicht durch die größ­ten Span­nungs­bö­gen (die Täter­su­che ist ein biss­chen wie ein Abklap­pern von ein­zel­nen Figu­ren), ist aber eigent­lich immer sehr unter­halt­sam. Schön ist vor allem der humor­vol­le Unter­ton, der sich durch die Geschich­te zieht. Mit viel Iro­nie beglei­tet man die Prot­ago­nis­tin auf ihrem Weg den wah­ren Mör­der zu fin­den. Eine klei­ne Lie­bes­ge­schich­te ist natür­lich auch mit dabei;-)

Dir gefällt der Erzähl­stil von Alex­an­dra Fischer-Hunold? Die Autorin hat unzäh­li­ge Bücher geschrie­ben, haupt­säch­lich Erst­le­se­ti­tel. Eine Span­nungs­rei­he für Kin­der ab 8 Jah­ren von ihr ist zum Bei­spiel die “Sher­lock von Schlot­ter­fels”-Serie. Auch hat sie eini­ge Titel für die Rei­he “Tat­ort Erde” geschrie­ben, die schon ab 10 Jah­ren zu lesen sind. Zum Bei­spiel “Koa­las spur­los ver­schwun­den. Ein Rate­kri­mi aus Aus­tra­li­en” unLesealternativen“Zum Din­ner ohne Ali­bi. Ein Rate­kri­mi aus Eng­land”Noch mehr Über­blick über ihre zahl­rei­chen Ver­öf­fent­li­chun­gen fin­dest du hier. Eine gute inhalt­li­che Alter­na­ti­ve ist auf jeden Fall die Neu­erschei­nung Elling­ham Aca­de­my: Was geschah mit Ali­ce?” von Mau­re­en John­son, das mir sehr gut gefal­len hat! Toll ist eben­so die gewief­te Ermitt­le­rin Ruby Red­fort, die wirk­lich rich­tig cool ist und bereits in Serie gegan­gen ist: “Ruby Red­fort: Gefähr­li­cher als Gold” (Band 1), “Ruby Red­fort: Käl­ter als das Meer” (Band 2), “Ruby Red­fort: Schnel­ler als Feu­er” (Band 3), “Ruby Red­fort: Dunk­ler als die Nacht” (Band 4), “Ruby Red­fort: Gif­ti­ger als Schlan­gen” (Band 5) und “Ruby Red­fort: Töd­li­cher als Ver­rat” (Band 6). Oder lies die “Ein Fall für Wells & Wong”-Rei­he von Robin Ste­vens: “Mord ist nichts für jun­ge Damen” (Band 1), “Tee­stun­de mit Todes­fall” (Band 2), “Mord ers­ter Klas­se” (Band 3), “Feu­er­werk mit Todes­fol­ge” (Band 4) und “Mord unterm Mis­tel­zweig” (Band 5). Zwei wei­te­re Neu­erschei­nun­gen die­ses Jahr in guter Miss Marple/Sherlock Hol­mes-Manier sind “Aga­tha Oddly — Das Ver­bre­chen war­tet nicht” von Lena Jones und “Der Fall des ver­schwun­de­nen Lords: Ein Eno­la-Hol­mes-Kri­mi” von Nan­cy Sprin­ger.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Ueberreuter
ISBN: 978-3-7641-7082-0
Erscheinungsdatum: 15.Februar 2019
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,95€ 
Seitenzahl: 320 
Übersetzer: 
Originaltitel: 
Originalverlag: 

Kasimiras Bewertung:

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