Adriana Popescu — Ein Lächeln sieht man auch im Dunkeln

Kasimira24.Januar 2021

Ein Lächeln sieht man auch im Dun­keln” ist der neu­es­te Roman der deut­schen Autorin Adria­na Popes­cu. Eine Geschich­te über Freund­schaft und Lie­be und die Schat­ten der Ver­gan­gen­heit, die auf der See­le zwei­er Jugend­li­che las­ten. The­men wie Ängs­te, Mob­bing und der Wunsch zu ver­ges­sen wer­den auf sen­si­ble Art und Wei­se mit ein­ge­bun­den. Von einer äußerst ange­neh­men Erzäh­le­rin, die es schafft Gefüh­le authen­tisch zu trans­por­tie­ren. Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

Sam Nowak ist der Neue an Maries Schu­le. In ihrer ers­ten gemein­sa­men Unter­richts­stun­de leiht er sich einen Kugel­schrei­ber von ihr: “Er schiebt ihn sich läs­sig hin­ter das Ohr, zwin­kert mir zu und dreht sich wie­der in Rich­tung Tafel…[…] Das ist die bes­te Aus­sicht, die ich in der Dop­pel­stun­de bei Herrn Mül­ler seit Lan­gem hat­te.” (Zitat aus “Ein Lächeln sieht man auch im Dun­keln” S.8). Ein biss­chen Ablen­kung tut Marie ganz gut, die Sor­gen kon­zen­trie­ren sich in ihrer Fami­lie in letz­ter Zeit ohne­hin nur auf ihren jün­ge­ren Bru­der Theo. Ein Zwi­schen­fall vor einem Jahr, über den nie­mandKasimira spricht, hat sein Leben für immer ver­än­dert. Und in der Schu­le wird Theo seit eini­ger Zeit gemobbt. Über­ra­schend nimmt aus­ge­rech­net Samu­el Theo eines Tages in Schutz: “Alles okay da unten?” Kurz glau­be ich, mich ver­hört zu haben. Seit drei Mona­ten bin ich Andis Lieb­lings­op­fer, aber noch nie hat jemand etwas gesagt.(Zitat S.16) Denn Marie, die alles für ihren Bru­der tun wür­de — ihn sogar von der Schu­le jeden Tag heim­fährt — kann Theo nicht immer zur Sei­te ste­hen. Und so kom­men die bei­den Geschwis­ter Samu­el all­mäh­lich immer näher. Freund­schaft und eine zar­te, auf­kei­men­de Lie­be. Aber auch Samu­el hat eine Ver­gan­gen­heit und etwas zu verbergen…

Der Titel samt Cover sind aus­ge­spro­chen schön gewählt. Der Roman ist aus der Sicht der drei der Prot­ago­nis­ten in Ich-Per­spek­ti­ve geschrie­ben: Marie, Samu­el und Theo. Adria­na Popes­cu hat eine sehr ange­neh­me Erzähl­stim­me. Eine ein­fa­che, kla­re Spra­che, die Kasimiraauf den Punkt kommt und Emo­tio­nen über­zeu­gend dar­stel­len kann. “Hör auf, dir Sor­gen zu machen, Marie. Mir geht es gut.” Wenn er wüss­te, wie ger­ne ich ihm das glau­ben wür­de und wie schlecht er lügt. Wie oft ich ihn nachts hören kann und wie sehr es mir das Herz zer­reißt, so hilf­los auf der ande­ren Sei­te der Tür zu ste­hen.” (Zitat S.23) Beson­ders Marie und ihre zwie­späl­ti­gen Gefüh­le hin­sicht­lich ihres Bru­ders sind gut getrof­fen. Einer­seits macht sie sich Sor­gen um ihren Bru­der und hat Angst, was sein wird, wenn sie die Schu­le abschließt und nicht mehr an sei­ner Sei­te sein kann um ihn zu beschüt­zen. Ande­rer­seits fühlt sie sich zu Hau­se auch über­se­hen und in den Hin­ter­grund gestellt: “Die­ses Gespräch mit Mama habe ich schon oft genug geführt, um zu wis­sen, dass sie sich nicht nach mei­nem Tag erkun­digt. Hier geht es um Theo. So wie eigent­lich immer seit dem Zwi­schen­fall. Inzwi­schen habe ich mich dar­an gewöhnt und bil­de mir ein, dass es gar nicht mehr weh­tut, selbst wenn ich eigent­lich etwas erzäh­len will, das so gar Kasimiranichts mit Theo zu tun hat und ich auf halb­tau­be Ohren tref­fe.” (Zitat S.33) Inter­es­sant ist, dass man lan­ge Zeit weder das Geheim­nis um The­os “Zwi­schen­fall” kennt, noch Samu­els Vor­ge­schich­te. Wo war er in den letz­ten 9 Mona­ten? War­um wohnt er jetzt auf ein­mal bei sei­ner Mut­ter und will Abstand zu sei­ner alten Cli­que? “Nie­mand an die­ser Schu­le weiß etwas, zumin­dest nie­mand von den Schü­lern, und das soll auch so blei­ben. Ich will kei­ne Fra­gen, ich will kei­ne Bli­cke und ich will kei­ne Gerüch­te. Alles, was ich will, ist, mei­nen Abschluss machen und dann mit dem Frei­fahrt­schein in die hof­fent­lich rich­ti­ge Bahn stei­gen.” (Zitat S.62) Dem nach­zu­ge­hen, liest sich äußerst unter­halt­sam. Auch die Dia­lo­ge, die teils rich­tig cool und elo­quent sind, haben mir sehr gut gefallen.

Fazit: Eine Lie­bes- und Freund­schafts­ge­schich­te mit beson­de­ren Cha­rak­te­ren und Tief­gang! Lohnenswert.

Dir gefällt Adria­na Popes­cus Erzähl­stil? Dann lies noch ihre ande­ren Roma­ne, hier chro­no­lo­gisch nach Erschei­nungs­da­tum Lesealternativensor­tiert: “Paris, du und ich”, “Ein Som­mer und vier Tage”, Mein Som­mer auf dem Mond” (toll!) und “Mor­gen irgend­wo am Meer”. Ein Mäd­chen, das an Panik­at­ta­cken lei­det, das fin­dest du in “Klip­pen sprin­gen” von Clai­re Zorn und in “Ver­rückt vor Angst” von Jana Frey. Eine psy­chi­sche Erkran­kung exzel­lent zu beschrei­ben, das schafft Best­sel­ler­au­tor John Green in sei­nem Jugend­buch “Schlaft gut, ihr fie­sen Gedan­ken”. Roma­ne, in denen man gut erkennt, wie sehr eine psy­chi­sche Erkran­kung sich auf die gan­ze Fami­lie aus­wirkt, sind Das Schwei­gen in mei­nen Kopf” von Kim Hood (bril­lant!) oder Die Wahr­heit über Ivy” von Kathy Stin­son (bewe­gend!). Eine schö­ne Bru­der-Schwes­ter-Geschich­te ist auch “Per­fect Escape” von Jen­ni­fer Brown. Eine tol­le Neu­erschei­nung einer gelun­ge­nen Fami­li­en­ge­schich­te ist zudem “Ich bin der Lärm, ich bin die Käl­te” von Jen­ni­fer Down­ham. Gut könn­te ich mir auch “Alles. Nichts. Und ganz viel dazwi­schen” oder “Die Stil­le mei­ner Wor­te” von Ava Reed vor­stel­len. Pro­blem­the­men mit noch mehr Roman­tik? Dann lies “Wenn du mich küsst” von Julia­na Stone.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: cbt
ISBN: 978-3-570-31337-4
Erscheinungsdatum: 14.September 2020
Einbandart: Broschur
Preis: 13,00€
Seitenzahl: 464
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Adriana Popescu spricht über ihr Buch:

Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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