Trish Doller — Nachts am Fluss

Trish Doller - Nachts am Fluss14.Juni 2017

Die in Deutsch­land gebo­re­ne, in Ame­ri­ka jedoch auf­ge­wach­se­ne Auto­rin Trish Dol­ler hat mit “Nachts am Fluss” einen roman­ti­schen (Spannungs-)Roman geschrie­ben. Ein Aus­flug ins Unge­wis­se, ein Mäd­chen zwi­schen zwei Jungs und jede Men­ge unheil­vol­le Din­ge, die gesche­hen. Das sind die Zuta­ten für eine aben­teu­er­rei­che, unter­halt­sa­me Lek­tü­re. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

High Springs. Flo­ri­da. Die 18-jäh­ri­ge Arca­dia, genannt Cadie, liebt es Rei­sen an Orte zu pla­nen, an denen sie bis­her noch nie gewe­sen ist. In ihrem Zim­mer hat sie all jene Zie­le auf Land­kar­ten mar­kiert. Rei­sen in Gedan­ken, das kann sie sehr gut. Doch zum tat­säch­li­chen Rei­sen hat sie kei­ne Zeit. Nicht mal für einen Freund (ihr letz­ter hat des­we­gen mit ihr Schluss gemacht). Denn seit dem Krebs­tod der Mut­ter vor drei Jah­ren, muss Cadie sich um ihren klei­nen, vier­jäh­ri­gen Bru­der küm­mern. Ihr Vater ist mit die­ser Auf­ga­be heil­los über­for­dert. Und sie küm­mert sich auch sonst eigent­lich um alles: “Wer mäht den Rasen? Ich. Wer macht das Haus sau­ber? Ich. Wer wäscht die Wäsche? Oh! Stimmt, das bin ja auch ich. Ich brin­ge Dan­ny zum Arzt, wenn er krank ist, decke ihn jeden Abend zu und ver­ja­ge die Trish Doller - Nachts am Flussschwarz-gel­ben Bie­nen­mons­ter unter sei­nem Bett.” (Zitat aus “Nachts am Fluss” S.14) Sogar das Fuß­ball­spie­len hat sie auf­ge­ge­ben, um mehr Zeit für ihren Bru­der zu haben. Des­halb reagiert Cadie äußerst unge­hal­ten, als ihr Vater ihr ihren heiß­ersehn­ten, frei­en Frei­tag­abend madig machen will, um statt­des­sen einen Freund zu besu­chen. Sie macht sich ein­fach schnell davon, um auf eine Par­ty am Fluss zu gehen. Dort trifft sie erst auf Matt und dann auf Noah, die bei­de mit ihrem Auto und zwei Kanus unter­wegs auf Rei­sen sind. Cadie ist fas­zi­niert von den Jungs, fühlt sich zu Noah sofort hin­ge­zo­gen. “Komm doch ein­fach mit.” Viel­leicht ist das mei­ne Chan­ce, ein unbe­kann­tes Aben­teu­er zu erle­ben. Ein klei­ner Akt der Rebel­li­on mit einem süßen Typen als Bei­la­ge. Ich läche­le zurück. “Ja, war­um nicht.” (Zitat S.26) Und so sagt sie zu, die Jungs ein paar Tage auf ihrer Tour zu beglei­ten. Nichts ahnend, dass einer von ihnen ein dunk­les Geheim­nis ver­birgt. Und bald taucht auch schon der ers­te Tote auf…

Nachts am Fluss” ist ein soli­der erzähl­ter Thril­ler. Der Span­nungs­bo­gen baut sich lang­sam auf — wenn auch nicht mit über­bor­den­der Dra­ma­tik — und steu­ert auf ein klei­nes Fina­le zu. Die Prä­sen­ta­ti­on des Täters war für mich aller­dings irgend­wie schon etwas vor­her­seh­bar. Und es erwar­tet den Leser kein typi­sches Täter­pro­fil (wor­an man sich auch erst mal gewöh­nen muss). Erzählt wird diTrish Doller - Nachts am Flusse Geschich­te durch­ge­hend aus Cadies Sicht, die mir als Cha­rak­ter sehr gut gefal­len hat. Man kann sich wun­der­bar in sie hin­ein­ver­set­zen und erlebt mit ihr eine taf­fe, selbst­be­wuss­te Per­sön­lich­keit, abseits kli­schee­haf­ter 0−8−15 Figu­ren. Auch sprach­lich fin­det man zuwei­len manch schö­ne Bil­der: “Wenn Matt der Vier­te-Juli-Fei­er­tag war, ist Noah ein Som­mer­ge­wit­ter und ich kapie­re nicht, war­um. Ich weiß, dass ich an einem schwe­ren Fall von Lust auf den ers­ten Blick lei­de, aber soll­te es nicht genau so anfan­gen? Wir soll­ten die Kis­ten unse­res Lebens nicht ein­fach so auf­rei­ßen und sie uns gegen­sei­tig vor die Füße knal­len. Viel­mehr soll­ten wir ein Lasche nach der ande­ren hoch­klap­pen und erst mal vor­sich­tig hin­ein­schau­en.” (Zitat S.32) Das Cover wirkt düs­ter und geheim­nis­voll, pas­send zur Atmo­sphä­re der Geschich­te. Inter­es­sant gemacht sind auch die Über­schrif­ten, die wel­len­för­mig gestal­tet sind; man­che Buch­sta­ben schei­nen nahe­zu (im Was­ser) zu versinken.

Fazit: Ein Thril­ler auf mitt­le­rem Span­nungs­ni­veau für eine leich­te Unter­hal­tung für Zwi­schen­durch.

LesealternativenVon Trish Dol­ler wur­de zuvor noch ein ande­res Buch ins Deut­sche über­setzt: Ster­nen­him­mel­ta­ge”. Der Ver­lag beschreibt es als “luf­tig-leich­tes Som­mer­buch — mit der rich­ti­gen Por­ti­on Tie­fe”. Du magst Roma­ne, die aben­teu­er­lich sind und in der Natur spie­len, aber auch eine Lie­bes­ge­schich­te erzäh­len? Dann lies die gelun­ge­ne Neu­erschei­nung “The distan­ce bet­ween me and you” von Mari­na Gess­ner oder den Klas­si­ker “Libel­len­som­mer” von Ant­je Baben­der­er­de. Klas­se fand ich auch “Kiss me, kill me” von Lucy Chris­to­pher. Ein Kanu-Aben­teu­er fin­dest du auch zum Teil in “Wolf Moon River” von Rai­ner Maria Schrö­der.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-31500-7
Erscheinungsdatum: 26.Mai 2017
Einbandart: Broschur
Preis: 10,99€ 
Seitenzahl: 240 
Übersetzer: Ann Lecker
Originaltitel: "The devil you know"
Originalverlag: Bloomsbury USA

Amerikanisches Originalcover:
Trish Doller - Nachts am Fluss 

Kasimiras Bewertung:

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(3,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von Trish Doller

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