Tino Schrödl — Die Regeln des Schweigens

Tino Schrödl - Die Regeln des Schweigens14.November 2015

Die Regeln des Schwei­gens” von dem deut­schen Autor Tino Schrödl ist ein Roman über einen beson­de­ren Geheim­klub, über Geheim­nis­se, Macht und Mani­pu­la­ti­on. Schon das inter­es­sant gestal­te­te Cover macht neu­gie­rig auf die­ses Buch. Unter­halt­sam erzählt. Für Jugend­li­che (beson­ders Jungs) ab 12 Jah­ren.

Phils Schu­le ist abge­brannt. Die Poli­zei geht von Brand­stif­tung aus und jetzt muss Phil auf eine ande­re Schu­le wech­seln. Glück­li­cher­wei­se besucht er mit Mona, die vor­her in sei­ner Par­al­lel­klas­se war und für die er heim­lich schwärmt, nun den­sel­ben Unter­richt und kommt ihr unver­hofft näher. Eines Tages lädt sie ihn sogar ein, ihre Freun­de ken­nen­zu­ler­nen. Phil lan­det mit­ten in einem Geheim­klub, in den er auf­ge­nom­men wird. Mit Mit­glie­dern so unter­schied­lich wie Feu­er und Was­ser. In der Schu­le “ken­nen” sie ein­an­der nicht wirk­lich, eine Hüt­te auf einem abge­le­ge­nes Grund­stück ist ihr regel­mä­ßi­ger Treff­punkt. “Wir spü­ren Geheim­nis­se auf und hal­ten sie fest. Auch wenn sie im ers­ten Moment banal erschei­nen. Wir erzäh­len sie nicht wei­ter, denn wir wol­len nie­man­dem scha­den. Manch­mal schrei­ten wir ein. Wenn wir füh­len, dass wir etwas bewir­ken oder hel­fen kön­nen. Aber meist begnü­gen wir uns damit, sie auf­zu­schrei­ben.” (Zitat aus “Die Regeln des Schwei­gens” S.48). Jedes der Mit­glie­der muss den ande­ren in regel­mä­ßi­gen Abstän­den ein Geheim­nis prä­sen­tie­ren. Und es gibt fes­te Regeln, an die sich jeder hal­ten muss. Das ers­te Geheim­nis, das Phil opfern muss, betrifft aus­ge­rech­net sei­nen Vater. Der ist nicht auf Dienst­rei­se in Japan, so wie er allen immer erzählt, son­dern sitzt wegen Betrug im Gefäng­nis. “Wie kommt man auf die­se Idee, Leu­te aus­zu­spio­nie­ren? Was machen sie wirk­lich mit den Ide­en? Vor allem aber ver­wir­ren mich die Mit­glie­der. Sie pas­sen nicht zusam­men, bil­den in mei­nem Kopf kei­ne Ein­heit. Optisch nicht, und von ihrem Hin­ter­grund her auch nicht. Und doch haben sie hier zusam­men­ge­fun­den. Viel­leicht das größ­te Geheim­nis von allen.” (Zitat S.52) Und doch hat Phil irgend­wie das Gefühl, dass es etwas gibt, was die Klub­mit­glie­der ihm ver­schwei­gen. Bald gibt es unter­ein­an­der die ers­ten Pro­ble­me. Und Phil stellt fest, dass nichts so ist, wie es scheint…

Tino Schrödl - Die Regeln des SchweigensDie Regeln des Schwei­gens” wird in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt und aus Phils Sicht. Ich muss zuge­hen, dass mir der Erzähl­stil zu Beginn des Romans etwas flap­sig vor­kam. Jedoch legt sich das dann all­mäh­lich und die Geschich­te wird flüs­si­ger. Das The­ma an sich ist wirk­lich fas­zi­nie­rend und regt zu eige­nen Über­le­gun­gen an. “Wie vie­le Men­schen wohl gehei­me Machen­schaf­ten hüten, die nie jemand erfah­ren darf? Dunk­le Sei­ten, ob schreck­lich oder nicht, die sie gewis­sen­haft hüten vor frem­den Bli­cken. Man­che lus­tig, ande­re trau­rig, eini­ge not­wen­dig, vie­le nicht. Geheim­nis­se kön­nen hel­fen, beru­hi­gen, bewah­ren, ret­ten und ver­let­zen.” (Zitat S.75) Wel­che Men­schen aus der eige­nen Umge­bung tra­gen wohl ein Geheim­nis mit sich her­um? Und zugleich ahnt man auch im Lau­fe der Geschich­te, dass man­che Din­ge lie­ber im Ver­bor­ge­nen blei­ben: Geheim­nis­se kön­nen grau­sam sein. Oder hilf­reich, nütz­lich, ein Segen für die Men­schen, die sie betref­fen. Oder ein Fluch.” (Zitat S.76) Ins­ge­samt muss ich aller­dings bemer­ken, dass die Geschich­te zwar nicht unbe­dingt Län­gen hat oder gar lang­wei­lig ist, mich aber auch nicht wirk­lich vom Hocker gehau­en hat. Inter­es­sant ja, bleibt aber eher auf einem durch­schnitt­li­chen Niveau. Die Figu­ren sind zudem ein wenig ober­fläch­lich gezeich­net. Aber: am bes­ten eine eige­ne Mei­nung bil­den!

LesealternativenEinen der bekann­tes­ten Geheim­klubs fin­dest du in “Der Club der toten Dich­ter” von Nan­cy H. Klein­baum. Oder lies die Neu­erschei­nung “Was uns bleibt ist jetzt” von Meg Wolit­zer, das sich eben­so um einen gehei­men Zir­kel dreht. Geheim­nis­se in einer eli­tä­ren, klei­nen Grup­pe tre­ten auch in Don­na Tartts Best­sel­ler “Die gehei­me Geschich­te” (ab 16 Jah­ren) zu Tage. Ein wirk­lich fes­seln­der Roman über Mani­pu­la­ti­on und Freund­schaft ist “Unter Freun­den” von Tho­mas Fuchs. Sehr gut könn­te ich mir als Lese­al­ter­na­ti­ve auch “Panic: Wer Angst hat, ist raus!” von Lau­ren Oli­ver vor­stel­len.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Ueberreuter
ISBN: 978-3-7641-7042-4
Erscheinungsdatum: 8. Oktober 2015
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,95€
Seitenzahl: 288
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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(2,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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