Tanja Heitmann — In einer Sommernacht wie dieser

Tanja Heitmann In einer Sommernacht wie dieser24.August 2016

Die deut­sche Auto­rin Tan­ja Heit­mann, die vor allem durch ihre roman­ti­schen Fan­ta­sy­bü­cher bekannt gewor­den ist, hat mit “In einer Som­mer­nacht wie die­ser” einen rea­lis­ti­schen Roman geschrie­ben, der mit Thril­ler­ele­men­ten durch­wo­ben ist. Eine Geschich­te über die Lie­be, die Lei­den­schaft für etwas und die Gefahr, die dahin­ter­ste­cken kann. Eine gelun­ge­ne, atmo­sphä­ri­sche Lek­tü­re mit einem wun­der­schö­nen Cover! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Die 17-jäh­ri­ge Leo­nie, genannt Leo, staunt nicht schlecht, als sie in der neu­en Vil­la ihres Vaters am Pots­da­mer See ankommt, um dort die Som­mer­fe­ri­en zu ver­brin­gen und ein Bau­ar­bei­ter vom Dach her­ab­fällt. Sei­nen Schmer­zen nach scheint er sich den Arm gebro­chen zu haben, doch der har­sche, unfreund­li­che Bau­un­ter­neh­mer will davon nichts wis­sen. “Die Bull­dog­ge mus­ter­te sie abfäl­lig. “Hör mal, du kannst so viel Fräu­lein Dok­tor spie­len, wie du willst. Aber nicht hier und nicht jetzt. Wenn ich sage, der Mann hat nix, dann hat der nix.” “Ja, klar”, sag­te Leo, um dann dem untä­tig her­um­ste­hen­den Taxi­fah­rer zuzu­ru­fen: “Wenn Sie nicht sofort einen Kran­ken­wa­gen holen, zei­ge ich Sie wegen unter­las­se­ner Hil­fe­leis­tung an, ver­stan­den?” (Zitat S.8) Den Taxi­fah­rer pfeift der Bau­un­ter­neh­mer zurück, den Ver­letz­ten schickt er davon. Auch als Leo­nie ihm sagt, dass Tanja Heitmann In einer Sommernacht wie diesersie die Toch­ter von Cle­mens Kress­berg ist, für den die­ser die Vil­la reno­viert, ist ihm das ziem­lich gleich­gül­tig. Der Ver­letz­te, so ver­mu­tet Leo, ist wahr­schein­lich ein Schwarz­ar­bei­ter. Unter­stüt­zung gegen Ben­der, den Bau­un­ter­neh­mer, erhält Leo unver­hofft, als Ale­xei hin­zu­kommt, der eben­falls auf dem Anwe­sen beschäf­tigt und viel­leicht nur ein Jahr älter als sie ist. Der unnah­ba­re, attrak­ti­ve Ale­xei, der mit Ben­der auch schon ein Hühn­chen zu rup­fen hat­te, und der Leo ver­tei­digt. “Es fehl­te nicht viel, und die Span­nung wür­de sich wie eine explo­si­ve Mischung ent­zün­den. Obwohl Leos Instinkt sie dazu dräng­te, sich schleu­nigst in Sicher­heit zu brin­gen, stell­te sie sich neben Ale­xei. Nicht nur das, sie leg­te ihm auch ihre Hand auf den Unter­arm. Die Berüh­rung dau­er­te nicht län­ger als ein paar Herz­schlä­ge, trotz­dem spür­te sie, wie sich sei­ne Här­chen unter ihren Fin­ger­spit­zen auf­rich­te­ten. Dann locker­te sich sei­ne eben noch ange­spann­te Hal­tung, als hät­te Leo einen gehei­men Punkt auf sei­ner Haut berührt, und ein Aus­druck von Ver­wun­de­rung leg­te sich über sein Gesicht.” (Zitat S.13) Ale­xei arbei­tet für Vik­tor, den Tanja Heitmann In einer Sommernacht wie dieserGärt­ner der Vil­la. Ein gewis­ser Ruf eilt ihm vor­aus. Er stammt aus Mol­da­wi­en und ist nicht nur ein gro­ßer Schwei­ger, son­dern schein­bar auch öfters in Schlä­ge­rei­en ver­wi­ckelt gewe­sen. Sei­ne Gefüh­le hat er nicht immer im Griff. Und dann ist da noch etwas Dunk­les in ihm. Ein Schat­ten der Ver­gan­gen­heit, der auch für Leo, die ihm unwei­ger­lich näher kommt, deut­lich wird. “Inzwi­schen stand Ale­xei nur noch eine Arm­län­ge von ihr ent­fernt, und sie glaub­te, das hit­zi­ge Flim­mern sei­ner Kör­per­wär­me zu spü­ren. Zu nah, schrill­te es in ihrem Kopf. Nicht nah genug, hielt eine ande­re, viel über­zeu­gen­de­re Stim­me dage­gen.” (Zitat S.46) Trotz­dem lässt sie sich auf ihn ein. Bis ein Toter im Wald auf­taucht. Es ist aus­ge­rech­net Ben­der. Und Ale­xei steht unter Mord­ver­dacht…

In einer Som­mer­nacht wie die­ser” ist ein Roman, der bereits mit einem mit­rei­ßen­den Beginn auf­war­tet, der den Leser sogleich mit­ten ins Gesche­hen hin­ein­ka­ta­pul­tiert. Kein sei­ten­lan­ges Vor­ge­plän­kel, kei­ne ewig lan­gen Cha­rak­ter­ein­füh­run­gen — die Prot­ago­nis­ten stür­zen sich mit­ten in die Geschich­te, die schnell ihren Ver­lauf nimmt. TTanja Heitmann In einer Sommernacht wie dieseranja Heit­mann hat per­so­na­le Erzähl­per­spek­ti­ven gewählt und legt neben ein paar ande­ren Sicht­wei­sen, das Haupt­au­gen­merk auf Ale­xeis und vor allem Leos Wahr­neh­mung. Gera­de auch an Ale­xeis Erle­ben teil­zu­ha­ben, ist sehr inter­es­sant, da man — hin­sicht­lich der Fra­ge, ob er ein Mör­der ist oder nicht — die­se Fra­ge auch aus sei­ner Sicht nicht ein­deu­tig klä­ren kann, da ihn eini­ge Black­outs in letz­ter Zeit pla­gen. Andeu­tun­gen machen neu­gie­rig nach sei­ner Ver­gan­gen­heit, die sich erst nach und nach offen­bart: “Mit dem Fahr­rad dau­er­te es eine Wei­le bis dort­hin, weil er einen Umweg um den Wald fah­ren muss­te. Denn den wür­de er nicht ein­mal dann frei­wil­lig durch­que­ren, wenn sein Leben davon anhing.” (Zitat S.38) Zwi­schen­durch stößt man immer wie­der auf gräu­lich gemus­ter­te Sei­ten, die “Im Wald” spie­len und eine Sze­ne schil­dern, die erst spä­ter in den rich­ti­gen Zusam­men­hang gebracht wer­den kann. Der Roman ist äußerst kraft- und stim­mungs­voll erzählt, beson­ders Leo als Cha­rak­ter hat mir sehr gut gefal­len. Ein Mäd­chen, das sich nicht alles bie­ten lässt, hart­nä­ckig ist und es schafft einen Stur­kopf wie Ale­xei aus dem Kon­zept zu brin­gen. Tanja Heitmann In einer Sommernacht wie dieserTrotz­dem erwar­tet auch sie eine Ach­ter­bahn der Gefüh­le. “Sie woll­te bei ihm blei­ben, wäh­rend sie es zugleich kaum aus­hielt, nur einen Hand­breit vor ihm zu ste­hen und ihm trotz­dem so fern wie noch nie zu sein. Es fehl­te nicht mehr viel, und es wür­de sie zer­rei­ßen, ein­mal mit­ten ent­zwei. Sie glaub­te, das Zer­ren in ihrem Inne­ren bereits zu spü­ren, wie es sich hin­ein­trieb in Haut und See­le.” (Zitat S.190) Die Emo­tio­nen ihrer Prot­ago­nis­ten zu beschrei­ben, gelingt der Auto­rin äußerst gut. Die Geschich­te ist bewe­gend, authen­tisch und gegen Ende (auch wenn man den Aus­gang bereits erahnt) sehr fes­selnd, so dass man “In einer Som­mer­nacht wie die­ser” kaum aus den Hän­den legen möch­te!

Fazit: Eine Lie­bes­ge­schich­te mit einem klei­nen Schuss Thril­ler, tol­le Unter­hal­tung — nicht nur für Som­mer­näch­te;-)

Wenn dir “In einer Som­mer­nacht wie die­ser” gefal­len hat, dann lies doch auch noch die ande­ren (Fantasy-)Bücher von Tan­ja Heit­mann: Zum Bei­spiel die “Schat­ten­schwin­gen”-Tri­lo­gie (Band 1: “Schat­ten­schwin­gen”, BaLesealternativennd 2: “Schat­ten­schwin­gen: Die dunk­le Sei­te der Lie­be”, Band 3: “Schat­ten­schwin­gen: Zeit der Geheim­nis­se”, die “Dämo­nen”-Rei­he (Band 1: “Mor­gen­rot”, Band 2: “Win­ter­mond”, Band 3: “Nacht­glanz” und Band 4: “Traum­split­ter”). Ihr letz­tes Werk war “Nebel­sil­ber” das Ende 2015 erschien. Inhalt­lich gese­hen hat mich der hier rezen­sier­te Roman etwas an “Der Mär­chen­er­zäh­ler” von Anto­nia Michae­lis erin­nert, das jedoch sprach­ge­wal­ti­ger ist und ohne die Per­spek­ti­ve des männ­li­chen Prot­ago­nis­ten aus­kommt. Ver­liebt in einen Mör­der? Die­se The­ma­tik fin­dest du in dem Best­sel­ler “Der Erd­beer­pflü­cker” von Moni­ka Feth , in dem Are­na-Thril­ler “Schat­ten­flü­gel” von Kath­rin Lan­ge oder in “Lili­en­blut” von Star-Auto­rin Eli­sa­beth Herr­mann. Ein paar inhalt­li­che Par­al­le­len gibt es auch zu dem fes­seln­den “Kiss me, kill me” von Lucy Chris­to­pher.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Oetinger
ISBN: 978-3-7891-3731-0
Erscheinungsdatum: 25.Juli 2016
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,99€ 
Seitenzahl: 368 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Trailer zum Buch:

Kasimiras Bewertung:

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