Tamara Bach — Vierzehn

Tamara Bach - Vierzehn19.November 2016

Vier­zehn” ist der neue Roman der deut­schen Auto­rin Tama­ra Bach, die für ihre Wer­ke mit zahl­rei­chen Prei­sen aus­ge­zeich­net wur­de und auch den Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis (für “Mars­mäd­chen”) ihr eigen nen­nen darf. Ihr aktu­el­les Buch erzählt die Geschich­te eines ein­zi­gen Tages und stellt ein Mäd­chen in den Mit­tel­punkt, das nach den Som­mer­fe­ri­en wie­der zur Schu­le geht und mit eini­gen Ver­än­de­run­gen rech­nen muss. Treff­si­cher und prä­gnant erzählt. Ein kurz­wei­li­ges (112 Sei­ten star­kes), aber sehr inten­si­ves Lese­er­leb­nis! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und für Erwach­se­ne.

Beh ist 14. Vor den Som­mer­fe­ri­en war sie län­ge­re Zeit krank und konn­te des­halb auch an der Rei­se nach Polen nicht teil­neh­men. Es ist acht Wochen her, dass sie ihre Freun­de und Mit­schü­ler das letz­te Mal gese­hen hat. Alles fühlt sich auf ein­mal ver­än­dert an. “Han­nah flüs­tert Jea­net­te etwas ins Ohr, so dass man halb mit­be­kommt, “was denn noch mit” flüs­ter­flüs­ter. Jea­net­te mit erns­tem Blick. Ein Nicken von bei­den. Han­nah schaut dich an. Gesicht sagt “Das ver­stehst du nicht”.” (Zitat aus “Vier­zehn” S.15). Die Freun­din­nen behan­deln sie anders. Es gibt vie­les, das Beh ver­passt hat in jener Zeit. Ihre Freun­din Jea­net­te scheint auch den Jun­gen nicht mehr toll zu fin­den, für den sie noch vor den Feri­en geschwärmt hat. Sie haben einen neu­en Leh­rer und eine neue Mit­schü­le­rin, mit dem Namen Maxi­ma, die zudem neben Beh sit­zen soll. Irgend­wie scheint alles ver­än­dert zu sein. Auch in Beh’s Fami­lie ist nichts mehr so wie es sein soll…

Vier­zehn” wird aus einer unge­wohn­ten Erzähl­per­spek­ti­ve erzählt. Es ist die Du-Per­spek­ti­ve, die der all­wis­sen­de Erzäh­ler benutzt: “Sie lässt jetzt die Türe los, nimmt dich leicht in den Arm, du riechst nach Schlaf und Bett und denkst kurz an Ele­fan­ten. Sie riecht nach fri­scher WäscheTamara Bach - Vierzehn, nach Par­fum, nach Haar­spray und Zahn­pas­ta. Sie gibt dir einen Kuss auf den Kopf, erwischt drei Mil­li­me­ter Stirn. Du bist in den letz­ten sechs Wochen zwei Zen­ti­me­ter gewach­sen. Das weißt du noch nicht. Sie merkt es jetzt.” (Zitat S.7) Der Roman ist in Kapi­tel ein­ge­teilt, die meist die Ört­lich­kei­ten oder Schul­stun­den als Über­schrift füh­ren. Es wird ein gan­zer Tag chro­no­lo­gisch nach­er­zählt. Von mor­gens bis abends. Vom Auf­ste­hen bis zum Schla­fen­ge­hen. In allen Details. Von den Auf­st­eh­ri­tua­len über den Inhalt der Schul­stun­den bis­hin zu Nach­mit­tags­be­schäf­ti­gun­gen. Ich wür­de nicht behaup­ten, dass “Vier­zehn” über beson­de­re Dra­ma­tik oder Span­nungs­bö­gen ver­fügt, aber gleich­zei­tig den­noch so ein­neh­mend ist, dass man sich der Geschich­te ein­fach nicht ent­zie­hen kann, gera­de weil sie so banal wirkt und in all ihrer Gewöhn­lich­keit dann doch wie­der beson­ders ist. Es sind die Fein­hei­ten, die zäh­len. Die unschein­ba­ren Ele­men­te, wie zum Bei­spiel der abblät­tern­de Nagel­lack der Haupt­fi­gur oder die Auf­ga­be des Leh­rers ver­las­se­ne Orte zu foto­gra­fie­ren, die sich wie ein roter Faden durch das Buch zie­hen. Die Fra­ge­zei­chen, die sich auf­tun. Wer ist Beh’s neu­er Freund? Was für eine Krank­heit hat­te sie? Was ist mit ihrem Vater? Und was ist ihr eigent­li­cher Name? (Beh ist nur eine Abkür­zung). Die Spra­che ist aus­drucks­stark und hek­tisch. Abge­hackt und tref­fend. Aber auch distan­ziert und geheim­nis­voll: “Du berührst dei­ne Lip­pen. Vor­ges­tern bist du geküsst wor­den. Du denkst an jeman­den und lächelst.” (Tamara Bach - VierzehnZitat S.9) Tama­ra Bach beherrscht die Kunst des Aus­las­sens. Um am Ende alle Fäden wie­der pas­send zusam­men­zu­füh­ren. Sie reiht Sät­ze anein­an­der, knallt sie dem Leser ins Gesicht und sagt mit weni­gen Wor­ten so viel mehr: “Du schreibst, dass du im Ver­kehr fest­steckst. Dass du nicht weißt, ob du es schaffst. Recht­zei­tig. Fragst, ob man dir einen Platz frei hal­ten kann, wenn es hart auf hart kommt. Du schreibst nicht hart auf hart. Dir wird ein Platz ver­spro­chen. Dir wer­den ein paar Emo­ti­cons geschickt. Du schickst wel­che zurück.” (Zitat S.12) “Vier­zehn” ist nicht nur ein ein­zig­ar­ti­ges Por­trät eines Tages, son­dern auch der Aus­schnitt aus dem Leben eines jun­gen Mäd­chens, das erwach­sen wer­den, das Ent­täu­schun­gen erle­ben muss, aber auch freud­vol­le Momen­te geschenkt bekommt. Ein Roman, der zum Leh­rer­lieb­ling wer­den könn­te, weil in ihm außer­or­dent­lich viel Poten­ti­al zur Inter­pre­ta­ti­on steckt;-)

Fazit: Ein Buch abseits des Main­streams. Indi­vi­du­ell und authen­tisch.

Wenn du “Vier­zehn” rich­tig gut fan­dest, dann kannst du noch die ande­ren Roma­ne von Tama­ra Bach lesen (chro­no­lo­gisch nach Erschei­nungs­da­tum): “Mars­mäd­chen” (hierfLesealternativenür erhielt sie unzäh­li­ge Prei­se, u.a. den Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis 2004), “Bus­fahrt mit Kuhn” (nomi­niert für den Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis 2005), “Jetzt ist hier”, “Was vom Som­mer übrig bleibt” (erhielt den Katho­li­schen Kin­der- und Jugend­buch­preis 2013) und “Mari­en­bil­der”. Bücher, die einen gan­zen Tag erzäh­len, sind zum Bei­spiel Cra­zy games: Der per­fek­te Tag, der in der Höl­le endet” von Mir­jam Mous oder “Ein Tag ohne Zufall” von Mary E. Pear­son. Ande­re Jugend­bü­cher, die sehr aus­drucks­stark vom Erwach­sen­wer­den erzäh­len, sind zum Bei­spiel Roma­ne von Hil­de Kval­va­ag (z.B. “Das ist der Som­mer im Para­dies, wie er eben aus­sieht, wenn man die Son­nen­bril­le absetzt”) oder “Pondero­sa” von Micha­el Sie­ben. Abseits des Main­streams und sehr authen­tisch ist auch “Raben­som­mer” von Eli­sa­beth Stein­kell­ner .

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-58359-8
Erscheinungsdatum: 29.September 2016
Einbandart: Hardcover
Preis: 13,99€ 
Seitenzahl: 112 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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