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Das neue Thema des Monats November: Anspruchsvolle Jugendliteratur

Es gibt sie noch… 

Das neue Thema des Monats November: Anspruchsvolle Jugendliteraturdie anspruchs­vol­le­ren, lite­ra­risch ange­hauch­ten Bücher! Abseits des 0–8-15-Mainstreams haben sie sich ver­steckt und wer­den nun aus den ver­staub­ten Ecken gezerrt. Denn so man­che Per­le wird in den Mas­sen der Neu­erschei­nun­gen über­se­hen und ent­geht jenen Leser, die Freu­de haben sich mit beson­de­ren The­men aus­ein­an­der­zu­set­zen. Zudem wird man oft belohnt mit einer wun­der­schö­nen Spra­che: Sät­ze, die man sich am liebs­ten unter­strei­chen möch­te. For­mu­lie­run­gen, die über­ra­schen und ger­ne noch ein zwei­tes Mal gele­sen wer­den wol­len. Denn Roma­ne mit Anspruch tun vor allem eines — sie gehen in die Tie­fe! Sie bie­ten dop­pel­te Böden und Spiel­raum für viel Eigen­in­ter­pre­ta­ti­on. Daher sind sie ide­al … Weiterlesen!

Kelly Anne Blount — Ich komm dich holen, Schwester

Kelly Anne Blount - Ich komm dich holen, Schwester15.Oktober 2017

Die ame­ri­ka­ni­sche Auto­rin Kel­ly Anne Blount hat mit ihrem Buch “Ich komm dich holen, Schwes­ter” auf der E-Book-Platt­form Watt­pad einen rie­sen Erfolg gelan­det. Jetzt ist der mit ein paar Hor­ror­ele­men­te gespick­te Psy­cho­thril­ler ins Deut­sche über­setzt wor­den. Eine Geschich­te über eine Ent­füh­rung, einer Psy­cho­pa­tin und der Flucht vor eben jener. Span­nungs­ge­la­den. Hef­tig. Ein kurz­wei­li­ges 192-Sei­ten lan­ges Lese­ver­gnü­gen mit klei­nen Schwä­chen. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Vor drei Mona­ten hat die jun­ge Abria­na ihn im Inter­net ken­nen­ge­lernt. Eas­ton Pier­ce. Jetzt ist sie mit das ers­te Mal ver­ab­re­det und will sich mit ihm in einem Restau­rant tref­fen. Doch auf dem Weg dort­hin fin­det er den Treff­punkt nicht und schreibt ihr, dass er von einer Sei­ten­stra­ße aus in ihre Rich­tung lau­fen wird. Auch Abria­na weicht auf die­se Neben­gas­se aus, um ihm ent­ge­gen­zu­kom­men. Nichts ahnend, dass er sie in weni­gen Augen­bli­cken über­wäl­ti­gen und ent­füh­ren und in eine klei­ne Hüt­te im Wald ver­schlep­pen wird. “War­um tust du mir das an?” “Weil ich dich lie­be.” Wie­der stell­ten sich die Här­chen in mei­nem Nacken auf. Ist der Typ kom­plett ver­rückt? “Glaub mir, ich lie­be dich”, beteu­er­te er.” (Zitat S.9) Abria­na muss eine Augen­bin­de tra­gen und ist … Weiterlesen!

Marit Kaldhol — Zweet

Marit Kaldhol Zweet22.September 2017

Zweet” ist bereits das zwei­te Jugend­buch der nor­we­gi­schen Auto­rin Marit Kald­hol, das ins Deut­sche über­setzt wur­de. Für ihren ers­ten Roman “Allein unter Schild­krö­ten” wur­de sie 2013 für den Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis nomi­niert. Ihr aktu­el­les Buch: eben­falls ein klei­nes, lite­ra­ri­sches Schmuck­stück, das sowohl ein­dring­lich, als auch über­ra­schend behut­sam erzählt wird. Im Mit­tel­punkt ein Ter­ror­an­griff an einer Schu­le, vor dem eine jun­ge Außen­sei­te­rin flüch­ten kann, in ihre ganz eige­ne Welt — die Welt der Bie­nen. Eine Geschich­te über das Anders­sein, über Mob­bing und die Zart­heit einer ers­ten Lie­be. Für Jugend­li­che ab 12 Jah­ren und für Erwach­se­ne.

Lill-Miri­am ist anders als die ande­ren. “Mama hat den ande­ren Eltern von mei­nem Zyn­drom erzählt. Weil zie woll­te, dazz die ande­ren verzte­hen, war­um ich bin, wie ich bin. Dazz ich man­che Din­ge auf mei­ne eige­ne Art mache. Zeit­dem nen­nen zie mich nur noch Zny­drom. Außer einem Jun­gen mit Zuper­man-T-Zhirt, der hat mich ange­lä­chelt.” (Zitat S.24ff) Sie redet nicht so ger­ne. Schrei­ben mag sie viel lie­ber, auch wenn gera­de mal wie­der die “S”-Taste ihres Lap­tops spinnt und sie lie­ber ein “Z” ver­wen­det. Als ein Alarm in ihrer Schu­le aus­bricht, geht sie nicht mit den ande­ren nach drau­ßen, um in die uner­war­te­ten Fän­ge von Ter­ro­ris­ten zu gelan­gen, son­dern … Weiterlesen!

Marieke Nijkamp — 54 Minuten: Jeder hat Angst vor dem Jungen mit der Waffe

Marieke Nijkamp - 54 Minuten: Jeder hat Angst vor dem Junge mit der Waffe21.September 2017

Die nie­der­län­di­sche Auto­rin Marie­ke Nij­kamp hat für ihren Roman “54 Minu­ten: Jeder hat Angst vor dem Jun­gen mit der Waf­fe” gut und viel recher­chiert. Nicht nur des­we­gen ist ihr auf Eng­lisch geschrie­be­nes Buch (die Auto­rin beherrscht meh­re­re Spra­chen) in Ame­ri­ka zu einem über­ra­schen­den Erfolg gewor­den. Eine erschre­cken­de Geschich­te über einen Amok­lauf und das Geflecht mensch­li­cher Bezie­hun­gen, die bei die­ser Schre­ckens­tat wie durch ein Skal­pell scho­nungs­los offen­ge­legt wer­den. Bewe­gend, hef­tig und sehr fes­selnd geschrie­ben. Für Jugend­li­che ab 15 Jah­ren und für Erwach­se­ne.

Oppor­tu­ni­ty. Ein klei­nes Städt­chen in Ame­ri­ka. Es scheint ein ganz gewöhn­li­cher Tag zu sein. Die Direk­to­rin Mrs Tren­ton hält wie immer zu Beginn des nächs­ten Halb­jah­res ihre Eröff­nungs­re­de. In der Aula. Den Inhalt der Rede kön­nen vie­le Schü­ler schon nahe­zu aus­wen­dig. Er ist jedes Mal gleich. “Mein Bru­der wür­de mir sagen, dass Mrs Tren­tons Anspra­che mehr Wahr­heit ent­hält, als ich mir vor­stel­len kann. Dass die Welt mir zu Füßen läge und es an mir wäre, das Bes­te aus mei­ner Zukunft zu machen. Das habe ich mehr­fach ver­sucht und bin immer wie­der geschei­tert. Inzwi­schen steht mir der Sinn nach Flucht. (Zitat S.13) Autumn, die das Tan­zen liebt, dies aber seit dem Tod ihrer Mut­ter heim­lich tun muss, sitzt neben ihrer Freun­din Syl­via, mit­ten in der Aula und hört zu. Als die Anspra­che end­lich zu Ende ist, drän­gen sich die Schü­ler Rich­tung Aus­gang. Aber selt­sa­mer­wei­se geht es … Weiterlesen!

Alina Bronsky — Und du kommst auch drin vor

Alina Bronsky - Und du kommst auch drin vor10.September 2017

Und du kommst auch drin vor” ist der neu­es­te Roman der rus­sisch-deut­schen Auto­rin Ali­na Bron­sky und erzählt die Geschich­te eines Mäd­chen, das sich auf einer Auto­ren­le­sung in einem Buch wie­der­erkennt. Ein Buch über Schick­sal, Freund­schaft und die Suche nach der eige­nen Iden­ti­tät. Tur­bu­lent, unter­halt­sam und locker erzählt. Für Jugend­li­che ab 11 Jah­ren und Wenig-Leser bes­tens geeig­net.

Ber­lin. Kim und Petrow­na sind bei­de 14 Jah­re alt. Und schon seit der Grund­schu­le bes­te Freun­din­nen. “Wir sit­zen seit dem ers­ten Schul­tag neben­ein­an­der. In der aller­ers­ten Pau­se unse­res Lebens haben wir uns geprü­gelt. […] Mei­ne Mut­ter rief sofort die Klas­sen­leh­re­rin, die Schul­lei­te­rin und die Schul­psy­cho­lo­gin an und pro­phe­zei­te, dass Kin­der wie Petrow­na mit drei­zehn auf dem Stra­ßen­strich lan­den. Am drit­ten Schul­tag haben wir auf­ge­hört, uns zu prü­geln, und sind seit­dem unzer­trenn­lich.” (Zitat S.6) Nur nach Hau­se darf Kim ihre bes­te Freun­din nicht ein­la­den. Petrow­na, die eigent­lich Erna heißt — so aber nicht genannt wer­den will und lie­ber ihren Zweit­na­men ver­wen­det — stammt aus ärm­li­chen Ver­hält­nis­sen und einer schein­bar
kri­mi­nel­len Fami­lie, ist aber … Weiterlesen!

Teresa Toten — Beware that girl

Teresa Toten Beware that girl7.September 2017

Bewa­re that girl” von der kana­di­schen Auto­rin Tere­sa Toten ist bereits das zwei­te Buch, das von ihr ins Deut­sche über­setzt wur­de. Ein Thril­ler über Freund­schaft, dunk­le Geheim­nis­se und Mani­pu­la­ti­on. Ein inhalt­lich viel­ver­spre­chend klin­gen­des Werk, das den Leser lei­der doch sehr auf die Gedulds­pro­be stellt. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

New York. Die 18-jäh­ri­ge Kate ver­traut nie­man­dem. Es darf sie auch nie­mand anfas­sen. Und sie kennt nur ein Ziel: Die Uni­ver­si­tät von Yale. Das hat sie ihrer Mut­ter auf dem Ster­be­bett ver­spro­chen. Doch ein Leben in Armut, von Pfle­ge­fa­mi­lie zu Pfle­ge­fa­mi­lie, ist nicht immer ein­fach. Momen­tan lebt sie in einer ziem­li­chen Abstei­ge. Aber sie hat ein Sti­pen­di­um an einer renom­mier­ten Pri­vat­schu­le ergat­tert. Schreibt traum­haf­te Noten und arbei­tet neben­bei für die Ver­wal­tung der Schu­le und in einem Lebens­mit­tel­la­den. Aber Kate will noch mehr: “Ich weiß, was die Welt zu bie­ten hat, und ich will auch ein Stück vom Kuchen.” (Zitat S.20). Da sie lügen schon im Alter von 10 Jah­ren gelernt hat, beschließt sie … Weiterlesen!

Eileen Cook — Die Wahrheit kennst nur du

Eileen Cook - Die Wahrheit kennst nur du21.August 2017

Die Wahr­heit kennst nur du” von der ame­ri­ka­ni­schen Auto­rin Eile­en Cook ist ein raf­fi­niert erzähl­ter Psy­cho­thril­ler über ein Mäd­chen ohne Erin­ne­run­gen, den Tod der bes­ten Freun­din und eine erschre­cken­de Wahr­heit, die lang­sam ans Licht zu kom­men droht. Ein­dring­lich und sehr unter­halt­sam geschrie­ben. Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Die 18-jäh­ri­ge Jill erwacht urplötz­lich im Kran­ken­haus“Ich wuss­te nicht mal, wel­chen Tag wir hat­ten. Die Tür öff­ne­te sich quiet­schend, und als ich hin­über­sah, wuss­te ich, dass es wirk­lich schlecht um mich stand. Mei­ne Eltern waren hier. Bei­de. Ich hat­te sie seit Jah­ren nicht mehr zusam­men im sel­ben Raum gese­hen. Sie hass­ten sich. Nicht mal um mei­net­wil­len taten sie so, als wür­den sie mit­ein­an­der aus­kom­men.” (Zitat S.12) Jill hat eine Ver­let­zung am Kopf und eine Frak­tur am Bein und muss wegen Letz­te­rem ope­riert wer­den. Was pas­siert ist? Dar­an kann sie sich ein­fach nicht erin­nern. Ihre Eltern sagen, dass sie einen Auto­un­fall gehabt hat. Aber sie weiß gar nichts mehr dar­über. Sie hofft eigent­lich nur, dass … Weiterlesen!

Ursula Poznanski — Aquila

Ursula Poznanski - Aquila17.August 2017

Die öster­rei­chi­sche Best­sel­ler­au­to­rin Ursu­la Pozn­an­ski legt mit “Aqui­la” end­lich wie­der neu­en Lese­stoff vor! Ihr Thril­ler ent­führt in eine der schöns­ten Städ­te Ita­li­ens — nach Sie­na. Eine Geschich­te über ein merk­wür­di­ges Black­out, die Suche nach der Wahr­heit und einen mys­te­riö­sen Todes­fall. Tem­po­reich und span­nend erzählt. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Die 19-jäh­ri­ge Nika stu­diert schon seit eini­gen Mona­ten in Sie­na. Ein Aus­lands­se­mes­ter in Kunst­ge­schich­te. Auch wenn sie das Stu­di­um nicht mit der größ­ten Begeis­te­rung führt, weil sie noch nicht wirk­lich weiß, was sie mit ihrem Leben anfan­gen will. Dafür geht sie mit ihrer Mit­be­woh­ne­rin Jen­ny — eben­falls einer Deut­schen — des Öfte­ren auf Par­tys. Doch als sie an einem Mor­gen nach einer ver­gan­ge­nen Fei­er erwacht, muss sie fest­stel­len, dass dies­mal irgend­et­was anders ist. Sie hat einen lan­gen Krat­zer im Gesicht, der bereits blut­ver­krus­tet ist. Und sie kann sich nicht erin­nern, wie sie … Weiterlesen!

Johannes Herwig — Bis die Sterne zittern

Johannes Herwig - Bis die Sterne zittern5.August 2017

Bis die Ster­ne zit­tern” ist das ers­te Buch des deut­schen Auto­ren Johan­nes Her­wig und zugleich auch das ers­te Jugend­buch, das die “Leip­zi­ger Meu­ten” in den Mit­tel­punkt einer Geschich­te stellt — Grup­pen von Jugend­li­chen in Leip­zig, die sich von der NS-Ideo­lo­gie distan­zier­ten. Ein inter­es­san­ter, auf­klä­ren­der, poli­tisch-his­to­ri­scher Roman, der nicht nur das Erwach­sen­wer­den in einer schwie­ri­gen Zeit zeigt, son­dern auch Freund­schaft, Mut, Ein­satz­be­reit­schaft und den Kampf um Frei­heit. Bewe­gend und unter­halt­sam geschrie­ben. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwach­se­ne, die sich mit jener Zeit ger­ne aus­ein­an­der­set­zen möch­ten.

Leip­zig. 1936. Die Som­mer­fe­ri­en haben gera­de begon­nen, als der 16-jäh­ri­ge Har­ro uner­war­tet auf der Stra­ße mit der Hit­ler­ju­gend anein­an­der­ge­rät: “Du hast die Fah­ne nicht gegrüßt. […] Ein jeder hat die Fah­ne zu grü­ßen! Ganz gleich, wo er steht.” Die Dop­pel­deu­tig­keit sei­ner Wor­te war dem Hit­ler­jun­gen offen­sicht­lich nicht bewusst. “Wer es nicht tut, wird bestraft!” (Zitat S.15) Denn Har­ro steht tat­säch­lich nicht auf der Sei­te des Nazi­re­gimes. Er — der Sohn von Leh­rer­el­tern, die eben­falls nicht in der Par­tei sind, sich aber eher aus allem raus­hal­ten — will mit der Hit­ler­ju­gend nichts zu tun haben. Glück­li­cher­wei­se kom­menWeiterlesen!

Das neue Thema des Monats August: Sexualität…

Von Bien­chen und Blüm­chen…

…ist auch in Jugend­bü­chern manchmThema des Monats Erotikal die Rede. Wenn es ums Erwach­sen­wer­den geht, wenn ers­te Erfah­run­gen gemacht wer­den, ers­te Küs­se, ers­te Berüh­run­gen aus­ge­tauscht wer­den und wenn Inti­mi­tät ent­steht, die jen­seits allem Theo­re­ti­schen liegt. Hier­bei gibt es zwei Arten von Jugend­bü­chern: Die einen, die an die­sen Stel­len dezent aus­blen­den und ihre Leser nicht “über­for­dern” wol­len. Und dann gibt es noch die ande­ren, die en détail ALLES zei­gen. Die frei­zü­gig und offen über Sexua­li­tät berich­ten, die nichts weg­las­sen oder ver­tu­schen. Die Jugend­li­che eben auch Ein­bli­cke geben, in … Weiterlesen!