T.S. Easton — Ben Fletchers total geniale Maschen

T.S. Easton - Ben Fletchers total geniale Maschen23. August 2016

Ein rich­tig coo­les Buch hat der bri­ti­sche Autor T.S. Eas­ton geschrie­ben: “Ben Flet­chers total genia­le Maschen”. Im Tage­buch­stil berich­tet ein Jugend­li­cher aus sei­nem Leben, das eine über­ra­schen­de Wen­dung nimmt, als er auf­grund eines Miss­ver­ständ­nis­ses in einem Strick­kurs lan­det. Total wit­zig und amü­sant geschrie­ben! Jetzt neu als Taschen­buch erschie­nen. Ein her­vor­ra­gen­des Lese­er­leb­nis für Jungs ab 12 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Der 17-jäh­ri­ge Ben Flet­cher liebt Mathe­ma­tik. Er liest und schreibt ger­ne. Und ist ein Orga­ni­sa­ti­ons­ge­nie. Aber er hat drei Freun­de, die ihn dum­mer­wei­se immer in Schwie­rig­kei­ten brin­gen: “Sie sind kei­ne schlech­ten Ker­le. Sie sind ein­fach bloß dumm. Unnö­tig zu erwäh­nen, dass sie nie auf mich hören. Aus irgend­ei­nem Grund aber bin am Ende immer ich es, der dafür zah­len muss.” (Zitat aus “Ben Flet­chers total genia­le Maschen” Seite14). Die letz­te Dumm­heit, in die er hin­ein­ge­ra­ten ist, hat Ben sogar zu einer 12-mona­ti­gen Bewäh­rungs­stra­fe “ver­hol­fen”. Im Aus­tausch mit sei­ner Bewäh­rungs­hel­fe­rin, die bald gro­ße Stü­cke auf ihn hält, erfährt er von sei­nen Auf­la­gen. Er soll T.S. Easton - Ben Fletchers total geniale Maschenein Tage­buch füh­ren. Das ist für Ben kein son­der­lich gro­ßes Pro­blem, er schreibt bereits eines. Dann soll er noch Buße leis­ten und die Frau, die er mit sei­nem Fahr­rad auf­grund übler Umstän­de über den Hau­fen gefah­ren hat, zu Hau­se besu­chen, um ihr bei irgend­wel­chen Arbei­ten zur Hand zu gehen. Dumm nur, dass die­se völ­lig aus­tickt, weil sie von sei­nem ange­kün­dig­ten Besuch nichts mit­be­kom­men hat und ihn aus dem Fens­ter mit Haus­halts­ge­gen­stän­den beschmeißt. Doch es wird noch bes­ser. Denn eine sei­ner Auf­la­gen sieht vor, dass er sich eine Akti­vi­tät außer­halb der Schu­le suchen soll. Er hat die Wahl zwi­schen einem Com­pu­ter­kurs (ihm zu ein­fach), einem Auto­re­pa­ra­tur­kurs (macht sein Vater, geht gar nicht!), einem Töp­fer­kurs (macht die Mut­ter sei­ner heim­li­chen Flam­me Megan, geht erst recht nicht!!) und einem Strick­kurs. Letz­te­ren lei­tet die bezau­bern­de Miss Swal­low, Bens Eng­lisch­leh­re­rin, für die er eben­falls schwärmt. Und auch nur aus die­sem Grund mel­det er sich dafür an. Jedoch muss er schließ­lich erfah­ren, dass es beim Aus­hang der Kur­se einen klei­nen Feh­ler gab. Die Kurs­lei­te­rin­nen wur­den ver­tauscht. Und ehe Ben sich ver­sieht, lan­det er bei Megans Mut­ter im Strick­kurs: “Es ist schön, einen männ­li­chen Teil­neh­mer im Kurs zu haben […] Es wäre wun­der­voll, das Kli­schee, dass Stri­cken nur etwas für Frau­en sei, end­lich ein für alle Mal zu wider­le­gen.” “Ja, da fällt mir ein…[…] Ich bin mir nicht sicher, ob mei­ne Freun­de viel Ver­ständ­nis dafür hät­ten Kli­schees zu wider­le­gen. Ich hat­te irgend­wie gehofft, das wir das Gan­ze ver­trau­lich behan­deln könn­ten.” (T.S. Easton - Ben Fletchers total geniale MaschenZitat aus “Ben Flet­chers total genia­le Maschen” Sei­te 52ff) Und Mrs Hooper behält das Gan­ze tat­säch­lich für sich. Auch dass Ben rich­tig talen­tiert ist. Sogar ein wah­res Natur­ta­lent! Eher schwie­ri­ger wird es für den Jun­gen sei­nen Vater davon zu über­zeu­gen, dass er eigent­lich einen Töp­fer­kurs besucht. Denn die­ser darf nie erfah­ren, was sein Sohn da eigent­lich tut. Unter einem Vor­wand besorgt Ben sich bei Miss Swal­low ein wenig Ton (für die schmut­zi­gen Hän­de), weil er angeb­lich eine Pyra­mi­de für ein Schul­pro­jekt bau­en möch­te. Doch schon bald wol­len sowohl sein Vater, als auch Miss Swal­low Ergeb­nis­se sehen. Und wie recht­fer­tigt Ben, der im Stri­cken ein wun­der­bar ent­span­nen­des Hob­by gefun­den hat, die Exis­tenz einer Strick­zeit­schrift unter sei­nem Bett, die sein Vater beim Auf­räu­men zufäl­lig ent­deckt? Lang­sam aber sicher ver­strickt er sich in ein Netz aus Lügen, des­sen Fäden sich immer dich­ter um sei­nen Hals zie­hen…

Ben Flet­chers total genia­le Maschen” wird durch­ge­hend im Tage­buch­stil aus Bens Sicht geschrie­ben. Die Kapi­tel sind in Tage unter­teilt, die jeweils mit einem Woll­knäul umgarnt wer­den, was optisch echt was her macht und pas­send zum locke­ren Erzähl­stil der Geschich­te passt. In Bens Auf und Ab — in sei­nen tur­bu­len­ten All­tag — kann man sich sehr gut hin­ein­ver­setz­ten. Bra­vou­rös cha­rak­te­ri­siert wird sowohl sei­ne Fami­lie (der sports­be­geis­ter­te Vater, der den Sohn auf jedes Fuß­ball­spiel mit­schleppt und die Mut­ter als die Zau­be­rin arbei­tet; bei­de wer­fen sich regel­mä­ßig zwei­deu­ti­ge, sexu­el­le Anspie­lun­gen an den Kopf, bei denen Ben nur mit den Augen rol­len kann), als auch sei­ne durch­ge­knall­ten Freun­de (von denen einer sich in einem ero­ti­schen selbst­ge­schrie­be­nem Roman ver­sucht, T.S. Easton - Ben Fletchers total geniale Maschenden er “Shades of Gra­ham” nennt). Aus­zü­ge aus Letz­te­rem flie­ßen eben­so in “Ben Flet­chers total genia­le Maschen” ein, wie die regel­mä­ßi­ge Kor­re­spon­denz zwi­schen Ben und sei­ner Bewäh­rungs­hel­fe­rin, die ihn bald zu ihrem ein­zi­gen Erfolgs­fall abstem­pelt und dadurch noch mehr Druck auf Bens Schul­tern ablädt. Und Sor­gen macht sich Ben bald jede Men­ge: Muss er doch auch mit der Haus­halts­ge­gen­stän­den schmei­ßen­den Frau klar kom­men, er wird von einem Jun­gen aus der Schu­le gedisst, von einem Mäd­chen aus dem Strick­kurs über­ra­schend geküsst, er kommt kaum mehr zum Ler­nen, weil er lie­ber strickt, er muss sein Hob­by geheim hal­ten, einem Fuß­bal­ler unge­wollt Lie­bes­rat geben, “Shades of Gra­ham” Kor­rek­tur lesen und und und… Hier lie­fert der Roman gegen Ende auf unprä­ten­tiö­se Wei­se eine schö­ne Bot­schaft: “Du kannst dir nicht über alles gleich­zei­tig Sor­gen machen”, sag­te sie. “Du klingst wie mei­ne Mut­ter”, erwi­der­te ich. “Ich hof­fe, ich küs­se nicht wie dei­ne Mut­ter.” “Nein, mit ihr ist es anders”, gab ich zu. “Masche für Masche”, sag­te sie, “Du kannst nicht alles auf ein­mal tun.” (Zitat aus “Ben Flet­chers total genia­le Maschen Sei­te 305) und ein paar Sei­ten spä­ter auf Sei­te 315: “Manch­mal ist Cha­os okay”, ant­wor­te­te ich, “Um etwas Schö­nes zu machen, braucht man manch­mal ein biss­chen Unord­nung. Man kann nicht immer alles kon­trol­lie­ren, manch­mal muss man den Din­gen frei­en Lauf las­sen.”  Ein wenig macht das Buch aller­dings auch bewusst, dass es manch­mal bes­ser ist zu sich selbst zu ste­hen, als immer der sein zu wol­len, den ande­re in einem sehen (zum Bei­spiel der Vater).
Ins­ge­samt muss ich sagen, dass mir der Roman außer­or­dent­lich gut gefal­len hat! Er ist unter­halt­sam, mit Tief­gang und über­aus wit­zig. Mit jeder Men­ge Situa­ti­ons­ko­mik und Esprit. Unbe­dingt lesen!!

Ben Flet­chers total genia­le Maschen” ist kom­plett in sich abge­schlos­sen, aber es kann auch noch die (bis­her nur auf Eng­lisch erhält­li­che) Fort­set­zung gele­sen wer­den: “An English Boy in New York”. Eine rich­tig gute LesealternativenAlter­na­ti­ve ist auch “Über kurz oder lang” von Marie-Aude Murail. Hier beweist ein Jun­ge über­ra­schen­der­wei­se Talent fürs Haa­re­schnei­den und muss sich eben­falls mit sei­nem Vater aus­ein­an­der­set­zen. Wun­der­bar humor­voll und mit einer beson­de­ren Leich­tig­keit erzählt. Das Ende von “Ben Flet­chers total genia­le Maschen” hat mich von sei­nem Cha­os und sei­nem Über­schwang fast ein biss­chen an die “Schaf­gä­ääng” von Chris­ti­ne und Chris­to­pher Rus­sell erin­nert, die aller­dings noch ein wenig infan­ti­ler, aber auch wahn­sin­nig komisch ist. Bezüg­lich des Endes, in dem dann doch alles wie­der ins gera­de Licht gerückt wird und Ben Unter­stüt­zung erhält, mit der er im Leben nicht gerech­net hät­te und das den Leser mit einen guten Gefühl aus dem Roman ent­lässt, muss­te ich auch sofort an “Wun­der” von Raquel J. Pala­cio den­ken, was auch das The­ma “Anders­sein” in den Vor­der­grund rückt.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Beltz
ISBN: 978-3-407-74735-8
Erscheinungsdatum: 15. August 2016
Einbandart: Taschenbuch
Preis: 8,95€
Seitenzahl: 336
Übersetzer: Andrea Wandel, Wieland Freund
Originaltitel: "Boys don't knit (in public)"
Originalverlag: Hot Key Books
Britisches Originalcover:
T.S. Easton - Ben Fletchers total geniale Maschen











T.S.Easton versucht sich am Stricken;-)
 

Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Britisches Cover: Homepage von Hot Key Books

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