Suzy Zail — Der Klang der Hoffnung

Suzy Zail - Der Klang der Hoffnung12.Januar 2015

Der Klang der Hoff­nung” der aus­tra­li­schen Auto­rin Suzy Zail ist ein abso­lut bewe­gen­der Roman über die Depor­tie­rung einer jüdi­schen Fami­lie in das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Ausch­witz-Bir­ken­au im Som­mer 1944. Der Erschei­nungs­ter­min die­ses Buches ist pas­send zum 70. Jah­res­tag zur Befrei­ung die­ses Inter­nie­rungs­la­gers, wel­cher am 27. Janu­ar 2015 gedacht wird. Die Geschich­te wird aus der Sicht der jun­gen Han­na erzählt, einem musi­ka­li­schen Genie, die in Ausch­witz um ihr Über­le­ben kämpft und eine unmög­li­che Lie­be erlebt. Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Han­na ist 15. Sie liebt das Kla­vier­spie­len und Cla­ra Schu­mann, ihr gro­ßes Vor­bild, im Beson­de­ren. Doch Han­na, die bereits die Chan­ce auf ein Sti­pen­di­um im Buda­pes­ter Musik­kon­ser­va­to­rin hat, lebt zur fal­schen Zeit am fal­schen Ort. Und sie ist Jüdin. Es ist der Som­mer im Jah­re 1944, als ihre Fami­lie um Mit­ter­nacht aus dem Schlaf geris­sen wird und sie alle umge­sie­delt wer­den sol­len. Nur einen Kof­fer mit sei­nen Hab­se­lig­kei­ten darf jeder mit­neh­men. Dabei hat die Fami­lie doch bereits alles getan, was man von ihnen ver­langt hat: Sie haben gel­be Davids­ster­ne auf ihre Klei­dung genäht. Sie haben zuge­las­sen, dass Mau­ern in ihrem Vier­tel errich­tet wur­den, haben die Wach­leu­te respek­tiert, die Aus­gangs­sper­ren, die vie­len Ver­bo­te. Was jetzt? Die Unge­wiss­heit nagt an Han­na. Erst wer­den sie in ein Lager in einer alten Zie­ge­lei gebracht, wo sie in schlech­tes­ten Ver­hält­nis­sen leben, dann komSuzy Zail - Der Klang der Hoffnungmen sie in einen Vieh­wag­gon und wer­den per Zug tage­lang durch die Gegend gefah­ren. Ein­ge­pfercht in einem engen, dunk­len Raum mit viel zu vie­len Men­schen. Nicht alle über­le­ben die Fahrt. Dann die End­sta­ti­on: das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Ausch­witz-Bir­ken­au. Die Fami­lie wird getrennt. Was aus dem Vater wird, das wis­sen Han­na, ihre älte­re Schwes­ter Eri­ka und ihre Mut­ter nicht. Die Frau­en selbst müs­sen har­te Arbeit leis­ten, bekom­men kaum zu essen und schla­fen auf har­ten Prit­schen. Meist zu meh­re­ren in einem Bett. Die Block­wär­te­rin ist streng. Wer weint, wird bestraft. Wer aus der Rei­he tanzt, wird aus­sor­tiert. Manch­mal müs­sen alle auf der Stel­le hüp­fen. Die Schwächs­ten wer­den aus­sor­tiert. Was mit ihnen geschieht, das weiß nie­mand, aber sie kom­men nie wie­der. Han­na bekommt schließ­lich die Mög­lich­keit für den Kom­man­dan­ten von Bir­ken­au täg­lich Kla­vier zu spie­len. Das gibt ihr eine gewis­se Son­der­stel­lung in dem Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger, schürt aber auch den Neid der ande­ren Frau­en, die drau­ßen den gan­zen Tag im Kal­ten arbei­ten müs­sen, wäh­rend Han­na im War­men sitzt. Doch auch im HausSuzy Zail - Der Klang der Hoffnung des stren­gen Kom­man­dan­ten ist es nicht ein­fach. Sie ist den will­kür­li­chen Wün­schen des stren­gen Man­nes aus­ge­lie­fert, macht sie einen Feh­ler, wird sie erschos­sen, so wie der Gärt­ner, den es bald dar­auf trifft. Ein­zi­ger Licht­blick wird bald der Sohn des Kom­man­dan­ten: Karl. Zunächst wirkt er auf Han­na völ­lig unnah­bar und arro­gant. Er scheint sich für die Musik, die sie spielt gar nicht zu inter­es­sie­ren, guckt sie nicht ein­mal an. Doch eines Tages macht Han­na eine über­ra­schen­de Ent­de­ckung…

Der Klang der Hoff­nung” wird kom­plett aus Han­nas Per­spek­ti­ve in der Ich-Form erzählt. Die Ein­dring­lich­keit, mit der die Geschich­te erzählt wird, lässt den Leser zutiefst ergrif­fen zurück, ange­sichts die­ses Leids, das die Men­schen in jener Zeit erdul­den muss­ten. Die Ver­zweif­lung, die Angst, die Qua­len zie­hen sich wie ein roter Faden, wie ein blu­ti­ger Sta­chel­draht durch das Buch. Gera­de die Sicht­wei­se eines 15-jäh­ri­gen Mäd­chen, das nicht weiß, wie ihm geschieht und dass in die­ser Welt gezwun­ge­ner­ma­ßen erwach­sen wer­den muss, ist beson­ders scho­ckie­rend zu lesen. Für Han­na ist es die Musik, in die sie sich zuwei­len vor ihren Ängs­ten flüch­ten kann. Suzy Zail - Der Klang der HoffnungDie sich lang­sam anbah­nen­de Bezie­hung zwi­schen ihr und dem Sohn des Kom­man­dan­ten las­sen Gefüh­le wir Schuld und Scham in ihr ent­ste­hen. Wie kann sie Glück emp­fin­den, wenn er doch eigent­lich der Sohn des Fein­des ist? Und es ihrer Schwes­ter doch so schlecht geht? Das sich all­mäh­lich wech­seln­de Rol­len­ver­hält­nis zwi­schen Han­na und Eri­ka wird beson­ders authen­tisch geschil­dert. So muss Han­na sich nun um ihre älte­re Schwes­ter küm­mern, ihr heim­lich Essen aus dem Haus des Kom­man­dan­ten mit­brin­gen und sie ver­sor­gen. Aber als Eri­ka von Karl erfährt, ändert sich die Bezie­hung der Schwes­tern zuein­an­der erneut…
Der Erzähl­stil ist sehr flüs­sig, die Wor­te sind ein­fach und klar. Jede Kapi­tel­über­schrift ist mit Sta­chel­draht ver­se­hen. Beson­ders das Cover ist sehr anspre­chend gestal­tet und macht auf den ers­ten Blick deut­lich, das Leid und Lie­be (zur Musik) nahe zusam­men­lie­gen. Ich per­sön­lich muss sagen, dass ich nor­ma­ler­wei­se um his­to­ri­sche Roma­ne eher einen Bogen mache, aber seit ich “Der Klang der Hoff­nung” gele­sen habe, davon doch irgend­wie so gepackt wur­de, dass ich beschloss mehr dar­über zu lesen.

Ein Roman, den ich danach las und eben­falls emp­feh­len kann, ist Ich habe den Todes­en­gel über­lebt” von Eva Mozes Kor und Lisa Roja­ny Buc­cie­ri, Lesealternativendas auch von zwei Schwes­tern erzählt, die nach Ausch­witz depor­tiert wur­den und unter den medi­zi­ni­schen Expe­ri­men­ten des Dr. Men­ge­les zu lei­den hat­ten. Sehr bewe­gend und mit vie­len Zusatz­ma­te­ria­li­en und Fotos. Eine Neu­erschei­nung im sel­ben Ver­lag ist Der Foto­graf von Ausch­witz: Das Leben des Wil­helm Bras­se” von Rei­ner Engel­mann. Ein schon moder­ner Klas­si­ker und her­aus­ra­gen­der Roman ist Der Jun­ge im gestreif­ten Pyja­ma” von John Boy­ne. Zwei Titel für Erwach­se­ne, die die Musik im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger zum The­ma haben, sind “Das Mäd­chen­or­ches­ter in Ausch­witz” von Fania Féne­lon und Ihr sollt die Wahr­heit erben” von Ani­ta Las­ker-Wall­fisch.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: cbj
ISBN: 978-3-570-15990-3
Erscheinungsdatum: 12.Januar 2015
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,99€
Seitenzahl: 288
Übersetzer: Petra Koob-Pawis
Originaltitel: "The wrong boy" bzw. 
"Playing for the Commandant"
Originalverlag: Walker Books bzw. Random House

Englische Originalcover:
Suzy Zail - Der Klang der HoffnungSuzy Zail - Der Klang der Hoffnung











Kasimiras Bewertung:

110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw 110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw110_F_27090275_P62H5g5rleoKRt9aFRaJyhqsJOmrgqsw

(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

 

---------------------------------------------------------------------------------
Englische Cover: Homepage von Walker Books bzw Random House

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.