Rüdiger Bertram — Der Pfad: Die Geschichte einer Flucht in die Freiheit

Rüdiger Bertram Der Pfad: Die Geschichte einer Flucht in die Freiheit6.November 2017

Der deut­sche Autor Rüdi­ger Bertram wid­met sich in “Der Pfad: Die Geschich­te einer Flucht in die Frei­heit” einem geschicht­li­chem Ereig­nis, das auf wah­ren Bege­ben­hei­ten beruht und nach Süd­frank­reich wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs ent­führt. Eine Flucht vor den Nazis, eine uner­war­te­te Freund­schaft und ein Aben­teu­er in der Wild­nis. Unter­halt­sam und bereits für Leser ab 11 bzw 12 Jah­ren geeig­net, die in jene Zeit damals ein­tau­chen wol­len, aber noch mehr auf Aben­teu­er als auf knall­har­te Fak­ten aus sind.

1941. Rolf und sein Vater sind in Mar­seil­le gelan­det. Sie sind auf der Flucht und vor allem Rolfs Vater Lud­wig, der als Jour­na­list kri­ti­sche Bei­trä­ge für Zei­tun­gen ver­fasst hat, wird von den Deut­schen gesucht. Seit die­se auch in Frank­reich ein­mar­schiert sind, ist es für die bei­den viel schwie­ri­ger gewor­den. Stän­dig müs­sen sie auf­pas­sen nicht erwischt zu wer­den. Bei einer Raz­zia in ihrem Stamm­ca­fé kom­men sie gera­de noch so davon. Dort hat Lud­wig auch eine Frau getrof­fen, die frü­her Künst­le­rin war und jetzt Päs­se fälscht. Mit neu­en Papie­ren wol­len Rolf und sein Vater nun über die Pyre­nä­en nach Spa­ni­en flie­hen. Und von dort aus dann nach Ame­ri­ka über­set­zen, wo Rolfs Mut­ter auf sie war­tet. “Nach Aus­bruch des Krie­ges hat­ten Rolfs Eltern ihre Wert­sa­chen ver­kau­fen müs­sen. […] Mit dem Geld hat­ten sie die Tickets für die Über­fahrt nach New York bezahlt. Sei­ne Mut­ter war vor­aus­ge­reist, um dort alles für die Ankunft von Rolf und Lud­wig vor­zu­be­rei­ten. Ab und zu hat­te sie von dort ein paar Dol­lar nach Paris geschickt, aber nach dem Ein­marsch Rüdiger Bertram Der Pfad: Die Geschichte einer Flucht in die Freiheitder Deut­schen in Frank­reich war nicht nur die­se Quel­le ver­siegt, son­dern auch die Mög­lich­keit, ihr über den Atlan­tik zu fol­gen.” (Zitat aus “Der Pfad: Die Geschich­te einer Flucht in die Frei­heit” S.46) Der Hir­ten­jun­ge Manu­el, der kaum älter ist als Rolf, soll die bei­den über die Ber­ge nach Spa­ni­en füh­ren. Unfreund­lich ist er. Und ihren Hund dür­fen die bei­den auch nicht mit­neh­men. Er soll bei Manu­els Ver­wand­ten blei­ben und dann nach­ge­holt wer­den. Denn auch in den Ber­gen sind Kon­trol­leu­re unter­wegs. Die Fran­zo­sen las­sen sich meist mit Ziga­ret­ten bestechen. Aber wenn sie Deut­schen begeg­nen soll­ten, könn­te das ganz anders aus­se­hen. Vor denen müs­sen sie sich ver­ste­cken. Da könn­te das Bel­len des Hun­des sie ver­ra­ten. Doch Rolf kann sei­nen Freund nicht ein­fach zurück­las­sen und schmug­gelt ihn heim­lich in sei­ne Tasche. Das hat unge­ahn­te Fol­gen…

Der Pfad: Die Geschich­te einer Flucht in die Frei­heit” ist aus der Sicht eines all­wis­sen­den Erzäh­lers geschrie­ben, der sich mal in die eine Per­spek­ti­ve, mal in die ande­re hin­ein­ver­setzt. Die Spra­che ist ein­fach und sehr flüs­sig zu lesen. DRüdiger Bertram Der Pfad: Die Geschichte einer Flucht in die Freiheiter Roman endet und beginnt mit einem jeweils dop­pel­sei­ti­gem Comi­c­aus­zug, was der Geschich­te einen schö­nen Rah­men gibt. Zu Beginn wer­den in die­sem die his­to­ri­schen Hin­ter­grün­de geschil­dert und am Ende folgt eine Art Epi­log, der zeigt, wie es in den dar­auf­fol­gen­den Jah­ren für den Prot­ago­nis­ten wei­ter­ging. Rolf reflek­tiert die Gescheh­nis­se der dama­li­gen Zeit, er ist nicht naiv, durch­schaut auch, wenn sein Vater von den “brau­nen Kat­zen” spricht, dass damit die Nazis gemeint sind. Den­noch wer­den vom Leser all­zu schlim­me Details fern­ge­hal­ten. Auch die Wan­de­rung über die Pyre­nä­en wirkt zunächst noch wie ein Spa­zier­gang: Eigent­lich war es hier oben ganz schön, dach­te Rolf. Fast wie bei einem Sonn­tags­aus­flug mit der Fami­lie ins Grü­ne. Nur, dass sei­ne Mut­ter fehl­te und sie bei ihren gemein­sa­men Aus­flü­gen nie viel gewan­dert waren.” (Zitat S.91ff) Bis Rolfs Vater plötz­lich fest­ge­nom­men wird und die bei­den Jungs sich auf eige­ne Faust auf den wei­te­ren Weg machen müs­sen. Dass die­ser dann doch nicht nach Spa­ni­en, son­dern nach Lour­des führt, hat ganz beson­de­re Grün­de. Das Haupt­au­gen­merk der Geschich­te liegt somit eigent­lich nicht wirk­lich auf Rüdiger Bertram Der Pfad: Die Geschichte einer Flucht in die Freiheit“dem Pfad”, der eigent­lich rela­tiv schnell abge­han­delt wird. Aber okay, das kann man dem Auto­ren ver­zei­hen. Etwas ner­vi­ger fand ich hin­ge­gen Rolfs Lieb­lings­wort “kapi­tal”, das an man­chen Stel­len wirk­lich auf jeder Sei­te in einem neu­en Zusam­men­hang erwähnt wird. Die Span­nung und die emo­tio­na­len Momen­te sind zu Beginn lei­der auch nicht sehr über­bor­dend, manch­mal hat­te ich den Ein­druck, dass man­ches fast etwas sach­lich erzählt wird. Schön zu lesen ist jedoch dann die Freund­schafts­ge­schich­te, die sich zwi­schen dem zu Anfang noch sehr wort­kar­gen und grum­me­lig wir­ken­den Manu­el und der Haupt­fi­gur ent­wi­ckelt. Zwei Freun­de, die Din­ge für­ein­an­der tun, die sie nie für mög­lich gehal­ten hät­ten und auch trotz Dif­fe­ren­zen für­ein­an­der ein­ste­hen. Das Ende ist pas­send, in einem Aspekt ein biss­chen trau­rig, aber auch rea­lis­tisch.

Fazit: Eine lehr­rei­che Geschich­te über ein his­to­ri­sches Ereig­nis (vie­le Men­schen haben damals Flücht­lin­gen über die Pyre­nä­en gehol­fen, dar­un­ter auch Lion Feucht­wan­ger, Golo und Hein­rich Mann, Wal­ter Ben­ja­min und vie­le ande­re) ver­bun­den mit einer tol­len Freund­schafts­ge­schich­te, aber mit leich­ten Schwä­chen.

Wenn dir “Der Pfad: Die Geschich­te einer Flucht in die Frei­heit” gefal­len hat, kannst du noch ande­re Bücher von Rüdi­ger Bertram lesen. Das The­ma Kampf um die Frei­heit hat er bereits in sei­nem Buch “Knast­kin­der” behan­delt, wel­ches schon etwas älter ist (ab 12 Jah­ren, 2009 erschie­nen). Ansons­ten hat er neben vie­len Erst­le­se- und Vor­le­se­ge­schich­ten für jün­ge­re Kin­der auch die bekann­te “Cool­man und ich”-Rei­he geschrie­ben, Comic-Roma­ne ab 10 Jah­reLesealternativenn, die eine sehr gute Alter­na­ti­ve zu “Greg’s Tage­buch” sind. Eine ande­re schrä­ge und wit­zi­ge Rei­he ist “Stink­tier & Co” (ab 8 Jah­ren) oder die span­nen­de Action-Geheim­agen­ten-Rei­he “Die Jungs vom S.W.A.P” (ab 10 Jah­ren). Schö­ne Freund­schafts­ge­schich­ten fin­den sich auch in “Nor­den ist, wo oben ist” und den noch etwas neue­ren “Mil­la und das erfun­de­ne Glück” (bei­de ab 10 Jah­ren). Rich­tig klas­se fand ich von Rüdi­ger Bertram das für schon etwas älte­re Leser (ab 14 Jah­ren) “Die Liga der Guten”. Eine inhalt­li­che Alter­na­ti­ve zu “Der Pfad: Die Geschich­te einer Flucht in die Frei­heit” gibt es, aber sie ist erst für Leser ab 16 Jah­ren geeig­net: “Mein Weg über die Pyre­nä­enErin­ne­run­gen 194041 von Lisa Fitt­ko, in wel­chen unter ande­rem die Flucht von Wal­ter Ben­ja­min geschil­dert wird. Eine tol­le Alter­na­ti­ve für jün­ge­re Leser ist “Fried­rich, der Gro­ße Detek­tiv” von Phi­lip Kerr, das auch so wie das hier rezen­sier­te Buch das The­ma Bücher­ver­bren­nung und vor allem Erich Käst­ner the­ma­ti­siert (Rolfs Lieb­lings­buch ist von eben jenem Auto­ren). Ande­re his­to­ri­sche Roma­ne zur dama­li­gen Zeit fin­dest du in die­sem Spe­cial (dar­un­ter eben­so eini­ge Titel für jün­ge­re Leser). Wenn du übri­gens ein Buch zur Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus lesen möch­test, das span­nend wie ein Kri­mi geschrie­ben ist, dann greif zu “28 Tage lang” von David Safier (aller­dings ab 14 Jah­ren).

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: cbj
ISBN: 978-3-570-17236-0
Erscheinungsdatum: 16.Oktober 2017
Einbandart: Hardcover
Preis: 12,99€ 
Seitenzahl: 240 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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