Nicola Yoon — The sun is also a star

Nicola Yoon The sun is also a star12.Mai 2017

Nach ihrem Erfolgs­ti­tel “Du neben mir und zwi­schen uns die gan­ze Welt” legt die ame­ri­ka­ni­sche Auto­rin (mit den jamai­ka­ni­schen Wur­zeln) Nico­la Yoon nun mit “The sun is also a star” end­lich neu­en Lese­stoff vor. Ihr zwei­ter Roman erzählt eine Lie­bes­ge­schich­te inmit­ten eines fei­nen Geflechts von zufäl­li­gen (oder schick­sals­haf­ten?) Ereig­nis­sen und dem nicht immer ein­fa­chen Leben zwi­schen zwei Kul­tu­ren. Fami­li­en­ge­schich­te inklu­si­ve. Raf­fi­niert erzählt und mit fas­zi­nie­ren­den Ein­schü­ben. Ein rich­tig schö­ner Schmö­ker. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwachsene.

New York. Die 17-jäh­ri­ge Nata­sha soll­te eigent­lich ihre Kof­fer packen, aber das jun­ge Mäd­chen mit der jamai­ka­ni­schen Her­kunft will ein­fach nicht auf­ge­ben. Sie, die mit ihrer Fami­lie ille­gal in Ame­ri­ka lebt, will das Land nicht ver­las­sen. Auch wenn das Urteil der Behör­den anders aus­sieht: “Der letz­te Ein­spruch Ihrer Fami­lie wur­de abge­lehnt. Die Abschie­bung ist beschlos­sen, Ms Kings­ley. Sie und Ihre Fami­lie müs­sen heu­te um 22.00 Uhr das Land ver­las­sen.” (Zitat S.31) Des­halb geht Nata­sha auch Nicola Yoon The sun is also a starnun zur ame­ri­ka­ni­schen Ein­wan­de­rungs­be­hör­de, um viel­leicht noch etwas dage­gen aus­zu­rich­ten. Denn zurück nach Jamai­ka will sie auf gar kei­nen Fall. “Ich lebe hier, seit ich acht bin. Ich habe kei­ne Freun­de auf Jamai­ka. Ich habe kei­nen jamai­ka­ni­schen Akzent. Ich ken­ne mei­ne Fami­lie dort nicht — jeden­falls nicht so, wie man sei­ne Fami­lie ken­nen soll­te. Das ist mein letz­tes Jahr auf der High­school. Was ist mit mei­nem Abschluss, dem Ball und mei­nen Freun­den?” (Zitat S.35) Auf dem Amt erhält sie einen letz­ten Tipp: die Adres­se eines Anwalts, der ihr viel­leicht noch hel­fen könn­te. Doch der Ter­min ist erst in ein paar Stunden…
Der 17-jäh­ri­ge Dani­el lebt mit sei­nem Bru­der und sei­nen Eltern, die aus Korea stam­men, aber noch vor ihrer Geburt nach Ame­ri­ka aus­ge­wan­dert sind, eben­falls in New York. Er, der am liebs­ten Gedich­te schreibt, soll — nach der Mei­nung sei­ner Eltern — Arzt wer­den. “Ich wür­de alles dafür geben, das Leben, das sich mei­ne Eltern für mich wün­schen, auch wirk­lich zu wol­len. Alles wäre viel ein­fa­cher, wenn ich Lust hät­te, Arzt zu wer­den. Arzt zu sein, soll­te doch eins der Din­ge sein, die man mit Lust und Hin­ga­be tut. Ich mei­ne, Leben ret­ten und all das. Aber ich fin­de es nur lang­wei­lig.” (Zitat S.66) Aber Dani­el traut sich nicht, ihnen das zu sagen…
Nicola Yoon The sun is also a starAuf­grund meh­re­rer zufäl­li­ger Bege­ben­hei­ten tref­fen Nata­sha und Dani­el in einem Plat­ten­la­den auf­ein­an­der. Kurz dar­auf ret­tet er sie vor einem her­an­fah­ren­den Auto, das sie fast erwischt hät­te. Er lädt sie auf einen Kaf­fee ein. Sie sagt zu. Und zwei Wel­ten tref­fen auf­ein­an­der: Er — der sofort weiß, dass er sich in sie ver­lie­ben wird, der an Träu­me und Vor­her­be­stim­mung glaubt — und sie, die prag­ma­tisch und eher pes­si­mis­tisch ver­an­lagt ist und mit Träu­me­rei­en schon mal gar nichts anfan­gen kann, son­dern nur an die Erklä­run­gen der Wis­sen­schaft glaubt. Bis sie Dani­el mit fol­gen­dem Satz her­aus­for­dert: Was ist, wenn ich dir sage, dass ich dich mit wis­sen­schaft­li­chen Metho­den dazu brin­gen könn­te, dich in mich zu ver­lie­ben? (Zitat S.100) Sein Expe­ri­ment besteht aus eini­gen per­sön­li­chen Fra­gen und einem 4-minü­ti­gen-sich-in-die-Augen-Schau­en. Etwas, wor­über er in einer Zei­tung gele­sen hat. Da sie ohne­hin nichts zu ver­lie­ren hat und Dani­el sie selt­sa­mer­wei­se ab und zu zum Lachen bringt, lässt Nata­sha sich dar­auf ein. Ohne ihm zu geste­hen, dass sie in weni­gen Stun­den das Land ver­las­sen wird…

Nicola Yoon The sun is also a starThe sun is also a star” war­tet mit einem inter­es­san­ten Cover auf. Schaut man genau­er hin, ent­deckt man ein­zel­ne Fäden, die hin und her gespannt sind. Sym­bo­lisch für die ein­zel­nen Lebens­we­ge und -Mög­lich­kei­ten eines jeden Men­schen. Der Roman macht das Gesetz von Ursa­che und Wir­kung deut­lich. Wäre dies oder jenes nicht gesche­hen, wären sich Dani­el und Nata­sha nie­mals über den Weg gelau­fen. Eine Ver­ket­tung von Zufäl­len? Schick­sal — so wie Dani­el es glaubt? Geschickt spielt das Buch mit Wis­sen­schaft und dem Glau­be an Vor­her­be­stim­mung. Die­se Erfah­rung muss vor allem Nata­sha machen: “Lie­be ist eine Mischung aus Hor­mo­nen und Zufall. War­um fühlt sich Dani­el dann nach mehr an?” (Zitat S.127) Die Auto­rin hat mit ihr und mit Dani­el zwei sehr lie­bens­wür­di­ge, sym­pa­thi­sche Figu­ren geschaf­fen und erzählt aus ihren sich abwech­seln­den Ich-Per­spek­ti­ven ihre gemein­sa­me Geschich­te. Ergänzt wer­den die­se Sicht­wei­sen immer wie­der durch Ein­schü­be von Neben­fi­gu­ren oder kur­zen Erklä­run­gen (auch wis­sen­schaft­li­cher und kul­tu­rel­ler Art). Bei­spiels­wei­se wer­den die Ver­hal­tens­wei­sen einer Sicher­heits­be­am­tin gegen­über Nata­sha oder die einer Restau­rant­be­diens­te­ten, die unfreund­lich auf eine Fra­ge reagiert, erklärt. Die­se Ein­schü­be stam­men von einem all­wis­sen­den Erzäh­ler uNicola Yoon The sun is also a starnd sind unge­mein fas­zi­nie­rend und reiz­voll zu lesen. Eine per­fek­te Ergän­zung, die für jede Men­ge Tief­gang sorgt. Auch die Roman­tik kommt in “The sund is also a star” nicht zu kurz: “Wie­der kommt sie mir nahe, und wie­der wage ich mich vor, denn anschei­nend bin ich so, wenn ich mit die­sem Mäd­chen zusam­men bin. Viel­leicht gehört es dazu, sich auch in sich selbst zu ver­lie­ben, wenn man sich in jemand ande­ren ver­liebt. Denn es gefällt mir, was für ein Mensch ich mit ihr bin. […] Es gefällt mir, dass ich mich trotz der Stei­ne, die sie mir in den Weg legt, wei­ter vor­wa­ge. Nor­ma­ler­wei­se wür­de ich auf­ge­ben, aber heu­te nicht.” (Zitat S.181) Nico­la Yoon hat einen sehr ange­neh­men Erzähl­ton. Sie kann ein­fach rich­tig gut schrei­ben. Den Leser erwar­ten tol­le For­mu­lie­run­gen, eine mal char­man­te, mal humor­vol­le, mal phi­lo­so­phi­sche Erzähl­wei­se und eine Spra­che, die flap­sig sein kann, aber auch kraft­voll und poe­tisch. Das Ende war okay, aber irgend­wie hät­te ich noch ein biss­chen mehr erwar­tet, bezie­hungs­wei­se es erschien mir zu kon­stru­iert. Aber: am bes­ten eine eige­ne Mei­nung bilden;-)

Wenn dir “The sun is also a star” gefal­len hat, dann lies noch das ers­te Buch von Nico­la Yoon: “Du neben mir und zwi­schen uns die gan­ze Welt”. RoLesealternativenmane, die eben­so einen Tag erzäh­len, sind zum Bei­spiel “Vier­zehn” von Tama­ra Bach oder “Ein Tag ohne Zufall” von Mary E. Pear­son. Letz­te­rer lässt auch das Schick­sal eine gro­ße Rol­le spie­len, genau­so wie in “Mein schö­nes per­fek­tes Leben” von Hil­ary Free­manZwei inhalt­lich ähn­li­che Titel sind “Punkt­lan­dung in Sachen Lie­be” von Jen­ni­fer E. Smith und “Nur ein Tag” von Gayle For­man. Du magst Lie­bes­ge­schich­ten, in denen das Uni­ver­sum einen beson­de­ren Stel­len­wert hat? Dann greif zu “Lie­be und ande­re schwar­ze Löcher”  von Jas­mi­ne War­ga oder “Quan­tic Love” von Sonia Fernán­dez-Vidal. Ein Roman, der beson­ders gut zeigt wie Hand­lungs­fä­den mit­ein­an­der ver­knüpft sein kön­nen, ist “Die Macht des Schmet­ter­lings” von Matt Dick­in­son.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Dressler
ISBN: 978-3-791-50032-4
Erscheinungsdatum: 20.März 2017
Einbandart: Hardcover
Preis: 19,99€ 
Seitenzahl: 400 
Übersetzer: Susanne Klein
Originaltitel: "The sun is also a star"
Originalverlag: Delacorte Press

Amerikanisches Originalcover:
Nicola Yoon The sun is also a star










Trailer zum Buch:
So entstand das faszinierende Cover (auf Englisch): 
 

Kasimiras Bewertung:

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(4 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von Nicola Yoon

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