Nicola Yoon — Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt

Nicola Yoon - Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt20.April 2017

Du neben mir und zwi­schen uns die gan­ze Welt” von der ame­ri­ka­ni­schen Auto­rin Nico­la Yoon läuft bald im Kino an und ist pas­send dazu jetzt als Taschen­buch erschie­nen. Ein Roman über eine sel­te­ne Immun­krank­heit, durch die ein jun­ges Mäd­chen ihr Leben lang ihr Haus nicht ver­las­sen hat und eine uner­war­te­te Lie­be. Gefühl­voll, roman­tisch, humor­voll — ange­rei­chert mit einem Sam­mel­su­ri­um an Noti­zen und Zeich­nun­gen. Die­ses Buch kann sich defi­ni­tiv sehen las­sen, sowohl optisch (bezieht sich auf die Hard­co­ver-Aus­ga­be, sie­he unten), als auch inhalt­lich! Für Jugend­li­che ab 13 Jahren.

Seit 17 Jah­ren hat Made­li­ne ihr Haus nicht ver­las­sen. Jetzt hat sie gera­de ihren 18.Geburtstag gemein­sam mit ihrer Mut­ter und mit Car­la, ihrer per­sön­li­chen Voll­zeit­kran­ken­schwes­ter, gefei­ert. Das Mäd­chen lei­det unter einer äußerst sel­te­nen Immun­krank­heit: Im Grun­de bin ich all­er­gisch gegen die Welt. Alles kann einen Anfall aus­lö­sen. Es könn­ten die Che­mi­ka­li­en im Putz­mit­tel sein, mit dem der Tisch abge­wischt wur­de, den ich gera­de berührt habe. Es könn­te das Par­füm von irgend­wem sein. Oder das exo­ti­sche Gewürz in mei­nem Essen. […] Mei­ne Mom sagt, dass ich als Klein­kind ein paar­mal bei­na­he gestor­ben wäre.” (Zitat aus “Du neben mir und zwi­schen uns die gan­ze Welt”, S.12) Men­schen sieht sie so gut wie nie. Sie wird per Inter­net unter­rich­tet. Nur sehr sel­ten kommt ein Leh­rer zu ihr ins Haus. Denn jeder, der hin­ein will, muss durch eine Sicher­heits­schleu­se und sich dekon­ta­mi­nie­ren las­sen. Frem­de müs­sen ihre Krank­heits­ge­schich­te Nicola Yoon - Du neben mir und zwischen uns die ganze Weltoffen legen, um even­tu­el­le Gefah­ren für Made­li­ne vor­aus­zu­se­hen. So ist es auch kein Wun­der, dass ihre Mut­ter selbst den als Höf­lich­keits­ge­schenk abge­ge­be­nen Kugel­hupf der neu­en Nach­bars­fa­mi­lie ablehnt, den der Sohn der Fami­lie Olly und sei­ne Schwes­ter Kate vor­bei­brin­gen. Doch der äußerst gut aus­se­hen­den Nach­bars­jun­ge, der Made­li­ne am Fens­ter ent­deckt hat, fragt nach ihr. Ob sie ihnen nicht die Gegend zei­gen kön­ne. Made­li­nes Mut­ter wim­melt ihn ab. Doch Olly lässt nicht locker und insze­niert eine auf­wen­di­ge Kugel­hupf-begeht-Selbst­mord-in-dem-er-sich-aus-dem-Fens­ter-stürzt-Sze­ne, die Made­li­ne doch tat­säch­lich zum Lachen bringt. Das, obwohl sie gar nicht weiß, ob sie nähe­ren Kon­takt zu die­sem Jun­gen haben möch­te. Der Jun­ge, der sei­ne Email­adres­se bald dar­auf gegen sein Fens­ter hält, das ihrem gegen­über liegt. Denn schon ein­mal ist eine Fami­lie neben­an ein­ge­zo­gen, die Made­li­ne fast das Herz brach, als sie wie­der umzog. Die Sehn­sucht nach drau­ßen zieht Made­li­ne erneut in ihren Bann. Der Hun­ger nach Leben. Nach dem ech­ten, pul­sie­ren­den, auf­re­gen­den Leben… doch wie weit kann sie gehen?

Du neben mir und zwi­schen uns die gan­ze Welt” wird durch­gän­gig aus Made­li­nes Sicht erzählt. Schon der ers­te Satz des Buches macht neu­gie­rig: “Ich habe viel mehr Bücher gele­sen als du. Es spielt kei­ne Rol­le, wie vie­le du gele­sen hast. Bei mir sind es mehr. Glaub mir. Ich hat­te genü­gend Zeit dazu.” (Zitat S.9). Sehr gut kann man sich in ihre Welt hin­ein­füh­len, in ihr wei­ßes Zim­mer mit den wei­ßen Wän­den und wei­ßen Bücher­re­ga­len, in denen nur ihre Bücher “die ein­zi­gen Farb­tup­fer” (Zitat S.9) sind. Bunt sind in ihrem ein­tö­ni­gen, sich unab­läs­sig wie­der­ho­len­den All­tags­le­ben nur die Bücher und die Fil­me, die sie sieht. Die ihr einen Hauch von dem ver­mit­teln, was drau­ßen ist. In der “ech­ten” Welt. Als sie Olly näher ken­nen­lernt, kommt noch mehr Far­be in ihr Leben und das Nicola Yoon - Du neben mir und zwischen uns die ganze WeltGefühl defi­ni­tiv etwas ver­passt zu haben. Doch was ist bes­ser? Eine Ahnung davon zu bekom­men, was einem bis­her ent­gan­gen ist und dann so wei­ter­le­ben wie bis­her oder am bes­ten gar nichts von den unge­ahn­ten Mög­lich­kei­ten wis­sen? Der Roman macht nach­denk­lich und bringt den Leser dazu sein Leben bewuss­ter zu erle­ben, anstatt alles für selbst­ver­ständ­lich zu erach­ten. Was mir in “Du neben mir und zwi­schen uns die gan­ze Welt” auch gut gefal­len hat, sind die Zeich­nun­gen, die sich in den Text ein­fü­gen, die Aus­schnit­te von Kran­ken­blät­ter, die Defi­ni­tio­nen von Wör­tern, die Made­li­ne auf ihre Art beschreibt, die Chats und Emails. Man darf sich auf eine Men­ge Viel­sei­tig­keit freu­en, sogar Nach­bar­be­ob­ach­tungs­bö­gen und zeich­ne­risch fest­ge­hal­te­ne Kuss­ana­ly­se­pro­jek­te fin­den sich in dem Buch. Teils recht kur­ze Kapi­tel sor­gen für einen sehr ange­neh­men Lese­fluss und abwechs­lungs­rei­che Unter­hal­tung. Die Lie­bes­ge­schich­te, beson­ders die Annä­he­rung der bei­den Prot­ago­nis­ten wird sehr behut­sam und sen­si­bel erzählt: “Er schmeckt nach sal­zi­gem Kara­mell und Son­nen­schein. Oder zumin­dest, wie ich mir sal­zi­ges Kara­mell und Son­nen­schein vor­stel­le. Er schmeckt nach Din­gen, die ich noch nie erlebt habe, wie Hoff­nung und Mög­lich­kei­ten und Zukunft. Dies­mal bin ich es, die sich als Ers­te zurück­zieht, aber nur, weil ich Luft holen muss […] “Ist das immer so?”, fra­ge ich atem­los. “Nein”, sag­te er. “So ist es nie.” Ich höre das Stau­nen in sei­ner Stim­me. Und mit einem Mal ändert sich alles, ein­fach so.” (Zitat S. 1544). Höchst dra­ma­tisch und gera­de­zu herz­zer­rei­ßend wird es, als Made­li­nes Mut­ter hin­ter die von Car­la ein­ge­fä­del­ten, heim­li­chen Besu­che von Olly kommt und die­se been­det. Man möch­te das Buch kaum aus den Hän­den legen, so ergrei­fend ist die Geschich­te geschrie­ben! Neben Made­li­nes unheil­vol­ler Krank­heit kommt jedoch auch das The­ma Alko­ho­lis­mus und Gewalt in der Fami­lie zum Tra­gen, wel­ches die Ehe von Ollys Eltern prägt. Das Ende über­rascht und passt (auch wenn ich damit irgend­wie schon ein wenig gerech­net habe;-)).

LesealternativenEin Roman, der auf den zwei­ten Blick ein paar Par­al­le­len zu “Du neben mir und zwi­schen uns die gan­ze Welt” zeigt, ist Lie­bes­kin­der” von Jana Frey. Natür­lich darf man Das Schick­sal ist ein mie­ser Ver­rä­ter” von John Green als Alter­na­ti­ve nicht ver­ges­sen;-) Ihr Haus eben­so kaum ver­las­sen hat die Prot­ago­nis­tin in “Nichts als Lie­be” von Beth Kephart. Gewis­ser­ma­ßen gefan­gen in einem wei­ßen Raum ist auch die Haupt­fi­gur in “Ver­giss­dein­nicht” von Cat Clar­ke. Eine Lie­bes­ge­schich­te zwi­schen Nach­barn fin­dest du in “Mein Som­mer neben­an” von Hunt­ley Fitz­pa­trick. Eine Roman­ze, die auch so sen­si­bel beschrie­ben ist wie in dem bespro­che­nen Buch ist “Elea­nor & Park” von Rain­bow Rowell. Oder lies noch ein ande­res Buch von Nico­la Yoon, das auch erst die­ses Jahr neu erschie­nen ist: “The sun is also a star”.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: cbt
ISBN: 978-3-570-31099-1
Erscheinungsdatum: 17.April 2017
Einbandart: Taschenbuch
Preis: 9,99€
Seitenzahl: 336
Übersetzer: Simone Wiemken
Originaltitel: "Everything, everything"
Originalverlag: Delacorte Press (Random House)

Amerikanisches Originalcover:
Nicola Yoon - Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt











Deutsches Originalcover:
Nicola Yoon - Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt










Trailer zum Buch:
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Der Trailer zur Verfilmung:
 

Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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Englisches Cover: Homepage von Nicola Yoon
Das Bild "eyes of woman peeking through a hole torn in white paper poster": 
© JenkoAtaman/ Foto­lia
Das Bild "Lovers in sun beams" © Sergiy Serdyuk/ Foto­lia 

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