Nataly Savina — Love Alice

Nataly Savina Love Alice2.März 2015

Der Peter-Härt­ling-Preis ging im Jahr 2013 an die let­tisch-deut­sche Auto­rin Nata­ly Savina für ihren Roman “Love Ali­ce”. “Ein muti­ges und gekonnt cho­reo­gra­phier­tes Manu­skript” schreibt die Jury in ihrer Begrün­dung. Eine Geschich­te über eine außer­ge­wöhn­li­che Freund­schaft, eine Mut­ter-Toch­ter-Bezie­hung und einen uner­war­te­ten Schick­sals­schlag. Ein her­aus­ra­gen­des Buch, das unter die Haut geht — abso­lut lesens­wert! Jetzt neu als Taschen­buch erschie­nen. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Die 14-jäh­ri­ge Ali­ce fühlt sich ein­sam. Kein Wun­der — ihre Mut­ter, eine eigen­sin­ni­ge Opern­sän­ge­rin reist für ihre Auf­trit­te von Ort zu Ort. Fünf Mal muss­te Ali­ce schon die Schu­le wech­seln. Freun­de fin­den ist da schwie­rig. Auf ihrer neus­ten Schu­le ist es jedoch anders. Da gibt es ein Mäd­chen, das Kris­tin heißt, auf ihr Namens­schild aber eine Kir­sche gemalt hat und von allen Cher­ry genannt wer­den möch­te. Sie igno­riert Ali­ce zunächst, beginnt dann aber die Gren­zen ihrer begin­nen­den Freund­schaft aus­zu­lo­ten. Cher­ry mit ihren knall­ro­ten Haa­ren und ihrem abge­dreh­ten, lau­nen­haf­ten Wesen. Sie unter­neh­men gemein­sa­me Aus­flü­ge in ein bizar­res Scherz­ar­ti­kel- und Kos­tüm­ge­schäft, in eine Zoo­hand­lung, in der Ali­ce in ein Becken mit Fischen hin­ein­fas­sen soll, die nach ihren Fin­gern schnap­pen (es waren Piran­has!). Als die wage­mu­ti­ge Freun­din über einen Sta­chel­draht­zaun klet­tert und Ali­ce hin­ter­her will, wackelt Cher­ry dar­an, bis sie hin­un­ter­stürzt und eine Schram­me an der Stirn bekommt. Und doch ist Cher­ry für Ali­ce das Auf­re­gends­te, was ihr je pas­siert ist. Sie bau­en gemein­sam ein Haus aus Tan­nen, sie bas­teln sich lus­ti­ge Hawaiik­lei­der und tan­zen durch Cher­rys Woh­nung und sie holen sich Frosch­lai­che aus dem See, um sie auf­wach­sen zu sehen. Aber dann pas­siert etwas Schreck­li­ches…

Nataly Savina Love AliceLove Ali­ce” ist ein aus­drucks­star­ker Roman mit einer inten­si­ven, prä­zi­sen Spra­che. Eini­ge For­mu­lie­run­gen wir­ken noch lan­ge nach und bie­ten viel Raum für eige­ne Inter­pre­ta­tio­nen. Die größ­te Stär­ke des Buches liegt vor allem in der her­vor­ra­gen­den Zeich­nung der ein­zel­nen Cha­rak­te­re, die so viel­schich­tig und greif­bar wir­ken, als ent­sprän­gen sie nicht der Fan­ta­sie, son­dern der Wirk­lich­keit. Ali­ce ist ein beson­de­res Mäd­chen, sie träumt sich auf Flü­geln in die Wol­ken hin­ein, in eine rie­sen­gro­ße Zucker­land­schaft, zu der Erwach­se­ne kei­nen Zutritt haben. Zuhau­se tut sie so, als brü­te sie ein Mar­mor-Ei aus, dem dann ein Plüsch­tier­vo­gel ent­schlüpft. Sie hat kein groß­ar­ti­ges künst­le­ri­sches Talent, so wie ihre begab­te Mut­ter, die sich zuwei­len etwas thea­tra­lisch gibt. “Die Mensch­heit stirbt”, flüs­tert ihr die Mut­ter abends — hin­sicht­lich Natur­ka­ta­stro­phen und Umwelt­ver­schmut­zung — zu, “Des­halb musst du jeden ein­zel­nen Tag genie­ßen.” (Zitat aus “Love Ali­ce”) Ein hoher Druck, der da auf dem 14-jäh­ri­gen Mäd­chen las­tet, die ihrer Mut­ter regel­mä­ßig Gedich­te vor­le­sen soll und am bes­ten selbst noch eines aus­wen­dig ler­nen soll, obwohl sie des­sen Sinn nicht ver­steht. Ihrer Mut­ter muss Ali­ce viel Raum las­sen, all­zu vie­le Nähe ver­trägt sie nicht. Aus­führ­li­che Gesprä­che — “infan­ti­les Wüh­len im Selbst” wie sie sagt- mag sie eben­falls nicht, als ob sie all ihre Gefüh­le auf der Büh­ne bereits ver­braucht hät­te. Doch Ali­ces Sehn­sucht nach Gebor­gen­heit und Lie­be ist groß. Als Cher­ry in ihr Leben tritt, erfüllt sie die­se Freund­schaft über die Maßen und die bei­den wer­den unzer­trenn­lich. Ver­rück­te Ide­en, außer­ge­wöhn­li­che Momen­te und eine neue, unge­wohn­te Art der Nähe ver­bin­den sie. Das ver­än­dert auch Ali­ces Bezie­hung zu ihrer Mut­ter: “Du sorgst dich nur um dich”, wirft sie ihr vor, “Du willst kei­ne Tochter, son­dern nur eine Freun­din. Aber ich habe schon eine Freun­din.” (Zitat aus “Love Ali­ce”).Erst gegen Ende des Buches ent­steht eine Nähe zwi­schen Mut­ter und Toch­ter, die es so noch nie gab. Und Ali­ce begreift schließ­lich auf ver­häng­nis­vol­le Wei­se auch den Sinn des Gedichts, das sie aus­wen­dig ler­nen soll­te.

Fazit: Ein rund­her­um gelun­ge­nes Buch mit einem sehr anspre­chen­den, etwas geheim­nis­voll wir­ken­den Cover.Lesealternativen

Du magst Bücher über eine beson­de­re,  außer­ge­wöhn­li­che Freund­schaft? Dann lies doch mal die Neu­erschei­nung Spring in den Him­mel” von Lot­te Kin­sko­fer oder Love you, hate you, miss you” von Eliza­beth Scott. Eben­falls in die­sel­be Rich­tung gehen Du denkst, du weißt, wer ich bin” von Em Bai­ley oder für Jugend­li­che ab 16: Die Wahr­heit über Ali­ce” von Rebec­ca James. Sehr zu emp­feh­len ist auch The lovely way: Nur wenn du auf­gibst, wird der Tod lebens­ge­fähr­lich” von San­ne Näs­ling.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3-407-74526-2
Erscheinungsdatum: 2.März 2015
Einbandart: Taschenbuch
Preis: 7,95€
Seitenzahl: 160
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Trailer zum Buch:
 

Kasimiras Bewertung:

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