Morton Rhue — Creature: Gefahr aus der Tiefe

Morton Rhue Creature: Gefahr aus der Tiefe4.Februar 2017

Crea­tu­re: Gefahr aus der Tie­fe” ist das neue Buch des ame­ri­ka­ni­schen Auto­ren Mor­ton Rhue, der eigent­lich für sei­ne gesell­schafts­kri­ti­schen Rea­li­ty­ro­ma­ne (u.a. “Die Wel­le”) bekannt ist. Mit sei­nem aktu­el­len Werk wagt er sich an ein neu­es Gen­re her­an: ein dys­to­pi­scher Aben­teu­er­ro­man (Gesell­schafts­kri­tik inklu­si­ve) über eine zer­stör­te Welt, das Leben auf einem neu­en Pla­ne­ten und ein Jun­ge, der sich auf der Jagd nach einer selt­sa­men Krea­tur aus dem Meer befin­det. Man merkt sofort — Mor­ton Rhue kann auch in die­ser so ganz ande­ren The­ma­tik eines beson­ders gut: sei­ne Leser fes­seln! Tol­le Unter­hal­tung für (vor allem) Jungs und Mäd­chen ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Der 17-jäh­ri­ge Isma­el lebt auf einer Erde, die nicht mehr so ist wie wir sie ken­nen. Mee­re gibt es nicht mehr. Alles ver­trock­net und ver­dreckt. Über allem liegt eine gro­ße Smog­wol­ke. Son­nen­licht: Man­gel­wa­re. Lebens­mit­tel: kaum mehr vor­han­den. “Egal, was sie zah­len”, sag­te er, “es wird mehr sein, als du hier bekommst… falls du über­haupt einen Job fin­dest. Als Lei­ter des Zir­co­ni­um-Elek­tro­ly­se-Wer­kes — dem ein­zi­gen größ­ten Arbeit­ge­ber in Black Ran­ge — wuss­te Old Ben bes­ser als jeder ande­re, wie düs­ter die Aus­sich­ten für Isma­els und Archies Gene­ra­ti­on waren.” (Zitat aus “Crea­tu­re: Gefahr aus der Tie­fe” S.25) Des­halb nimmt Isma­el einen Job auf dem Pla­ne­ten Cret­acea an, wo er auf einem gro­ßen Wal­fang­schiff arbei­ten wird. Der Job ist hart, sie jagen soge­nann­te Ter­ra­fi­ne, rochen­ar­ti­ge, rie­si­ge Wesen. Doch war­um fast nur die­se? Da es — wie Isma­el schließ­lich erfährt — doch unzäh­li­ge ande­re Tier­ar­ten gibt, die weit­aus ein­fa­cher zu fan­gen sind? Was hat es mit den Ter­ra­fi­nen wirk­lich auf sich? Eines Tages kommt er dahin­ter…

Morton Rhue Creature: Gefahr aus der TiefeCrea­tu­re: Gefahr aus der Tie­fe” ist durch­ge­hend aus Isma­els Sicht in der per­so­na­len Erzähl­per­spek­ti­ve geschrie­ben. Die Spra­che ist sehr flüs­sig und gut zu lesen. Bes­te Unter­hal­tung für Leser, die sich nicht lang­wei­len wol­len — denn es pas­siert stän­dig irgend­et­was. Ob Pira­ten, die das Schiff angrei­fen, Rei­be­rei­en unter­ein­an­der oder die gefähr­li­che Jagd mit Har­pu­nen nach dem gro­ßen Ter­ra­fin, es gibt kei­nen Moment, in dem man mal Luft holen könn­te — genau­so abwechs­lungs­reich wie eine Aben­teu­er­ge­schich­te sein soll. Beson­ders die Jagd wird sehr detail­liert geschil­dert, wo es auch mal etwas rau­er zugeht: “Auf einem blut­durch­tränk­ten Deck unter ihnen steht ein hal­bes Dut­zend See­leu­te mit lan­gen, an Stan­gen befes­tig­ten Klin­gen um eine rie­si­ge grün­graue, auf der Sei­te lie­gen­de Krea­tur her­um. Das Tier hat einen gewal­ti­gen Kopf, ein lang gezo­ge­nes Maul vol­ler spit­zer Zäh­ne, fla­che Stum­mel­f­los­sen und einen lan­gen Schwanz. Isma­el stößt Quee­queg mit dem Ellen­bo­gen an, damit er eben­falls hin­un­ter­sieht. “Ein Buckel­wal”, sagt Cha­ri­ty, als sie die bei­den bemerkt. “Heu­te Mor­gen erst gefan­gen.” (Zitat S.17) Aber auch Tugen­den wie Mensch­lich­keit, Zusam­men­halt und Zivil­cou­ra­ge wer­den auf unauf­dring­li­che Wei­se in dem Roman ver­mit­telt. Sehr beein­dru­ckend sind auch die Schil­de­run­gen über die Ver­än­de­run­gen auf der Erde. Dass es mal Pflan­zen oder gar Mee­re dort gab, für die Jugend­li­chen unvor­stell­bar. Dass sie auf dem Schiff sogar duschen kön­nen — ein Wun­der! “Bis zu die­sem Tag hat er nicht mehr Was­ser auf ein­mal gese­hen, als in einen klei­nen Eimer pas­sen wür­de. Und jetzt treibt ihr Schiff auf einem rie­si­gen glit­zern­den blau­grü­nen Meer, das sich in alle Rich­tun­gen bis zum Hori­zont erstreckt…” (Zitat S.14ff) InMorton Rhue Creature: Gefahr aus der Tiefeter­es­sant sind eben­so die Erfin­dun­gen, die von Zeit zu Zeit in die Geschich­te ein­ge­streut wer­den: Z-Packs, die Nach­rich­ten über­mit­teln; Natri­ent, ein dick­flüs­si­ger Nähr­stoff, der aus klei­nen Alu­mi­ni­um­tüt­chen her­aus­ge­drückt wird und T-Pil­len, die als elek­tro­ni­sches Schlaf­mit­tel fun­gie­ren. Von Zeit zu Zeit geht die Erzäh­lung in die Ver­gan­gen­heit zurück, wenn Isma­el von sei­ner Kind­heit berich­tet und von Archie, sei­nem Pfle­ge­bru­der, der ihm alles bedeu­tet und den er unbe­dingt beschüt­zen will. Aber es wird auch eine mys­te­riö­se Andeu­tung gemacht, von einem Bekann­ten sei­ner Pfle­ge­el­tern: “Hör mir gut zu, mein Sohn, denn das, was ich dir jetzt erzäh­len wer­de, ist nicht leicht zu schlu­cken. Was, wenn ich dir sage, dass wir bei­de uns schon frü­her ein­mal begeg­net sind — vor lan­ger, lan­ger Zeit? Ich mei­ne nicht hier auf der Erde.” Der Alte zeig­te mit dem Fin­ger nach oben. “Ich mei­ne, da drau­ßen.. dort, wo du jetzt hin­ge­hen wirst. Auf Cret­acea, wo du an Bord eines Schif­fes namens Pequod gedient hast.” (Zitat S.32) Was es mit die­sem Hin­weis auf sich hat, das erfährt der Leser erst gegen Ende von “Crea­tu­re: Gefahr aus der Tie­fe”, wel­ches sich mit über­ra­schen­den Wen­dun­gen ver­ab­schie­det. Aller­dings muss ich sagen, dass mir man­che Din­ge noch etwas unklar blie­ben…««««Ach­tung Spoi­ler!!!!»»»» Was ist mit Tarn­moor wirk­lich gesche­hen? Wie­so muss­te die Exis­tenz des Ter­ra­fins ein Geheim­nis blei­ben? (den Sinn die­ser Wen­dung ver­ste­he ich nicht ganz) Woher bekom­men die Gol­de­nen das Serum, wenn sie vom Ter­ra­fin nichts wis­sen? ««««Spoi­ler Ende»»»» Unge­ach­tet des­sen: ich konn­te das Buch kaum aus den Hän­den legen! Auch das Cover ist dem Ravens­bur­ger Ver­lag (im Gegen­satz zum Ame­ri­ka­ni­schen; sie­he unten) echt gelun­gen.

Fazit: Rich­tig gute, packen­de Unter­hal­tung für Aben­teu­rer und sol­che, die es wer­den wol­len.

Wenn dir “Crea­tu­re: Gefahr aus der Tie­fe” gefal­len hat, kannst du noch die ande­ren Bücher von Mor­ton Rhue lesen, hier chro­no­lo­gisch nach Erschei­nungs­da­tum: Die Wel­le” (1984, Expe­ri­ment, Natio­nal­so­zia­lis­mus), “Ich knall euch ab!” (2002, Amok­lauf), Asphalt tri­be” (2004, Leben auf der Stra­ße), Ghet­to kidz” (2005, Gewalt, Kri­mi­na­li­tät), “Boot camp” (2006, Erzie­huLesealternativenngs­an­stalt), “Fame Jun­kies” (2010, Berühmt­heit), “No place, no home” (plötz­li­che Armut) und sein letz­tes Buch Dschi­had online”. Unter sei­nem rich­ti­gen Namen als Todd Stras­ser hat er noch drei span­nen­de Thril­ler ver­öf­fent­licht: “Wish u were dead” (2010, Mob­bing), “Blood on my hands” (2011, Mord­fall) und “Dying for Beau­ty” (2012, Ver­schwin­den drei­er Models). Wenn du rich­tig packen­de Bücher lesen willst, die sich mit Umwelt aus­ein­an­der­set­zen, aber auch kri­ti­schen und aben­teu­er­li­chen Hin­ter­grund haben, dann schau dir mal die Near-Future-Roma­ne (spie­len in der nahen Zukunft, so wie “Crea­tu­re: Gefahr aus der Tie­fe”) von Kat­ja Bran­dis an: “Ruf der Tie­fe”, “Schat­ten des Dschun­gels”, “Vul­kan­jä­ger”, “Floaters” und die Neu­erschei­nung “White Zone” an. Beson­ders “Ruf der Tie­fe” und “Floaters” sind gut geeig­net, denn sie beschäf­ti­gen sich auch mit dem Meer. Aben­teu­er unter oder über Was­ser, das bie­ten eben­so “Deep: Gefahr aus der Tie­fe” von Jens Schu­ma­cher, Jagd in der Tief­see” von Roland Smith oder die Neu­erschei­nung “Dead­wa­ter: Das Log­buch” von Tobi­as Rafa­el Jun­ge.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Ravensburger
ISBN: 978-3-473-40150-5
Erscheinungsdatum: 24.Januar 2017
Einbandart: Hardcover
Preis: 17,00€ 
Seitenzahl: 480 
Übersetzer: Nicolai von Schweder-Schreiner
Originaltitel: "The Beast of Cretacea"
Originalverlag: Candlewick

Amerikanisches Originalcover: 
Morton Rhue Creature: Gefahr aus der Tiefe











Morton Rhue alias Todd Strasser talks about "The Beast of Cretacea"

Kasimiras Bewertung:

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