Mirjam Mous — Last Exit: Das Spiel fängt gerade erst an

Mirjam Mous - Last Exit: Das Spiel fängt gerade erst an25.Juli 2017

Die nie­der­län­di­sche Auto­rin Mir­jam Mous legt mit “Last Exit: Das Spiel fängt gera­de erst an” einen neu­en span­nungs­ge­la­de­nen Thril­ler vor über eine Klas­sen­fahrt, die jäh ihr Ende fin­det, als eine Bom­be im Bus auf­taucht. Eine action­rei­che, aber gleich­zei­tig tief­grün­di­ge Geschich­te, die man am liebs­ten in einem Rutsch durch­le­sen möch­te! Lese­tipp. Für Jugend­li­che ab 12 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Nie­der­lan­de. Die 8c ist eine Pro­blem­klas­se. Mit ihr möch­te nie­mand unbe­dingt auf Klas­sen­fahrt gehen. Doch schließ­lich neh­men sich die schwan­ge­re Frau Vos und Herr van Pie­re, der Che­mie­leh­rer, den 24 Schü­lern an. Es ist eine Rei­se nach Frank­reich geplant, in die Arden­nen, zum Kanu­fah­ren und Über­le­bens­trai­ning. Denn Muse­ums­be­su­che und Sight­see­ing, das kann man mit die­ser Klas­se ver­ges­sen. Aber kaum sind sie los­ge­fah­ren, erhal­ten die Schü­ler auf ihren Han­dys eine Whats­App-Nach­richt eines Unbe­kann­ten, der sie auf­for­dert eine DVD mit gel­ber Hül­le abzu­spie­len und zwar in den nächs­ten fünf Minu­ten, sonst sei hier bald die Höl­le los. “Es klingt wie ein Droh­brief”, sagt Jes­si­ca und liest die Nach­richtMirjam Mous - Last Exit: Das Spiel fängt gerade erst an vor. Vos schweigt einen Moment. Dann ver­schränkt sie die Arme und sagt: “Ich schla­ge vor, dass sich der Witz­bold augen­blick­lich mel­det. Sonst ist wirk­lich die Höl­le los.” “Und wenn es kein Witz ist?”, fragt Jes­si­ca.” (Zitat aus “Last Exit: Das Spiel fängt gera­de erst an” S.20) Und es ist tat­säch­lich kein Witz, das wird den Schü­lern rasch klar, als sie die DVD bei den ande­ren Fil­men fin­den und ein­le­gen. Eine schwarz geklei­de­te, uner­kenn­ba­re Per­son hält ein­zel­ne Zet­tel hoch, die ein­deu­ti­ge Wor­te zei­gen: “Die Fahrt in die Arden­nen fin­det nicht statt. […] An Bord ist eine Bom­be. […] Sie geht hoch, sobald jemand ver­sucht, den Bus zu ver­las­sen oder zu betre­ten.[…] Solan­ge ihr macht, was ich sage, seid ihr nicht in Gefahr.” (Zitat S.22ff) Bald macht sich Panik breit. Kann es sein, dass einer von ihnen ein Bom­ben­le­ger ist? Die Hin­wei­se ver­dich­ten sich, dass einer in ihrer Klas­se nicht mit offe­nen Kar­ten spielt…

Mirjam Mous - Last Exit: Das Spiel fängt gerade erst anLast Exit: Das Spiel fängt gera­de erst an” lässt einen sofort mit­ten in die Gescheh­nis­se hin­ein­stür­zen. Kein gro­ßes Vor­ge­plän­kel, ein kur­zer, prä­gnan­ter, neu­gie­rig machen­der Pro­log und schon star­tet die Rei­se mit dem Ein­la­den des Gepäcks und dem ers­ten Ken­nen­ler­nen der Prot­ago­nis­ten. Die Haupt­per­spek­ti­ven neh­men hier­bei zwei Jungs und ein Mäd­chen ein: Valen­tin, der “Pro­fes­sor” und Klügs­te der Klas­se, des­sen Mut­ter Poli­zis­tin ist. Driss, ein Mus­kel­protz und Mob­ber (der Valen­tin ger­ne ärgert). Und Fleur, ein Mäd­chen, die unter den plötz­li­chen Geld­nö­ten ihrer Fami­lie lei­det. Aber auch vie­le Neben­fi­gu­ren kom­men in ein­zel­nen Kapi­teln zu Wort. Die Hand­lungs­strän­ge wech­seln ste­tig und wer­den (sehr über­sicht­lich) mit dem Namen der gera­de erzäh­len­den Per­son ein­ge­lei­tet und der Zeit­an­ga­be “HEUTE”. Hier­bei wird die per­so­na­le Erzähl­per­spek­ti­ve ver­wen­det. Inter­es­sant wird es vor allem, wenn die Zeit­an­ga­be sich auf die Ver­gan­gen­heit bezieht und Rück­blen­den (“Vor einem hal­ben Jahr”, “Vor 58 Tagen”, “Gestern”) in die Geschich­te mit ein­ge­floch­ten wer­den. Mir­jam Mous zeigt sich Mirjam Mous - Last Exit: Das Spiel fängt gerade erst an- trotz natür­lich ein wenig Kon­struk­ti­on (die man ihr aber ger­ne ver­zeiht) - über­ra­schend viel Tief­gang und ein aus­ge­feil­tes Cha­rak­ter­kon­zept, das vie­le — und sogar poli­ti­sche — The­men in das Buch ein­bin­det. So schil­dert sie die Schwie­rig­kei­ten einer ver­schlei­er­ten, mus­li­mi­schen Schü­le­rin mit Kopf­tuch, die seit den Anschlä­gen von Paris und Brüs­sel regel­mä­ßig schief ange­se­hen wird. Aber auch die eines ande­ren Schü­lers, der mit sei­nem Vater gegen den Bau eines zwei­ten Asyl­heims pro­tes­tiert. Aus­gren­zung, Mob­bing, plötz­li­che Armut, Krank­heit — “Last Exit: Das Spiel fängt gera­de erst an” hat sehr vie­le Mög­lich­kei­ten zur Dis­kus­si­on und bie­tet wun­der­ba­ren Stoff für eine Klas­sen­lek­tü­re, wäh­rend der flüs­si­ge und ergrei­fen­de Erzähl­stil gleich­zei­tig bes­te Unter­hal­tung lie­fert.

Fazit: Ein rich­tig gutes Buch! Fes­selnd und mit dem rich­ti­gen Maß an Tief­gang.

Wenn dir “Last Exit: Das Spiel fängt gera­de erst an” gut gefal­len hat, dann kannst duLesealternativen noch die ande­ren Bücher von Mir­jam Mous lesen (chro­no­lo­gisch nach Erschei­nungs­da­tum und alles Ein­zel­ti­tel): “Ich woll­te, es wäre ges­tern” (2006), “Boy 7: Ver­traue nie­man­dem. Nicht ein­mal dir selbst” (2011, ihr bekann­tes­tes Buch, wur­de 2015 ver­filmt), “Room 27: Zur fal­schen Zeit am fal­schen Ort” (2012), Pass­word: Zugriff für immer ver­wei­gert” (2012), “Cra­zy Games: Der per­fek­te Tag, der in der Höl­le endet” (2015), “Virus: Wer auf­gibt, hat ver­lo­ren” (2016). Das The­ma “mit jeman­dem ein Spiel spie­len”, ver­wen­det Mir­jam Mous oft in ihren Büchern, die­ses Prin­zip fin­dest du zum Bei­spiel auch in “Won­der­land” von Chris­ti­na Stein und “Spiel des Lebens” von Veit EtzoldEine gute Alter­na­ti­ve ist auch die Auto­rin Ursu­la Pozn­an­ski, die vie­le aktu­el­le The­men in sehr span­nen­de Geschich­ten packt. Lies von ihr zum Bei­spiel “Ere­bos”, Sae­cu­lum”, “Ela­nus” oder “Aqui­la”. Span­nend und aktu­ell ist auch “Dark Noi­se” von Mar­git Rui­le.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Arena
ISBN: 978-3-401-60367-4
Erscheinungsdatum: 26.Juni 2017
Einbandart: Broschur
Preis: 12,99€ 
Seitenzahl: 272 
Übersetzer: Verena Kiefer
Originaltitel: "2c" 
Originalverlag: Van Holkema & Warendorf

Niederländisches Originalcover: 
Mirjam Mous - Last Exit: Das Spiel fängt gerade erst an











Kasimiras Bewertung:

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Niederländisches Cover: Homepage von Mirjam Mous

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