Mette Jakobsen — Minous Geschichte

Mette Jakobsen Minous Geschichte8.September 2012

Die däni­sche Auto­rin Met­te Jakobsen hat ein bezau­bern­des Buch geschrie­ben: “Minous Geschich­te”. Ein Roman sanft und leicht wie eine Feder, der zugleich aus­drucks­stark und poe­tisch ist. Ein tol­les Debüt über Phi­lo­so­phie, Ver­gäng­lich­keit und das Erwach­sen­wer­den. Für Jugend­li­che ab 14, vor allem aber für Erwach­se­ne.

Die 12-jäh­ri­ge Minou lebt mit ihrem Vater auf einer Insel. Einer Insel, die so klein ist, dass sie auf der Land­kar­te kaum zu fin­den ist. Sie hat die Form “einer Kat­zen­zun­ge aus Scho­ko­la­de” und Minou kann sie in 53 Minu­ten ein­mal umrun­den. Auf der Insel befin­den sich ledig­lich eine Kir­che und zwei Häu­ser (auf einem davon ein nicht mehr funk­tio­nie­ren­der Leucht­turm) und es gibt nur weni­ge Bewoh­ner. Vor einem Jahr ist jedoch Minous Mut­ter ver­schwun­den. Man hat damals nur einen ein­zel­nen Schuh von ihr gefun­den. Minous Vater und die ande­ren Insel­be­woh­ner haben die­sen Schuh damals beer­digt. Minou jedoch glaubt nicht, dass ihre Mut­ter tot ist. Des­halb stellt sie auch jeden Mor­gen ihre Kaf­fee­tas­se wie­der auf den Tisch. Minou ist davon über­zeugt, dass ihre Mut­ter eines Tages wie­der kom­men wird. Des­halb schreibt sie auch jetzt schon alle über­ra­schen­den Din­ge auf, die sie ihrer Mut­ter bei ihrer Rück­kehr erzäh­len will (“Am Baum hängt nur noch ein Apfel, Mama.”). Doch wird die Ver­miss­te wirk­lich zurück­kom­men? Als eines Tages ein toter Jun­ge auf der Insel auf­taucht, ver­än­dert sich alles…

Sprach­lich beson­ders schön erzählt. Minou wirkt noch sehr kind­lich, trotz ihren 12 Jah­ren und der Erzähl­ton spie­gelt ihre Gedan­ken exakt wie­der. Der Roman beschäf­tigt sich mit inter­es­san­ten Fra­gen: was ist wich­ti­ger — Phi­lo­so­phie oder Phan­ta­sie? Ver­stand und Sehn­süch­te? Genau die­se Gegen­sät­ze ver­kör­pern auch Minous Eltern. Der Vater, der das Phi­lo­so­phie­ren liebt und nach der Wahr­heit sucht, nach der schon sein Groß­va­ter gesucht hat. Die Mut­ter, die in ihrem Haus die Wän­de bemalt hat und immer sag­te: Benut­ze dei­ne Phan­ta­sie, Minou und den­ke nicht so viel!” Auch die ande­ren Cha­rak­te­re des Buches sind wun­der­schön und sehr lie­be­voll gezeich­net. Da gibt es: “Pries­ter”, einen Pries­ter, der Bre­zeln backt, die kei­ner essen mag und Angst vor der Dun­kel­heit hat. “Namen­los” — einen Hund, der es liebt in die Kir­che zu gehen, ver­zau­bert dort die Decken­fres­ken betrach­tet und durch einen bren­nen­den Rei­fen sprin­gen kann. Und “Kis­ten­mann”, einen Mann, der Kis­ten für Zau­be­rer baut, in denen sie eine Frau zer­sä­gen und ver­schwin­den las­sen. Die Geschich­te macht nach­denk­lich und lässt noch viel Raum für eige­ne Gedan­ken.Lesealternativen

Wenn dir die­ses Buch gefal­len hat, kannst du noch “Sofies Welt” (ab 14) von Jostein Gaar­der lesen, das sich eben­falls mit der Phi­lo­so­phie beschäf­tigt. “Minous Geschich­te” ist auch für alle Fans von Anna Gaval­da (z.B. “Zusam­men ist man weni­ger allein”, ab 15), Haru­ki Mura­ka­mi und Yann Mar­tel (“Schiff­bruch mit Tiger, ab 16). Toll und etwas phi­lo­so­phisch ist “Para­dies für alle” (ab 16) von Anto­nia Michae­lis. Beein­dru­ckend fand ich auch “Die Nacht gehört dem Dra­chen” von Ale­xia Casa­le.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Bloomsbury
ISBN: 978-3-8270-5499-9
Erscheinungsdatum: 10.September 2012
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,99€
Seitenzahl: 224
Übersetzer: Brigitte Jakobeit
Originaltitel: "The vanishing act"
Originalverlag: Vintage

Englisches Originalcover:
Mette Jakobsen Minous Geschichte











Mette Jakobsen über ihr Buch (auf englisch):
 

Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Englisches Cover: Homepage von Vintage

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