Lilly Lindner — Bevor ich falle

Lilly Lindner Bevor ich falle6. Novem­ber 2012

Bekannt wur­de die deut­sche Auto­rin Lil­ly Lind­ner durch “Split­ter­fas­ter­nackt”, einem auto­bio­gra­phi­schen Roman. Nun hat sie ein neu­es, dies­mal fik­ti­ves Buch geschrie­ben: “Bevor ich fal­le” über Sui­zid, das Erwach­sen­wer­den, Schuld und Selbst­ver­let­zung. Ein hef­ti­ger, aber sprach­lich her­aus­ra­gen­der Titel. Für Erwach­se­ne und Jugend­li­che ab 16.

Cher­ry war neun Jah­re alt, als ihre Mut­ter sich das Leben nahm. Sie sag­te ihr “Gute Nacht”, mehr­mals sogar (doch Cher­ry tat so, als höre sie nicht) und ver­ließ dann das Zim­mer und sprang direkt aus dem Fens­ter. Im elf­ten Stock. Ein Ver­lust, der uner­setz­bar ist. Nie­mand mehr, der sie lieb­te, der net­te Wor­te zu ihr sag­te, der über­haupt viel mit ihr rede­te. Der Vater schien Cher­ry zu has­sen, er brüll­te sie immer­zu nur an und über­ließ sie meist sich selbst. Doch wie soll­te sie mit den gro­ßen Schuld­ge­füh­len umge­hen? Hät­te sie den schreck­li­chen Tod ihrer Mut­ter ver­hin­dern kön­nen? Irgend­wann beginnt Cher­ry sich selbst zu ver­let­zen und endet in einem Teu­fels­kreis, aus dem sie sich selbst kaum mehr befrei­en kann…

Lilly Lindner Bevor ich falleDie Auto­rin spielt auf bril­lan­te Wei­se mit den Wor­ten, stellt Inhal­te und Wahr­hei­ten auf kla­re Wei­se zur Schau, sie ver­schö­nert nicht, sie lässt nichts aus. Sie lässt die Haupt­fi­gur lei­den und kaum mehr Freu­de am Leben emp­fin­den: Cher­ry hun­gert, ritzt sich und wen­det sich von den Men­schen ab, die ihr hel­fen möch­ten, allen vor­an von ihrem Schwimm­leh­rer, der sie bei sich auf­nimmt, als sie von zu Hau­se raus­ge­schmis­sen wird bezie­hungs­wei­se abhaut. Teil­wei­se gibt es Rück­blen­den in Cher­rys Kind­heit. Als die Mut­ter noch da war. Als Cher­ry bereits begann sich in einen lebens­ver­ach­ten­den Men­schen zu ver­wan­deln. Als ihr Krea­ti­vi­tät und Wör­ter has­sen­der Vater all ihre Bunt­stif­te ent­fern­te und ihr das Lesen ver­bot (er selbst arbei­te­te in einem Ver­lag und konn­te alle Schrift­stel­ler, Agen­ten und sons­ti­ge Mit­ar­bei­ter nicht aus­ste­hen!). The­men wer­den in dem Buch eine Men­ge ver­ar­bei­tet (sicher­lich auch durch eige­ne Erfah­run­gen der Auto­rin, sie­he “Split­ter­fa­ser­nackt”): Todes­sehn­sucht, Sui­zid, Mager­sucht, Selbst­ver­let­zung, Bezie­hungs­un­fä­hig­keit, Suche nach Gebor­gen­heit, Zer­stö­rungs­wut. Aber auch die The­men Lite­ra­tur, Spra­che und die her­aus­ra­gen­de Wort­ge­wandt­heit der Haupt­fi­gur (und die der Auto­rin) spie­len eine gro­ße Rol­le. Der Roman ist ein sprach­li­ches Kunst­werk, das ver­stört, zum Nach­den­ken anregt und die Gefühls­welt der Prot­ago­nis­tin per­fekt wider­gibt. Das Cover ist exzel­lent gewählt und bezieht sich treff­si­cher auf den Inhalt. Das Ende des Romans ver­söhnt, macht Hoff­nung und lässt die Haupt­fi­gur mit gera­de­zu phi­lo­so­phi­schen Ein­sich­ten begrei­fen, dass das Leben trotz allem doch lebens­wert ist und man die Ver­ant­wor­tung für sein Den­ken und Han­deln immer selbst trägt.Lesealternativen

Dir hat “Bevor ich fal­le” gefal­len? Dann kannst du natür­lich auch Split­ter­fa­ser­nackt” von Lil­ly Lind­ner lesen. Es lohnt sich auch einen Blick auf die beson­ders gestal­te­te Home­page der Auto­rin zu wer­fen. Eine Lese­al­ter­na­ti­ve ist auch “Hin­ter dem Blau” von Ale­xa von Heyden, die eben­falls als Kind mit­er­le­ben muss­te, wie der Vater sich das Leben nahm. Jugend­bü­cher zum The­ma Sui­zid fin­dest du auch unter fol­gen­dem Arti­kel: “Das The­ma Tod in der Jugend­li­te­ra­tur”.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3-426-22622-3
Erscheinungsdatum: 26.September 2012
Einbandart: Broschur
Preis: 16,99€
Seitenzahl: 304
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -
Trailer zum Buch:
 

Kasimiras Bewertung:

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