Leila Sales — This song will save your life

Laila Sales This song will save your life11.Juni 2015

Die ame­ri­ka­ni­sche Auto­rin Lei­la Sales hat mit “This song will save your life” einen Roman über die Sehn­sucht dazu­zu­ge­hö­ren und gemocht zu wer­den geschrie­ben. Zugleich ist das Buch eine Lie­bes­er­klä­rung an die Musik und eine Auf­for­de­rung, an sich selbst zu glau­ben und sich so zu mögen, wie man ist! Ein­fühl­sam und unter­halt­sam geschrie­ben. Ein rich­tig schö­ner Schmö­ker! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Die 16-jäh­ri­ge Eli­se wird in der Schu­le gemobbt und hat kei­ne Freu­de. “Ich kam auf die Welt, um unbe­liebt zu sein. Anders kann es nicht gelau­fen sein.” (Zitat aus “This song will save your life”, S.9) Unbe­liebt zu sein, das hat bei ihr schon in der 4. Klas­se begon­nen, als sie mit einen neu zuge­zo­ge­nen Mäd­chen spiel­te und ein ande­res die­ses warn­te, doch nicht so viel mit ihr zusam­men zu sein, weil Eli­se sonst auf das neue Mäd­chen zu sehr “abfär­ben” wür­de. Irgend­wie war Eli­se schon immer ein wenig anders als die ande­ren. Als sie Jah­re spä­ter ihre gesam­ten Som­mer­fe­ri­en dazu ver­wen­det, alles über Mode, belieb­te Pro­mis, Pop­stars, Fern­seh­sen­dun­gen und Musik wie für eine Klau­sur zu büf­feln und sich kom­plett neue Out­fits zusam­men­stellt, muss sie jedoch fest­stel­len, das auch das nicht wirk­lich funk­tio­niert: Man denk immer, es sei so ein­fach, sich zu ändern. Denkt man. Ist es aber nicht. […] Sie wer­den das durch­schau­en, wer­den mit­ten in dich hin­ein­se­hen, in das Mäd­chen, das immer noch zu ängst­lich ist, immer noch zu klug, als dass es ihm gut­tä­te, immer noch einen Tick zu spät, immer noch, immer falsch. Ände­re, was du auch willst; das wird immer so blei­ben.” (Zitat S.9). Dar­auf­hin beschließt sie sich das Leben zu neh­men. Als sie sich pro­be­wei­se die Puls­adern Laila Sales This song will save your lifeanschnei­det, muss sie jedoch fest­stel­len, dass sie eigent­lich gar nicht ster­ben will, son­dern eigent­lich nur Auf­merk­sam­keit möch­te. Ein Anruf, der ihre Tat offen­sicht­lich macht und sie­ben Mona­te spä­ter, die sie abwech­selnd bei ihren getrennt leben­den, teils sehr über­vor­sich­ti­gen Eltern ver­bringt, hat sie es sich längst ange­wöhnt nachts allei­ne durch die Stadt zu lau­fen, frei zu sein. Bis sie eines Nachts zufäl­lig auf zwei 18-jäh­ri­ge, über­aus coo­le Mäd­chen namens Vicky und Pip­pa stößt, die sie mit in einen Under­ground­club namens “Start” neh­men. Sie lot­sen sie sogar an dem Tür­ste­her vor­bei. “War­um seid ihr nett zu mir?, woll­te ich sie fra­gen. Aber ich tat es nicht. Wenn ich frag­te, bemerk­ten sie viel­leicht ihren Feh­ler. Statt­des­sen drück­te ich leicht die Innen­sei­te mei­nes lin­ken Hand­ge­lenks, als prüf­te ich mei­nen Puls, und folg­te ihnen nach drin­nen.” (Zitat S.54). Eli­se taucht ein in eine völ­lig ande­re Welt. Mit coo­ler Musik, einer beben­den Men­ge und einem äußerst sym­pa­thi­schen DJ. Und auch, wenn sie das ers­te Mal noch nicht so begeis­tert ist und ein­fach nicht glau­ben kann, dass Vicky und Pip­pa an ihrer Freund­schaft, an irgend­ei­ner Freund­schaft inter­es­siert sein könn­ten, so taucht sie am nächs­ten Don­ners­tag wie­der auf. Und wie­der und wie­der. Sie lernt den sym­pa­thi­schen DJ näher ken­nen: Char, sie tanzt mit ihm, sie darf ihn sogar ein­mal an sei­nen Turn­ta­bles ver­tre­ten, als er mit Pip­pa kurz raus­geht. Es ist nur ein Reg­ler, den sie hoch­schiebt, nur einen Über­gang von einem Song zu nächs­ten, den sie wagt. Doch er ver­än­dert ihre gan­ze Welt: “Ich lächel­te wie eine Irre, weil ich gera­de hun­dert Leu­te zum Tan­zen gebracht hat­te, hun­dert Leu­te zum Schrei­en gebracht hat­te, hun­dert Leu­te glück­lich gemacht hat­te. Ich, Eli­se, hat­te aus eige­ner Kraft Men­schen glück­lich gemacht.” (Zitat S.84). Eli­se nimmt ein neu­es Pro­jekt in Angriff: sie lässt sich von ihrem Vater, der in einem Musik­ge­schäft arbei­tet, ein DJ Equip­ment besor­gen und erprobt ihre Fähig­kei­ten als DJa­ne. Und sie hat tat­säch­lich Talent. Das fin­det nicht nur Char, der sie bald dar­auf öfters für eine hal­be Stun­de auf­tre­ten lässt. Der bald mehr von ihr will. Doch wie pas­sen Eli­ses neue Nacht­welt mit ihrer alten Tag­welt zusam­men? Was, wenn die­se bei­den Wel­ten auf­ein­an­der­tref­fen? Bald tau­chen drei Mächen aus ihrer Schu­le in “Start” auf…

Laila Sales This song will save your lifeThis song will save your life” hat vom Kos­mos Ver­lag das Prä­di­kat “Lieb­lings­buch” erhal­ten. Und ja, die­ser Roman hat das Zeug zu einem Lieb­lings­buch! Eli­se ist eine authen­ti­sche Erzähl­stim­me, die mit teils fein gewähl­ter Iro­nie aus ihrem All­tag berich­tet und den Leser in ihre Welt ein­tau­chen lässt. “Plötz­lich hat­te ich die­ses Gefühl. Ich bekom­me es oft, aber ich weiß nicht, ob es ein Wort dafür gibt. Es ist nicht ner­vös oder trau­rig oder ein­sam. Es ist all das zusam­men, und noch ein biss­chen mehr. Das Gefühl sagt: Ich gehö­re nicht hier­her. Ich weiß nicht, wie ich hier­her­ge­kom­men bin, und ich weiß nicht, wie lan­ge ich blei­ben kann, bevor alle ande­ren mer­ken, dass ich eine Hoch­stap­le­rin bin. Ein Betrug.” (Zitat S.59) Die frem­de, glit­zern­de Welt von “Start” lässt sie her­aus­fin­den, dass sie doch jemand sein kann. Dass sie Talent hat, dass es Men­schen gibt, die sie mögen, so wie sie ist. Und doch kann so schnell all das zer­stört wer­den, als jemand sich als sie aus­gibt und ein gefak­tes Online-Tage­buch ins Netz stellt; als Pip­pa Ansprü­che auf Char erhebt; als Eli­se ver­sucht ihre jün­ge­re Schwes­ter zu beschüt­zen und einen gro­ßen Feh­ler begeht. Es ist ein schmerz­vol­ler Pro­zess, den die Prot­ago­nis­tin durch­lebt. Trau­ri­ge Töne durch­we­ben die Geschich­te. Dra­ma­tik und Span­nung erhö­hen den Lese­fluss. Bis Eli­se letzt­end­lich erkennt, dass die Mei­nung von außen nicht immer die Wich­tigs­te ist. Son­dern das, was man von sich selbst denkt: “Manch­mal glau­ben Men­schen dich zu ken­nen. Sie wis­sen ein paar Din­ge über dich und sie set­zen sie so zusam­men, dass sie in ihren Augen Sinn erge­ben. Wenn man sich selbst nicht beson­ders gut kennt, kann man viel­leicht sogar glau­ben, sie hät­ten recht. Doch in Wahr­heit bist das nicht du. Ganz und gar nicht.” (Zitat S.275)

Fazit: Lesens­wert! Ein Buch wie ein Song, der viel zu schnell zu Ende geht (aber noch nach­wirkt).

LesealternativenWenn dich das The­ma Beliebt­heit und der Wunsch dazu­ge­hö­ren anspricht, dann wären fol­gen­de zwei Titel etwas für dich: “Wun­der” von Raquel J. Pala­cio (Best­sel­ler, zu Recht!) und das außer­ge­wöhn­li­che Nur eine Lis­te” von Siob­han Vivi­an, das wirk­lich in die Tie­fe geht. Bril­lant ist eben­falls “Elea­nor & Park” von Rain­bow Rowell. Die The­men Mob­bing und Sui­zid fin­dest du in “Mein fan­tas­ti­sches Leben — von wegen” von San­ne Søn­der­gaard. Total bewe­gend fand ich auch “Opfer­land” von Bet­ti­na Obrecht (Mob­bing). Wenn dich die Musik in einem Buch fas­zi­niert, dann lies doch auch das tol­le “Lie­der eines Som­mers” von Cath Crow­ley.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Kosmos
ISBN: 978-3-440-14629-3
Erscheinungsdatum: 11.Juni 2015
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,99€
Seitenzahl: 320
Übersetzer: Anja Herre
Originaltitel: "This song will save you life"
Originalverlag: Farrar Straus & Giroux

Englisches Originalcover (Taschenbuch):
Laila Sales This song will save your life











Englischer Trailer:
 

Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

 
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Englisches Cover: Homepage von Leila Sales
Fotos: "DJ Plattenspieler mit Kopfhörer" Julien Christ  / pixelio.de
        "Discokugel": Nik Styles  / pixelio.de

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