Kyra Dittmann — Dark Horse Mountain

20.Februar 2017

Alle Pfer­de­lieb­ha­ber­her­zen höher schla­gen lässt die deut­sche Auto­rin Kyra Ditt­mann mit ihrem Roman “Dark Hor­se Moun­tain”, in dem sie ihre Prot­ago­nis­tin in das ame­ri­ka­ni­sche Wyo­ming schickt auf eine Ranch mit­ten in der Ein­öde. Eine uner­war­te­te Lie­be, eine Annä­he­rung an den leib­li­chen Vater und das mys­te­riö­se Ver­schwin­den von meh­re­ren Pfer­den — hier erwar­ten den Leser jede Men­ge Roman­tik, Span­nung und gute Unter­hal­tung für ein paar ent­span­nen­de Stun­den. Ost­wind lässt grü­ßen! Für Jugend­li­che ab 12 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Die 15-jäh­ri­ge Roxy hat äußerst schlech­te Noten. Die Ver­set­zung in die 10.Klasse steht auf der Kip­pe. “Mensch, Roxy, du musst unbe­dingt die Nach­prü­fung schaf­fen, sonst sind wir nicht mehr in einer Klas­se!”, stieß Ame­lie her­vor. Ich nick­te gequält. Am liebs­ten hät­te ich so schnell wie mög­lich das The­ma gewech­selt, doch Ame­lie ließ nicht locker. “Was sagt denn dei­ne Mut­ter eigent­lich dazu?” (Zitat aus “Dark Hor­se Moun­tain” S.9) Roxys Mut­ter ist da wenig begeis­tert. Und streicht ihrer Toch­ter sogar den anste­hen­den Urlaub auf die Male­di­ven, auf den die Mut­ter und einer ihrer stän­dig wech­seln­den Freun­de sie eigent­lich mit­neh­men woll­ten. Doch ehe die­se Roxy auf eine Rei­se nach Eng­land schi­cken kann, um ihre mise­ra­blen Sprach­kennt­nis­se zu ver­bes­sern, fin­det das jun­ge Mäd­chen einen Brief ihres Vaters, der Kyra Dittmann - Dark Horse Mountaindie Fami­lie ein Jahr nach Roxys Geburt ver­las­sen hat. Angeb­lich möch­te er sei­ne Toch­ter ken­nen­ler­nen und hat sie auf einen Som­mer auf sei­ner Ranch in Wyo­ming, Ame­ri­ka ein­ge­la­den. Dass Wyo­ming nach Alas­ka zu einem Staat mit der gerings­ten Bevöl­ke­rungs­dich­te gehört und die Ranch mit­ten in der Ein­öde liegt, damit hat Roxy aller­dings nicht gerech­net, als sie die Rei­se schließ­lich antritt. “Wäh­rend der nächs­ten Kilo­me­ter starr­te ich stumm aus dem Fens­ter und ließ die Gegend an mir vor­bei­zie­hen. Nichts als Step­pe und Ber­ge. Nahe­zu auf jeder frei­en Flä­che stan­den Rin­der oder Pfer­de. Und je mehr ich sah, des­to mehr ver­fes­tig­te sich mei­ne Befürch­tung, dass ich mit den Ein­woh­nern die­ses Lan­des weni­ger als nichts gemein­sam hat­te.” (Zitat S.22ff) Irgend­wie fühlt sie sich auch nicht rich­tig will­kom­men dort. Roxys Vater ist wegen irgend­wel­cher Ter­mi­ne gar nicht da. Ein Jun­ge namens Cale, holt sie ab und bringt sie zur Ranch. Han­dy­emp­fang gibt auf dem Hof auch nicht wirk­lich, ihre Chucks sind gleich­mal ein­ge­saut, als sie Cale das ers­te Mal bei der Stall­ar­beit hel­fen soll und die­ser macht sich auch die gan­ze Zeit über sie lus­tig. “Es lohn­te sich doch im Prin­zip gar nicht, mei­nen Dad Kyra Dittmann - Dark Horse Mountainken­nen­zu­ler­nen. In weni­gen Wochen wür­de ich so oder so wie­der abrei­sen… genau genom­men konn­te ich es kaum erwar­ten. Ich hass­te Ame­ri­ka schon jetzt aus tiefs­tem Her­zen. Wyo­ming, Jack­son, die Ranch und vor allem mei­nen wie immer nicht vor­han­de­nen Vater — die­se ers­ten Ein­drü­cke lie­ßen nichts, aber auch gar nichts Posi­ti­ves für den wei­te­ren Ver­lauf der Feri­en erhof­fen.” (Zitat S.25ff) Aus­ge­rech­net einem Pferd namens Hot Cof­fee fühlt sich Roxy selt­sa­mer­wei­se ver­bun­den. Das, obwohl sie Pfer­de — und Tie­re im All­ge­mei­nen — doch eigent­lich gar nicht aus­ste­hen kann! Hot Cof­fee gilt aus gefähr­lich und wur­de erst neu ein­ge­kauft. Aber irgend­wie scheint Roxy einen Draht zu ihm zu haben. Das bemerkt auch Cale, dem sie unwei­ger­lich näher kommt: “Cale neck­te mich bei jeder Gele­gen­heit, aber auf eine ande­re Art als zuvor. Der über­heb­li­che Spott war aus sei­nen Sti­che­lei­en ver­schwun­den. Und über­rascht stell­te ich fest, dass dies der ers­te Tag im ver­wir­ren­den Wyo­ming war, der mir wirk­lich gefiel.” (Zitat S.118ff) Bis die­ser schmie­ri­ge, älte­re Typ namens May­son eines Tages auf die Ranch kommt. Ihn kann Roxy von Anfang an schon nicht aus­ste­hen. Er soll Hot Cof­fee ein­rei­ten…

Kyra Dittmann - Dark Horse MountainDark Hor­se Moun­tain” wird durch­ge­hend aus Roxys Ich-Per­spek­ti­ve geschil­dert und beginnt mit einem inter­es­san­ten Pro­log, der Ein­blick in die Arbeit der Pfer­de­ma­fia gibt. Die­ser Aspekt der Geschich­te ver­leiht dem Buch, das inhalt­lich gese­hen zu Beginn doch sehr nach dem Best­sel­ler “Ost­wind” klingt (schlecht in der Schu­le, muss auf Rei­ter­hof, kann nicht rei­ten), eine span­nen­de Note. Der Erzähl­ton ist manch­mal frech und sar­kas­tisch und passt sehr gut zu dem Stadt­mäd­chen, das noch nie auf dem Land war: “Ich hat­te kei­nes­wegs vor, mich bereits am zwei­ten Tag wider­stands­los den Latz­ho­sen zu unter­wer­fen! Da kei­ne ein­zi­ge Wol­ke mehr am Him­mel zu sehen war, angel­te ich trot­zig ein fri­sches paar Hot­pants aus mei­nem Kof­fer und nahm mir vor, in die­ser öden Gegend zumin­dest ein modi­sches State­ment zu set­zen.” (Zitat S.49) Roxy wirkt durch­weg sym­pa­thisch und lässt sich trotz ihr frem­der Arbei­ten auf der Ranch (wie Stall­aus­mis­ten) nicht unter­krie­gen und will Cale unbe­dingt bewei­sen, dass auch sie mit anpa­cken kann! Die Roman­tik kommt daher in “Dark Hor­se Moun­tain” nicht zu kurz. Auch wenn Roxy bald dahin­ter­kommt, dass Cale etwas vor ihr ver­birgt… Das Cover wirkt schön düs­ter und vor­ah­nungs­voll. So sind auch an jedem Kapi­tel­an­fang dro­hend am HimmKyra Dittmann - Dark Horse Mountainel flie­gen­de Vögel abge­bil­det. Berüh­rend geschrie­ben ist vor allem die Pfer­de­ge­schich­te, wie Roxy sich Hot Cof­fee lang­sam annä­hert und uner­war­tet Freund­schaft mit ihm schließt: “Dan­ke”, flüs­ter­te ich […] Für sei­ne Bereit­schaft, mir zu fol­gen. Und für die Zunei­gung, die er mir, wie selbst ich mir lang­sam ein­ge­ste­hen muss­te, ent­ge­gen­brach­te — ohne dass ich sie jemals ein­ge­for­dert hät­te. Ein Gefühl von Stolz brei­te­te sich in mir aus. Nicht hoch­nä­sig oder arro­gant, son­dern dank­bar und ehr­fürch­tig, dass ich etwas geschafft hat­te, was sonst kei­nem gelun­gen war.” (Zitat S.186ff) Gegen Ende des Buches erfährt man dann auch schließ­lich die Bedeu­tung des Titels “Dark Hor­se Mou­tain” und darf sich auf einen span­nen­den Show­down freu­en!

Die Zunei­gung eines wil­den und unnah­bar gel­ten­den Pfer­des gewin­nen auch die Prot­ago­nis­tin­nen in “WIr bei­de zusam­men, der Him­mel so weit” von Lin Hall­berg und in “Nur die­ser eine Som­mer” von Becky Citra (toll!). Das Ver­trau­en eines Pfer­des sich erst ver­die­nen zu müs­sen ist ein sehr belieb­tes Motiv in Jugend­bü­chern. Du fin­dest es nicht nur in der bereits erwähn­ten “Ost­wind”-Rei­he von Caro­la Wim­mer, son­dern auch bei den ErfoLesealternativenlgs­rei­hen “Char­lot­tes Traum­pferd” und “Ele­na” von Nele Neu­haus. Ein sehr emp­feh­lens­wer­tes Pfer­de­buch, das wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs spielt und eine beson­de­re Freund­schaft in den Mit­tel­punkt stellt, ist “WIn­ter­pfer­de” von Phi­lip Kerr. Es sind die­ses Früh­jahr eini­ge Neu­erschei­nun­gen her­aus­ge­kom­men bzw erschei­nen noch: “Edge­wa­ter Hou­se” von Court­ney Shein­mel (Janu­ar), Dark hor­ses” von Ceci­ly von Zie­ge­sar (Febru­ar) und “Zwi­schen Him­mel und Erde” von Live Bon­ne­vie (März). Sehr span­nend ist auch die Novi­tät von Janet Clark, die auf einer Pfer­de­r­anch spielt: “Ewig dein: Death­li­ne”eine Lie­bes­ge­schich­te mit einem Touch Myste­ry, die im März erscheint. Du hast noch nicht genug von Pfer­de­bü­chern? Drei sehr bekann­te Auto­rin­nen, die zahl­rei­che Roma­ne über Pfer­de geschrie­ben haben, sind Mar­got Ber­ger, Astrid Frank und Lau­ren Broo­ke. Oder lies “Euka­lyp­tus­mond” von Chris­ti­ne Leh­mann — hier geht es zwar nicht um Pfer­de, aber eben­falls um ein Mäd­chen, das in ein frem­des Land auf eine Ranch kommt, die Lie­be ihres Lebens trifft und eini­ges über sich selbst lernt. Kyra Ditt­mann hat übri­gens noch eine Tri­lo­gie geschrie­ben: “Pech­schwar­ze Hoff­nung” (Band 1), “Blü­ten­wei­ßer Hass” (Band 2) und “Sil­ber­graue Frei­heit” (Band 3).

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Coppenrath
ISBN: 978-3-6496-2344-1
Erscheinungsdatum: 16.Februar 2017
Einbandart: Hardcover
Preis: 12,99€ 
Seitenzahl: 304 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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