Kira Gembri — Ein Teil von uns

Kira Gembri Ein Teil von uns15.Juni 2017

Ein Teil von uns” ist ein Roman der jun­gen, deut­schen Auto­rin Kira Gem­bri. Wie auch in ihrem vor­he­ri­gen Buch “Wenn du dich traust” geht ihr Erfolgs­re­zept auf: Man neh­me ein erns­tes The­ma (dies­mal: Organ­spen­de), mische es mit einer roman­tisch-sprit­zi­gen Lie­bes­ge­schich­te und füge noch eine gro­ße Por­ti­on Selbst­fin­dung und das Aus­bre­chen aus alten Mus­tern hin­zu. Fer­tig ist der Schmö­ker für jun­ge Erwach­se­ne, der sich sehr unter­halt­sam und mit einer ange­neh­men Pri­se Humor liest. Jetzt neu als Taschen­buch erschie­nen! Für Jugend­li­che ab 14, und beson­ders auch für älte­re Leser.

Seit lan­ger Zeit geht der nun 19-jäh­ri­ge Aaron zur Dia­ly­se. Sei­ne Nie­ren haben ihre Funk­ti­on ein­ge­stellt. Manch­mal ist er sogar bereits erschöpft, wenn er nur eine Trep­pe nach oben steigt. So zu tun, als wäre alles per­fekt, das gelingt ihm nicht: “Alle Men­schen waschen ihre Kla­mot­ten, man­che waschen Geld und ich wasche eben mein Blut. Kein The­ma, oder? Aber nur ein Idi­ot wür­de mir die­ses Thea­ter abkau­fen.” (Zitat aus “Ein Teil von uns” S.9). Lan­ge war­tet Aaron schon auf ein Spen­der­or­gan, um end­lich wie­der ein nor­ma­les Leben zu haben. Die 19-jäh­ri­ge Anto­nia, genannt Nia, führt ein von ihren Eltern vor­her­be­stimm­tes Leben. Sie soll Anwäl­tin wer­den — eben­so wie ihre Erzeu­ger — und lernt flei­ßig für ihr Stu­di­um. Oft ist sie unsi­cher, aber sie ver­sucht alles rich­tig zu machen und den hohen Anfor­de­run­gen ihrer Eltern gerecht zu wer­den: “Mei­ne Mut­ter und mein Vater legen bei­de gro­ßen Wert dar­auf, in jeder Situa­ti­on Kira Gembri Ein Teil von unsHal­tung zu bewah­ren: Wenn es ein Pro­blem gibt, arbei­tet man hart an einer Lösung oder man schweigt dar­über. An die­se Regel bin ich von frü­her Kind­heit an gewöhnt, aber manch­mal kom­me ich mir gegen­über mei­nen Eltern trotz­dem so vor wie eine Flie­ge, die an eine Fens­ter­schei­be prallt.” (Zitat S.15) Nur in einem Punkt wider­setzt sich Nia ihren Eltern: sie will ihrer kran­ken Tan­te, zu der ihre Mut­ter nach Strei­tig­kei­ten kei­nen Kon­takt mehr hat, eine Nie­re spen­den. Doch bei der Ope­ra­ti­on stirbt ihre Tan­te an einem plötz­li­chen Schlag­an­fall und Nias Spen­der­or­gan wird wei­ter­ge­reicht: an Aaron, der kurz dar­auf auf das ver­zwei­fel­te Mäd­chen trifft. Und unwis­sent­lich ihr gegen­über einen dum­men Witz reißt, weil er sie eben­falls für die Emp­fän­ge­rin eines Organs hält. Als er sich die Hin­ter­grün­de zusam­men­rei­men kann und sich bei ihr ent­schul­di­gen will, blafft Nia ihn nur an: “Wenn wir schon ganz ehr­lich sein wol­len, kann ich dir auch gleich sagen, dass du nicht die Nie­re mei­ner Tan­te erwischt hast. Jeden­falls nicht die, die in ihr gewach­sen ist. Es war mei­ne, die ich ihr unbe­dingt geben woll­te, und jetzt ist sie tot und du trägst mei­ne Nie­re in dir und…” […] Müh­sam rin­ge ich nach Luft, um mei­nen Satz zu been­den. “…und ich habe noch nie irgend­et­was so sehr bereut wie das.” (Zitat S.54). Elf Mona­te spä­ter steht Aaron plötz­lich wie­der vor Nias Haus­tü­re: er, der nun gesund ist und von Tag zu Tag fit­ter wird, emp­fin­det die Spen­der­nie­re wie einen Fremd­kör­per. Und er hat das untrüg­li­che Gefühl irgend­et­was wie­der gut zu machen. Also schlägt er Nia einen über­ra­schen­den Deal vor. Einen Deal, der sie bis ans Ende der Welt führt, bis nach Aus­tra­li­en

Kira Gembri Ein Teil von unsEin Teil von uns” bie­tet vom Cover her gleich einen gewis­sen Wie­der­erken­nungs­wert hin­sicht­lich des vor­he­ri­gen Titels, der jedoch kom­plett eine ande­re Geschich­te mit eige­nen Haupt­fi­gu­ren erzählt. Die Per­spek­ti­ven sind aller­dings auch hier wie­der kapi­tel­wei­se abwech­selnd gestal­tet, was inter­es­san­te Ein­bli­cke in die Gefühls­welt von Nia und Aaron zulässt. Die Cha­rak­te­re sind authen­tisch und voll­zie­hen — was mir immer sehr gut an den Büchern gefällt — eine schö­ne Wand­lung. Zum Bei­spiel lernt Nia eige­ne Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, zu sich selbst und ihren Wün­schen zu ste­hen und sich so zu akzep­tie­ren, wie sie ist, fern­ab von den Vor­stel­lun­gen ihrer Eltern. Toll sind auch die fet­zi­gen Dia­lo­ge und Strei­te­rei­en zwi­schen den bei­den. Sie sor­gen für mühe­lo­sen Lese­fluss und humor­vol­le Unter­hal­tung. Die Auto­rin ver­rät auch nicht gleich immer alles. Das fällt beson­ders zu Beginn des Buches auf. Sie lässt ihre Prot­ago­nis­ten agie­ren und Din­ge sagen, die der Leser nicht sofort ver­steht. Bei­spiels­wei­se dach­te ich zunächst Lau­ra wäre eine Freun­din von Nia, bis her­aus­kommt, dass sie ihre Tan­te ist. Auch frag­te ich mich, was für einen selt­sa­men Ter­min Nia hat, von dem ihre Eltern sie drin­gend abhal­ten wol­len. Die­ses Erzähl­prin­zip sorgt für Span­nung und für eif­ri­ges Mit­rät­seln. Auf jeden Fall wird es nicht lang­wei­lig! Und bald dann auch schön roman­tisch…

Fazit: Die per­fek­te Lek­tü­re zum Abtau­chen!

Wenn dir “Ein Teil von uns” gefal­len hat, lies doch noch das vor­he­ri­ge Buch von KiraLesealternativen Gem­bri: “Wenn du dich traust”, das mir eben­so gut gefal­len hat und das The­ma Zwangs­stö­rung behan­delt. Danach erschien “Wir bei­de in Schwarz-Weiß” und im Novem­ber dür­fen wir wie­der mit einer Neu­erschei­nung der Auto­rin rech­nen: “Wovon du träumst”. Eine gute Alter­na­ti­ve hin­sicht­lich der flot­ten Dia­lo­ge und Strei­tig­kei­ten zwi­schen den Prot­ago­nis­ten ist auch die Neu­erschei­nung “Almost” von Anne Eli­ot, das eben­falls ein erns­tes The­ma (ver­such­te Ver­ge­wal­ti­gung) ver­ar­bei­tet. Organ­spen­de plus sehr berüh­ren­der Lie­bes­ge­schich­te fin­dest du auch in “Mein Herz wird dich fin­den” von Jes­si Kir­by. Oder lass dich nach Aus­tra­li­en ent­füh­ren in Chris­ti­ne Leh­manns Euka­lyp­tus­mond”. Sei­nen eige­nen Weg gehen ler­nen unab­hän­gig von den eige­nen Eltern, das müs­sen auch die Haupt­fi­gu­ren in “Back to blue” von Rusal­ka Reh und “Stern­schnup­pen­träu­me” von Julie Leu­ze.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Arena
ISBN: 978-3-401-51018-7
Erscheinungsdatum: 6.Juni 2017
Einbandart: Broschur
Preis: 12,99€ 
Seitenzahl: 328
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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