Julie Buxbaum — Absender: Glück

Julie Buxbaum Absender Glück24.Oktober 2016

Absen­der: Glück” von der ame­ri­ka­ni­schen Auto­rin Julie Bux­baum ist ein Roman über die Pro­ble­ma­tik der Anpas­sungs­fä­hig­keit an einer neu­en Schu­le, einen heim­li­chen Hel­fer und die Geschich­te einer uner­war­te­ten Lie­be. Flott und unter­halt­sam erzählt. Für Jugend­li­che ab 12 Jah­ren.

Das Leben der 16-jäh­ri­gen Jes­sie ist momen­tan nicht gera­de ein­fach. Ihre Fami­lie ist nicht mehr das, was sie ein­mal war: “Jeder von uns hat­te eine bestimm­te Rol­le. Mein Vater arbei­te­te und brach­te uns zum Lachen. Mei­ne Mut­ter arbei­te­te auch, aller­dings nur Teil­zeit, und bei ihr lie­fen alle Fäden zusam­men, sie beru­hig­te und ver­band. Mei­ne ein­zi­ge Auf­ga­be bestand dar­in, ihr Schatz zu sein, mich in ihrer per­ma­nen­ten Auf­merk­sam­keit zu aalen. Es ist jetzt 747 Tage her, und ich kann noch immer nicht dar­über reden.” (Zitat S.53) Jes­sies Mut­ter ist an Krebs gestor­ben. Und auch wenn es jetzt schon unge­fähr zwei Jah­re her ist, ver­misst Jes­sie ihre Mut­ter immer noch ziem­lich. Ihr Vater hat bereits eine neue Frau gefun­den, wes­we­gen sie von Chi­ca­go nun nach Los Ange­les zie­hen, um in deren rie­si­gen Haus zu leben. Jetzt hat Jes­sie nicht nur ein Zuhau­se, in dem sie sich nicht hei­misch füh­len kann, einen neu­en Stief­bru­der und eine Haus­häl­te­rin, son­dern soll auf­grund der neu­en Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se der neu­en Frau auch auf eine Pri­vat­schu­le gehen. Hier tritt sie von einem Fett­näpf­chenJulie Buxbaum Absender Glückin das nächs­te und weiß nicht wirk­lich, wie sie in ihrem neu­en Schul­all­tag klar­kom­men soll, von der Suche nach neu­en Freun­den mal ganz abge­se­hen. Bis sie erstaun­li­cher­wei­se eine E-Mail von einem Unbe­kann­ten erhält, der sich “Some­bo­dy Nobo­dy (SN)” nennt: “ich mai­le dir unter dem deck­man­tel der anony­mi­tät. […] ich habe dich in der schu­le beob­ach­tet […] du fas­zi­nierst mich. […] ich schrei­be die­se e-Mail vor allem, um dir mei­ne exper­ti­se anzu­bie­ten, denn so leid es mir tut, ich habe schlech­te nach­rich­ten: es ist nicht leicht, sich in den wil­de­run­gen der Wood-Val­ley-High­school zurecht­zu­fin­den […] und des­halb bie­te ich mich dir als bera­ter an.” (Zitat S.8ff) Zunächst glaubt Jes­sie noch an einen schlech­ten Scherz, Doch dann beginnt sie sich auf den Unbe­kann­ten ein­zu­las­sen und ihm regel­mä­ßig zu schrei­ben. Und sei­ne Tipps sind wirk­lich loh­nens­wert! Sein Rat, mit wem sie sich gut anfreun­den könn­te, funk­tio­niert und bald hat Jes­sie schon zwei neue Freun­din­nen gefun­den. Aber je bes­ser sie sich mit dem Unbe­kann­ten ver­steht, des­to neu­gie­ri­ger wird sie: wer steckt hin­ter den Mails? Ist es Ethan, für den sie heim­lich schwärmt, und mit dem sie an einem gemein­sa­men Pro­jekt für die Schu­le arbei­ten muss? Oder ihr Stief­bru­der Theo? Oder Liam, der Sohn der Buch­händ­le­rin, in deren Geschäft Jes­sie neben­bei jobbt? Oder viel­leicht sogar der unnah­ba­re Cal­eb? Jes­sie will es unbe­dingt her­aus­fin­den…

Julie Buxbaum Absender GlückAbsen­der Glück” hat einen fas­zi­nie­ren­den Plot: eine Anlei­tung für den Start an einer neu­en Schu­le, einen heim­li­cher Unbe­kann­ter, der einem alle Fra­ge beant­wor­ten kann. Jemand, der sie gese­hen hat: “Doch an jenem ers­ten Tag in der Schu­le muss es einen Moment gege­ben haben, in dem ich offen­bar genug mit­leid­erre­gen­de Hilf-mir-Signa­le aus­ge­sen­det habe, dass SN mich bemerkt hat. Einen Moment, in dem man mir ansah, wie beschis­sen mein Leben ist.” (Zitat S.18) Der Roman, der in Jes­sies Ich-Per­spek­ti­ve erzählt ist, wird immer wie­der von E-Mail­ein­schü­ben oder Text­nach­rich­ten unter­bro­chen, die haupt­säch­lich die Gesprä­che zwi­schen ihr und SN zei­gen, aber auch Bot­schaf­ten ande­ren Per­so­nen. Das lockert den Text­fluss auf und ist sehr inter­es­sant zu lesen. Die Geschich­te ist in einer ange­neh­men Spra­che erzählt und wirkt sehr authen­tisch. Auch das The­ma Trau­er ist in “Absen­der Glück” ein­ge­ar­bei­tet, hin­sicht­lich des Ver­lus­tes der Mut­ter und wird sehr berüh­rend dar­ge­stellt: “Mei­ne Augen fül­len sich mit Trä­nen, obwohl ich ver­su­che sie zu unter­drü­cken. Ich weiß nicht, war­um ich wei­nen muss. Plötz­lich habe ich das Gefühl, mein Leben wäre unwi­der­ruf­lich zer­bro­chen, so wie es einen nur mit­ten in der Nacht über­kom­men kann, wenn man allein ist. Wie es einen nur über­kom­men kann, wenn man beob­ach­tet, wie der eige­ne Vater sei­ne neue Frau trös­tet. Wie es einen nur über­kom­men kann, wenn man eben­falls lei­det, aber nie­mand da ist, um einen zu trös­ten.” (Zitat S.70) Dies ist die gro­ße Gemein­sam­keit, die Jes­sie und SN ver­eint: Julie Buxbaum Absender Glücksie haben bei­de einen nahe­ste­hen­den Men­schen ver­lo­ren. Uner­war­tet klu­ge Weis­hei­ten sind in “Absen­der: Glück” mit ein­ge­baut wie zum Bei­spiel “Ande­re Leu­te kön­nen dich nicht dumm aus­se­hen las­sen. Das kannst nur du selbst.” (Zitat S.77) oder “Per­fek­te Tage sind etwas für Men­schen mit klei­nen, erfüll­ba­ren Träu­men. Viel­leicht auch für uns alle, aber nur im Nach­hin­ein; sie erschei­nen uns erst spä­ter per­fekt, weil sie etwas für immer Ver­lo­re­nes und nicht mehr Zurück­zu­ho­len­des beinhal­ten.” (Zitat S.93) Die Haupt­per­son macht auch eine schö­ne Wand­lung durch: erkennt, dass sie eigent­lich viel stär­ker ist als sie denkt und viel mehr wagen kann, als sie für mög­lich gehal­ten hät­te. Im Eng­li­schen heißt der Roman übri­gens “Tell me three things”, was auf die drei Din­ge anspielt, die sich Jes­sie und SN regel­mä­ßig in ihren Mails über sich ver­ra­ten, da wirkt der deut­sche Titel (samt Cover) fast ein biss­chen kit­schig — wie die Geschich­te selbst es näm­lich eigent­lich nicht ist. Die Roman­tik, die sich vor allem im letz­ten Teil des Buches ein­schleicht, macht rich­tig Spaß und lässt einen gera­de­zu über die Sei­ten flie­gen — auf der Suche, wer denn der Unbe­kann­te jetzt ist…

Fazit: Eine schö­ne Unter­hal­tungs­lek­tü­re mit Tief­gang und Roman­tik!

Wenn dir “Absen­der: Glück” gefal­len hat, kannst du noch ande­re E-Mail-Roma­ne lesen. Eine der bekann­tes­ten (ers­ten) E-Mail-Roma­ne im Jugend­buch war die Rei­he “PinkMuffin@BerryBlue” von Hor­ten­se Ull­rich und Joa­chim Fried­rich.Lesealternativen Sehr gut könn­te ich mir auch “Der Geschmack von Glück” von Jen­ni­fer E.Smith vor­stel­len. Etwas älter ist “Mail mir!” von Sophie Par­ker. Die­ses Jahr erschie­nen sind “Nur drei Wor­te” von Becky Albertal­li und “Annä­hernd Alex” von Jenn Ben­nett. Kon­takt per Tele­fon, aber nicht per Mail, fin­dest du in “Wie wir uns aus Ver­se­hen ver­lieb­ten” von Kris­ten Tra­cy. Einen Rat­ge­ber in Form einer anony­men Inter­net­ge­mein­de, die über die Ent­schei­dun­gen der Haupt­fi­gur abstimmt, kannst du in sehr humor­vol­ler Wei­se in “Mein Leben vol­ler Fra­ge­zei­chen” von Jes­si­ca Bro­dy ent­de­cken, das ich auch sehr gelun­gen fand. Die The­ma­tik der Trau­er in Ver­bin­dung mit einer Lie­bes­ge­schich­te tau­chen in “Wenn du mich küsst” von Julia­na Stone und in “Wie viel Leben passt in eine Tüte?” von Don­na Frei­tas auf. Bei­des zwei rich­tig tol­le Bücher!

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Boje
ISBN: 978-3-414-82457-8
Erscheinungsdatum: 12.August 2016
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,00€ 
Seitenzahl: 400 
Übersetzer: Anja Malich
Originaltitel: "Tell me three things" 
Originalverlag: Delacorte Press

Amerikanisches Originalcover:
Julie Buxbaum Absender Glück

Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Amerikanisches Cover: Homepage von Random House

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