Juliana Stone — Wenn du mich küsst

Juliana Stone Wenn du mich küsst12.Juli 2016

Wenn man “Wenn du mich küsst” von der ame­ri­ka­ni­schen Auto­rin Julia­na Stone liest, merkt man sofort: das ist mal wie­der ein rich­tig schö­ner Schmö­ker für hei­ße Som­mer­ta­ge! Eine Geschich­te über Schuld, Trau­er, Ver­lust und dem Glück der Lie­be, die uner­war­tet das Leben zwei­er Men­schen völ­lig durch­ein­an­der­bringt. Wahn­sin­nig ergrei­fend und roman­tisch, ohne kit­schig zu sein — so zu erzäh­len, das kann die­se Auto­rin defi­ni­tiv! Ein gelun­ge­nes Buch. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Die 16-jäh­ri­ge Mon­roe ver­bringt den Som­mer bei ihrer Grand­ma in Loui­sia­na. Auf deren gro­ßen Plan­ta­ge. Eigent­lich hat sie dar­auf nicht wirk­lich Lust. Denn im Grun­de hat Mon­roe auf gar nichts mehr Lust. Seit ihr klei­ner Bru­der Mal­com ver­stor­ben ist, möch­te das Mäd­chen das Leben am liebs­ten aus­schlie­ßen. Ihr ist alles egal und sie emp­fin­det eine Lee­re in sich, die sie mit nichts fül­len kann. Am liebs­ten ver­kriecht sie sich in Nach­mit­ta­ge mit Nichts­tun: “Ich hat­te mei­nen Freun­den dabei zuge­se­hen, wie sie lach­ten und Spaß hat­ten, wie sie tanz­ten und aus­ge­las­sen fei­er­ten. […] Es mach­te mich wütend. Es mach­te mich krank… und es mach­te mich unend­lich trau­rig. Denn wie sehr ich mich auch bemüh­te, das unbe­schwer­te und glück­li­che Mäd­chen zu sein, das mei­ne Eltern sich zurück­wünsch­ten, ich schaff­te es nicht. Die­ses Mäd­chen exis­tier­te nicht mehr, und ich war ziem­lich sicher, dass es nie­mals zurück­kom­men wür­de.” (Zitat aus “Wenn du mich küsst” S.42ff) Nie­mand weiß mehr etwasJuliana Stone Wenn du mich küsstmit ihr anzu­fan­gen. Auch die Bezie­hung zu ihren Eltern ist nicht mehr so, wie sie mal war. Bei ihrer Grand­ma lernt Mon­roe den jun­gen Nathan ken­nen, der auf dem Grund­stück für die­se ein paar Repa­ra­tur­ar­bei­ten erle­digt. “Er lächel­te Grand­ma an und sie schien ganz ent­zückt von ihm zu sein. Wie­so auch nicht? Er war höf­lich, wort­ge­wandt und sah wirk­lich gut aus. Ich frag­te mich nur, ob sie auch die dunk­len Schat­ten unter der Ober­flä­che wahr­nahm. Er ver­heim­lich­te etwas. Ich konn­te es genau sehen. Kein Wun­der, denn es war die glei­che Art Schat­ten, die mich in letz­ter Zeit ver­folg­te.” (Zitat S.46) Und obwohl Mon­roe eigent­lich nichts mit ihm zu tun haben will und ihn nicht mag, bringt Nathan sie merk­wür­di­ger­wei­se dazu Din­ge zu aus­zu­spre­chen, für die ihr The­ra­peut min­des­tens ein hal­bes Jahr gebraucht hat. Und er hat etwas an sich, dass sie anzieht. Der Ris­se in ihren Mau­ern ent­ste­hen lässt, die sie sich so sorg­sam um sich her­um auf­ge­baut hat. Aber auch Nathan hat eine schwe­re Schuld auf sich gela­den. “Ich dach­te an den Kühl­schrank zu Hau­se. Er war voll mit Dads Bier, und ich könn­te mich heu­te Abend in der Dun­kel­heit mei­nes Zim­mers ver­krie­chen und mich voll­lau­fen las­sen, um das, was gesche­hen war, für eine Wei­le zu ver­ges­sen. Um die läh­men­de Lee­re in mei­nem Inne­ren nicht mehr spü­ren zu müs­sen. Die­se Lee­re, die mich täg­lich dar­an erin­ner­te, dass ich so ver­dammt dumm gewe­sen…” (Zitat S.36) Das Auf­ein­an­der­tref­fen zwi­schen Mon­roe und Nathan, die unge­woll­ten, auf­kei­men­den Gefüh­le für­ein­an­der — es ist ein Som­mer, der alles ver­än­dern wird…

"Wenn du mich küsst" wartet mit einem sehr angenehmen, flüssigen Erzählstil auf, was bereits bei den ersten Sätzen des Buchs auffällt: "Du kannst alles erreichen, wenn du es wirklich willst." Das hatte meine Grandma an einem schwülen Nachmittag, als ich elf war, zu mir gesagt. Sie war dabei ganz ernst gewesen und hatte uns Eistee eingeschenkt. Es war einer dieser Nachmittage gewesen, an denen die Luft flimmert Juliana Stone Wenn du mich küsstund die Hitze in die Klamotten kriecht. Einer diese Nachmittage, an denen die Haupt klebrig und die Muskeln träge sind. Ich erinnere mich noch daran, dass sogar die Vögel still waren. Nur die Grillen zirpten wie Minikreissägen." (Zitat S.7) gerade schmerzliche Gefühle sehr gut zu schildern Zicke, Dialoge toll; sehr flüssig emotional Wechselbad der Gefühle Cover: haare Wenn du mich küsst” war­tet mit einem sehr ange­neh­men, flüs­si­gen Erzähl­stil auf, was bereits bei den ers­ten Sät­zen des Buchs auf­fällt: “Du kannst alles errei­chen, wenn du es wirk­lich willst.” Das hat­te mei­ne Grand­ma an einem schwü­len Nach­mit­tag, als ich elf war, zu mir gesagt. Sie war dabei ganz ernst gewe­sen und hat­te uns Eis­tee ein­ge­schenkt. Es war einer die­ser Nach­mit­ta­ge gewe­sen, an denen die Luft flim­mert und die Hit­ze in die Kla­mot­ten kriecht. Einer die­se Nach­mit­ta­ge, an denen die Haupt kleb­rig und die Mus­keln trä­ge sind. Ich erin­ne­re mich noch dar­an, dass sogar die Vögel still waren. Nur die Gril­len zirp­ten wie Mini­kreis­sä­gen.” (Zitat S.7) Der Roman, der abwech­selnd in Mon­roes und Nathans Ich-Per­spek­ti­ve erzählt wird, lässt den Leser ein hef­ti­ges Wech­sel­bad der Gefüh­le mit­er­le­ben. Ich habe schon län­ger kein Buch mehr gele­sen, das die Roman­tik mit der Emo­tio­na­li­tät — beson­ders den schmerz­li­chen Gefüh­len der Prot­ago­nis­ten — der­art gut ver­bin­det. Die Dia­lo­ge sind toll und es macht ein­fach Spaß der Ent­wick­lung von Mon­roe und Nathan zu fol­gen, die gegen­sei­tig eine Stüt­ze für­ein­an­der sind und ler­nen, Schuld zu ertra­gen, Ver­söh­nung zu erle­ben und sich dem Leben (und der Lie­be) wie­der zuzu­wen­den. Zeit­wei­lig wird es so dra­ma­tisch, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möch­te!

Ein­zi­ges Man­ko: Das Cover ist an sich schön gewählt, nur lei­der stim­men die abge­bil­de­ten Figu­ren bezüg­lich der Haar­far­be über­haupt nicht mit denen im Buch über­ein: Nathan hat lan­ge Haa­re und Mon­roes sind nicht rot, son­dern dunkel/schwarz, wie öfters beschrie­ben wird;-)

Fazit: End­lich mal wie­der eine rich­tig schö­ne Lie­bes­ge­schich­te mit Tief­gang und ganz gro­ßen Gefüh­len!

Zwei sehr gute Alter­na­ti­ven zu Lesealternativen“Wenn du mich küsst” sind mei­nes Erach­tens “Noah und Echo. Lie­be kennt kei­ne Gren­zen” von Katie McGar­ry und “Almost” von Anne Eli­ot. Bei­des sehr ergrei­fen­de Lie­bes­ge­schich­ten mit Hin­ter­grund und trau­ma­ti­schen Erleb­nis­sen, die die Prot­ago­nis­ten ver­ar­bei­ten müs­sen. Mit ähn­li­cher The­ma­tik, aber etwas mehr Ero­tik war­tet die Stutt­gar­ter Auto­rin Julie Leu­ze auf in ihren unab­hän­gig von­ein­an­der zu lesen­den Roma­nen “Der Geschmack von Som­mer­re­gen” und Stern­schup­pen­träu­me”. Das The­ma Tod eines Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen ver­bun­den mit einer Lie­bes­ge­schich­te fin­dest du auch in fol­gen­den Büchern sehr gut umge­setzt: “Nichts als Lie­be” von Beth Kephart und Wie viel Leben passt in eine Tüte?” von Don­na Frei­tas.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Ravensburger
ISBN: 978-3-473-58501-4
Erscheinungsdatum: 1.Juni 2016
Einbandart: Broschur
Preis: 9,99€ 
Seitenzahl: 320 
Übersetzer: Franziska Jaekel
Originaltitel: "Boys like you"
Originalverlag: Sourcebooks

Amerikanisches Originalcover:
Juliana Stone Wenn du mich küsst

Kasimiras Bewertung:

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Amerikanisches Cover: Homepage von Juliana Stone

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