Fleur Ferris — Im Zweifel tue nichts

Fleur Ferris Im Zweifel tue nichts29.Juli 2017

Im Zwei­fel tue nichts” ist das Debüt der aus­tra­li­schen Auto­rin Fleur Fer­ris. Ein Roman über das Ver­schwin­den eines Mäd­chens, Freund­schaft, Schuld und die Gefah­ren des anony­men Inter­nets. Eine sich lang­sam auf­bau­en­de Geschich­te, die nach­denk­lich und betrof­fen macht. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Mel­bourne. Die 15-jäh­ri­ge Tay­lor ist nicht beson­ders begeis­tert, als ihre bes­te Freun­din Sier­ra in einem Chat­room ihre E-Mail­adres­se angibt, als sie mit einem unbe­kann­ten Typen chat­tet. Jetzt hat die­ser ihr auch noch geschrie­ben! Er heißt Jacob und obwohl sie ihm schreibt, dass sie nicht Sier­ra ist und nicht vor­hat ihm “ein Bild von mei­nen Brüs­ten zu schi­cken” (Zitat aus “Im Zwei­fel tue nichts” S.11), fängt er an ihr zu schrei­ben. Und er scheint wirk­lich nett zu sein! “Ich kom­me mir vor wie eines die­ser Mäd­chen in alten Fil­men. Ich sit­ze als Mau­er­blüm­chen auf einem Ball und bin gera­de zum Tanz auf­ge­for­dert wor­den.” (Zitat S.15) Nach fünf Stun­den chat­ten ist Tay­lor rest­los begeis­tert und fast schon ein biss­chen ver­liebt. Doch gera­de als sie Sier­ra beich­ten will, dass sie Jacob geschrie­ben hat, platzt die­se her­aus, dass sie das gan­ze Wochen­en­de mit eben die­sem geheim­nis­vol­len Unbe­kann­ten gechat­tet hat und nun ein Fleur Ferris Im Zweifel tue nichtsTref­fen am Frei­tag mit ihm plant. Tay­lor ist schwer ent­täuscht. Wie habe ich bloß auf den Gedan­ken kom­men kön­nen, dass so ein Typ auf jeman­den wie mich abfah­ren wür­de? Als ob ich in die­ser Liga gespielt hät­te. Immer bekommt Sier­ra das, was ich will. […] Schon als wir noch Kin­der waren, hat­te sie alles, was ich woll­te: ein bes­se­res Fahr­rad, schö­ne­re Klei­dung, coo­le­re Musik, tol­le Feri­en, zwei Eltern­tei­le…” (Zitat S.27) Und so will sie zu dem Tref­fen auch auf kei­nen Fall mit­kom­men, wor­um Sier­ra sie bit­tet. Sie deckt ihre Freun­din ledig­lich, als die­se plötz­lich sogar die Nacht bei Jacob ver­brin­gen möch­te, damit ihre Mut­ter davon nichts erfährt. Doch am nächs­ten Mor­gen taucht Sier­ra nicht auf, so wie ver­ab­re­det und geht nicht an ihr Han­dy. Zunächst glau­ben Tay­lor und ihre Freun­de noch, dass Sier­ra eines ihrer Spiel­chen mit ihnen spielt. Nur Cal­lum, für den Tay­lor heim­lich schwärmt, glaubt, dass ihr viel­leicht etwas zuge­sto­ßen sein könn­te. Aber Tay­lor möch­te lie­ber noch abwar­ten. Wenn sie alles beich­tet, und Sier­ra taucht wie­der auf, wird sie schließ­lich gro­ßen Ärger krie­gen. Doch am nächs­ten Tag ist Sier­ra immer noch nicht da. Was wenn ihr tat­säch­lich etwas zuge­sto­ßen ist?

Fleur Ferris Im Zweifel tue nichtsIm Zwei­fel tue nichts” war­tet mit einem inter­es­san­ten, etwas geheim­nis­vol­len Cover auf und einem eben­so fas­zi­nie­ren­den Titel. Denn genau das ist es, was Tay­lor getan hat: nichts. Ehe sie all­mäh­lich beginnt dies zu bereu­en. Der Roman wird durch­ge­hend aus ihrer Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt. Die Span­nung baut sich erst lang­sam auf, der Anfang ver­läuft noch rela­tiv gemäch­lich, ehe es den Leser dann mehr und mehr fes­seln wird. Die Spra­che ist recht ein­fach, aber der Schreib­stil sehr flüs­sig. Beson­ders gut getrof­fen sind die zwie­späl­ti­gen Gefüh­le der Prot­ago­nis­tin“Manch­mal has­se ich sie, dann has­se ich mich, weil ich sie has­se. Weil ich so blö­de und eifer­süch­tig bin. Viel­leicht has­se ich ein­fach nur mich selbst.” (Zitat S.27) oder “Ich hät­te Sier­ra beglei­ten sol­len. Es bedrückt mich, dass Sier­ra ver­misst wird, doch gleich­zei­tig bin ich erleich­tert, dass es mich nicht getrof­fen hat.” (Zitat S.111) Die Umset­zung von Tay­lor im letz­ten Teil des Buches — um mit der gan­zen Pro­ble­ma­tik fer­tig zu wer­den — ist sehr gelun­gen und macht gleich­zei­tig auf unauf­dring­li­che Wei­se dar­auf auf­merk­sam, wel­che Gefah­ren das Inter­net birgt. Bie­tet aber auch (im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes) Raum für Dis­kus­sio­nen, daher eig­net sich “Im Zwei­fel tue nichts” sehr gut als Klas­sen­lek­tü­re.

Zwei pas­sen­de inhalt­li­che Alter­na­ti­ve zu dem hier vor­ge­stell­ten Buch sind “Schach­zü­ge” von Gabrie­le Gfre­rer und “Sechs Augen­bli­cke” von Ant­je Szil­latOder lLesealternativenies “Schle­hen­herz” von Hei­ke Eva Schmidt, die auch sehr span­nend schreibt und die Geschich­te eines Mäd­chens erzählt, deren bes­te Freun­din tot auf­ge­fun­den wur­de und die ihren Mör­der wahr­schein­lich im Inter­net ken­nen­ge­lernt hat. Die bes­te Freun­din ver­schwin­det? Das fin­dest du eben­falls höchst fes­selnd beschrie­ben in “Schweig still, süßer Mund” von Janet ClarkWie gefähr­lich Inter­net­be­kannt­schaf­ten wer­den kön­nen, erlebst du zudem in “Angst­spiel” von Bir­git Schlie­per (hier ent­wi­ckelt sich der Unbe­kann­te lang­sam zu einem Stal­ker) oder in “Chat­room-Fal­le” von Helen Vrees­wi­jkdie nicht nur Auto­rin, son­dern auch Kri­mi­nal­be­am­tin ist und vie­le Fäl­le bereits erlebt hat, in denen Jugend­li­che über das Inter­net zu Opfern von Miss­brauch und Gewalt gewor­den sind

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3-407-82295-6
Erscheinungsdatum: 10.Juli 2017
Einbandart: Broschur
Preis: 13,95€ 
Seitenzahl: 276 
Übersetzer: Michael Koseler
Originaltitel: "Risk" 
Originalverlag: Random House Australia Children's

Australisches Originalcover:
Fleur Ferris Im Zweifel tue nichts

Kasimiras Bewertung:

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Australisches Cover: Homepage von Fleur Ferris

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