Eva Moraal — Zwischen uns die Flut

Eva Moraal - Zwischen uns die Flut9.Mai 2015

Zwi­schen uns die Flut” von der nie­der­län­di­schen Auto­rin Eva Mor­aal ist ein dys­to­pi­scher Roman und zugleich eine moder­ne Romeo- und Julia-Geschich­te. Das Haupt­ele­ment des Buches ist das Was­ser, so kraft­voll und beson­ders wie ihre Prot­ago­nis­ten. Eine über­flu­te­te Welt, eine Lie­be, die nicht sein darf, eine Ent­füh­rung, die sein muss — all das ver­spricht bes­te Unter­hal­tung! Span­nung, Roman­tik und Lei­den­schaft für Jugend­li­che ab 16 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Nie­der­lan­de in einer fer­nen Zukunft. Das Land wur­de über­schwemmt und nach der zwei­ten, gro­ßen Flut sind noch zwei Berei­che übrig, in denen die Men­schen leben. In dem einen leben die “Nas­sen”, die vor dem Was­ser wenig geschützt sind, weil sie in nied­ri­ger gele­ge­nen Gebie­ten und in ärm­li­chen Ver­hält­nis­sen leben. In dem ande­ren höher gele­ge­nen Gebiet leben die “Tro­cke­nen”, die Rei­chen, die die “Nas­sen” für sich arbei­ten las­sen. Zudem ist das Land in fünf Zonen ein­ge­teilt. Nina, deren Vater der Gou­ver­neur über eine die­ser Zonen ist, ist eine “Tro­cke­ne. Doch da ihre Schu­le wegen Über­flu­tung geschlos­sen wur­de, muss auch sie jetzt auf eine Schu­le der “Nas­sen” gehen. Als sie von einem Mäd­chen auf dem Gang absicht­lich ange­rem­pelt wird, lernt sie Max, einen “Nas­sen”, ken­nen, der ihr beim Auf­le­sen ihrer Sachen hilft. Im Unter­richt setzt sie sich neben ihn und muss beob­ach­ten, wie er in der Pau­se mit drei ande­ren Jugend­li­chen in eine hef­ti­ge Schlä­ge­rei gerät. Mit so jeman­dem mit solch einem wut­er­füll­ten Blick möch­te sie lie­ber Eva Moraal - Zwischen uns die Flutnichts zu tun haben. Doch sie kommt ihm unfrei­wil­lig näher durch ein Schul­pro­jekt, an dem sie zusam­men arbei­ten müs­sen. Und Nina ver­liebt sich in ihn. In den Jun­gen, der so viel Wut in sich trägt und manch­mal Schwie­rig­kei­ten hat, nicht aus­zu­flip­pen. Aber sie ver­heim­licht ihm, wer sie wirk­lich ist, wer ihr Vater ist, den Max nicht aus­ste­hen kann, da er Schuld am Tod sei­nes Vaters trägt. Jedoch kommt Max eines Tages dahin­ter und er hilft sei­nem Bru­der, einem Rebel­len, Nina zu ent­füh­ren. Das ver­än­dert alles…

Gegen­sät­ze zie­hen sich an. Bes­ser kann man es für “Zwi­schen uns die Flut” wohl nicht for­mu­lie­ren. Sie reich, er arm. Sie eine “Tro­cke­ne”, er ein “Nas­ser”. Sie zurück­hal­tend und defen­siv, er wütend und aggres­siv. Dabei leben sie bei­de in der glei­chen Welt, sind macht­los gegen die Natur­ge­walt des Was­sers. Ihre Gemein­sam­keit ist der Schmerz. Der Ver­lust eines gelieb­ten Men­schen. Bei Max ist es sein Vater, bei Nina ihre Schwes­ter, die in der über­flu­te­ten Schu­le ihr Leben ver­lor. “Ich kann ein­fach nur auf das Was­ser schau­en, das flie­ßen­de Was­ser, das so viel in sich trägt. Ver­spre­chen und Hoff­nung, Ver­zweif­lung und Ver­rat, Leben und Tod. Ich hal­te ein Glas dar­un­ter und las­se es so lan­ge über­flie­ßen, bis mei­ne Hand eben­so vor Käl­te schmerzt wie alles in mei­nem Inne­ren.” (Zitat aus “Zwi­schen uns die Flut”, Sei­te 44). Nina betäubt ihren Schmerz mit Tablet­ten. Max liebt das Lau­fen, was ihm hilft den Kopf frei­zu­krie­gen. Eva Moraal - Zwischen uns die FlutDie Cha­rak­te­re sind inter­es­sant und indi­vi­du­ell. Auch die Zukunfts­welt birgt fas­zi­nie­ren­de Neue­run­gen: es gibt so eine Art “Super­in­ter­net”, das DNS — das digi­ta­le Nach­rich­ten­sys­tem und HC, Hand­com­pu­ter, die die Men­schen bei sich tra­gen. Es wird auch nicht mehr tele­fo­niert, son­dern “digi­fo­niert”. Das Kino nennt sich “Digi­scope”. Es scheint auch nicht unty­pisch zu sein (zumin­dest bei den “Tro­cke­nen”) mit sei­ner Dusche zu spre­chen und ihr durch “Hei­ßer” oder “Käl­ter” Anwei­sun­gen zu ertei­len;-)
Der Roman wird abwech­selnd aus der Sicht der bei­den und in meh­re­ren Tei­len erzählt. Sehr gut gefal­len haben mir die flie­ßen­den Über­gän­ge zwi­schen den Kapi­teln. Auch wer­den zu Beginn nicht gleich alle Umstän­de erklärt, was der Geschich­te etwas Geheim­nis­vol­les ver­leiht und neu­gie­rig macht. Ab der Mit­te des Buches wird es dann so span­nend, dass man sel­bi­ges kaum mehr aus der Hand legen möch­te! Es wird dra­ma­tisch und ner­ven­auf­rei­bend. Toll ist auch das Cover und der blaue Schnitt, ein wirk­li­cher Eye-Cat­cher (im Gegen­satz zum nie­der­län­di­schen Cover, das ein wenig sehr düs­ter wirkt).
Die Alters­emp­feh­lung vom Ver­lag ab 16 Jah­ren ist auf­grund gewis­ser Gewalt­sze­nen, frei­zü­gi­ger Spra­che in ero­ti­schen Sze­nen durch­aus ange­mes­sen. Ich bin gespannt, ob es noch eine Fort­set­zung geben wird. Das Ende ist zwar in sich abge­schlos­sen, aber man könn­te durch­aus noch wei­ter­schrei­ben!!

Wenn dir “Zwi­schen uns die Flut” gefal­len hat, kannst du auch die Legend”-Rei­he von Marie Lu lesen, die­se hat auch ähn­lich außer­ge­wöhn­li­che Hel­den, die in unter­schied­li­chen Gesell­schafts­schich­ten leben. Ansons­ten tauch ein in die Was­ser-Roma­ne, die das Jahr 2015 zu bie­ten hat, denn Was­ser scheint die­ses Jahr irgend­wie ein gro­ßes The­ma im Jugend­buch zu sein: Begon­nen hat im Janu­ar LesealternativenSan­ne Munk Jen­sen mit “Wir woll­ten nichts. Wir woll­ten alles”, in dem zwei Jugend­li­che absicht­lich im Was­ser ertrun­ken sind (auch ab 16). Wei­ter­ge­macht haben im Febru­ar Ally Con­die mit “Atlan­tia” (eine Gesell­schaft unter und über Was­ser) und Vir­gi­nia Ber­gin mit “Rain — Das töd­li­che Ele­ment” (gif­ti­ger Regen). Im März erschien ein Jugend­buch von Best­sel­ler­au­to­rin Jen­ni­fer Don­nel­ly: “Water­fire Saga: Das ers­te Lied der Mee­re” und auch Kat­ja Bran­dis lie­fer­te mit “Floaters: Im Sog des Mee­res” einen neu­en Umwelt­kri­mi, in dem das Meer mal wie­der eine Haupt­rol­le spielt. Die­sen Monat erscheint noch Tie­fe Wel­len” von Kat Rosen­field (Angst vor dem Was­ser, plötz­li­ches Was­ser in der Lun­ge). Und im Juni dür­fen wir uns auf einen neu­en Thril­ler von Andre­as Esch­bach freu­en: “Aqua­ma­rin” (The­ma: Meer­jung­frau) und im Juli auf etwas Neu­es von Ale­xa Hen­nig von Lan­ge “Die Welt ist kein Oze­an (in dem auch das Was­ser eine gro­ße Rol­le spielt).
Fin­dest du das The­ma Ent­füh­rung und eine Lie­be, die nicht sein darf, inter­es­sant, könn­ten fol­gen­de Titel etwas für dich sein: “Ich wünsch­te, ich könn­te dich has­sen” von Lucy Chris­to­pher (klas­se!), Du liebst mich nicht” von Ede­et Ravel (bewe­gend!) oder Schat­ten­bli­cke” von Karen-Susan Fes­sel.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Oetinger Taschenbuch
ISBN: 978-3-8415-0351-0
Erscheinungsdatum: 1.Mai 2015
Einbandart: Broschur
Preis: 14,99€
Seitenzahl: 400
Übersetzer: Rolf Erdorf
Originaltitel: "Overstroomd"
Originalverlag: Lemniscaat

Niederländisches Originalcover:
Eva Moraal - Zwischen uns die Flut











Deutscher Buchtrailer:

Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

 

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Niederländisches Cover: Homepage von Eva Moraal

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