Colleen Hoover — Nächstes Jahr am selben Tag

Colleen Hoover Nächstes Jahr am selben Tag10.Februar 2017

Nächs­tes Jahr am sel­ben Tag” von der ame­ri­ka­ni­schen Best­sel­ler­au­to­rin Col­le­en Hoo­ver ist schon ihr 10. Roman, der ins Deut­sche über­setzt wur­de. Über 400.000 ver­kauf­te Bücher in Deutsch­land — die­ser Erfolg kann sich sehen las­sen! Ihre neu­es­te Lie­bes­ge­schich­te spielt zwi­schen Los Ange­les und New York, eine On-Off-Bezie­hung der beson­de­ren Art. Man könn­te sagen “Zwei an einem Tag” rel­oa­ded. Roman­tisch wie eh und je, mit sprit­zi­gen Dia­lo­gen und jeder Men­ge gro­ßen Gefüh­len — die­se Auto­rin kann ein­fach erzäh­len. Für mich eines ihrer bes­ten Bücher! Für Jung und Alt. Frü­hes­tens ab 14 Jah­ren.

Die 18-jäh­ri­ge Fal­lon woll­te schon immer Schau­spie­le­rin wer­den, so wie ihr berühm­ter, aber mitt­ler­wei­le höchst arro­gan­ter Vater. Sie galt als eine der viel­ver­spre­chends­ten Nach­wuchs­schau­spie­le­rin­nen, bis sie bei einem Brand vor zwei Jah­ren, bei dem Fal­lon so schnell nicht gefun­den wur­de — wor­an auch ihr Vater eine Mit­schuld trägt —  schlim­me Ver­bren­nun­gen erlitt. ”…nach­dem mein Aus­se­hen in Flam­men auf­ge­gan­gen war, hat mir der Sen­der den Ver­trag gekün­digt. Manch­mal habe ich das Gefühl, mein Vater trau­ert mehr dar­um, dass er jetzt nicht mehr mit sei­ner erfolg­rei­chen Toch­ter ange­ben kann, als dass ich durch sei­ne Unacht­sam­keit für immer ent­stellt bin.” (Zitat aus “Nächs­tes Jahr am sel­ben Tag” S.27) Ihre lin­ke Gesichts­hälf­te ist total ver­narbt, eben­falls die gesam­te lin­ke Sei­te ihres Ober­kör­pers. Nie wie­der, so denkt Fal­lon, wird sie Colleen Hoover Nächstes Jahr am selben Tagein nor­ma­les Leben füh­ren kön­nen. “Ich kann noch so sehr ver­su­chen, die Nar­ben unter mei­nen Haa­ren und mei­ner Klei­dung zu ver­ste­cken, sie sind da und wer­den es für immer sein. Eine unaus­lösch­li­che Erin­ne­rung an die Nacht, in der so viel von dem, was an mei­nem Leben gut und an mir schön war, zer­stört wur­de.” (Zitat S.14) Bei einem Abend­essen mit ihrem Vater, bei dem die­ser sie ziem­lich her­un­ter­macht, lernt Fal­lon Ben ken­nen, der sie ver­tei­digt und mit dem sie einen letz­ten schö­nen Abend ver­bringt, bevor sie ans ande­re Ende des Lan­des zie­hen wird. Der Umzug soll ein Neu­an­fang sein. Die Stun­den mit Ben sind ein uner­war­te­ter Traum. Aber sie wer­den sich nicht wie­der­se­hen. “Ich kann kei­nen Freund gebrau­chen, Ben. […] Ich zie­he nach New York. Wir ken­nen uns kaum. Außer­dem habe ich mei­ner Mut­ter ver­spro­chen, mich nicht zu ver­lie­ben, bevor ich drei­und­zwan­zig bin. […] Sie glaubt, dass die meis­ten Men­schen erst mit drei­und­zwan­zig wis­sen, wie sie leben wol­len. Ich möch­te her­aus­fin­den, wer ich bin, bevor ich mich an jeman­den bin­de.” (Zitat S.74) Bis sie auf die Idee kom­men, sich jedes Jahr am sel­ben Tag wie­der zu tref­fen. Fünf Jah­re lang, und nur an die­sem einen Tag. Ohne ihr Pri­vat­le­ben in der Zwi­schen­zeit auf Eis zu set­zen. Kann das funk­tio­nie­ren? Was wird ein Jahr spä­ter sein? Was fünf Jah­re spä­ter? Wer­den sie noch die­sel­ben sein?

Colleen Hoover Nächstes Jahr am selben TagNächs­tes Jahr am sel­ben Tag” klingt wie eine Geschich­te, die man schon ein­mal gele­sen hat, vor allem, wenn man an den Best­sel­ler “Zwei an einem Tag” denkt — aber Col­le­en Hoo­ver erzählt die­sen Plot auf ihre ganz eige­ne, unver­wech­sel­ba­re Art. Und das kann die Auto­rin defi­ni­tiv! Schon zu Beginn fällt man sofort hin­ein in die Hand­lung, ohne gro­ßes Vor­ge­plän­kel oder gro­ße Ein­füh­run­gen der Cha­rak­te­re. Der Roman zieht den Leser sogleich in sei­nen Bann. Sprach­lich äußerst flüs­sig erzählt und stets inter­es­sant und unter­halt­sam. Eine ganz gro­ße Stär­ke der Auto­rin ist die sen­si­ble Schil­de­rung der Gefüh­le ihrer Prot­ago­nis­ten. Dies merkt man vor allem bei Fal­lon, die gro­ße Schwie­rig­kei­ten mit ihren Nar­ben hat: “Ich gehe ande­ren Leu­ten mög­lichst aus dem Weg. Nicht etwa, weil ich Angst hät­te, sie könn­ten mich anstar­ren. Mir ist auf­ge­fal­len, dass die meis­ten Men­schen sofort weg­schau­en, sobald sie mei­ne Nar­ben sehen.” (Zitat S.16) Sie erträgt den Blick im Spie­gel nicht und wünscht sich, dass sie nie­mand beach­tet. Gleich­zei­tig sehnt sie sich jedoch nach Beach­tung, danach “rich­tig” gese­hen zu wer­den. “Ich spü­re, wie ich rot anlau­fe, sen­ke has­tig den Blick und las­se mei­ne Haa­re wie einen Vor­hang vors Gesicht fal­len. Eben habe ich noch bedau­erColleen Hoover Nächstes Jahr am selben Tagt, dass nie­mand mich mehr anschaut, und jetzt, wo es jemand tut, will ich nur noch, dass er weg­sieht.” (Zitat S.18) Die­se Wider­sprüch­lich­keit, die­se gegen­sätz­li­chen Gefüh­le wer­den äußerst authen­tisch beschrie­ben. Die Cha­rak­te­re wer­den auf die­se Wei­se mehr­di­men­sio­nal und viel­schich­tig. Dazu tra­gen eben­falls die sich abwech­seln­de Sicht­wei­se von Fal­lon und Ben bei, die bei­de aus der Ich-Per­spek­ti­ve berich­ten. Es ist Ben, der schon nach kur­zer Zeit hin­ter Fal­lons Fas­sa­de sieht: Du tust alles, damit die Leu­te mög­lichst wenig von dir zu sehen bekom­men […] weil du denkst, das hilft. Aber das tut es nicht. […] Sie wol­len dich anse­hen, glaub mir. Aber wenn alles an dir schreit: >Schaut weg!<, ist das genau das, was die Leu­te tun. Der ein­zi­ge Mensch, dem die Nar­ben in dei­nem Gesicht unan­ge­nehm sind, bist du selbst.” (Zitat S.60ff) Was mir auch sehr gut gefal­len hat, sind die Dia­lo­ge in “Nächs­tes Jahr am sel­ben Tag” — abwechs­lungs­reich, pfif­fig und zum Teil recht humor­voll erzählt. Die Zeit­sprün­ge  zwi­schen den Tref­fen sind gut gemacht und die Auto­rin ist immer wie­der für haar­sträu­ben­de Über­ra­schun­gen gut!

Fazit: Col­le­en Hoo­ver lie­fert bes­te Unter­hal­tung — herz­zer­rei­ßend, roman­tisch ohne kit­schig zu sein, ner­ven­auf­rei­bend und dra­ma­tisch. Mit “Weil ich Lay­ken lie­be” — einer ihrer bes­ten Roma­ne!

Hier fin­dest du noch ein­mal alle ande­ren Roma­ne von Col­le­en Hoo­ver: Die “Will & Lay­ken”-Rei­he, mit der sie erst so rich­tig erfolg­reich wur­de: “Weil ich Lay­ken lie­be” (Band 1), Weil ich Will lie­be” (Band 2), “Weil wir uns lie­ben” (Band 3)Lesealternativen. Danach folg­te die “Sky & Dean”-Rei­he: “Hope fore­ver” (Band 1), “Loo­king for hope” (Band 2), “Fin­ding Cin­de­rel­la” (Spin-Off). Ein­zel­ne Titel sind “Love and con­fess” und “Zurück ins Leben geliebt” (ab 16!). Auf den Roman “May­be some­day” folgt die­ses Jahr im April noch die Neu­erschei­nung “May­be not”. Alter­na­ti­ven hin­sicht­lich der Lie­bes­ge­schich­te sind natür­lich wie bereits erwähnt “Zwei an einem Tag” von David Nicholls, oder auch “Und immer wie­der Lie­be” von Pao­la Cal­vet­ti und “Ein gan­zes Leben lang” von Emi­ly Gray­son. Ein ent­stell­tes Gesicht nach einem Unfall das erle­ben die Prot­ago­nis­tin­nen in “Skin Deep: Nichts geht tie­fer als die ers­te Lie­be” von Lau­ra Jar­ratt, “In mei­ner Haut” von Debo­rah Froese und “Sieh mich an” von Nata­sha Fri­endDie flot­ten Dia­lo­ge in “Nächs­tes Jahr am sel­ben Tag” haben mich ein wenig an die in “Almost” von Anne Eli­ot erin­nert.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: dtv
ISBN: 978-3-423-74025-8
Erscheinungsdatum: 10.Feburar 2017
Einbandart: Broschur
Preis: 14,95€ 
Seitenzahl: 376
Übersetzer: Katarina Ganslandt
Originaltitel: "November 9"
Originalverlag: Simon & Schuster

Amerikanisches Originalcover: 
Colleen Hoover Nächstes Jahr am selben Tag

Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

Die­ser Titel hat es in fol­gen­de Kate­go­rie geschafft: **Kasi­mi­ras Lieb­lings­bü­cher**

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Amerikanisches Cover: Homepage von Simon & Schuster

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