Claudia Puhlfürst — Lügenschwester

Claudia Puhlfürst - Lügenschwester12.Juli 2015

Die deut­sche Psy­cho­thril­ler­au­to­rin Clau­dia Puhl­fürst hat nun mit “Lügen­schwes­ter” ihren ers­ten Thril­ler für Jugend­li­che geschrie­ben. Eine Geschich­te über das Ver­schwin­den eines Mäd­chens, deren Schwes­ter sich des­we­gen vor der Poli­zei recht­fer­ti­gen muss. Rich­tig schön fes­selnd geschrie­ben! Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Die 15-jäh­ri­ge Sarah ist heim­lich ver­liebt. In Jonas, den sie aus ihrem Schreiblern­kurs kennt und der schon 20 ist. Nie­mand weiß von ihrer Schwär­me­rei, nicht ein­mal ihre bes­te Freun­din Elo­die. Erst möch­te sie sich sei­ner Lie­be sicher sein, bevor sie jeman­dem davon erzählt. Doch ihn heim­lich zu tref­fen, ist momen­tan nicht ganz ein­fach, da ihre Mut­ter sie nicht ein­mal ohne Beglei­tung zur Schu­le hin und zurück­kom­men lässt. Dar­an schuld ist allein Kat, Sarahs zwei Jah­re älte­re Schwes­ter, die spur­los ver­schwun­den ist. Am Tag zuvor hat­te sie noch einen rie­si­gen Streit mit ihrer Mut­ter, dann ward sie nicht mehr gese­hen. Schon öfters hat sie ver­sucht ihren Wil­len unbe­dingt durch­zu­set­zen, schön öfters ist sie für ein paar Tage von Zuhau­se weg­ge­blie­ben. Des­halb lässt Sarah auch zwei ver­meint­li­che Ent­füh­rungs­schrei­ben, die sie im Brief­kas­ten fin­det, ver­schwin­den. Sie möch­te ihrer Mut­ter nicht noch mehr Angst machen. Außer­dem will sie Kat einen Denk­zet­tel ver­pas­sen. Die scheint das Gan­ze schließ­lich insze­niert zu haben. Doch bald ist die Poli­zei auch Sarah auf der Spur. Denn es taucht eine drit­te Nach­richt auf, die direkt an die Poli­zei geschickt wur­de. Ist Kat viel­leicht doch ent­führt wor­den? Bald ist sich Sarah des­sen gar nicht mehr so sicher…

Claudia Puhlfürst - LügenschwesterLügen­schwes­ter” setzt mit einem dra­ma­ti­schen Pro­log ein, der die Haupt­fi­gur erst zu Hau­se und dann auf dem Poli­zei­re­vier zeigt. Die Kom­mis­sa­re neh­men Sarah ordent­lich in die Man­gel und auf der Toi­let­te sen­det Sarah eine SMS an eine unbe­kann­te Per­son, dass sie nicht mehr kön­ne. Dann beginnt der Haupt­teil, der sich in drei Tei­le glie­dert und eine Woche zuvor beginnt. Clau­dia Puhl­fürst hat einen sehr ange­neh­men Erzähl­stil. Flüs­si­ges Lesen ist ohne Wei­te­res mög­lich und sie schafft viel Atmo­sphä­re: “Drau­ßen war es jetzt still. Als hät­te etwas Fins­te­res den klei­nen Vögeln Angst gemacht. Auch das Rumo­ren über ihr hat­te auf­ge­hört. Der Mor­gen hielt den Atem an, nur die Küchen­uhr tick­te über­laut.” (Zitat aus “Lügen­schwes­ter” S.9) und “Die Sze­ne glich einem die­ser moder­nen Thea­ter­stü­cke. Fünf schwei­gen­de Men­schen in einer auf Hoch­glanz polier­ten Küche, umge­ben von einer unheil­schwan­ge­ren Erschöp­fung, die sich wie ein schwe­rer feuch­ter Man­tel über sie gelegt hat­te und ihnen die Luft nahm. Sarah hat­te das Gefühl, dass sich die Sekun­den zu Minu­ten dehn­ten.” (Zitat S.9). Die Span­nung zieht sich durch den Roman wie ein roter Faden. Hat man erst ein­mal ange­fan­gen, kann man nicht mehr so schnell mit der Lek­tü­re auf­hö­ren. Man­ches scheint durch­schau­bar, ande­res wie­der­um über­rascht. Wäh­rend der ers­te Teil durch­ge­hend aus Sarahs Per­spek­ti­ve erzählt wird, gibt es im zwei­ten Teil einen inter­es­san­ten Per­spek­ti­ven­wech­sel zu Kat und im drit­ten Teil kom­men sowohl Sarah, als auch Kat und Elo­die zu Wort. Die­ses Abwech­seln der Sicht­wei­sen erzeugt unheim­lich viel Span­nung und man fie­bert dem Ende förm­lich ent­ge­gen! Was mir auch sehr gut gefal­len hat, sind die ver­schie­de­nen Erzähl­ar­ten: Sarah führt näm­lich ein Video­ta­ge­buch, durch wel­ches sie zwi­schen­zeit­lich berich­tet und sich an ein anony­mes Publi­kum (“Hey Leu­te”) wen­det. Auch Kat lie­fert neben dem erleb­ten Gesche­hen Aus­zü­ge aus ihrem Blog­ta­ge­buch, sowohl aus der Ver­gan­gen­heit, als auch in der Gegen­wart. Das macht den Text sehr facet­ten­reich.

LesealternativenDie wohl bes­te Alter­na­ti­ve zu “Lügen­schwes­ter” ist wohl dop­pel­tot” von Gideon Sam­son. In die­sem gibt es neben einer insze­nier­ten Ent­füh­rung auch inter­es­san­te Per­spek­ti­ven­wech­sel. Ers­te­res fin­dest du eben­so in “Die Kom­pli­zin” von Eireann Corri­gan. Das The­ma Ent­füh­rung kommt auch in fol­gen­den Roma­nen vor, die bei­de sehr span­nend zu lesen sind und sich erst nach und nach auf­lö­sen: “Scher­ben­mäd­chen” von Liz Coley und “Cra­zy games” von Mir­jam Mous. Legt man den Schwer­punkt auf die Schwes­tern­ge­schich­te, könn­te “Lie­bes­kin­der” von Jana Frey etwas für dich sein oder “Zer­trenn­lich” von Sas­kia Sarg­in­son. In “Wer mor­gens lacht” von Mir­jam Press­ler spielt das Ver­schwin­den einer Schwes­ter eben­falls eine Rol­le.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Coppenrath
ISBN: 978-3-649-62115-7
Erscheinungsdatum: Juni 2015
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,95€
Seitenzahl: 368
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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