Christine Lehmann — Im Tal der roten Orchidee

Christine Lehmann Im Tal der roten Orchidee7.November 2014

End­lich mal wie­der etwas Neu­es von der Stutt­gar­ter Auto­rin Chris­ti­ne Leh­mann! „Im Tal der roten Orchi­dee“ heißt ihr neu­es­tes Werk und ent­führt sei­ne Leser nach Kap­stadt in Süd­afri­ka. Eine Geschich­te über Kul­tur, Land und Leu­te, über Ras­sis­mus und Lie­be. Ein rich­tig schö­ner Schmö­ker für ent­spann­te Lese­stun­den! Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren und Erwach­se­ne.

Isa ist 18 Jah­re. Mit ihrer Fami­lie ist sie gera­de erst nach Kap­stadt gezo­gen. Das Mäd­chen fühlt sich nir­gend­wo recht zu Hau­se. Kein Wun­der bei einer Mut­ter, die in der Film­pro­duk­ti­on tätig ist und oft ihren Wohn­ort ver­la­gern muss. Lan­ge Zeit haben sie in Lon­don gelebt, dann in Paris, sogar in Russ­land für eine Wei­le. Zuletzt kurz in Mün­chen. Da ist es nicht erstaun­lich, dass ihre zwei Jah­re jün­ge­re Schwes­ter bes­ser Fran­zö­sisch und Eng­lisch als Deutsch spricht. In Deutsch­land hin­ge­gen, wo die Mäd­chen auch gebo­ren wur­den, hat es Isa beson­ders gut gefal­len. Daher möch­te sie in einem Jahr, wenn sie ihr Abitur in Kap­stadt gemacht hat, in die­ses Land auch wie­der zurück­keh­ren. Hei­misch füh­len und Freund­schaf­ten schlie­ßen lohnt sich daher nicht mehr. War­um Gefüh­le inves­tie­ren, wenn sie ohne­hin wie­der weg­zieht? Das hat sie sich in den letz­ten Län­dern schon abge­wöhnt. Nicht gerech­net hat das jun­ge Mäd­chen jedoch, dass sie sich ver­lie­ben wird. In Greg, der in Süd­afri­ka gebo­ren wur­de, der arro­gant und unnah­bar wirkt. Den sie eigent­lich über­haupt nicht lei­den kann. Aber in des­sen Gegen­wart sie selt­sa­mer­wei­se Herz­klop­fen bekommt…

Christine Lehmann Im Tal der roten OrchideeWas mir in „Im Tal der roten Orchi­dee“ gut gefal­len hat, ist die Kli­schee­lo­sig­keit der Fami­lie: Die Mut­ter ist voll berufs­tä­tig und erfolg­reich, der Vater ist der­je­ni­ge, der die „Haus­frau“ spielt und zu Hau­se bleibt, um die Kin­der zu ver­sor­gen. Das liest man im Jugend­buch auch nicht so häu­fig;-) In den Roman ein­ge­bun­den wird neben der süd­afri­ka­ni­schen Lebens­art, über die man sehr viel erfährt, auch das The­ma Ras­sis­mus und die Pro­ble­ma­tik der Apart­heid. Isa, die einem Ruder­club bei­ge­tre­ten ist, repa­riert ein altes Boot und ver­sucht Mäd­chen aus sozia­len Armen­vier­teln und dunk­ler Haut­far­be damit einen Anreiz zu geben, sich sport­lich betä­ti­gen zu kön­nen und sie zu för­dern. Das ist zunächst gar nicht so ein­fach. Als der gesam­te Ruder­club zur Weih­nachts­fei­er auf Gregs Farm ein­ge­la­den wird, muss Isa jedoch beob­ach­ten, wie Greg ihren dun­kel­häu­ti­gen Fah­rer des Grund­stücks ver­weist. Die­se ras­sis­ti­sche Anwand­lung behagt dem Mäd­chen gar nicht und sie gibt dies Greg auch laut­stark zu ver­ste­hen. Aber was steckt wirk­lich hin­ter sei­ner Fas­sa­de? Span­nend und stets inter­es­siert ver­folgt man als Leser Isa Geschich­te.
Im Tal der roten Orchi­dee“ wird durch­gän­gig aus ihrer Per­spek­ti­ve und in der Ich-Form erzählt und ist sehr flüs­sig geschrie­ben. Das The­ma Hei­mat­lo­sig­keit wird auch sehr gut in den Roman ver­packt und lie­fert die Bot­schaft: Dei­ne Hei­mat ist dort, wo dein Herz zu Hau­se ist. Denn auch Isa stellt sich die­se Fra­ge, da sie sich ihr Leben über schon immer wur­zel­los gefühlt hat: “Das mit der Hei­mat war eigent­lich ganz anders, als ich bis­her immer gedacht hat­te. […] Ich merk­te lang­sam, dass bestimm­te Din­ge oder Tätig­kei­ten ein­fach zu mir gehör­ten. […] Hei­mat war kein Ort, son­dern ein Gefühl wie: Hier bin ich rich­tig. Hier ist das, was zu mir passt, was zu mir gehört, was ich bin.” (Zitat aus “Im Tal der roten Orchi­dee”)

Fazit: Ein rund­her­um gelun­ge­nes Buch! Ein Muss für jeden, der nach Süd­afri­ka fährt und vor­her schon das Land ein wenig ent­de­cken und auf Roman­tik nicht ver­zich­ten möch­te.

LesealternativenChris­ti­ne Leh­mann hat eini­ge Jugend­bü­cher geschrie­ben, die alle­samt sehr lohens­wert zu lesen sind. Jeder ihrer Roma­ne spielt in einem ande­ren Land. Die gro­ßen Gemein­sam­kei­ten: viel Lokal­ko­lo­rit und eine Lie­bes­ge­schich­te. Chro­no­lo­gisch nach Erschei­nen, aber alle mit völ­lig unter­schied­li­chen Cha­rak­te­ren: Ruf des Koli­bris“ (Kolum­bi­en), Die Rose von Ara­bi­en“ (Dubai), „Euka­lyp­tus­mond“ (Aus­tra­li­en). Eine schö­ne Lese­al­ter­na­ti­ve in ähn­li­chem Stil ist auch Plötz­lich in Peru“ von Chan­tal Schrei­ber. Eben­falls in Süd­afri­ka spie­len Weit wie der Him­mel“ von Inez Cor­bi und Die Far­ben der Freund­schaft“ von Lin­zi Glass (The­ma Ras­sis­mus). Oder lies etwas von der Auto­rin Kat­ja Bran­dis, sie hat eini­ge Titel, die in frem­den Län­dern spie­len: Geo­par­den­som­mer“ (Nami­bia), Koa­lat­räu­me“ (Aus­tra­li­en), Schat­ten des Dschun­gels“ (Regen­wald von Guya­na), Vul­kan­jä­ger“ (Ita­li­en).

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Planet Girl
ISBN: 978-3-522-50402-7
Erscheinungsdatum: 15.Oktober 2014
Einbandart: Hardcover
Preis: 19,99€
Seitenzahl: 480
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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