Charis Cotter — Das unsichtbare Mädchen

Charis Cotter Das unsichtbare Mädchen30.November 2014

Das unsicht­ba­re Mäd­chen” von der kana­di­schen Auto­rin Cha­ris Cot­ter fällt gleich schon durch sein bezau­bern­des Cover auf! Ein Roman mit fan­tas­ti­schen Ele­men­ten über eine beson­de­re Mäd­chen­freund­schaft, über Geis­ter und der Suche nach sich selbst. Ange­nehm und berüh­rend erzählt. Für Jugend­li­che ab 11 bezie­hungs­wei­se 12 Jah­ren.

Toron­to. Im Jah­re 1963. Sie sind bei­de 12 Jah­re alt, woh­nen neben­ein­an­der und sind grund­ver­schie­den: Pol­ly möch­te am liebs­ten unsicht­bar sein. Sie lebt in einer Fami­lie mit drei leib­li­chen und zwei Pfle­ge­kin­dern. Jetzt haben ihre Eltern auch noch ein wei­te­res klei­nes Kind dazu­ge­holt. Wegen dem neu­en Baby muss sie ihr Zim­mer mit eben jenem tei­len. Am liebs­ten ist Pol­ly allei­ne und liest Geis­ter­ge­schich­ten. Es wäre ein Traum für sie end­lich mal einen ech­ten Geist zu sehen!
Rose hin­ge­gen fühlt sich unsicht­bar. Ihre Eltern sind kaum zu Hau­se. In der Schu­le wird sie igno­riert. Nicht ein­mal die Leh­rer rufen sie mehr auf, wenn sie sich mel­det. Dar­um lässt sie es. Manch­mal redet sie tage­lang mit nie­man­dem. Ihre Haus­häl­te­rin Ken­d­rick stellt ihr Zuhau­se das Essen auf den Tisch, wenn ihre Eltern nicht da sind. Rose hütet ein gro­ßes Geheim­nis: sie sieht Geis­ter. Schon seit ihrer Geburt. Und das darf nie­mand erfah­ren! Sonst wür­de man sie ja ein­sper­ren. Als sie mit ihrer Fami­lie in das Haus ihrer Groß­el­tern zieht, das direkt neben einem Fried­hof liegt, sieht sie immer mehr Geis­ter. Sie wird schwer krank. Kommt ins Kran­ken­haus. Kaum dass sie wie­der zu Hau­se ist, fühlt sie sich selt­sam leicht und schwe­re­los. War­um weint ihre Mut­ter auf ein­mal so viel? Als Rose auf dem Dach­bo­den ihres Hau­ses ihre Nach­ba­rin Pol­ly ken­nen­lernt, ändert sich alles. Eine Freund­schaft ent­steht zwi­schen den bei­den Mäd­chen. Sie wol­len zusam­men her­aus­fin­den, was mit Rose los ist. Vor allem als sie über einen Grab­stein stol­pern, auf dem Roses Name steht und der Name einer alten Tan­te auf­taucht, die genau­so hieß wie Rose und über die alle schwei­gen…

Charis Cotter Das unsichtbare MädchenDas unsicht­ba­re Mäd­chen” wird abwech­selnd aus den Per­spek­ti­ven der bei­den Mäd­chen erzählt. Vor­an­ge­stellt wird vor jedes (nicht all­zu lan­ge) Kapi­tel eine kur­ze Über­schrift, die mal aus einem Adjek­tiv (wie “Kalt”, “Unsicht­bar”, “Tot”  ) und meis­tens aus einem Haupt­wort (wie “Außen­sei­ter”, “Kek­se”, “Der Beweis”, “Das Rät­sel” ) besteht. Dann erfährt der Leser zuerst Pol­lys Sicht der Din­ge und danach Roses. Was mir sehr gut gefal­len hat, ist, dass im ers­ten Teil des Buches die Satz­an­fän­ge der bei­den Mäd­chen in einem Kapi­tel meist ähn­lich begin­nen:

Pol­ly:Für mich ist kein Platz.…”  Rose: “Ich pas­se nicht dazu. Hier ist kein Platz für mich…”
Pol­ly:Na gut, viel­leicht über­trei­be ich ein biss­chen…”  Rose: “Ihr glaubt viel­leicht, ich über­trei­be und…”
Pol­ly: “Ich ver­su­che mich immer unsicht­bar zu machen in die­sem Haus…”  Rose: “Meis­tens füh­le ich mich unsicht­bar…”
Pol­ly: “Ich woll­te schon immer einen Geist sehen…”  Rose: “Ich will nie wie­der einen Geist sehen…”

Charis Cotter Das unsichtbare MädchenDie Mäd­chen spre­chen den Leser stets direkt an, wodurch das Lese­er­leb­nis noch inten­si­ver wird und man schnell in den Sog der Geschich­te gezo­gen wird, die in ein­fa­cher Spra­che geschrie­ben und sehr flüs­sig zu lesen ist. “Das unsicht­ba­re Mäd­chen” wird ins­ge­samt in fünf Tei­len erzählt, vor wel­chen jeweils ein lite­ra­ri­sches Zitat gestellt wird. Bei dem ers­ten Teil ist es eins von Ella Whee­ler Wil­cox, bei den ande­ren vier sind es Zita­te von Alfred Ten­ny­son, einem bri­ti­schen Dich­ter des vik­to­ria­ni­schen Zeit­al­ters. Was ich auch sehr unter­halt­sam und span­nend fand, ist das Mit­rät­seln mit den bei­den Mäd­chen. Wer war die­se selt­sa­me Tan­te von Rose? War­um wur­den ihre Fotos aus dem Fami­li­en­al­bum ent­fernt? Und lebt Rose tat­säch­lich noch oder ist sie ein Geist und tot? Das zu erfah­ren, macht einen beson­de­ren Reiz der Buches aus. Das Ende ist sehr über­ra­schend und hat mir gut gefal­len!

LesealternativenDu möch­test eine wei­te­re schö­ne Freund­schafts­ge­schich­te lesen? Dann wären auf jeden Fall Der Schat­ten an mei­ner Wand” von Kers­tin Lund­berg Hahn (auch mit Geis­tern) und Lie­der eines Som­mers” von Cath Crow­ley (auch mit sich abwech­seln­den Per­spek­ti­ven, die eine Haupt­per­son heißt auch Rose!) etwas für dich. Rich­tig toll ist auch die Freund­schafts­ge­schich­te Bird und ich und der Som­mer, in dem ich flie­gen lern­te” von Crys­tal Chan. Du möch­test dich ein wenig gru­seln? Dann ver­such doch mal Das Haus der ver­schwun­de­nen Kin­der” von Clai­re Legrand. Eine sehr gute Alter­na­ti­ve über einen Geist, der erst erfährt, dass er tot ist, ist Der 13.Gast” von Rhi­an­non Las­si­ter. Das­sel­be pas­siert der Haupt­fi­gur in Bel: Die Lie­be lebt ewig” von Care San­tos.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: cbt
ISBN: 978-3-570-16346-7
Erscheinungsdatum: 24.November 2014
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,99€
Seitenzahl: 215
Übersetzer: Catrin Frischer
Originaltitel: "The swallow - A ghost story"
Originalverlag: Random House of Candada Limited

Kanadisches Originalcover:
Charis Cotter Das unsichtbare Mädchen









Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Kanadisches Cover: Homepage von Random House

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