Cath Crowley — Lieder eines Sommers

Cath Crowley - Lieder eines Sommers - Carlsen19.Juli 2014

Die aus­tra­li­sche Auto­rin Cath Crow­ley hat einen wun­der­schö­nen Com­ing-of-Age-Titel geschrie­ben: „Lie­der eines Som­mers“. Über Freund­schaft, ers­te Lie­be und den Wunsch dazu zu gehö­ren. Ein Roman vol­ler Musik und mit viel Tie­fe. Sprach­lich teil­wei­se sehr poe­tisch! Für Jugend­li­che ab 12 Jah­ren.

Char­lot­te, genannt Char­lie, fährt mal wie­der mit ihrem Vater aufs Land. Es ist kurz vor Weih­nach­ten und in Aus­tra­li­en brennt die Son­ne som­mer­lich vom Him­mel. Sie besu­chen ihren Groß­va­ter, der nun nach dem Tod sei­ner Frau, dort allein einen klei­nen Laden betreibt. Char­lie liebt die Musik, immer mit einem Lied im Ohr treibt sie durchs Leben. Sie spielt Gitar­re und kom­po­niert selbst. Nur öffent­li­che Auf­trit­te scheut sie. Wie jedes Jahr trifft sie auch wie­der auf Rose, ihren Freund Luke und Dave, für den sie schon seit Ewig­kei­ten schwärmt. Doch sie ist kein Teil die­ser Grup­pe, Rose scheint Char­lie nicht zu mögen und anstatt sich die Zeit über zu amü­sie­ren, bleibt Char­lie lie­ber für sich. Auch Zuhau­se in der Schu­le hat sie zwar eine bes­te Freun­din, doch seit sich ein drit­tes Mäd­chen zu ihnen gesellt hat, ist Char­lie meist außen vor. Über­ra­schen­der­wei­se scheint es die­ses Jahr zumin­dest in den Feri­en anders zu sein: Rose spricht sie an und fragt, ob sie nicht etwas mit ihnen unter­neh­men will. War­um tut sie das? Char­lie macht sich dar­über kaum Gedan­ken, genießt es den Drei­en – und vor allem Dave – näher zu sein. Aber Rose bie­tet ihr die Freund­schaft nicht umsonst an. Sie hat einen Hin­ter­ge­dan­ken. Denn sie will das klei­ne Kaff, in dem sie lebt, so schnell wie mög­lich ver­las­sen. End­lich etwas wer­den. End­lich den gleich­för­mi­gen, trost­lo­sen All­tag hin­ter sich las­sen. Sie will in die Groß­stadt. Und dazu braucht sie Char­lie…

Lie­der eines Som­mers“ ist aus zwei Per­spek­ti­ven geschrie­ben. Es kom­men abwech­selnd Char­lie und Rose zu Wort. Bei Rose schim­mert die Unzu­frie­den­heit und die Sehn­sucht nach der Fer­ne durch die Zei­len, bei Char­lie flim­mert die Musik. Bei­na­he spür­bar sind die Lie­der, die sie umge­ben. Die Melo­die, die sie in allen mög­li­chen Momen­ten umfängt und den Sound­track ihres Lebens bedeu­tet. gEs ist die Musik, die schließ­lich zwi­schen den zwei Mäd­chen eine Ver­bin­dung schafft. Eine Ebe­ne, die ihre Gefüh­le laut wer­den las­sen und ihren Emp­find­lich­kei­ten ein Ven­til gibt. Denn nicht nur Rose ist unglück­lich, auch Char­lie hat in ihrem Leben bis­her viel mit­ma­chen müs­sen. Vor sie­ben Jah­ren ver­lor sie ihre Mut­ter nach einem Auto­un­fall und mit ihrem Vater kann sie nicht dar­über spre­chen. Dafür redet sie des Öfte­ren mit dem Geist ihrer Mut­ter und eben­falls dem ihrer kürz­lich ver­stor­be­nen Groß­mut­ter, die sich manch­mal in ihre Gedan­ken drän­gen. Die sich zart ent­wi­ckeln­de Freund­schaft zwi­schen Char­lie und Rose ist sehr sen­si­bel beschrie­ben und ver­än­dert die bei­den jun­gen Mäd­chen glei­cher­ma­ßen. Char­lie schafft es sich selbst mehr zu zutrau­en und ihre Schüch­tern­heit ein wenig hin­ter sich zu las­sen. Und Rose merkt, dass Char­lie eigent­lich doch nicht so übel ist, wie sie dach­te…
Etwas befremd­lich wirkt die Tat­sa­che, dass Winter/Weihnachten ist und die Jugend­li­chen mun­ter im Fluss baden. Dar­an muss man sich als Nicht-Aus­tra­li­er erst etwas gewöh­nen;-) Selt­sa­mer­wei­se wird ab und zu von „die­sem Som­mer“ gespro­chen, wobei es streng­ge­nom­men ja eigent­lich Win­ter ist (??).
Die Spra­che ist schön und spielt mit viel Sym­bo­lik und Tie­fe. Auch die Kapi­tel sind – wenn sie mit Rück­blen­den ver­se­hen sind – kom­plett in sich schlüs­sig und inhalt­lich gese­hen zuwei­len sehr ele­gant abge­run­det. Zwi­schen­durch wer­den immer wie­der Tex­te selbst kom­po­nier­ter Lie­der von Char­lie ein­ge­blen­det, die echt etwas her­ma­chen!

Fazit: Ein gelun­ge­nes, sehr berüh­ren­des Buch!

Ein wenig hat mich die Grund­the­ma­tik an die „Der Som­mer, als ich schön wur­de“-Rei­he von Jen­ny Han erin­nert, auch hier tref­fen Jugend­li­che jeden Som­mer regel­mä­ßig zusam­men und es ent­steht eine ers­te Lie­be. Eine Lesealternativensprach­lich auch sehr gefühl­voll erzähl­te Som­mer­ge­schich­te ist „Unser letz­ter Som­mer“ von Ann Bras­ha­res, jedoch mit etwas Tra­gik ver­se­hen. Wenn du Bücher lesen möch­test, in denen die Musik im Vor­der­grund steht, dann wären fol­gen­de Titel etwas für: „Nick & Norah – Sound­track einer Nacht“ von Rachel Cohn oder „Live fast, Play dir­ty, get nacked“ von Kevin Brooks. Roma­ne, in denen die Haupt­fi­gu­ren ein Instru­ment spie­len, sind „Ent­schei­de dich, sagt die Lie­be“ von Siri Gold­berg (Kla­vier) und „Vir­tuo­si­ty – Lie­be um jeden Preis“ von Jes­si­ca Mar­ti­nez (Gei­ge).
Obwohl der Tod der Mut­ter in „Lie­der eines Som­mers“ nicht die gan­ze Zeit im Vor­der­grund steht, gibt es eine Lese­al­ter­na­ti­ve hier­zu, in wel­chem die Haupt­fi­gur eben­falls mit dem Geist der Ver­stor­be­nen spricht: „Das Jahr, nach­dem die Welt ste­hen blieb“ von Cla­re Fur­niss. Ein bezau­bern­des Buch! Ein Roman, in dem die Prot­ago­nis­tin wie Rose ihren Hei­mat­ort so schnell wie mög­lich ver­las­sen möch­te, weil das Leben dort sie anö­det, ist „Som­mer war ges­tern“ von Ute Weg­mann. Auch hier spielt Freund­schaft eine gro­ße Rol­le.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-58280-5
Erscheinungsdatum: 22.Juli 2014 
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,90€
Seitenzahl: 336
Übersetzer: Henning Ahrens
Originaltitel: "A little wanting song"
Originalverlag: Ember

Australisches Originalcover:
A little wanting song - Lieder eines Sommers









Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

 

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2.Bild v.o.: © Jörg Brinckheger/pixelio.de
Australisches Cover: Homepage der Autorin

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