Bettina Belitz — Ein Schimmer von Glück

Bettina Belitz - Ein Schimmer von Glück10.Novem­ber 2017

In “Ein Schim­mer von Glück” zeigt die deut­sche Auto­rin Bet­ti­na Belitz, das sie neben opu­len­ter Fan­ta­sy (“Split­ter­herz”-Tri­lo­gie) und groß­ar­ti­gen Lie­bes­ge­schich­ten auch mit Pfer­den etwas anfan­gen kann. Dies ist bereits ihr drit­ter (unab­hän­gig) zu lesen­der Roman, in dem eines die­ser Paar­hu­fer eine ganz beson­de­re Rol­le spielt. Wäh­rend ihre letz­ten bei­den Bücher tat­säch­lich auch für Jungs waren, ist das aktu­el­le Werk dies­mal ein rei­nes Mäd­chen­buch. Eine Geschich­te über Selbst­fin­dung, die Ret­tung eines kran­ken Pfer­des und eine ent­ste­hen­den Lie­be. Gefühl­voll und sehr unter­halt­sam geschrie­ben. Für Mäd­chen ab 12 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Die 15-jäh­ri­ge Mira (die eigent­lich Mira­cle heißt) ist gera­de mit ihrer Mut­ter auf dem Weg zum Flug­ha­fen. Seit vier Jah­ren haben sie kei­nen Urlaub mehr gemacht. Doch die heiß ersehn­te Rei­se nach Mal­lor­ca wird durch einen über­ra­schen­den Anruf jäh zunich­te gemacht. Denn Miras Vater (und Exmann ihrer Mut­ter), den sie schon seit Ewig­kei­ten nicht mehr gese­hen hat, hat Mist gebaut. Er hat wohl vor län­ge­rer Zeit einenBau­ern­hof gekauft, der auch auf Miras Mut­ter ein­ge­tra­gen ist und hat nun auf ein­mal das Wei­te gesucht. “Kei­ner weiß, wo er steckt, und er hat Tie­re zurückge­las­sen. Das Amt ist schon infor­miert wor­den und auf dem Weg dahin. […] Es tut mir leid. Ich muss jeman­den orga­ni­sie­ren, der sich um dieBettina Belitz - Ein Schimmer von Glück Ange­le­gen­heit küm­mert, und zwar sofort. Denn die neh­men mich gera­de in Sip­pen­haft und dro­hen mit Straf­an­zei­gen.” (Zitat aus “Ein Schim­mer von Glück” S.8ff) Das gefällt Mira gar nicht. Doch sie muss unbe­dingt raus aus Frank­furt. Um nicht mehr dar­an den­ken zu müs­sen, was ges­tern Abend pas­siert ist. Dafür ist ihr auch ein abge­le­ge­ner Bau­ern­hof in Meck­len­burg recht. Und so über­zeugt sie ihre Mut­ter statt ein­fach hier zu blei­ben, direkt vor Ort nach dem Rech­ten zu sehen“Was ist eigent­lich los mit dir seit heu­te früh? Du kommst mir ver­än­dert vor.” “Nichts. Ich will ein­fach nur weg”, log ich mit gesenk­ten Lidern. In Wahr­heit war mei­ne gesam­te Welt zer­bro­chen. An einem ein­zi­gen Abend hat­te ich mei­ne bes­te Freun­din ver­lo­ren und den Jun­gen, in den ich seit Mona­ten heim­lich ver­liebt war, gleich mit dazu.” (Zitat S.11) Ange­kom­men auf dem Bau­ern­hof herr­schen nicht nur üble Wet­ter­be­din­gun­gen, son­dern auch ein reges Tier­cha­os. Hüh­ner, die nicht gefüt­tert wur­den. Tie­re, die schon zum Nach­barn gebracht wur­den, damit sie ver­sorgt wer­den. Und ein ein­sa­mes, ziem­lich kran­kes Pferd im Stall. Ein Pferd, das Mira selt­sa­mer­wei­se fas­zi­niert: “Doch dann roch ich plötz­lich etwas — und vor allem spür­te ich etwas und es zog mich magisch inBettina Belitz - Ein Schimmer von Glück das Inne­re des Schup­pens. Hier drin­nen war­te­te ein Wesen auf mich, groß und leben­dig. Es atme­te; Schwer, lang­sam, geplagt. Die Wär­me sei­nes Fells leg­te sich sanft auf mei­ne nas­sen, kal­ten Wan­gen und für eine Sekun­de glaub­te ich, das Glit­zern sei­ner Augen aus der Dun­kel­heit auf­schim­mern zu sehen.” (Zitat S.30). Und auch wenn nie­mand so recht dar­an glau­ben will, dass das Pferd jemals wie­der gesund wer­den wird, so tut Mira dies und setzt alles in Bewe­gung, damit es Bon­nie bald wie­der bes­ser gehen wird. Hil­fe erhält sie auch von dem Nach­bars­jun­gen Sla­wa…

Ein Schim­mer von Glück” war­tet mit einem schö­nen Cover auf — genau pas­send zur Ziel­grup­pe des Buches. Jun­ge Mäd­chen, die dabei sind erwach­sen zu wer­den, Pfer­de und Roman­tik lie­ben und ein­fach gut unter­hal­ten wer­den wol­len. Denn genau das bie­tet die­ser schö­ne Schmö­ker. Eine Prot­ago­nis­tin, in die man sich leicht hin­ein­ver­set­zen kann, mit der mBettina Belitz - Ein Schimmer von Glückan mit­fühlt und vor allem mit­fie­bert, wenn sie um Bon­nies Leben kämpft und nichts unver­sucht lässt: “Dar­an dass mir mei­ne bes­te Freun­din in den Rücken gefal­len war und mein Vater auf Nim­mer­wie­der­se­hen abge­hau­en war, konnte ich nichts ändern. Sie hat­ten mich, ohne mit der Wim­per zu zucken, im Stich gelas­sen. Doch ich wür­de nicht so sein. Ich hat­te in Bon­nies Augen gese­hen, dass sie leben woll­te, und als sie ihren Kopf in mei­nen Schoß gelegt hat­te, hat­te ich am gan­zen Kör­per gespürt, dass sie mir ver­trau­te. War­um auch immer! Ich wür­de sie nicht auf­ge­ben. Nicht ohne einen Ver­such, ihr Leben zu ret­ten…” (Zitat S.36ff) Wird Mira es tat­säch­lich gelin­gen mit ihren Metho­den Bon­nie zu hel­fen? Oder wird am Ende alles umsonst sein? Die­se Fra­gen zie­hen sich wie ein roter Faden durch das Buch und erhal­ten die Span­nung. Auch ein wenig Spi­ri­tua­li­tät ist in den Roman ein­ge­baut, wenn Sla­wa von den Lako­ta-India­nern erzählt, denn bei denen gibt es ein soge­nann­tes “…Geheim­nis­pferd, das nur einen ein­zi­gen Men­schen hat, der es ver­steht und in ihm das sieht, was es in Wahr­heit ist. Und irgend­wann kön­nen die­se Men­schen auch sich selbst in ihrem Pferd erkennen.” (Zitat S.119) Doch “Ein Schim­mer von Glück” ist neben einer (sehr zar­ten, redu­zier­ten) Lie­bes­ge­schich­te (“…ich stell­te über­rascht fest, dass ich sei­ne tie­fe, dunk­le Stim­me zu mögen begann.” (Zitat S.86)) auch die Geschich­te einer zer­bro­che­nen Freund­schaft und der einer Fami­lie. Was ist zwi­schen Mira und ihren Freun­den Bil­lie und Janis vor­ge­fal­len? Und was hat es mit der Ver­gan­gen­heit ihres Vaters auf sich? Wes­halb hat er den Bau­ern­hof so über­ra­schend ver­las­sen und ein kran­kes Pferd, das er über alles geliebt hat, zurück­ge­las­sen? Bet­ti­na Belitz hat einen sehr ange­neh­men Schreib­stil. Und okay, ein paar kit­schi­ge Momen­te gibt es, aber die ver­zeiht man ihr ger­ne, denn das Gesamt­pa­ket, das passt. Das Ende ist dann rich­tig schön dra­ma­tisch.

Fazit: Eine schö­ne Mäd­chen­ge­schich­te und was zum Träu­men!

Übri­gens: die Geschich­te beruht auf wah­ren Bege­ben­hei­ten.

Wie bereits erwähnt, hat Bet­ti­na Belitz noch zwei ande­re Pfer­de­bü­cher geschrie­ben, die bei­de kom­plett unab­hän­gig von­ein­an­der zu lesen sind und unter ande­rem auch für Jungs geeig­net sind: “Frei­hän­dig” und “Sturm­som­mer”. Dann Lesealternativenkannst du noch ihre “Luzie & Lean­der”-Schutz­en­gel-Rei­he lesen, ihre bekann­te “Split­ter­herz”-Rei­he, mit der sie erfolg­reich gewor­den ist. Eine groß­ar­ti­ge Lie­bes­ge­schich­te ist “Vor uns die Nacht”. Sehr span­nend fand ich auch “Lin­na singt”. Oder lies noch “Mit uns der Wind” und “Pan­ter­som­mer­näch­te”Etwas neu­er ist noch ihre “Dia­mant­krie­ger-Saga”. Wenn du inhalt­li­che Alter­na­ti­ven zu “Ein Schim­mer von Glück” suchst, dann könn­te der ers­te Band der bekann­te “Ele­na”-Rei­he “Gegen alle Hin­der­nis­se” etwas für dich sein, in dem ein jun­ges Mäd­chen sich heim­lich eines ver­letz­ten Pfer­des annimmt, an das auch nie­mand mehr glaubt. Toll fand ich auch “Nur die­ser eine Som­mer…” von Becky Cit­ras und “Dark Hor­se Moun­tain” von Kyra Ditt­mann. Mehr über die Geschich­ten der Lako­ta-India­ner fin­dest du in “Tali­tha Run­ning Hor­se” von Ant­je Baben­der­er­de.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Kosmos
ISBN: 978-3-440-15278-2
Erscheinungsdatum: 5.Oktober 2017
Einbandart: Hardcover
Preis: 12,99€ 
Seitenzahl: 288 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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