Barry Jonsberg — Das ist kein Spiel

Barry Jonsberg Das ist kein Spiel26.Oktober 2017

Mit sei­nem neu­en Buch beweist der aus­tra­li­sche Autor Bar­ry Jons­berg, dass er auch anders kann: “Das ist kein Spiel” ist dies­mal kein Roman mit erns­tem, aber humor­vol­lem Hin­ter­grund, son­dern ein Thril­ler gewor­den. Zum Glück ist die Ernst­haf­tig­keit und der Humor geblie­ben;-) Eine Fami­li­en­ge­schich­te über einen uner­war­te­ten Lot­to­ge­winn, eine noch uner­war­te­te Ent­füh­rung und einen Jun­gen, der mit­hil­fe von Logik, mathe­ma­ti­schen Fähig­kei­ten und der Spiel­theo­rie ver­sucht den Böse­wicht zu über­füh­ren. Gelun­gen erzählt und höchst unter­halt­sam! Ein ech­tes Lese­ver­gnü­gen. Für Jungs (und Mäd­chen) ab 13 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Der 16-jäh­ri­ge Jamie liebt sei­ne klei­ne, 7-jäh­ri­ge Schwes­ter Phoebe über alles. Zu ihrem sechs­ten Geburts­tag hat er ihr einen Schlaf­an­zug mit mathe­ma­ti­schen For­meln dar­auf geschenkt. Den trägt sie seit­dem immer: “Eini­ge Glei­chun­gen waren ver­blasst, und das Gewe­be war vol­ler klei­ner Knöt­chen, aber auch das mach­te ihr nichts aus. Phoebe inter­es­sier­te sich nicht für Mathe­ma­tik. Sie inter­es­sier­te sich für Geschich­ten. Und sie inter­es­sier­te sich für mich, ihren Bru­der, und des­halb lieb­te sie den Schlaf­an­zug.” (Zitat aus “Das ist kein Spiel” S.16) Daher ist es auch kein Wun­der, dass Barry Jonsberg Das ist kein SpielJamie — der ein wah­res Rechen­ge­nie ist — sei­ner klei­nen Schwes­ter, wenn er ihr eine Gute­nacht­ge­schich­te erzählt, von drei Prin­zen erzählt, die um die Hand der Prin­zes­sin anhal­ten und gleich­zei­tig mathe­ma­ti­sche Rät­sel dar­in ein­baut. Wer auf wen zuerst schie­ßen muss, um nach berech­ne­ter Wahr­schein­lich­keit am Ende der Sie­ger zu sein. “Das nennt sich Spiel­theo­rie, was bedeu­tet, dass du dir nicht nur über­legst, was du tun willst, son­dern auch, was die ande­ren tun wer­den.” (Zitat S.20) Etwas unkon­trol­lier­ba­rer und unbe­re­chen­ba­rer ist dage­gen Jamies älte­re Schwes­ter Sum­mer­lee, seit eini­ger Zeit das Pro­blem­kind der Fami­lie. Dro­gen, Schu­le schwän­zen, aus­schwei­fen­de Par­tys. Zu ihrem 18.Geburtstag kauft sie sich ein paar Lot­to­lo­se und lässt sich von Jamie hier­für ein paar Lek­tio­nen in Wahr­schein­lich­keits­rech­nung geben. Als er ihr ledig­lich als Bei­spiel ein paar will­kür­li­che Zah­len nennt, schreibt sie die­se mit und reicht sie ein. Und gewinnt tat­säch­lich! SIEBEN EINHALB MILLIONEN DOLLAR!! Und das Ers­te, was Sum­mer­lee macht, ist von Zuhau­se aus­zu­zie­hen und ihren Job im Super­markt zu kün­di­gen. “Ich habe ein ganz schlech­tes Gefühl bei der Sache”, sag­te Mom schließ­lich. “Sie ist ein­fach nicht reif genug, um mit einer so gewal­ti­gen Sum­me umzu­ge­hen.” […] “Ich wür­de dir gern wider­spre­chen”, sag­te Dad, “aber Barry Jonsberg Das ist kein Spielgeht es genau­so. Ich glau­be, das gibt noch Pro­ble­me.” […] Wie es sich her­aus­stell­te, hat­te Dad aber recht mit den Pro­ble­men. Doch kei­ner von uns hat­te zu die­sem Zeit­punkt auch nur die lei­ses­te Ahnung, wie ver­hee­rend die­se Pro­ble­me sein wür­den.” (Zitat S.84) Denn bald dar­auf wird Phoebe aus dem Super­markt ent­führt, in dem Jamie und sie gera­de ein­kau­fen waren. Der Ent­füh­rer ver­langt zwei Mil­lio­nen Löse­geld und er will nur mit Jamie ver­han­deln…

Das ist kein Spiel” beginnt mit einem furio­sen Pro­log: Jeman­den zu erschie­ßen, ist nicht ein­fach. Ich weiß das von mei­nen Recher­chen. […] Der Rück­stoß einer Hand­feu­er­waf­fe bewegt den Lauf, was die Geschoss­bahn ver­än­dert. Nicht zu tref­fen, ist ganz ein­fach. Ohne Übung ist es tat­säch­lich viel ein­fa­cher, dane­ben­zu­schie­ßen, als zu tref­fen. Ich habe kei­ne Übung. Ich wer­de nah her­an­ge­hen müs­sen.” (Zitat S.7ff) Was ist pas­siert? War­um schleicht Jamie sich mit einer Waf­fe aus sei­nem Haus, in des­sen Wohn­zim­mer gera­de zwei Poli­zis­ten sit­zen? Will er wirk­lich jeman­den erschie­ßen? Der Haupt­teil setzt direkt danach fünf Mona­te frü­her ein. Der Roman ist durch­ge­hend aus Jamies Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve geschrie­ben. Der Erzähl­ton ist locker und total ange­nehmBarry Jonsberg Das ist kein Spiel zu lesen. Flott, flap­sig und mit einer coo­len Art von Humor. Beson­ders die Geschwis­ter-Sze­ne zu Beginn, als Jamie sei­ner klei­nen Schwes­ter die Gute­nacht­ge­schich­te gar­niert mit einer gro­ßen Por­ti­on Wahr­schein­lich­keits­re­chung erzählt, ist herr­lich komisch und amü­sant zu lesen. Die­ses Buch ist nicht nur erfri­schend und unter­halt­sam geschrie­ben, son­dern bril­liert auch durch sehr gelun­ge­ne Beschrei­bun­gen der ein­zel­nen Figu­ren. Man kann sich sämt­li­che Cha­rak­te­re sehr gut vor­stel­len, wie zum Bei­spiel Sum­mer­lee: “Ihr Haar ist von Natur aus dun­kel, und wenn die Son­ne dar­auf schien, glänz­te und schim­mer­te es explo­si­ons­ar­tig. Jetzt ist es matt­blond, ohne Leben. Wie Stroh. […] Manch­mal glau­be ich, dass sie sich als Per­son irgend­wie auf­löst — ihre Leben­dig­keit, Per­sön­lich­keit und Lebens­freu­de waren irgend­ei­nem Ele­ment aus­ge­setzt, das alles abge­schält hat. Was noch übrig ist, ist hart und gleich­zei­tig sprö­de. Blass. Es ist, als beob­ach­te man etwas, das in der Son­ne ver­trock­net und nach und nach stirbt.” (Zitat S.23) Die Span­nung ist für einen Thril­ler jetzt nicht über­bor­dend rie­sig, aber die Geschich­te selbst total unter­halt­sam und ich habe sie wirk­lich sehr ger­ne gele­sen. Das Ende ist uner­war­tet und gleich­zei­tig abso­lut pas­send.

Fazit: Ein echt coo­les Buch für Jungs mit Tief­gang und der rich­ti­gen Por­ti­on Iro­nie!

Wenn dir das Buch von Bar­ry Jons­berg gefal­len hat, kannst du noch sei­ne älte­ren Bücher lesen: “Alles dreht sich nur um dich”, das tol­le (hoch­ge­lob­te) “Das Blub­bern von Glück”, Flieg, so hoch du kannst” Lesealternativenund für jün­ge­re Leser (ab 10 Jah­ren) “Ein kno­chen­har­ter Job oder Wie ich half, Gott zu ret­ten”Wenn du Fami­li­en­ge­schich­ten magst, in denen die Cha­rak­te­re beson­ders schön beschrie­ben wer­den, dann könn­te auch “Viel­leicht sogar wir alle” von Marie-Aude Murail etwas für dich sein. Eine berüh­ren­de Geschich­te, in der auch eine klei­ne Schwes­ter eine gro­ße Rol­le spielt, ist “Was fehlt, wenn ich ver­schwun­den bin” von Lil­ly Lind­ner. Ein Lot­to­ge­winn, der ein Leben ver­än­dert, das fin­dest du in “Lotte­ry Boy” von Micha­el Byr­ne und “Prin­zen­le­ben” von Cori­en Bot­man. Eine Ent­füh­rung eines klei­nen Mäd­chens (der Nich­te der Prot­ago­nis­tin) ist die Haupt­the­ma­tik in “Der süße Kuss der Lüge” von Bea­trix Guri­an. Etwas action­rei­cher für Jungs ist zum sel­ben The­ma “Body­guard: Das Löse­geld” von Chris Brad­ford. Eine Neu­erschei­nung ist auch “Ich komm dich holen, Schwes­ter” von Kel­ly Anne Blount, aber erzählt aus der Sicht der Ent­führ­ten.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: cbt
ISBN: 978-3-570-16454-9
Erscheinungsdatum: 25.September 2017
Einbandart: Broschur
Preis: 14,99€ 
Seitenzahl: 320 
Übersetzer: Ursula Höfker
Originaltitel: "Game Theory"
Originalverlag: Allen & Unwin

Australisches Originalcover: 
Barry Jonsberg Das ist kein Spiel

Kasimiras Bewertung:

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(4,5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Australisches Cover: Homepage von Allen & Unwin

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