Antje Babendererde — Julischatten

Antje Babendererde Julischatten5.Januar 2015

Wer den neu­en Roman der deut­schen Auto­rin Ant­je Baben­der­er­de “Juli­schat­ten” in den Hän­den hält (jetzt als Taschen­buch), wird als ers­tes wohl gedacht haben: Wow — dies­mal hat­te uns die Auto­rin aber viel zu erzäh­len! Das Buch ist wohl das Umfang­reichs­te, das sie je geschrie­ben hat und umfasst gan­ze 475 Sei­ten! Jede Men­ge Lese­stoff für die zahl­rei­chen Fans die­ser bereits sehr bekann­ten und belieb­ten, deut­schen Auto­rin, deren Kern­the­ma­tik India­ner, meist ver­bun­den mit einer Lie­bes­ge­schich­te, sind. Zu emp­feh­len ist die­ser Roman für Leser ab 14 Jah­ren und natür­lich auch für Erwach­se­ne.

Und Ant­je Baben­de­re­de schafft es auch mit die­sem Wäl­zer erneut den Leser in ihren Bann zu zie­hen und ein­tau­chen zu las­sen in die Welt der 17-jäh­ri­gen Simo­na, die von allen nur Sim genannt wer­den will. Nach einer Alko­hol­ver­gif­tung, die sie ihren letz­ten Geburts­tag zwangs­wei­se im Kran­ken­haus ver­brin­gen ließ, haben ihre Eltern genug von ihr. Ent­we­der Ent­gif­tung in einer Kli­nik oder nach Ame­ri­ka zu Tan­te Jo, die in einem India­ner­re­ser­vat namens Pine Ridge lebt. Sim ent­schei­det sich für Letz­te­res und wird kon­fron­tiert mit einem völ­lig ande­ren Lebens­stil. Sie — die sich allein schon her­vor­hebt durch ihre auf­fäl­li­ge, bewusst pro­vo­kan­te Klei­dung, ihre wil­den, kur­zen Haa­re — muss ler­nen sich anzu­pas­sen. Ihrer Tan­te muss sie tags­über im Gar­ten, in ihrem Laden oder auf der Pfer­de­kop­pel hel­fen. Das Wet­ter (gro­ße Hit­ze) macht ihrer Fri­sur und ihrem Make-Up jedes Tag einen Strich durch die Rech­nung. Die ande­ren Dorf­be­woh­ner und India­ner mus­tern sie arg­wöh­nisch. Und auch mit Pfer­den hat Sim zunächst eigent­lich gar nichts am Hut. Doch dann macht Sim die Bekannt­schaft mit den Freun­den Antje Babendererde JulischattenJim und Lukas. Jim, ein klei­ner Macho und Held beim Pfer­de­ren­nen, der sich unnah­bar und cool gibt. Lukas, auf­merk­sam und sen­si­bel, aber blind. Die bei­den India­ner leben bei der­sel­ben Pfle­ge­mut­ter und sind auf­ge­wach­sen wie Brü­der. Aber sie haben nicht mit Sim gerech­net — einem Mäd­chen, das so außer­ge­wöhn­lich und anders ist als alle ande­ren. Das noch zu sich selbst fin­den muss. Das ler­nen muss, Gefüh­le zu ertra­gen und nicht mit Alko­hol zu betäu­ben. Ein Mäd­chen, in das sich bei­de ver­lie­ben…

Unbe­dingt lesen! Man erfährt wie­der sehr viel über die Kul­tur der India­ner, so wie in fast allen Roma­nen der Auto­rin, aber auch über die Schat­ten­sei­ten jenes Lebens. Alko­hol, Dro­gen und Kri­mi­na­li­tät und vor allem die Per­spek­tiv­lo­sig­keit machen den Men­schen zu schaf­fen. Ant­je Baben­der­er­de hat durch ein Aus­lands­sti­pen­di­um der Thü­rin­ger Kul­tur­stif­tung selbst zwei Mona­te in dem Reser­vat ver­bracht: “Für mich war es eine auf­re­gen­de, gute, aber auch sehr trau­ri­ge Zeit. Ich habe beein­dru­cken­de Men­schen ken­nen­ge­lernt und bin dank­bar, dass sie ihre Geschich­ten mit mir geteilt haben. Eini­ge sind in die­sen Roman ein­ge­flos­sen.” So die Auto­rin im Nach­wort. Aber auch die fes­seln­de Lie­bes­ge­schich­te berei­tet abso­lu­tes Lese­ver­gnü­gen! Schön ist es auch die Ent­wick­lung von Sim mit anzu­se­hen, die lang­sam erwach­sen und rei­fer wird. Abschlie­ßend muß ich sagen, dass dies neben “Libel­len­som­mer” und “Rain Song” einer ihrer bes­ten Roma­ne ist!

Wenn dir “Juli­schat­ten” gefal­len hat, dann kannst du natür­lich auch noch die ande­ren India­ner-Roma­ne von Ant­je Baben­der­er­de lesen. LesealternativenHier chro­no­lo­gisch nach ihrem Erschei­nungs­da­tum: “Der Gesang der Orcas” (2003), “Lako­ta Moon” (2005), “Tali­tha Run­ning Hor­se” (2005), “Libel­len­som­mer” (eines ihrer bekann­tes­ten Bücher, 2006), “Zwei­herz” (2007), “Die ver­bor­ge­ne Sei­te des Mon­des” (2007), “Indi­gosom­mer” (2009), “Rain Song” (2010). Das letz­te Buch der Auto­rin war “Ise­grim” (2013), jedoch völ­lig ohne India­ner­be­zug. Es liest sich wie ein span­nen­der Thril­ler und spielt in Thü­rin­gen, der Hei­mat von Ant­je Baben­der­er­de. Eine Auto­rin, die eben­falls zum Teil über India­ner und fremd­län­di­sche Kul­tu­ren schreibt, ist Fede­ri­ca de Ces­co. Wenn dich das The­ma “Alko­hol löst kei­ne Pro­ble­me” inter­es­siert, kannst du noch “Immer tie­fer” von Bir­git Schlie­per oder “Alki? Ich doch nicht!” von Mau­re­en Ste­wart.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Arena
ISBN: 978-3-401-50514-5
Erscheinungsdatum: 5.Januar 2015
Einbandart: Broschur
Preis: 12,99€
Seitenzahl: 480
Übersetzer: -
Originaltitel: -
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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