Andreas Jungwirth — Schwebezustand

Andreas Jungwirth Schwebezustand7.Oktober 2017

Schwe­be­zu­stand” ist das zwei­te Buch von dem öster­rei­chi­schen Auto­ren Andre­as Jung­wirth und ein typi­scher Ado­les­zenz­ro­man, der eine Jugend­li­che in den Vor­der­grund stellt, die mit der Lie­be, einer lang­sam zer­bre­chen­den Freund­schaft und der Tren­nung ihrer Eltern kon­fron­tiert wird. Berüh­rend und sehr unter­halt­sam erzählt. Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren.

Wien. Die 14-jäh­ri­ge Sophie wohnt mit ihren Eltern in einem 13-stö­cki­gen Hoch­haus, im 9. Stock. Der Vater hat sei­nen Job ver­lo­ren und eine Stel­le in einer ande­ren Stadt anneh­men müs­sen, des­halb ist er jetzt nur noch am Wochen­en­de da. Auch sonst hat sich in Sophies Leben eini­ges ver­än­dert. Ihre bes­te Freun­din Vanes­sa ist jetzt mit Jonas zusam­men und in Gedan­ken oft woan­ders. Das glei­che T-Shirt mit dem Toten­kopf anzu­zie­hen, das fin­dest die Freun­din plötz­lich uncool. Vanes­sa ist auch sonst nicht mehr all zu ent­spannt. Kurz bevor sie auf eine Par­ty zu der ver­mö­gen­den Oli­via wol­len, wirft sie ihrem Freund vor, einer ande­ren Frau hin­ter­her­ge­guckt zu haben und ergreift belei­digt die Flucht. Also fah­ren Jonas und Sophie allei­ne zu der Par­ty. Dort lernt sie über­ra­schend den älte­ren Moritz ken­nen, Sohn des Hau­ses, Besit­zer eines Por­sches. Der 19-jäh­ri­ge nimmt sie mit sei­nem Auto mit und auf eine Spritz­tour durch die Stadt. “Obwohl Sophie nichts über Moritz weiß und ihr tau­send Fra­gen durch den Kopf gehen, sagt sie nichts. Nicht ein­mal, wie ver­rückt das ist…Andreas Jungwirth Schwebezustand als Vier­zehn­jäh­ri­ge um drei Uhr mor­gens in einer Auto­bahn­rast­stät­te mit einem Typen zu sit­zen, von dem sie vor ein paar weni­gen Stun­den noch nicht ein­mal wuss­te, dass er exis­tiert. Ver­mut­lich ist es kom­plett ver­rückt und sie soll­te beun­ru­higt sein. Ist sie aber nicht…” (Zitat S.41) Denn mit Moritz zusam­men zu sein, ist irgend­wie ganz anders. In sei­nem schnel­len Auto durch die Gegend zu hei­zen, das fühlt sich wie pures Adre­na­lin, wie Flie­gen an und lässt Sophie all ihre Sor­gen ver­ges­sen. Die bal­di­gen Strei­te­rei­en mit Sophie und die Schre­ckens­nach­richt, dass ihre Eltern sich viel­leicht tren­nen wer­den. Doch dann zeigt sich Moritz auf ein­mal von einer ganz ande­ren Sei­te… und Sophie trifft auf Paul. Paul, der Jun­ge, der im glei­chen Hoch­haus wie sie seit Kur­zem wohnt. Der sie schon beob­ach­tet hat und fas­zi­niert ist von ihr. Doch auch er trägt eine Last mit sich her­um…

Schwe­be­zu­stand” ist aus der Sicht eines all­wis­sen­den Erzäh­lers geschrie­ben, der sich jedoch dezent zurück­hält und Sophies Per­spek­ti­ve schil­dert. Dann und wann wer­den in kur­siv gedruck­ter Schrift Tei­le ein­ge­blen­det, die Pauls Blick­win­kel zei­gen. Er ist von sei­nem Deutsch­leh­rer dazu auf­ge­for­dert wor­den, Tage­buch zu schrei­ben. “Ich soll gele­gent­lich auf­schrei­ben, was mir so durch den Kopf geht. Wozu das denn? Mein Leben ist ohne­hin schon total kom­pli­ziert. Ich wäre fast aus­ge­flippt. Aber Herr Valen­tin mein­te, ich soll es pro­bie­ren, es Andreas Jungwirth Schwebezustand
wür­de mir hel­fen.”
(Zitat S.23) Zunächst haben die­se bei­den Sicht­wei­sen noch nicht viel mit­ein­an­der zu tun. Tref­fen noch nicht auf­ein­an­der. Erst all­mäh­lich begreift man die Zusam­men­hän­ge und erkennt, dass sie nun bei­de im sel­ben Wohn­haus woh­nen. Dass es Sophie ist, die er beob­ach­tet. Paul, der jetzt bei sei­nem Groß­va­ter lebt, weil sei­ne Mut­ter nach einem Unfall ins Koma gefal­len ist“Viel­leicht ist Koma ja eine Art Schwe­be­zu­stand, in dem man die Gedan­ken der Men­schen lesen kann, die um einen her­um sind. Abe da nie­mand sich dar­an erin­nern kann, die aus dem Koma erwa­chen, wis­sen wir nichts davon. Der Alte hat natür­lich nichts gesagt und mei­ne Mut­ter bloß wie eine Außer­ir­di­sche ange­starrt.” (Zitat S.49) Irgend­wann endet dann auch die­ser Tage­buch­stil, näm­lich dann, wenn Sophie und Paul ihre ers­te rich­ti­ge Begeg­nung haben, wobei dies erst im hin­te­ren Teil des Buches statt­fin­det. Das, was zu Beginn des Romans pas­siert, der gro­ße (ober­fläch­li­che) Zicken­krieg der bes­ten Freun­din, das liest sich noch eher mäßig inter­es­sant, doch dann — obwohl sich so viel gar nicht ereig­net - wird das Buch wirk­lich unter­halt­sam. Andre­as Jung­wirth hat einen sehr flüs­si­gen Erzähl­stil, auch wenn er in das Buch kei­nen rie­sen­gro­ßen Kon­flikt ein­ge­baut hat, kei­nen wirk­li­chen roten Faden, an dem alles hängt — schafft er es zu unter­hal­ten und ein Mäd­chen zwi­schen zwei Jungs und beim Erwach­sen­wer­den zu zei­gen, das nicht immer ein­fach ist und bei dem man­che Din­ge auch ein­fach mal “in der Schwe­be” sein kön­nen… 

Fazit: Eine leich­te, locke­re Geschich­te übers Erwach­sen­wer­den.

Wenn dir “Schwe­be­zu­stand” gefal­len hat, kannst du noch das ers­te Buch von Andre­as Jung­wirth lesen“Kein ein­zi­ges Wort”, ein Roman über Zivil­cou­ra­ge, sehr packend erzählt. Bücher übers ErwacLesealternativenhsen­wer­den gibt es wie Sand am Meer. Ein paar schö­ne, her­aus­ge­grif­fe­ne sind zum Bei­spiel “Fun­ken­som­mer” von Mar­ti­na Hol­zin­ger (schon etwas älter, aber sprach­lich sehr schön erzählt), “Ich will end­lich flie­gen, so ein­fach ist das” von Kata­ri­na von Bre­dow (sen­si­bel und mit­rei­ßend), “Papier­flie­ger­wor­te” von Dawn O’Porter (auch über schwie­ri­ge Fami­li­en­ver­hält­nis­se, Freund­schaft) und “Das ist der Som­mer im Para­dies, wie er eben aus­sieht, wenn man die Son­nen­bril­le absetzt” von Hil­de Kval­va­ag (sehr authen­tisch). Ein Roman, in dem eben­falls Jun­ge und Mäd­chen abwech­selnd zu Wort kom­men und mit den Schwie­rig­kei­ten des Erwach­sen­wer­dens zurecht­kom­men müs­sen, ist “Stern­schnup­pen­so­m­mer” von Julie Leu­ze. Eine sehr gute Alter­na­ti­ve ist auch “Char­lot­tes Traum” von Gabi Kres­leh­ner. Ein Mäd­chen zwi­schen zwei Jungs und Eltern, die sich tren­nen, sind hier die Haupt­the­ma­ti­ken.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: cbt
ISBN: 978-3-570-31081-6
Erscheinungsdatum: 11.September 2017
Einbandart: Taschenbuch
Preis: 9,99€ 
Seitenzahl: 320 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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