Alina Bronsky — Und du kommst auch drin vor

Alina Bronsky - Und du kommst auch drin vor10.September 2017

Und du kommst auch drin vor” ist der neu­es­te Roman der rus­sisch-deut­schen Auto­rin Ali­na Bron­sky und erzählt die Geschich­te eines Mäd­chen, das sich auf einer Auto­ren­le­sung in einem Buch wie­der­erkennt. Ein Buch über Schick­sal, Freund­schaft und die Suche nach der eige­nen Iden­ti­tät. Tur­bu­lent, unter­halt­sam und locker erzählt. Für Jugend­li­che ab 11 Jah­ren und Wenig-Leser bes­tens geeignet.

Ber­lin. Kim und Petrow­na sind bei­de 14 Jah­re alt. Und schon seit der Grund­schu­le bes­te Freun­din­nen. “Wir sit­zen seit dem ers­ten Schul­tag neben­ein­an­der. In der aller­ers­ten Pau­se unse­res Lebens haben wir uns geprü­gelt. […] Mei­ne Mut­ter rief sofort die Klas­sen­leh­re­rin, die Schul­lei­te­rin und die Schul­psy­cho­lo­gin an und pro­phe­zei­te, dass Kin­der wie Petrow­na mit drei­zehn auf dem Stra­ßen­strich lan­den. Am drit­ten Schul­tag haben wir auf­ge­hört, uns zu prü­geln, und sind seit­dem unzer­trenn­lich.” (Zitat S.6) Nur nach Hau­se darf Kim ihre bes­te Freun­din nicht ein­la­den. Petrow­na, die eigent­lich Erna heißt — so aber nicht genannt wer­den will und lie­ber ihren Zweit­na­men ver­wen­det — stammt aus ärm­li­chen Ver­hält­nis­sen und einer scheinbar
kri­mi­nel­len Fami­lie, ist aber Alina Bronsky - Und du kommst auch drin vorhoch­in­tel­li­gent und schreibt die bes­ten Noten. Kim, die eher etwas unschein­ba­rer ist, ori­en­tiert sich da oft an den Auf­schrie­ben ihrer Freun­din. In Kims Leben ist es auch gera­de nicht ganz so rosig. Ihre Mut­ter ist auf dem Diät-Trip, der Vater ist aus­ge­zo­gen und hat eine neue Freun­din, die zudem auch noch schwan­ger ist. Dar­um staunt das Mäd­chen nicht schlecht, als sie auf einer Auto­ren­le­sung, die sie mit ihrer Schul­klas­se besu­chen, plötz­lich ihre eige­ne Geschich­te hört: ”…ich konn­te es nicht fas­sen. Was die­se Leah Eriks­son da nuschel­te, han­del­te von mir. Von mei­ner Fami­lie. Von mei­nem Leben. Von mei­nen Gedan­ken. Es kamen ande­re Namen drin vor und ein paar unwich­ti­ge Details stimm­ten nicht. Aber der Rest war ich.” (Zitat S.8) Wie kann das sein? Woher kennt die Auto­rin die­se Details aus ihrem Leben? Kim, die es mit dem Lesen eigent­lich nicht so hat, beschließt sich das Buch zu kau­fen und wei­ter­zu­le­sen: “Das Buch erzähl­te, wie es in mei­nem Leben wei­ter­ge­hen wür­de. Ich woll­te das nicht wis­sen. Es gab noch einen Fun­ken Hoff­nung, dass die­se Leah sich irr­te. Aber mit so vie­len Sachen hat­te sie recht. Sie beschrieb mich, dar­in gab es gar kei­nen Zwei­fel. Und wie war mir vor­aus. Ich kämpf­te gegen den Wunsch, das Buch hin­ten auf­zu­schla­gen und das Ende zu lesen.” (Zitat S.24) Denn am Ende wird es einen Toten geben. Und das muss Kim unbe­dingt verhindert…

Alina Bronsky - Und du kommst auch drin vorUnd du kommst auch drin vor” ist eine Geschich­te, die in einem sehr locke­ren, leich­ten Erzähl­ton geschrie­ben ist, fast schon ein biss­chen lako­nisch. Die Spra­che ist ein­fach und schlicht, aber der Text ist sehr flüs­sig zu lesen. Ein Buch, das man gut mal so run­ter­le­sen kann. Die Grund­idee ist gelun­gen, die zum Teil lapi­da­re Ber­li­ner-Teen­ager-Art der Prot­ago­nis­tin­nen gut getrof­fen, auch die humor­vol­len Unter­tö­ne kom­men auf die genau rich­ti­ge Art zum Vor­schein. Jedoch muss ich geste­hen — auch wenn der Roman unter­halt­sam war — so wahn­sin­nig umge­hau­en oder gepackt hat mich die Geschich­te nicht. Sie blieb zu sehr an der Ober­flä­che und das Ende wirk­te zu unaus­ge­reift. Auch mit der Alters­an­ga­be der Prot­ago­nis­tin­nen schien sich der Ver­lag nicht ganz so einig gewe­sen zu sein, auf dem Klap­pen­text taucht das Alter 15 auf, im Buch selbst ist von 14 Jah­ren die Rede. Auch auf ein­schlä­gi­gen Inter­net­sei­ten, die mit Inhalts­an­ga­ben wer­ben, taucht mal das eine, mal das ande­re Alter auf. Das Cover wirkt auf­fäl­lig und pas­send für die Zielgruppe.

Fazit: Net­te Unter­hal­tung für Zwischendurch.

Eine gute inhalt­li­che Alter­na­ti­ven zu “Und du kommst auch drin vor” ist “Wir bei­de, irgend­wann” von Jay Asher & Car­lyn Mack­ler, wel­che zwei Jugend­li­che in den Vor­deLesealternativenrgrund stel­len, die im Jah­re 1996 eine Web­site namens “Face­book” ent­de­cken und dar­in ihre Zukunft abge­bil­det sehen, die sie unbe­dingt beein­flus­sen wol­len. In einem Art Par­al­lel­uni­ver­sum gelan­det, in dem ihr Leben auf ein­mal ein ganz ande­res ist, die­se Erfah­rung muss die Haupt­fi­gur in “Mein schö­nes fal­sches Leben” von Hil­ary Free­man machen, das sehr unter­halt­sam geschrie­ben ist. Ein Buch, in dem die Zukunft des eige­nes Lebens bereits abge­bil­det ist, das fin­dest du auch in “Ich schreib dir mor­gen wie­der” von Best­sel­ler­au­to­rin Ceci­la Ahern. Oder lies noch ande­re Bücher von Ali­na Bron­sky“Scher­ben­park” (2009; ihr ers­tes und bekann­tes­tes Buch, ab 16 Jah­ren), Die schärfs­ten Gerich­te der tata­ri­schen Küche” (2010; für Erwach­se­ne), “Nenn mich ein­fach Super­held” (2013; für Erwach­se­ne) und Baba Dun­jas letz­te Lie­be” (2015; für Erwach­se­ne). Spe­zi­ell für Jugend­li­che hat sie noch eine dys­to­pi­sche Rei­he geschrie­ben: “Spie­gel­kind” und “Spie­gel­riss”.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: dtv
ISBN: 978-3-423-76181-9
Erscheinungsdatum: 8.September 2017
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,95€ 
Seitenzahl: 192 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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(3,5 von 5 mög­li­chen Punkten)

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