Alice Gabathuler — Hundert Lügen

Alice Gabathuler - Hundert Lügen21.September 2017

Die Schwei­zer Auto­rin Ali­ce Gaba­thuler hat einen neu­en Thril­ler her­aus­ge­bracht: “Hun­dert Lügen”. Die Geschich­te eines Geschwis­ter­paa­res, das Schlim­mes erlebt hat und auf der Flucht vor der Ver­gan­gen­heit vor eben jener ein­ge­holt wird. Ein Buch über die Geheim­nis­se einer Fami­lie, Trau­ma­ta, Lügen und der Wahr­heit, die sich gna­den­los ans Licht drängt. Inten­siv, bewe­gend und vol­ler Dra­ma­tik erzählt. Für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwachsene.

Zürich. Nach zehn Jah­ren tref­fen sie wie­der auf­ein­an­der. Die Geschwis­ter Manon und Kris. Ein dra­ma­ti­sches Ereig­nis in ihrer Kind­heit hat sie aus­ein­an­der­ge­ris­sen. Hat ihre gesam­te Fami­lie zer­stört und ihre Mut­ter das Wei­te suchen las­sen. Seit­dem waren Manon und Kris in Inter­na­ten unter­ge­bracht, ent­fernt auch vom Vater, einem rei­chen, erfolg­rei­chen Geschäfts­mann, der sich auf das Sanie­ren von maro­den Fir­men spe­zia­li­siert hat. Die­ser hat bereits eine neue Fami­lie gegrün­det. Hat eine neue Frau und zwei klei­ne Kin­der. Doch jetzt sind Dro­hun­gen gegen die Fami­lie auf­ge­taucht und Manon und Kris wer­denAlice Gabathuler - Hundert Lügenzu ihrer eig­nen Sicher­heit in das Anwe­sen ihres Vaters bestellt. Dort tref­fen die bei­den zusam­men und müs­sen sich den Schat­ten ihrer Ver­gan­gen­heit stel­len. Denn die schreck­li­che Wahr­heit von damals ken­nen sie bei­de nur bruchstückhaft…

Wenn Ali­ce Gaba­thuler eines kann, dann sehr atmo­sphä­risch zu schrei­ben. Sie packt ihre Leser förm­lich im Nacken und zieht sie ganz tief hin­ein in den Sog der Geschich­te. “In mei­nem Inne­ren dreh­te sich eine Rasier­klin­ge. Sie drang in mei­ne Erin­ne­run­gen und zer­fetz­te sie. Bil­der, Wör­ter und Gedan­ken wir­bel­ten durch­ein­an­der. Kris brach­te das Cha­os mit einem ein­zi­gen Satz zum Still­stand. (Zitat S.99) Der Anfang wirkt mit­un­ter noch etwas befremd­lich, die Anspie­lun­gen auf Dra­chen und Prin­zes­sin­nen etwas zu über­bor­dend. Aber wenn man nach und nach die Zusam­men­hän­ge ein­ord­nen kann und immer mehr Geheim­nis­se gelüf­tet wer­den, kommt man nicht umhin den Schre­cken jener Ver­gan­gen­heit dadurch bes­ser zu ver­ste­hen. Am Anfang hoff­te ich, Mama wür­de zurück­kom­men, wenn ich ein bra­ves Mäd­chen war. Doch Mama kam nicht zurück. […] Ein bra­ves Mäd­chen zu sein half nicht. Ich hör­te auf, mir Mühe zu geben. Ich hör­te auf, brav zu sein. Mei­ne Noten saus­ten nach unten. Mei­ne Leh­rer waren rat­los. Stig auch. Er schick­te mich in The­ra­pie. Ich wei­ger­te mich über den Som­mer zu spre­chen, der alles ver­än­dert hat­te.” (Zitat S.29ff) Der Span­nungs­ro­man wird in sich abwech­seln­den Kapi­tel jeweils von Kris und Manon in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt. Es ist erschre­ckend zu lesen, wel­che Schuld die bei­den unab­hän­gig Alice Gabathuler - Hundert Lügenvon­ein­an­der emp­fin­den und wie sehr die­ses Ereig­nis ihrer Kind­heit, um das lan­ge Zeit ein Geheim­nis gemacht wird, sie zer­stört hat. Kris — ein Meis­ter im Weg­ren­nen und Manon, die bereits einen Sui­zid­ver­such hin­ter sich hat. Selbst die­se Tat im Alter von 13 Jah­ren hat es nicht geschafft, sie zusam­men­zu­füh­ren. Kris hat sie kein ein­zi­ges Mal im Kran­ken­haus besucht. Sich der Ver­gan­gen­heit zu stel­len, das ver­sucht er erst jetzt: “Ich kon­zen­trier­te mich aufs Atmen, auf den Rhyth­mus mei­ner Schrit­te. Mei­ne Gedan­ken und Gefüh­le wur­den kla­rer. Ich rann­te nicht weg. Ich rann­te auf die Wand zu, die mich von Mano trenn­te. Wenn ich sie nie­der­riss, weck­te ich die Geis­ter der Ver­gan­gen­heit. Auch den Dra­chen. Davor hat­te ich einen Hei­den­schiss.” (Zitat S.55) Ab der Mit­te des Buches wird es zuneh­mend tur­bu­len­ter und ner­ven­auf­rei­ben­der und man möch­te das Buch bald gar nicht mehr aus den Hän­den legen!

Fazit: Die Geschich­te einer Fami­li­en­tra­gö­die in einen fes­seln­den Thril­ler ein­ge­baut.

Wenn die Schat­ten der Kind­heit dich ein­ho­len und längst ver­ges­se­ne Ereig­nis­se an die Ober­flä­che kom­men, dann kann es auch sein, dass du zu einem von die­sen Büchern gegrif­fen hast: “Die ein­zi­ge Zeu­gin von Anne CassLesealternativenidy (schon etwas älter), “Die längs­te Nacht” von Isa­bel Abe­di (toll!), “Zer­trenn­lich” von Sas­kia Sarg­in­son (eine fas­zi­nie­ren­de Spu­ren­su­che, wie ein Puz­zle, das sich lang­sam zusam­men­setzt) oder “Schat­ten­grund” von Eli­sa­beth Herr­mann (von einer Meis­te­rin der fal­schen Fähr­ten). Oder lies noch ande­re Jugend­bü­cher von Ali­ce Gaba­thulerhier chro­no­lo­gisch nach Erschei­nungs­da­tum: “Black­out” (2007), Das Pro­jekt” und Schlech­te Kar­ten” (bei­de 2008), “Mords­angst”, “50 Rie­sen” und “Stark­strom” (alle 2009), “Freerun­ning” (2010), “dead.end.com” (2011), “Match­box Boy” (2012, mega­k­las­se!!), “no_way_out” (2013), “Lost Souls Ltd.”-Rei­he (2014−2015): “Blue blue eye” (Band 1), “Black rain” (Band 2), “White Sky” (Band 3), “Red Rage” (Band 4). Eine gute Lese­al­ter­na­ti­ve zu Ali­ce Gaba­thuler ist auch die öster­rei­chi­sche Best­sel­ler­au­to­rin Ursu­la Pozn­an­ski.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Thienemann
ISBN: 978-3-522-20231-2
Erscheinungsdatum: 20.Juli 2017
Einbandart: Broschur
Preis: 12,99€ 
Seitenzahl: 304 
Übersetzer: -
Originaltitel: - 
Originalverlag: -
Originalcover: -

Kasimiras Bewertung:

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