Alexia Casale — Die Nacht gehört dem Drachen

Alexia Casale Die Nacht gehört dem Drachen27. Novem­ber 2013

Die bri­tisch-ame­ri­ka­ni­sche Auto­rin Ale­xia Casa­le hat mit “Die Nacht gehört dem Dra­chen” einen viel­schich­ti­gen und recht phi­lo­so­phi­schen Roman geschrie­ben, der sich mit den The­men Miss­brauch und Ver­trau­en aus­ein­an­der­setzt. Gäbe es eine Kate­go­rie “Das beson­de­re Buch” wür­de ich die­sen Roman dort defi­ni­tiv ein­ord­nen. Er besticht vor allem durch sei­ne sen­si­ble und teil­wei­se sehr poe­ti­sche Erzähl­wei­se. 2014 wur­de er für den Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis nomi­niert, in der Kate­go­rie “Preis der Jugend­ju­ry”. Für Jugend­li­che ab 13 Jah­ren und auf jeden Fall auch für Erwach­se­ne!

Evie lebt nun seit eini­gen Jah­ren in einer Pfle­ge­fa­mi­lie. Trotz­dem hat sie es erst jetzt gewagt ihren lie­be­vol­len, neu­en Eltern von ihren stän­di­gen Schmer­zen in der Brust zu erzäh­len. Nach einer Ope­ra­ti­on erhält sie das Stück Kno­chen, das sie seit lan­ger Zeit behin­dert hat. Ihr Onkel Ben schnitzt mit ihrer Hil­fe dar­aus einen Dra­chen, den Evie oft bei sich hat. Nichts sehn­li­cher wünscht sie sich, dass er leben­dig wür­de und ihr die Kraft gibt, die sie drin­gend braucht. Doch eines Nachts spricht der Dra­che tat­säch­lich mit ihr und nimmt sie Alexia Casale Die Nacht gehört dem Drachenbald dar­auf auf nächt­li­che Aus­flü­ge mit nach drau­ßen. Das ver­än­dert alles. Denn Evie ist zuvor miss­braucht wor­den…

Das Cover ist toll und sehr zutref­fend, aber lei­der auch zunächst sehr ver­wir­rend: nein, es ist kein Fan­ta­sy­ro­man. Defi­ni­tiv nicht. Das Motiv des Dra­chens ist hier eher meta­pho­risch zu ver­ste­hen. Es durch­zieht den Roman auf genia­le Wei­se und ver­deut­licht Evies beson­de­re Art ihr Leid zu bewäl­ti­gen. Das Beson­de­re dar­an: der Miss­brauch wird nie expli­zit erwähnt. Sehr weni­ge Andeu­tun­gen las­sen Raum für eige­ne Über­le­gun­gen. Auch das Ende macht nach­denk­lich und über­rascht vor allem.

Fazit: Ein in sich gelun­ge­ner Titel, den man so schnell nicht ver­ges­sen wird.

Bücher, die sprach­lich teil­weisLesealternativene eben­falls sehr poe­tisch erzählt sind, sind zum Bei­spiel Lie­der eines Som­mers” von Cath Crow­ley, Nichts als Lie­be” und Mein Ein und Alles” von Beth Kephart oder sämt­li­che Titel von Anto­nia Michae­lis, die über eine sehr aus­druck­star­ke, bild­rei­che Spra­che ver­fügt. Roma­ne über das The­ma Miss­brauch gibt es vie­le. Eines, das zwar sehr sehr hef­tig zu lesen ist (erst ab 16 Jah­ren emp­foh­len), aber in dem der Miss­brauch auch kaum geschil­dert wird, ist Die unter­ir­di­sche Son­ne” von Fried­rich Ani. Ein her­aus­ra­gen­des Buch ist auch “Rot­käpp­chen muss wei­nen” von Bea­te Tere­sa Hani­ka, in dem Miss­brauch sehr sehr sen­si­bel beschrie­ben und auch nur ange­deu­tet wird.

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-52061-6
Erscheinungsdatum: 25.Oktober 2013
Einbandart: Hardcover
Preis: 14,90€
Seitenzahl: 320
Übersetzer: Henning Ahrens
Originaltitel: "The bone dragon"
Originalverlag: Faber & Faber

Britisches Originalcover:
Alexia Casale - Die Nacht gehört dem Drachen












Die Autorin erzählt von ihrem Buch: (auf Englisch)
 

Kasimiras Bewertung:

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(5 von 5 mög­li­chen Punk­ten)

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Britisches Cover: Homepage von Faber & Faber

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