Abby Cooper — Wunderworte

Abby Cooper Wunderworte17.Mai 2017

Wun­der­wor­te” von der ame­ri­ka­ni­schen Auto­rin Abby Cooper ist ein Roman über ein Mäd­chen mit einer außer­ge­wöhn­li­chen Krank­heit. Wor­te, die man über sie sagt, erschei­nen auf ihren Armen und Bei­nen. Eine berüh­ren­de Geschich­te über das Erwach­sen­wer­den, über Freund­schaft, Mut und Selbst­ver­trau­en. Ein Buch, das buch­stäb­lich unter die Haut geht! Bezau­bernd und sehr ange­nehm erzählt. Für Kin­der ab 10 bis 12 Jah­ren und inter­es­sier­te Erwach­se­ne.

Die 12-jäh­ri­ge Ely­se ist ein ganz beson­de­res Mäd­chen. Schon kurz nach ihrer Geburt, als der Arzt sie als “wun­der­schön” bezeich­ne­te, wur­de dies offen­sicht­lich, als genau jenes Wort plötz­lich auf ihrer Haut erschien. Dies geschah mit allen Wör­tern, mit denen sie jemand beschrieb. Sie tauch­ten auf ihren Armen oder Bei­nen auf. Eine sehr sel­te­ne Krank­heit, wie ein Fach­arzt bald dar­auf fest­stell­te, die den Namen CAV trägt, was die Abkür­zung für Cogna­dij­vi­si­bi­li­tis ist. CAV bedeu­te­te jucken­de schlim­me Wor­te und beru­hi­gen­de gute Wor­te. Es bedeu­te­te, dass ich auf­pas­sen muss­te, mit wem ich mei­ne Zeit ver­brach­te, damit ich mehr Gutes als Schlech­tes zu hören bekam. Es bedeu­te­te, immer dar­auf zu ach­ten, wie ande­re über mich spra­chen.” (Zitat S.26) Denn all die nega­ti­ven Din­ge, die jemandAbby Cooper Wunderworte zu Ely­se sagt, blei­ben zwei bis vier Wochen auf ihrer Haut und jucken unauf­hör­lich, bis sie schließ­lich wie­der ver­schwin­den. Des­halb wur­den alle ande­ren Kin­der im Kin­der­gar­ten und auch in der Grund­schu­le von Dr. Patel — Ely­ses behan­deln­dem Arzt — zuvor auch dar­über aus­führ­lich infor­miert. Die Kin­der auf mei­ner Schu­le wuss­ten, das sie kei­ne schlim­men Sachen zu mir sagen durf­ten, aber die aus ande­ren Schu­len kann­ten mich ja nicht. Immer, wenn ich auf frem­de Leu­te traf […], war jemand bei mir. Eine Freun­din, Mom, Dad. Irgend­wer. Und die schau­ten dann die Frem­den ganz böse an, und wenn es aus­sah, als wür­de jemand gleich was Böses sagen, hiel­ten sie mir schnell die Ohren zu.” (Zitat S.37) Doch jetzt kommt Ely­se auf die Midd­le School und eigent­lich möch­te sie nicht, dass Dr. Patel schon wie­der ihre Krank­heits­ge­schich­te erzählt. Sie hat ja auch Jeg, ihre bes­te Freun­din, die schon seit dem Kin­der­gar­ten wie ein Body­guard auf sie acht­gibt. Aber selt­sa­mer­wei­se scheint die auf ein­mal sehr viel Zeit mit Läs­ter-Ami zu ver­brin­gen, der Ober­zi­cke der Klas­se. Sie schminkt sich seit Neu­es­tem auch und hat sogar auf Anra­ten der neu­en Freun­din ihre Fri­surAbby Cooper Wunderworte ver­än­dert. Und Läs­ter-Ami kann Ely­se schein­bar gar nicht aus­ste­hen… Doch zum Glück gibt es da noch den mys­te­riö­sen Brie­fe­schrei­ber, der Ely­se seit eini­ger Zeit blaue, klein zusam­men­ge­fal­te­te Brie­fe zukom­men lässt und ihr sei­ne anony­me Hil­fe anbie­tet. Der ihr Tipps gibt, um mutig zu sein und aus sich her­aus­zu­kom­men. Wer ist der Unbe­kann­te? Ely­se will das auf jeden Fall her­aus­fin­den…

Abby Cooper hat mit Ely­ses mys­te­riö­sen Krank­heit eine wirk­lich schö­ne Grund­idee für einen Roman ent­wi­ckelt. Denn sie macht auf geschick­te Art und Wei­se deut­lich, welch gro­ße Macht Wor­te haben kön­nen. Dies hat auch Ely­se schnell erkannt: “Man­che Leu­te glau­ben, ein ein­zel­nes Wort kön­ne nicht viel bewir­ken. Da lie­gen sie falsch.” (Zitat S.7) Vor allem ver­let­zen­de Wor­te schmer­zen sie nicht nur inner­lich, son­dern auch erkenn­bar auf ihrem Kör­per, und sie jucken ganz furcht­bar. Die Auto­rin macht somit auf ein wich­ti­ges The­ma auf sen­si­ble Wei­se auf­merk­sam: Wie ver­hal­te ich mich mei­nen Mit­men­schen gegen­über? Wäh­le ich man­che leicht gesag­ten Wor­te über anAbby Cooper Wunderwortedere viel­leicht in Zukunft mit mehr Bedacht? Aber auch: was den­ke ich über mich selbst? Denn — jetzt wo Ely­se älter gewor­den ist und sich selbst­re­flek­tie­ren­der ver­hält — tau­chen auf ein­mal nicht nur die Wor­te, die ande­re über sie den­ken, auf ihren Armen und Bei­nen auf, son­dern auch jene, die sie über sich selbst denkt. Der Roman, der durch­ge­hend aus ihrer Sicht in der Ich-Per­spek­ti­ve erzählt wird und sämt­li­che Wör­ter, die auf ihrer Haut erschei­nen in einem grö­ße­ren Schrift­bild abge­druckt zeigt, besticht durch eine sehr ange­neh­me und flüs­si­ge Erzähl­wei­se. Eine Geschich­te, die Spaß macht zu lesen und jede Men­ge klu­ge, unauf­dring­li­che Weis­hei­ten bereit­hält: Du bist okay, so wie du bist. Auch wenn ande­re von dir manch­mal etwas Schlech­tes den­ken, darfst du dich trotz­dem in Ord­nung füh­len. Und du musst auch nicht auf jede Mei­nung hören. Tol­le Bot­schaf­ten, eine sym­pa­thi­sche Prot­ago­nis­tin, ein schö­nes Hap­py­end — was will man mehr?;-)

Fazit: Äußerst lesens­wert!

Eine sehr gute Alter­na­ti­ve zu “Wun­der­wortLesealternativene” ist “Wun­der” von Raquel J. Pala­cio. Ein Mäd­chen, das gehei­me Nach­rich­ten eines Unbe­kann­ten erhält, der es gut mit ihr meint, fin­dest du in “Absen­der: Glück” von Julie Bux­baum. Eine schö­ne Freund­schafts­ge­schich­te ist auch “Papier­flie­ger­wor­te” von Dawn O’Porter. Oder lies das Gute-Lau­ne-Buch “Das Blub­bern von Glück” von Bar­ry Jons­berg. Sehr gelun­gen fand ich eben­so “Wohin mei­ne Flos­sen mich tra­gen” von Kate Gor­don (Mut zu haben auch mal gegen den Strom zu schwim­men) und “Mut ist der Anfang vom Glück” von Hei­ke Karen Gürt­ler (Mut zu haben zu sich selbst zu ste­hen).

Bibliografische Angaben:
Schilder was wo wer wannVerlag: Dressler 
ISBN: 978-3-7915-0039-3
Erscheinungsdatum: 20.März 2017
Einbandart: Hardcover
Preis: 16,99€ 
Seitenzahl: 304 
Übersetzer: André Mumot
Originaltitel: "Sticks & Stones" 
Originalverlag: Square Fish Books

Amerikanisches Originalcover:
Abby Cooper Wunderworte

Kasimiras Bewertung:

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Amerikanisches Cover: Homepage von Abby Cooper
Abbildungen: Abfotografiert von Cover

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